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Die Geschichte des Gothic

Wie man keine zwei Goths finden wird, die eine gemeinsame Meinung über die Gothic-Szene haben, gibt es auch keine zwei, die sich über die Entstehungsgeschichte einig sind, z.B. was wichtig oder weniger wichtig war. Möglicherweise liegt es daran, daß die Personen, die die Anfänge miterlebt haben, zu differenzierte Vorstellungen hatten. Schließlich sammelten sich unter der Gothic-Fahne sehr unterschiedliche Menschen. Vielleicht rührt es aber auch daher daß man heute andere Dinge mit Gothic verbindet als damals und so Verwirrungen auftreten. So sagen die einen, die Wurzeln des Gothic liegen ausschließlich im Punk, andere behaupten, sie lägen im Punk und Wave, wieder andere meinen, New Romantic gehöre dazu (z.B. [4]) und die ersten widersprechenn dem vehement (z.B. [3]). Daß die Wurzeln im Punk und in England respektive London liegen, wird nicht bestritten. Viele Bands fingen mit Punk-lastiger Musik an um sich dann anders zu orientieren, wie z.B. Siouxsie and the Banshees oder The Cure. Aber schon die Frage, welche Bands anfangs die Hauptrolle spielten, ist ebenfalls umstritten, ist auch nicht konkret festzustellen, was sicherlich auch nicht sinnvoll wäre. Meines Erachtens läuft die Entwicklung schubweise bzw. mehrgleisig: Ende der 70er enstehen in der Post-Punk-ära z.B. Christian Death, Joy Division. Auch Siouxsie and the Banshees, Bauhaus u.v.a. formieren sich zu dieser Zeit. Mitte der 80er Jahre gibt es eine Art zweite Welle, inzwischen stehen Bands wie Bauhaus, Sisters of Mercy, Siouxsie and the Banshees, Alien Sex Fiend, The Mission, Fileds of the Nephilim oder The Cure im Vordergrund. Anfang der 90er Jahre entsteht eine neue Musik, die gerne scherzhaft unter der Bezeichnung Neue Deutsche Todeskünstler zusammengefaßt wird (oft auch beschimpft als pseudopathetisches Geschmalze [9]), repräsentiert durch Gruppen, wie Goethes Erben, Das Ich, Lacrimosa u.a. Ab Mitte der 90er nehmen Electro- und Metal-Elemente immer größeren Einfluß auf das Musikgeschehen. Man kann diese Bereiche bzw. Zeitabschnitte allerdings nicht derart voneinander trennen. Sie überschneiden sich, beeinflussen sich gegenseitig, leben weiter etc. Anfangs wurde Musik, aber noch keine Jugendbewegung als Gothic bezeichnet. In den Anfangsjahren spielte sich alles um Live Bands ab. Erst später kristalisierite sich eine zugehörige Mode heraus, beeinflußt durch die äußere Erscheinung von z.B. Bauhaus oder Siouxsie. Als 1982 in London der Batcave Club eröffnet wurde, entstand auch eine Clubszene, fand die Szene den Weg in die Öffentlichkeit, wurde außerhalb wahrgenommen. Zwar war er nicht als Gothic Club konzipiert, sondern eher am Glam orientiert, dennoch fanden sich dort viele dieser Personen der später mehr ausgeprägten Gothic-Szene, da sie ebenfalls einen Faible für den Glam von David Bowie und anderen Bands teilten. Im Batcave traten immer häufiger düstere Bands auf wie zum Beispiel Alien Sex Fiend und Specimen, woraufhin die Musik dieser Bands später als Batcave-Musik tituliert wurde. Durch die Bands, die immer düsterer werdende Musik vom Plattenteller und natürlich durch das entsprechende Publikum wurde der Batcave Club immer mehr zum Inbegriff der Gothic Szene [3]. Mit der Zeit verbreitete sich der Einflußbereich des Gothic, fand den Weg auch u.a. nach Deutschland. Es gab immer mehr Clubs, in denen diese Musik gespielt wurde. Die Szene verstand sich als Underground, wollte sich von Pop, Chart-Musik und von Kommerzialisierung distanzieren und degradierte die Normalos als intolerant. Innerhalb der Gruppe entstanden jedoch ebenfalls gewisse Verhaltensregeln und Dresscodes, an die man sich zu halten hatte, um dazuzugehören. Einige erzählen, daß es Mitte bis Ende der 80er Jahre Rangordnungen nach Anzahl der Schnallen an den Schuhen gegeben haben soll. Zu dieser Zeit haben sich einzelne Subkulturen herausgebildet, die sich sehr stark voneinander differenziert und kaum miteinander kommuniziert haben. Teilweise haben sie sich sogar bekriegt, wie ein Zeitzeuge in [7] berichtet:"Ein Vorteil, zu keiner dieser Gruppen zu gehören, war zweifellos, daß es niemanden gab, der einem unbedingt aufs Maul hauen wollte." Somit kann man auch hier eine gewisse Intoleranz erkennen. Ab Anfang der 90er Jahre kann man eine deutliche Tendenz zur Öffnung der Szene feststellen. Das Publikum hat sich merklich vergrößert, ist aber auch durchmischter geworden. Scheint zu Anfang das Zusammengehörigkeitsgefühl über die Musik noch sehr wichtig gewesen zu sein, findet man heute kaum noch etwas, was die große Masse verbindet außer vielleicht einen undifferenzierten Hang zur Farbe Schwarz. Viele interessieren sich nicht mehr für die Musik, zu der sie in der Disco tanzen, geschweige denn, die Bands live zu sehen. Dieses Phänomen macht sich nicht nur, aber besonders im Electro-Bereich, in dem in den 90erJahren viele Bands entstanden sind, bemerkbar. Auch hat generell die Neugier auf neue Bands nachgelassen. Man verläßt sich auf die bekannten Größen und ist damit zufrieden. Viele DJs beschränken sich in zunehmendem Maße auf Hits innerhalb dieses musikalischen Umfelds, sorgen sich um ihre gefüllte Tanzfläche und haben geradezu Angst davor, unbekanntere Musik zu spielen. Man kann daraus schließen, daß die Szene inzwischen ihrem eigenen Kommerz verfallen ist und keinen wirklichen Gegenpol mehr zu Chart-Szene darstellt, aus der sie anfangs fliehen wollte. Es finden sich heute auf den größeren Parties zunehmend Personen, die den neuen harten Sound sowie die Atmosphäre der Gothic-Szene mögen, ansonsten aber nichts damit zu tun haben und sich auch nicht damit identifizieren. Ein Goth hat mal in einem Gespräch behauptet, die Neuen lebten nur von dieser Athmosphäre ohne etwas eigenes zu geben und sich selbst einzubringen. Das mache die Gothic-Szene kaputt. Aus der heutigen Größe und Vielfältigkeit heraus ist allerdings auch eine Art Zersplitterung entstanden. Man findet kaum noch Parties, auf denen das ganze Spektrum der Musik gespielt wird. Dafür bekommt man Spezialparties mit Spartenmusik geboten, was wiederum ein familiäres Gefühl fördert, wenn die entsprechende Party klein genug ist.

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