Was war also das Leben? Es war Wärme, das Wärmeprodukt formerhaltender Bestandlosigkeit, ein Fieber der Materie, von welchem der Prozeß unaufhörlicher Zersetzung und Wiederherstellung unhaltbar verwickelt, unhaltbar kunstreich aufgebauter Eiweißmolekel begleitet war. Es war das Sein des eigentlich Nicht-sein-Könnenden, des nur in diesem verschränkten und fiebrigen Prozess von Zerfall und Erneuerung mit süß-schmerzlich-genauer Not auf dem Punkte des Seins Balancierenden. Es war nicht materiell und es war nicht Geist. Es war etwas zwischen beidem, ein Phänomen, getragen von Materie, gleich dem Regenbogen auf dem Wasserfall und gleich der Flamme.
(MANN 1924)
Ökologie‚ Politik und Entropie
Ökologie ist eine raumfüllende Größe. Es gibt keinen ökologiefreien Raum. Gäbe es ihn‚ dürfte er in keiner Wechselwirkung zu allen übrigen materiell existierenden und definierten Räumen stehen. Theoretisch könnte man versuchen‚ die Interaktion in eine Ecke eines Gesamtraumes zu drängen‚ damit „falsche“ Interaktionen in einem kleineren Raum zu eliminieren und schließlich so zu komprimieren‚ daß nichts mehr „falsch“ interagieren kann. Dann aber wird man feststellen müssen‚ daß auch keine Freiheitsgrade mehr für eine „gute“ Dynamik verbleiben. Damit wird mit der Verfolgung eines relativ positiven Ziels eben genau diesem Ziel zuwidergehandelt. Vergleichsweise geht die auf die einzelnen Moleküle eines Körpers verteilte Bewegungsenergie stets von einem weniger wahrscheinlichen Verteilungszustand in einen wahrscheinlicheren über‚ nicht aber umgekehrt. Sind z. B. alle Luftmoleküle zu Anfang in einer Ecke eines Zimmers‚ so verteilen sie sich gleichmäßig in diesem Zimmer. Es ist jedoch praktisch ausgeschlossen‚ dass umgekehrt die gleichmäßig verteilten Moleküle sich einmal alle in einer Zimmerecke ansammeln. Fast jeder würde das als unausgewogen‚ wohlmöglich „unökologisch“ ansehen. Was hilft ein Umweltbewußtsein‚ wenn es ein Ziel anstrebte‚ das‚ wenn es erreicht ist‚ zur Erkenntnis führte‚ daß man sch letztendlich einer unerwünschten‚ weil in Undynamik erstarrenden Umwelt‚ bewußt war‚ die schließlich auch die Ausübung des Bewußtseins eliminierte. Zudem böte der Raum dann ein zu füllendes Vakuum für (mangels Abpufferungsvermögens des starren Systems) nicht beherrschbare externe Effekte

Abb.2
Drängte man (fast) alle interaktionsfähigen Elemente eines Systems in eine Ecke

Abb.3
dann bliebe entweder ein toter Raum für Wesen‚ deren Interaktionsfähigkeit und -willigkeit nur mit letaler Folge auszuschalten wäre......
......oder deren Exodus
Wäre Ökologie per se „gut“ (und dto. eine „ökologische Politik“ ebenfalls per se „gut“)‚ wäre die Frage nach der Entropiebilanz und damit nach dem verbleibenden dynamischen Potential eines globalen Ökosystems und mithin humaner Gesellschaften insgesamt zu stellen. Man kann davon ausgehen‚ daß sich die Amplituden einer Wechselwirkung zwischen „gut“ und „schlecht“ bewegen. Sonst wäre es z.B. nicht möglich‚ ein „positives“ Ziel anhand von Verboten des Gegenteils zu erläutern oder durchzusetzen. Auch wäre die Frage geboten‚ wie man denn‚ wenn eine „ökologische Politik“ „gut“ wäre‚ eine Politik nennen sollte (dürfte)‚ die ökologische Mechanismen nutzt‚ um der Gesellschaft oder anderen Ökosystemen zu schaden statt ihnen zu nutzen.
Eliminierte/Definierte man also das Gegenteil des „Guten“ weg‚ wäre ein Ökosystem eines beträchtlichen Teiles seiner Freiheitsgrade beraubt‚ es wäre in eine nur noch mit dem Label‚ aber nicht mehr mit der ökologisch dynamischen Eigenschaft „gut“ versehenen Ecke gedrängt. Dagegen wird sich jeder‚ der über genug Kraft und (hier durchaus wortnah zu sehenden) Selbstentfaltungswillen hat‚ gegen ein solches Drängen zugunsten seiner Freiheit wehren.

Abb.4
„Der allgemeine Lebenskampf der Lebewesen
ist nicht ein Kampf um die Grundstoffe‚
... auch nicht um Energie‚
welche... in jedem Körper reichlich vorhanden ist‚
sondern ein Kampf um die Entropie“
LUDWIG BOLTZMANN (1844-1906)
Effekte
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Ihr seid das Licht der Welt
Es mag die Stadt‚ die auf einem Berge liegt‚ nicht verborgen sein
Luther Bibel |
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umeiV este to fwV tou kosmou
ou dunatai poliV krubhnai epanw orouV keimenh
Urtext |
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vos estis lux mundi
non potest civitas abscondi supra montem posita
Nova Vulgata |
Die Bibel NT
Matth. 514
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Dies führt aber auch unübersehbar dazu‚ daß der Mensch nicht nur das Licht der Welt ist‚ sondern mit jeder „Erleuchtung“ Verantwortung für die Welt trägt‚ z.T. irreversible Effekte ausübt. Dabei kann er sich nicht sicher sein‚ ob dies immer „gut“ ist. Wäre es dies‚ wären Wahlen überflüssig. Denn Wahlen als ein konsensual herbeigeführtes politisches Instrumentarium‚ Freiheitsgrade zu koordinieren‚ zu präferieren oder ihnen die Dynamik zu nehmen‚ dienen nicht zuletzt dazu‚ „schlechte“ politische Handlungen‚ die mithin auch ökologische Mechanismen angewandt haben könnte‚ in den Griff zu bekommen. Das aber eliminiert deren Effekte nicht‚ sondern legt sie z.B. als gesellschaftlichen Negativ-Maßstab fest.
Fazit
Als neuer Maßstab mögen die Eckwerte „ökophob“ und „ökophil“ (Abb.5) gelten‚ quasi als die
„ÖPHILOB-Definition“. Für Politik heißt dies‚ daß als Positivum eine erkennbar ökophile‚ nicht eine ökologische Politik zu verfolgen ist. Ökophile Politik orientiert sich nachvollziehbar an ökophilen Maßstäben und nutzt ökophobe Maßstäbe als Grenzen des Handelns.

Abb.5
Die Trennlinien sind durchlässig‚ für die Durchlässigkeit gilt‚
daß sie auch Feedback-Funktionen über diverse Zeitintervalle unterliegt
Zurück in die Praxis (historisch)
Die Historie liefert eine geeignete Fragestellung schon im 17. Jahrhundert. Bereits 1692 verlangte Ihre Majestät von Schweden (-) in den Herrschaftsbereichen Bremen und Verden Baum-Pflanzungen von frisch zu vermählenden Paaren. Duplizität der Ereignisse: Nachdem die amtlichen Stellen‚ die die Baumpflanz-Regelungen durchzusetzen hatten‚
nicht etwa flächendeckend einheitliche‚ sondern verschieden hohe Gebühren einnahmen‚ mußte schon vor 300 Jahren per Edikt für Ordnung gesorgt werden.
Die Ersatzpflanzungen begründeten sich darin‚ daß der Beginn einer Ehe in der Regel mit der Gründung eines Hausstandes einherging‚ der die Verarbeitung von Holz für das Mobiliar bedingte. Auch Landgraf Carl zu Hessen-Cassel erließ‚ wenn auch später‚ 1724 eine Baumpflanzordnung.
Es wäre bedauerlich‚ müßte man sich nun Gedanken darüber machen‚ ob diese Politik „ökologisch“ oder „un-ökologisch“ bzw. etwa „ökonomisch“ gewesen war oder gewesen sein könnte.
(.....und aktuell)
Gleiches gilt erst recht aktuell für die Einladung zu der Tagung „BILANCI DI GIUSTIZIA - BILANZEN DER GERECHTIGKEIT“ (ASV 2002)‚ in der „ein zukunftsfähiges Lebenspraxismodell für den Alltag in Kirche und Gesellschaft zur Bewältigung der ökologischen Krise und sozialen Ungerechtigkeit“ postuliert wird..........
LITERATUR:
ASV - ARGE Schöpfungsverantwortung; Einl. Tg. BILANCI DI GIUSTIZIA - BILANZEN DER GERECHTIGKEIT S.1; Wien 2002
BUTZKAMM, W.: Geist und Sprache / Mit einer Anmerkung über sprachlichen Sexismus; Zielsprache Deutsch 4, 1986 (S. 4-11)
DöRING, M.: Plan der Sitzung vom 9.11.2000 [Ökolinguistik]; Univ. Hamburg Fb Sprachwissenschaft, Romanistik, WS 2000
FUHRER‚ (RegRätin Zürich): 1.-August-Ansprache 1999 in Höri (CH)
HAECKEL‚ E.: Generelle Morphologie der Organismen; Jena 1866
HAECKEL‚ E.: Die Weltraethsel, mit einem Nachworte: Das Glaubensbekenntnis des Reinen Vernunft; Stuttgart 1899
HESSEN-CASSEL, Landgraf Carl zu: Baumpflanzordnung 1724, in Gäste Journal 14‚ Juni/Juli 1993‚ S. 34; Touristikzentrale Waldeck-Ederbergland e.V.‚
Korbach 1993)
HOEREN‚ J.: Wenn die Begriffe nicht stimmen ...‚Konfuzius und seine Ethik‚ SWR 19.6.2000 21-22 hr
KONFUZIUS (552 - 479 v. Chr.); Analects XII3
LIMINSKI‚ J.: Das Gesagte und das Gemeinte‚ DER FELS - Katholische Monatsschrift 31 2/2000 S.35‚ Kaufering 2000
MANN‚ Th.: Der Zauberberg; Berlin 1924
SCHWEDEN, Maj. zu: cit. Bederkesaer Rundschau 26‚ 12/89‚ Bederkesa 1989; FAZ 33 2.11.1989;
WILHELM‚ R.: Kung Futse‚ Gespräche (Lun Yue)‚ Diederichs-Verl.‚ Jena 1914
Tilman Kluge‚ Gartenstrasse 4A‚ D 65812 Bad Soden

