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ERLÄUTERUNG EINIGER
BEGRIFFE, U.Ä.
Psychische
(seelisch-geistige) Abhängigkeit
Die
Nachsorge- und Rehabilitationsphase
„KONTROLLIERTEN
TRINKEN“ („KT“)
SPD-Bundestagswahlprogramm
1994
Kinder aus
Alkoholikerfamilien
(Aus der
Arbeit des Autors “Gesellschaft-Sucht-Sozialarbeit”)
Der
Begriff ,,Sucht" ist eigentlich nicht mehr ganz korrekt. Die
Weltgesundheitsorganisation (= World Health Organization, WHO) ersetzte ihn
1964 durch den Begriff ,,Drogen-abhängigkeit". Zu diesem Begriff findet
sich folgende Erklärung:
,,Drogenabhängigkeit
wird als übergeordneter Begriff definiert. Er bezeichnet einen Zustand
seelischer oder seelischer und körperlicher Abhängigkeit von einer Substanz mit
psychoaktiver, bzw. zentralnervöser Wirkung, die zeitweise oder fortgesetzt
eingenommen wird." (6)
In Bezug
auf den Teilbegriff ..... -abhängigkeit" findet hier natürlich eine
Erklärung eines Begriffes durch sich selbst statt. Daher bleibt zur näheren
Bestimmung des Begriffs Abhängigkeit" folgendes nachzutragen:
,,Abhängig ist jemand, der einen sog. )Kontrollverlust(
erleidet, D.h. er hat entweder die Kontrolle darüber verloren, wieviel er von
einer bestimmte Substanz zu sich nimmt und/oder er hat keine Kontrolle mehr
darüber, wie oft er wirksame Mengen einer bestimmten Substanz zu sich nimmt.
Weitere Anzeichen sind die Vorläufer oder das Vorhandensein körperlicher,
seelisch -geistiger und sozialer Schäden. Immer haben die Betroffenen
Schwierigkeiten mit dem Aufhören." (7)
Im
Wesentlichen werden heute 7 Typen von Drogen-abhängigkeit unterschieden:
-Halluzinogen-Typ (z.B. Lysergsäurediäthylamid
=LSD, Meskalin, Psilocybin, u.ä.)
-Cannabis-Typ (Tetrahydrocannabinol in
Haschisch und Marihuana)
-Amphetamin-Typ (z.B. Pervitin, AN 1, auch
Appetitzügler wie Eventin)
-Kokain-Typ (Kokain)
-Alkohol
-/Barbiturat-Typ (hierzu auch:
Tranquilizer wie Valium, Librium, usw.)
-Morphin-Typ (z.B. Heroin, Morphium)
-Kath-Typ (,,catha
edulis"=Blätter, gekaut oder als Tee)
Zur dieser
Liste bleibt nachzutragen, daß folgende (echte) Sucht-Typen hier keine Aufnahme
fanden:
a) Schnüffelstoffe, wie Benzin, Lösungsmittel
b) ,,leichtere" Süchte, wie Coffein,
Nikotin
c) Prozeßgebundene Süchte, wie Spielsucht,
Fr-/eßsucht
Eine
andere Möglichkeit ,,Sucht" zu unterteilen, ist die nach dem
Beschaffungsweg des jeweiligen ,,Stoffes", Hier läßt sich einteilen in:
* Legal
beschaffte Drogen
(z.b.
Alkohol im Supermarkt, Fachgeschäft)
* Teils
legal / teils illegal beschaffte Drogen
(Z.B.
Medikamente (aus der Apotheke, auf Rezept, aber auch durch Tausch und Kauf
,,unter Freunden" und auf dem ,,grauen Markt") ebenso durch
Beschaffungskriminalität, z.b. Einbrüche)
* Illegal
beschaffte Drogen
(Z.B.
Heroin -aber auch Haschisch- beim ,,Dealer" -zu deutsch: Händler)
Natürlich
wird bei all diesen (und noch einigen anderen, ) Unterteilungsversuchen nach
typisch ,,westlicher" Art und Weise erst einmal versucht alles ,,hübsch
ordentlich" zu sortieren. Daß dies das Aufspüren gemeinsamer Ursachen
nicht eben erleichtert ist klar. Aber es wäre ja auch ,,noch schöner" wenn
etwa der (gesundheitsbewußte?) Tablettenkonsument oder der (genußfähige?)
Kognaktrinker in einem Atemzuge mit diesen ,ekeligen Drogenfreaks" genannt
würde...
Wie dem
auch sei. Ganz sinnlos sind diese Aufteilungen sicher nicht, Die Einordnung
nach Typen (also KokainTyp) Morphin -Typ) usw.) ist z.B. in Bezug auf die
Entzugserscheinungen wichtig. Diese -und auch die typischen
Vergiftungserscheinungen- sind ziemlich gut bekannt und können somit gezielter
behandelt werden. Die medizinische Sicht ist hier angesprochen. Wichtig:
Innerhalb eines Suchttyps ist der Betroffene automatisch von allen Substanzen
abhängig! Beispiel: Ein Alkoholiker ist auch abhängig von Tranquilizern, oder
wird es zumindest sehr leicht und sehr schnell!
Die
Aufteilung nach dem Beschaffungsweg dagegen kann in therapeutischer Hinsicht
interessant werden. Ob jemand Straftaten begehen mußte und/oder sich hoch
verschulden, um seinen Stoff zu konsumieren, bzw, zu erwerben:
diese
Teilbereiche (von vornherein) mit einzubeziehen kann sicherlich von Vorteil
sein
Verbreitung
(Epidemiologie)
Während
einige Sucht-Typen in Deutschland so gut wie keine Verbreitung haben (z.B.
Khat-Typ)) sind andere als regelrechte ,,Volksseuchen" zu bezeichnen, So
wird die Zahl der behandlungsbedürftigen Alkoholkranken in Deutschland von der
,,Deutschen Haupt -stelle gegen die Suchtgefahren" (DHS), für 1991, auf
2)½) Millionen geschätzt. (9)
Grond
schätzt) für 1990) die Zahl der Medikamentenabhängigen in der BRD auf 400 000':
(10) (Dies eine doch eher niedrige Schätzung.)
Von
illegalen) harten Drogen (wie Heroin) sind hingegen ,,nur" einige
Zehntausend Menschen abhängig.
Bedenkt
man Dunkelziffern und mitbetroffene Angehörige u.ä. so ergibt sich ein
erschreckendes Bild !
Mit ,,Alkohol" ist meist der sog. Ethylalkohol (C2H2OH)
gemeint. Alkohol entsteht durch die Gärung von Zucker und ist ein
Stoffwechselprodukt lebender Mikroorganismen; er kann seit dem 20 Jahrhundert
auch künstlich hergestellt werden. Alkohol ist leichter als Wasser und
verdampft bei ca. 78 Grad Celsius. In reiner Form ist Alkohol eine
wasserlösliche, farblose, brennend schmeckende Flüssigkeit, die mit blauer
Farbe verbrennt und auf der Haut kühlend wirkt. Interessanterweise kommt
Alkohol in der Natur höchstens in einer Konzentration von 14 % vor, bei höherer
Konzentration sterben die Organismen, die Alkohol herstellen nämlich ab. Das
Wort ``Alkohol" stammt aus der arabischen Sprache und bedeutet ,,das
Feinste". Alkohol ist eine Droge und wirkt unmittelbar verändernd auf Funktionen
des Zentralnervensystems. Er erzeugt eine Abhängigkeit vom
Alkohol-/Barbiturattypus. (11)
,,Die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) der UNG hat 1952 bereits definiert:
)Alkoholiker sind exzessive Trinker, deren Abhängigkeit vom Alkohol einen
solchen Grad erreicht hat, daß sie deutlich Störungen und Konflikte in ihrer
körperlichen und geistigen Gesundheit, ihren mitmenschlichen Beziehungen, ihren
sozialen und wirtschaftlichen Funktionen aufweisen; oder sie zeigen Prodrome
(Vorläufer) einer solchen Entwicklung. Daher brauchen sie Behandlung.("
(12)
,,Das
Bundessozialgericht hat in einem Grundsatzurteil vom 18. Juni 1968
festgestellt: Trunksucht ist eine Krankheit im Sinne der
Reichsversicherungsordnung -PVO.(" (12) Und zwar im Sinne des § 182 der
RVO (BSG 28, 114). Nach diesem Urteil ist jede Sucht eine solche Krankheit.
Kennzeichen von Sucht ist hier der ,,Verlust der Selbstkontrolle" und das
,,nicht - mehr - aufhören -können". (14)
Es wird
für die Entwicklung der totalen Abhängigkeit, bzw, Sucht (bei Alkohol) ein
Zeitraum von bis zu 12-15 Jahren angenommen. (Dies heißt also vom ersten
Miß-brauch an gerechnet.)
Allerdings:
Bei Frauen und Jugendlichen ist dieser Zeitraum meist wesentlich kürzer. Auch
heißt dies nicht, daß vorher keine Schädigungen eintreten. Ebenso kann der
Betreffende durchaus schon vorher an den Mißbrauchsfolgen sterben (z.B. durch
Unfälle in berauschtem Zustand, Folgeerkrankungen, oder auch an Suizid oder
(versehentlichen) Überdosierungen.) (15)
Eine
körperliche Abhängigkeit vorn Alkohol äußert sich vor allem in Bezug auf die
Entzugserscheinungen. Hier können sehr schwerwiegende Erscheinungen auftreten,
zum Beispiel Krampfanfälle und ein Delirium tremens.
Diese
äußert sich beispielsweise in Unruhe, Nervosität, Schlafstörungen und Angst bei
Entzug des Alkohols, In der Praxis sind körperliche und seelisch-geistige
Entzugserscheinungen nicht unbedingt leicht auseinanderzuhalten, sie treten natürlich
auch oft gemeinsam auf. Es kann aber durchaus eine der beiden
Erscheinungsformen stark im Vordergrund stehen. D.h. das ,,Fehlen" des
einen oder anderen Entzugsanzeichens bedeutet nicht, daß der Betreffende kein
Alkoholiker ist!
,,Krampfanfälle
leiten relativ häufig (bis zu 40%) ein Delirium tremens ein und treten meist um
den dritten Tag der Entzugsphase auf. Sie sind Ausdruck einer veränderten
elektrischen Erregbarkeit des Gehirns in der Entzugssituation, da Alkohol
ähnlich wie bestimmte Medikamente gegen Epilepsie wirkt, überdauern diese
Krampfanfälle die Entzugsphase, dann spricht man von Alkohol-Epilepsie.
)Delirium
tremens( ist die medizinische Bezeichnung für das nach 3 bis 5 Tagen eventuell
auftretende klinische Vollbild der Alkoholentzugserscheinungen, das sich
typischerweise durch Schlafstörungen, Händezittern, körperlicher Unruhe)
Schweißausbrüche, Angst, optische Sinnestäuschungen (weiße Mäuse) und
lebensbedrohliche Herz-Kreislauf - Komplikationen äußert. Die Behandlung
erfolgt heute unter intensiv -medizinischen Bedingungen,..." (16)
Eine sehr brauchbare
schematisierende (!) Übersicht hierzu
gibt Feuerlein:
A. Prodromal-Phase
1. Alkoholische Palimpseste
(Räusche mit Erinnerungslücken)
2. Heimliches Trinken
(Gelegenheit suchen ein paar Schnäpse ohne Wissen der anderen
zu trinken)
3. Dauerndes Denken an Alkohol
(Sorge ob genügend da ist, vorsorglich ein paar Schnäpse
trinken)
4. Gieriges Trinken der ersten
Gläser
5. Schuldgefühle
6. Vermeiden von Anspielungen auf
Alkohol
7. Häufige Palimpseste
B Kritische Phase
8. Verlust der Kontrolle nach
Beginn des Trinkens
9. Alkoholiker-Alibis (warum er
trinken muß)
l0. Widerstand gegen Vorhaltungen
11. Großspuriges Benehmen
12. Auffallend aggressives
Benehmen
13. Dauernde Zerknirschung
14. Perioden völliger Abstinenz
mit ständigen Niederlagen
15. Änderung des Trinksystems
(nicht vor bestimmten Stunden)
16. Freunde fallenlassen
17. Arbeitsplatz fallenlassen
18. Das Verhalten auf den Alkohol
konzentrieren
19. Verlust an äußeren Interessen
20. Neue Auslegung
zwischenmenschlicher Beziehungen
21. Auffallendes Selbstmitleid
22. Gedankliche oder tatsächliche
Ortsflucht
23. Ungünstige Änderung im
Familienleben
24. Grundloser Unwille
25. Bestreben, seinen Vorrat zu
sichern
26. Vernachlässigung angemessener
Ernährung
27. Erste Krankenhaus-Einweisung
wegen körperlicher Beschwerden
28. Abnahme des sexuellen Triebes
29. Alkoholische Eifersucht
30. Regelmäßiges morgendliches
Trinken
C. Chronische Phase
31. Verlängerte tagelange Räusche
32. Bemerkenswerter ethischer
Abbau
33. Beeinträchtigung des Denkens
34. Passagere alkoholische
Psychosen
35. Trinken mit Personen weit
unter seinem Niveau
36. Zuflucht zu technischen
Produkten (Haarwasser, Rheumamittel, Brennspiritus)
37. Verlust der Alkoholtoleranz
38. Angstzustände
39. Zittern
40. Psychomotorische Hemmung
41. Das Trinken wird wie besessen
42. Das Erklärungssystem versagt.
Er wird leichter der Behandlung zugänglich.”
Quelle: Feuerlein, W.,
Alkoholismus - Mißbrauch und Abhängigkeit, Stuttgart, 1975
Diese geschilderten Phasen treffen im Prinzip auf alle
Alkoholiker zu, ursprünglich und insbesondere aber auf einen bestimmten
Alkoholikertyp, nämlich den sogenannten “Gamma - Typ". Dieser ist im
unserem Kulturkreis tatsächlich auch am weitesten verbreitet.
Auch auf die übrigen Typen ist die Phasenlehre aber
übertragbar, wenn auch gelegentlich mit gewissen Abweichungen. So entfällt
beispielsweise beim ,,Delta - Typ" oft das Merkmal sozialen Drucks,
zumindest zu Beginn seiner Suchtkarriere. Abhängige diesen Typs sind nämlich
meist nicht auffällig betrunken und im Verhalten oft sehr korrekt. Die
verschiedenen Typen sollen nun im Zusammenhang dargestellt werden.
ALKOHOLIKERTYPEN
,,Alpha-Typ: Problem - und
Erleichterungstrinker; kein Kontrollverlust; seelische Abhängigkeit, da diese
Angstabwehr die Probleme vergrößert.
Beta-Typ:
Anpassungs - und Gewohnheitstrinker, um )mitzuhalten( mit den (Trink-) Sitten,
an Situationen gekoppelt (Fernsehen, Wochenende, Arbeitswege, Hausarbeit);
wenig seelische, aber später körperliche Abhängigkeit.
Gamma-Typ:
Eigentlicher Prozeß-Trinker mit seelisch - körperlicher Abhängigkeit,
Toleranzsteigerung, Kontrollverlust, Abstinentzsymptome, auch wenn Abstinenzzeiten
möglich sind.
Delta-Typ: Spiegel-Trinker; da über lange unauffällige,
schleichende Gewöhnung der Alkohol-Spiegel sich langsam erhöht, bis er
gebraucht wird, hat der Betroffene nie das Gefühl des Kontrollverlustes, und da
er sozial überkorrekt ist, ist er bei dieser rauschlosen Dauerimprägnierung
besonders schwer zu motivieren.
Epsilon-Typ:
Periodischer Trinker (früher Quartalssäufer...); auch diese im Alltag
überkorrekten Menschen brauchen den Ausbruch ins zerstörerische
Sozial-Unerlaubte, um überbemüht sozial erlaubt leben zu können; maskiert sich
lieber mit Hilfe von Ärzten mit der ,,feineren" Diagnose phasischer
Depressionen." (“Irren ist menschlich”, S.251)
Als behandlungsbedürftig krank gelten allgemein alle
Typen außer dem Alpha- und Beta-Typ, wobei anzumerken ist, daß hier
Weiterentwicklungen in Richtung eines “echten” Alkoholikertypus nicht
unwahrscheinlich -und eine große Gefahr
sind!
Die Übersicht zur Krankheit an sich soll damit
abgeschlossen werden, um die Wichtigkeit des Themas zu unterstreichen sollen
aber noch einige kurze Anmerkungen zu den durch Alkoholismus entstehenden
Schäden gemacht werden.
Gründe/begünstigende
Faktoren für Sucht können sein (Beispiele):
-Soziale
Ängste (z.B. Prüfungsängste, vor Vorgesetzten, "Lampenfieber",...)
-Sexuelle
Ängste (Annäherungsängste, Versagensängste)
-Depressionen
-Geistig-seelische
Schwächen
(Schwierigkeit mit Gefühlen umzugehen,
geringe Belastbarkeit u.ä.)
-sonstige
Ängste und seelische Störungen
-Eltern
- Kind- Konflikte
-Kommunikations-
und Partnerschaftsprobleme
-Lebenskrisen
(wie der Tod eines Angehörigen oder Trennungen).
-Lebensalter
(Jugendprobleme - Altersängste)
-Falsche Lernerfahrungen
in Bezug auf das Suchtmittel ("mit" geht scheinbar Schlechtes
besser / Gutes noch besser)
-Geschlecht
(Frauen wird in der
Öffentlichkeit ein Alkoholrausch noch immer nicht so leicht verziehen
wie einem Mann.
Dies sicher mit ein Grund dafür, daß eher bei den Medikamentensüchtigen
,,in Führung
liegen").
* * *
DEUTSCHE
HAUPTSTELLE GEGEN DIE SUCHT- GEFAHREN
BASIS -
INFORMATIONEN ZU SUCHTKRANKHEITEN UND RAUSCHMITTELN
Ausdruck: 07.01.1998
Alkohol
Nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle gegen die
Suchtgefahren (DHS) sind etwa 2,5 Millionen Bundesbürger und -bürgerinnen
behandlungsbedürftig alkoholabhängig. Der Anteil Jugendlicher und junger
Erwachsener wind auf etwa zehn Prozent dieser Gesamtzahl geschätzt. Etwa ein
Drittel der Betroffenen sind Frauen. Die Zahl der Alkoholtoten wird bei etwa
40.000 angesetzt. 1994 standen bei Unfällen mit Personenschaden insgesamt 40725
Beteiligte unter Alkoholeinfluß, davon waren 3313 (=8,1 %) Frauen. 1994
ereigneten sich 39892 Alkoholunfälle mit Personen-schaden, bei denen 55093
Menschen verunglückten. Von den Verun- glückten starben 1828 Menschen, 18.6 %
der insgesamt 9815 im Straßenverkehr Getöteten. Da nicht bei jedem Unfall eine
Blut- probe genommen wird, muß der tatsächliche Anteil der Alkohol- unfälle an
allen Unfällen höher geschätzt werden. 4.956 Verkehrstote gingen - nach
Auffassung des Verbandes Technischer Überwachungsvereine - im Jahr 1992 mit
großer Wahrscheinlichkeit auf das Konto alkoholisierter Fahrzeugführer. Dies
ist die Hälfte aller Verkehrsopfer. Das Bundesministerium für Verkehr schätzt,
daß nur jede 600ste Fahrt unter Alkoholeinfluß aufgedeckt wird (0,17 %). Der
alkoholbedingte volks-wirtschaftliche Schaden wird unterschiedlich geschätzt.
Die DHS schätzt jährlich Kosten in Höhe von 30 - 80 Milliarden. Das
WHO-Regionalkomitee für Europa schätzt die Gesamtkosten, die der Gesellschaft
durch den Alkoholkonsum entstehen, auf 5 bis 6 % des Bruttosozialproduktes. Die
westdeutschen Arbeitgeberverbände sprechen von einem volks- wirtschaftlichen
Schaden durch Alkoholmißbrauch in Höhe von 30 Milliarden Mark pro Jahr allein
in den alten Bundesländern.
(Aus einer
Mitteilung an den Autor)
SUCHT
Das Zwillingsgespenst von Medikamentenmißbrauch und
Sucht verfolgt die menschliche Gesellschaft, seitdem sie über sich selbst
nachdenkt. Keine Kultur auf unserem Planeten hat es umgehen können, mit dem
Dilemma, das sie selbst produziert, konfrontiert zu werden. Von den Opiumhöhlen
des 19. Jahrhunderts zu den Prohibition speakeasy, vom Säurentest der 1960er
bis zum crack house in heutigen Tagen haben Medikamente und Drogen eine
Hauptrolle gespielt, wenn es um subkulturelle und antikulturelle
Gesellschaftseinflüsse ging. Selbst zugelassene Drogen wie z.B. Kaffee oder
Nikotin können mißbraucht werden. Da es sehr wahrscheinlich ist, daß Drogen
langfristig verfügbar sind, müssen sich Gesellschaften und Individuen
gleichermaßen mit den Ursachen des Drogenphänomens auseinandersetzen. Man muß
sich fragen, wie nicht nur die physiologischen, sondern auch die
psychologischen und sozialen Auswirkungen dieser Erscheinung aussehen.
Einer der wesentlichen Punkte in der Definition einer Droge
bezieht sich auf ihre physiologischen Wirkungen. Einfach ausgedrückt handelt es
sich bei jeder Substanz um eine Droge, die direkt eine physiologische oder
psychologische Veränderung im Körper hervorruft. Dazu gehören etwa Aspirin,
Kaffein, Alkohol, Schlaf- und Schmerztabletten, Impfstoffe, Marihuana und
Hustensaft. Da es sich hier um eine sehr wohlwollend getroffene Defintion
handelt, bezieht man sich auf das bösartige Drogenphänomen gewöhnlicherweise,
indem man von Drogenmißbrauch spricht. Oder man verwendet den Begriff
"Drogen", um diejenigen Substanzen zu beschreiben, die am häufigsten
mißbraucht werden (Betäubunsmittel,
Alkohol usw.). Die erstgenannte Haltung setzt sich weniger mit den moralischen
Werten einer Droge auseinander, sondern stattdessen mit ihrer Handhabung. Die
letztgenannte schränkt die Bedeutung des Begriffes "Drogen" ein und
scheint damit alles zu verurteilen, auf das sich der Begriff bezieht. Ein
Beispiel dafür findet man etwa in der Kampagne "Sag nein zu Drogen".
Sie bezieht sich natürlich nicht auf solche Substanzen wie Vitamine und
Aspirin, sondern auf Drogen, die ein Menschenleben zerstören können - wie
Kokain und Heroin. Eine Droge (im eingeschränkten Sinn des Wortes) greift
schwerwiegend in die mentale und physikalische Verfassung eines Menschen ein.
Drogen sind zum großen Teil deshalb so gefährlich, weil sie den Verlust
geistiger Kontrolle hervorrufen können und Änderungen in physikalischen
Fähigkeiten erzeugen (wie etwa die veränderte Koordination der Körperglieder).
Außerdem führt eine ganze Reihe von Drogen zur Zerstörung wichtiger Bereiche in
Gehirn, Lungen, Leber und anderen Organen. So werden sie zu einem zweischneidigen
Schwert. Einige der gefährlichsten Drogen zerstören nicht nur mentale und
physikalische Fähigkeiten, sowie Körpergewebe, sondern führen auch zur
Abhängigkeit. Auf diese Weise können sie einen oft fatalen, wirbelartig
verlaufenden Absturz in menschliche Abgründe
verursachen. Solche Drogen wie Kokain (und Crack, eine Form von Kokain),
Betäubungsmittel (wie Heroin), Alkohol und andere gehören vielleicht zu den
gefährlichsten für Individuum und Gesellschaft.
Zusätzlich zu den physikalischen Auswirkungen spielen vor
allem die psychologischen Einflüsse eine Rolle dabei, zu unterscheiden, ob man
von einer Droge abhängig oder nur an sie gewöhnt ist, ob man gelegentlich den
Wunsch verspürt, ihre Wirkungen zu verspüren oder ihr süchtig verfallen ist.
Das Problem von Drogenmißbrauch und -sucht ist aber nicht nur ein individuelles
Dilemma, sondern betrifft die Gesellschaft im ganzen. Für den sozialen
Optimisten steht fest, daß es irgendwo einen verläßlichen Weg gibt, der
zwischen den liberalen Schreien nach Legalisierung der Drogen und den
konservativen Forderungen nach Gefängnisstrafen liegt. Wenn das stimmen sollte,
dann möge man einem verzeihen, wenn man behauptet, daß dieser Weg dann aber
noch darauf wartet, entdeckt zu werden.
Es lohnt sich also, diejenigen zu beachten, die vermuten,
Drogenprobleme zu haben. Das Leben ist
zu kurz und wertvoll, um es in der Sklaverei für eine Droge zu vergeuden. Wenn
Sie selbst abhängig sind, oder glauben, es zu sein, fragen Sie nach Hilfe. Es
könnte Ihr Leben retten. (Quelle unbekannt)
Eine der Möglichkeiten der Einseitigkeit von kurzen
Definitionen zu entgehen, ist, deren mehrere zu sammeln und darzustellen. Recht
gewinnbringend hat dies z.B. Bertling (1993, S. 24/25) (Unterstreichungen vom
Verfasser) unternommen:
“Die Begriffe ,Co-Abhängigkeit' und
,Mitbetroffenheit' sind auf alle die Menschen bezogen, die mit einem Abhängigen
leben (Lebenspartner, Ehepartner, Kinder und weitere Angehörige) oder außerhalb
des Familienlebens mit ihm Kontakt haben (Arbeitskollegen, Vorgesetzter, Arzt,
Seelsorger, Therapeut und Freunde). Der Begriff der ,Co-Abhängigkeit' wird sehr
unterschiedlich definiert. ...
R. Subby definiert
,Co-Abhängigkeit' als ,,ein Lebensbewältigungs- und Problem-lösungsmuster, das
durch eine Reihe von dysfunktionalen Regeln innerhalb der Familie oder des
sozialen Systems geschaffen und aufrechterhalten wird. Diese Regeln
beeinträchtigen gesundes Wachstum und machen konstruktive Veränderungen sehr
schwer, wenn nicht unmöglich."
Cruse -Wegscheider
definiert: ,,Co-Abhängigkeit ist ein spezifischer Zustand, der durch die
vorrangige Beschäftigung mit einem anderen Menschen oder Objekt sowie die
Abhängigkeit (emotional, sozial, manchmal auch körperlich) von diesem
charakterisiert ist. Schließlich wird diese Abhängigkeit von einer anderen
Person zu einem pathologischen Zustand, der die co-abhängige Person in allen
anderen Beziehungen beeinträchtigt."
T.L. Cermak definiert
,Co-Abhängigkeit' so: ,,Co-Abhängigkeit ist ein erkennbares Muster von
Persönlichkeitsmerkmalen, die in vorhersagbarer Weise bei den meisten
Mitgliedern von suchtkranken Familien gefunden wurden und dazu geeignet sind,
eine ausreichende Dysfunktion hervorzurufen, um die Diagnose einer gemischten
Persönlichkeitsstörung zu rechtfertigen, wie sie im DSM-11133 skizziert
ist." ...
Robin Norwood ...
spricht von ,Co-Alkoholikern'. Sie sagt: ,,Das Wort ,Co-Alkoholiker' bezieht
sich auf Menschen, deren Verhalten im Umgang mit anderen gestört ist, weil sie
eine sehr enge Beziehung zu jemandem hatten, der alkoholkrank war. Ganz gleich,
ob der Alkoholiker nun ein Elternteil, Ehepartner, Kind oder Freund gewesen ist
- eine solche Beziehung bewirkt meistens, daß beim Co-Alkoholiker bestimmte
Gefühle und Verhaltensweisen auftreten: ein niedriges Selbstwertgefühl, das
Bedürfnis, gebraucht zu werden, ein starkes Verlangen danach, andere zu
verändern und zu kontrollieren, und eine Bereitschaft zu leiden.” ...
Um das Verhalten der ,Co-Abhängigen' kurz zu
beschreiben, sei gesagt, daß sie aus einem Mitgefühl gegenüber dem Abhängigen
heraus sich sorgen und dem Abhängigen helfen wollen. Sie verbünden sich mit
ihm, indem sie seine Abhängigkeit vor sich selbst und vor anderen Personen
leugnen, den Abhängigen in Schutz nehmen, ihn für sein Verhalten entschuldigen,
ihm jede Verantwortung abnehmen, um sie sich selbst aufzubürden und sich als
,,Verräter" fühlen, wenn sie die Abhängigkeit eines ihnen nahestehenden
oder gut bekannten Menschen gegenüber sich selbst und anderen Menschen
preisgeben.”. (Bertling,1993,S.24/25)
Mit diesen Ansätzen zur Begriffsbestimmung ist schon
vieles deutlich geworden. Anders als Bertling hat der Verfasser keine Probleme
damit, all´ diese Definitionen nebeneinander bestehen zu lassen. Ausdrückliche
Widersprüche finden sich nicht, im Gegenteil werden die unterschiedlichen
Facetten des Begriffs recht gut dargestellt.
Aus eigener Anschauung kann nur noch ergänzt werden,
daß es in der Tat bemerkenswert scheint, wie lange und mit welch´ hohem
körperlichen und seelischen Durchhaltevermögen Co-Abhängige in ihrer Rolle
verbleiben, selbst wenn sich der eigene Zusammenbruch schon klar abzeichnet,
bzw. verschiedene Gefahren schon längst deutlich geworden sind.
In der co-abhängigen
Rolle befinden sich zwar zum Teil auch die Kinder selbst, insbesondere
nimmt diese aber der Elternteil ein, der die Kinder aus (sonder-) pädagogischen
Einrichtungen abholt, der evtl. zu Elternabenden, Einzelgesprächen und
ähnlichem erscheint. Seine Situation und seine Verhaltensmuster müssen
ebenfalls bekannt sein, wenn Hilfe in einer Form angeboten werden soll, die für
diesen Mitbetroffenen auch wirklich “annahmefähig” ist.
Reine Begriffsbestimmungen reichen zur Herstellung
dieses Verständnisses nicht aus, auch Co-Abhängigkeit verläuft z.B. meist in
sich entwickelnden Phasen. Diese werden u.a. von Schmieder (1992, S.41/42)
recht anschaulich folgendermaßen dargestellt:
“Wie die Beziehungskonstellationen auch geartet sein
mögen, idealtypisch werden für das co-alkoholische Verhalten und dessen Verlauf
im Zuge der Krankengeschichte drei Phasen unterschieden ... :
1. die Beschützer- oder Erklärungsphase, 2. die Kontrollphase, 3. die Anklagephase
In der Beschützer- oder Erklärungsphase
versucht die Co- Alkoholikerin oder der Co-Alkoholiker zu erklären, welche
Gründe für den Alkoholkonsum des Partners vorliegen. Was oder wer, stellt sich
die Frage, ist schuld daran, daß er zu häufig und zu tief ins Glas schaut. Es
wird nicht darüber gesprochen, was in der Familie vor sich geht. Weder reden
die Familienmitglieder miteinander, schon gar nicht spricht man sich mit
Außenstehenden aus. Es herrscht ein Klima des beredten Schweigens, was der
Alkoholiker spürt und was ihm zusätzliche Schuldgefühle verschafft. Das läßt sein
Selbstwertgefühl noch mehr sinken, als es schon gesunken ist - ein weiterer
Anlaß zum Trinken.
In der Kontrollphase geraten die Versuche zu
erklären und zu beschützen an ihre Grenzen oder brechen zusammen, weil der
Alkoholiker beschützt wurde und weil ihn das dadurch noch weiter ruinierte
Selbstwertgefühl immer tiefer in seinen Alkoholismus hineinzog. Beim
Co-Alkoholiker wird das Gefühl verstärkt, versagt zu haben. Nun bleibt nur noch
die Möglichkeit, stellvertretend für den Alkoholiker das zu tun, was er selbst
nicht zu leisten in der Lage ist: den Alkoholkonsum zu kontrollieren, zu
überwachen. Dies ist die leidvolle und immer zum Scheitern verurteilte Phase,
in welcher der zähe und in den meisten Fällen stumme Kampf um die Flasche
geführt wird. Durch dieses Überwachen und Kontrollieren wird dem Alkoholiker
seine Unselbständigkeit noch weiter demonstriert, wogegen er sich mit der ihm
einzig verbliebenen ‘Waffe’ wehrt: Er steigert seinen Alkoholkonsum. Auf der
anderen Seite wächst die Verzweiflung der Co-Alkoholikerin oder des
Co-Alkoholikers weiter, sind doch alle bemühten Versuche nicht nur erfolglos,
sondern zeitigen fast schon das Gegenteil der guten Absicht. Wachsende
Enttäuschung und Unzufriedenheit werden schließlich in der Anklagephase
meistens in Vorwürfe übersetzt. Es sind Schuldzuweisungen an den saufenden
Sündenbock, um das eigene, durch vergebliches Bemühen stark erschütterte
Selbstvertrauen, wenn schon nicht zu retten, so doch die kläglichen
Restbestände über die Runden zu bringen.
Die Phaseneinteilung
bleibt holzschnittartig gegenüber der Wirklichkeit des Suchtalltags.
Welche Co-Alkoholikerin weiß nicht ein trauriges Lied
davon zu singen: die vielen Methoden der heimlichen Kontrolle, die er mit
ebenso vielen raffinierten Tricks zu unterlaufen versteht. Um an seine Droge zu
kommen, ist er außerordentlich einfallsreich und erfinderisch - wie alle
Drogenabhängigen, gleichviel um welche Droge es sich handelt. Er hat seine
Depots, ob im Bastelkeller, im Garten, manchmal ist sogar der Wasserbehälter der
Scheibenwischanlage seines Autos mit Schnaps gefüllt: Ein Blick unter die
Motorhaube, heimlich und schnell ein paarmal am Kunststoffschlauch gesogen,
schon ist die alkoholisierte Welt wieder in Ordnung. Sein Portemonnaie wird
kontrolliert und zur Not erleichtert oder die Flaschen werden einfach
ausgegossen; für ihn ärgerlich, aber er wird sich auf jeden Fall wieder Alkohol
verschaffen - er kann nicht anders, denn er ist süchtig.”
Diese recht ausführliche Darstellung gibt wertvolle
Hinweise, die das Empfinden des mitbetroffenen Elternteils erklären und sein
Verhalten beleuchten. Auch hier ist aber natürlich der Hinweis am Platze, daß
diese Phasen nicht streng gesetzmäßig ablaufen, daß sie in der Praxis
verändert, unterbrochen und verschoben auftreten können.
Aus eigenem Erleben und erfahren von sich und anderen
Kranken kann der Verfasser bestätigen, daß die Schilderung der Raffinesse des
Süchtigen in keiner Weise überzogen ist: Selbst bei eigentlich eher einfach
strukturierten Persönlichkeiten und trotz -nein- wegen ihrer Krankheit
wächst der Einfallsreichtum des Abhängigen ins kaum glaubliche -jedenfalls
soweit das Beschaffen und Konsumieren des jeweiligen Suchtmittels tangiert ist.
Im -vergeblichen- Kampf mit dieser Problematik
befinden sich die Angehörigen, oft die Mütter, der Kinder aus
Alkoholikerfamilien. Ihren Schmerz zu kennen, die Belastung unter der sie
stehen zu realisieren und -insbesondere- ihre aus der Not geborenen
Selbsttäuschungen zu durchschauen: dies
ist wichtig.
Weiter
oben wurde der Satz zitiert: “Die Scheidung ist in vielen Fällen nicht nur
Folge des Alkoholismus, sondern wird auch zur Ursache seines weiteren
Fortschreitens.” Dies muß korrigiert werden: das allzulange Ausharren und
“Nicht-an-sich-selbst-denken” des Angehörigen -dies ist es, was dem Trinker
ermöglicht “in Ruhe” weiterzutrinken!
(Aus der
Arbeit “Kinder aus Alkoholikerfamilien” des Autors)
((Folgt:
Rist,F.; S. 244, “Therapiestudien mit Alkoholabhängigen”, nach Mann,K.;
Buchkremer,G. (Hrg.), “Sucht”, S.95; G.Fischer-Verlag: Stuttgart))
Eine
Meta-Analyse von Süß (1995) konzentriert sich deshalb auf weniger, aber
methodisch solidere Untersuchungen. Nach Zurückweisung aller Studien mit
methodischen Mängeln verblieben von ursprünglich 320 einschlägigen
Untersuchungen nur 44 Studien in der Meta-Analyse. In 23 davon wurden
Behandlungverfahren bzw. Ansätze kontrolliert verglichen. 21% davon
beschränkten sich auf die Darstellung katamnestischer Verläufe. Zur Berechnung
der Abstinenz- und Besserungsraten wurden unterschiedliche Bezugsgrößen
gewählt, sodaß sowohl pessimistische wie auch optimistische Schätzungen
resultieren: Bestimmt man die Quote der Abstinenten nur für jene Patienten. die
nicht vorzeitig entlassen wurden und die bei der Katamnese auffindbar waren. so
resultiert eine übermäßig optimistische Schätzung. Nimmt man an daß alle
vorzeitig entlassenen und alle nicht erreichten Patienten rückfällig geworden
waren. erhält man eine eher pessimistische Schätzung. Faßt man alle Patienten
und alle Katamnesezeitpunkte zwischen 6 Monaten und 4 Jahren zusammen. so
ergeben sich Schätzungen von 34 Prozent dauerhaft Abstinenten für den
pessimistischen Be- rechnungsmodus, 48% für den optimistischen
Berechnungsmodus. Die Nichtabstinenten aber Gebesserten machen bei der
pessimistischen Schätzung nur 6% aus, bei der optimistischen Schätzung 22%. Die
Ergebnisse dieser Meta-Analyse belegen recht überzeugend, daß im Verlauf eines
Jahres nach Abschluß einer Entwöhnungsbehandlung auch bei pessimistischer
Schätzung doch mit einer Abstinenzquote zwischen 30 bis 50% zu rechnen ist.
Eine Sonderstellung der Behandlung Alkoholabhängiger in der BRD im Vergleich zu
anderen Ländern wird auch in der Meta-Analyse von Süß (1995) deutlich: In den
von ihm berücksichtigten Arbeiten betrug die mittlere stationäre Verweildauer
in Sucht- Fachkliniken ca 21 Wochen. in psychiatrischen Kliniken ca 6 Wochen.
in den anderen Ländern ca 4 Wochen. Im Mittel sind in dieser Meta-Analyse
stationäre Behandlungen in Deutschland sogar länger als ambulante Behandlungen
außerhalb Deutschlands, für die Süß (1995) eine mittlere Dauer von ca 13 Wochen
ermittelte. In einem Vergleich der Abstinenz- und Besserungsraten deutscher
Sucht-Fachkliniken und psychiatrischer Kliniken mit ausländischen Arbeiten fand
Süß (1995) jedoch eine gewisse Rechtfertigung dieses Systems. Für das eindeutig
operationalisierte Kriterium ,,Abstinenz" betrug die Differenz 14%
zugunsten der stationären Behandlungen in Deutschland,...”
((Obiges:
Rist,F.; S. 244, “Therapiestudien mit Alkoholabhängigen”, nach Mann,K.;
Buchkremer,G. (Hrg.), “Sucht”, S.95; G.Fischer-Verlag: Stuttgart))
Die Behandlung einer Abhängigkeitserkrankung
läßt sich in vier Phasen einteilen, die jedoch nicht immer ganz voneinander
getrennt werden können. Die Aufeinanderfolge der vier Phasen nennt man die
Behandlungskette. Die Phasen sind:
- die Kontaktphase
- die Entgiftungsphase
- die Entwöhnungsphase
- die Nachsorge- und Rehabilitationsphase.
Ziel der Kontaktphase ist es, einen guten Kontakt zu
dem Patienten herzustellen, da dies die Voraussetzung für die Weckung oder
Bestärkung der Motivation für die Behandlung ist. Diese Phase dient auch der
Abklärung der Diagnose und der evtl. bereits vorhandenen Folgekrankheiten sowie
der psychosozialen Situation. Von Wichtigkeit ist die Kontaktaufnahme mit den
Angehörigen, dem Hausarzt und dem Arbeitgeber, um weitere Informationen über
den Patienten, aber auch über die Einstellungen der Kontaktpersonen zu der
Krankheit bzw. dem Patienten zu erfahren. Es ist erforderlich, den
Therapiebedürftigen genauestens über seine Erkrankung, die damit verbundenen
Folgeerscheinungen sowie über die Behandlungsverfahren und Behandlungsziele
aufzuklären. Die Kontaktphase vollzieht sich meist im ambulanten Bereich und
dauert wenige Tage bis einige Wochen. Bei Patienten, die primär mit
Alkoholfolgekrankheiten in stationäre Behandlung kommen, findet der erste
Kontakt im Krankenhaus statt.
((Kontakt ist auch mittels einer Selbsthilfegruppe
möglich !! –Der Autor))
Wenn die Patienten unter Dauereinwirkung von
Drogen standen, ist eine Entgiftungsphase notwendig, da mit einem Auftreten von
Entziehungserscheinungen zu rechnen ist. Die Entgiftung ist eine von einigen
Tagen bis zu Wochen sich hinziehende Behandlung akuter Symptome wie z.B.
Zittern, Schmerzen, Unruhe, Krampfanfälle oder Delir. Die Entgiftung ist primär
die Aufgabe des Arztes.
Die Entwöhnung ist ein
langwieriger Vorgang (ca. 3 - 9 Monate), bei der psycho-therapeutische und
sozialpädagogische Maßnahmen im Vordergrund stehen.
Bei gut motivierten Patienten, bei denen die
Krankheit noch nicht so weit fortgeschritten ist, der körperliche und seelische
Zustand gut ist sowie die sozialen Bezüge noch intakt sind, kann die Entwöhnung
ambulant durchgeführt werden. Hingegen ist bei fortgeschrittener
Drogenkarriere, hauptsächlich bei kritischen sozialen Verhältnissen und
schwacher Motivation eine stationäre Behandlung ratsam. In der Entwöhnungsphase
soll der Klient lernen, seine Problemdynamik zu erkennen und zu bewältigen,
ohne wieder Zuflucht zu der Droge zu nehmen.
Ziel dieser Phase ist
es, die Entwöhnung zu stabilisieren und bei den neuen Sozialisationsformen wie
bei der Wiedereingliederung in die sozialen Bereiche (Familie, Arbeitsstelle,
Freundeskreis) Hilfestellung zu geben. Die Nachsorge läßt in der Realität oft
zu wünschen übrig. Ambulante wie auch stationäre Einrichtungen kommen diesen
Aufgaben vielfach nicht genügend nach. Eine große Hilfe bedeuten jedoch häufig
die zahlreichen Selbsthiifegruppen; sie haben sich vor allem bei Alkoholkranken
bewährt.
((“Einführung
in die Sozialmedizin”, E.Grond,1990))
(Folgt
aus: Alateen-Faltblatt)
Alateen
ist: eine Gemeinschaft von jugendlichen Al-Anons, etwa zwischen Zehn und
Zwanzig, deren Leben durch das Trinken eines anderen beeinträchtigt worden ist.
Aufgaben von Alateen: Junge Leute kommen zusammen: um Erfahrung, Kraft und
Hoffnung miteinander zu teilen; um über ihre Schwierigkeiten zu reden; - um
einen wirksamen Weg zu finden, mit ihren Problemen fertigzuwerden; - um sich
gegenseitig zu ermutigen; - um miteinander die Prinzipien des Al-Anon Programms
verstehen zu lernen. Alateens lernen: - daß zwanghaftes Trinken eine Krankheit
ist; - daß sie sich gefühlsmäßig von den Problemen des Alkoholkranken lösen
können, ohne ihn deshalb weniger gern zu haben; daß sie nicht die Ursache für
das Trinken oder das Verhalten eines anderen sind; - daß sie niemanden außer
sich selbst ändern oder kontrollieren können; - daß sie geistige und
intellektuelle Fähigkeiten haben, mit denen sie ihre eigene Persönlichkeit
entwickeln können, ganz gleich, was zu Hause passiert; - daß sie ihre eigenen
wertvollen und befriedigenden Erfahrungen machen können. Sponsorschaft: Jede
Alateengruppe braucht einen erfahrenen. erwachsenen Al- Anon als Sponsor. Der
Sponsor nimmt aktiv an der Gruppe teil. Er gibt sein Wissen über unsere Zwölf
Schritte und Traditionen an die Gruppe weiter. Außerdem kann sich jeder Alateen
für einen persönlichen Sponsor entscheiden; dieser Sponsor ist ein anderer
Alateen oder ein Al-Anon. Wo Alateens sich treffen: Alateens treffen sich in
Gemeinde- oder Schulräumen oder an anderen geeigneten Orten (oft im selben
Gebäude wie eine Al- Anon Gruppe, jedoch in einem eigenen Raum). Alateen
Literatur: Alateens werden ermutigt. konferenzgeprüfte Literatur von Al- Anon
und Alateen zu lesen, in der persönliche Erfahrungen anderer Al-Anons und
Alateens zum Ausdruck kommen. Diese können bei der Bewältigung eigener Probleme
helfen. ((aus: Alateen-Faltblatt)))
---Kontakte über die AA-Adressen!---
PHYSISCHEN
FOLGEN VON ALKOHOLKUNSUM:
Einen sehr
kompakten Überblick über die physischen Folgen von Alkoholkunsum gibt
Reiners-Kröncke (S.31) unter der Überschrift “Alkoholfolgen:
Folgen: Alkoholfettleber,
chronisch-dauerhafte und chronisch- aggressive Alkoholhepatitis, alkoholische
Leberzirrhose, Bauchspeicheldrüsenentzündungen, Schleimhauterkrankungen
(dadurch erhöhte Gefahr von Karzinomen), Alkoholhalluzinose (seltene Psychose),
Eifersuchtswahn, Alkoholparanoia, Störung des Altgedächtnisses, gesteigerte
Ermüdbarkeit, Reduktion des Vorstellungsschatzes, Affektlabilität, Mißtrauen,
Wernicke-Korsakow-Syndrom, Kleinhirnatrophie, Polyneuropathie, alkoholischer
Tremor.”
“SOZIALE AUSWIRKUNGEN
VON ABHÄNGIGKEIT:
- erhöhte
Krankheitshäufigkeit (Morbidität)
- Herabsetzung der
Lebenserwartung
- verstärkte Unfallneigung
- Abgleiten in
dissoziale Verhaltensweisen bzw. in Kriminalität
(z.B. Beschaffungskriminalität bei
Heroinabhängigen oder Prostitution weiblicher Fixer)
- finanzielle
Schwierigkeiten
- Zerbrechen
familiärer oder religiöser Bindungen
- Aufgabe des Berufes
bzw. beruflicher Abstieg oder Aufgabe der Berufausbildung
- häufiger
Wechsel der Wohnung bzw. des Wohnortes bis hin zur Obdachlosigkeit
-
Gefühl der Sinnentleerung des Lebens und der Welt
- Rückzug aus allen
sozialen Bindungen bzw. Zuwendung zu Menschen, die weit unter dem
eigenen Niveau stehen (z.B. “Kumpanei"
der Alkoholkranken und “Abdriften" in unterste soziale
Schichten).
In
aller Regel läßt sich bei der Erhebung der Sozialanamnese und bei der
Erstellung der psycho-sozialen Diagnose eine enge Beziehung zwischen der Dauer
der Drogenkarriere und dem sozialen Abgleiten feststellen. Daraus erhellt die
Problematik der heute weit verbreiteten therapeutischen Grundhaltung, mit
Hilfsmaßnahmen solange zu warten, bis der Klient für eine Therapiemaßnahme
vollständig motiviert ist. In der Praxis ist immer wieder zu erleben, daß zu
diesem Zeitpunkt die Auswirkungen der Erkrankung soweit fortgeschritten sind,
daß mit einer vollständigen Rehabilitation oft kaum mehr zu rechnen ist.”
((“Einführung
in die Sozialmedizin”, E.Grond,1990))
Prävention
(Vorbeugung)
Ein wichtiges Ziel ist es, in die
Zukunft zu denken und unseren Kindern die Krankheit ”Sucht” möglichst zu ersparen.
Dazu gehört unter anderem für eine
lebenswerte Umwelt einzutreten.
Aber auch in Hinblick auf unser
Verhalten gegenüber Kindern können wir konkrete Verbesserungen erreichen, die
sie vor Abhängigkeit schützen können.
Eine Hilfe hierzu gibt eine
Broschüre der ”Aktion Sorgenkind”. Ergänzend wird auch ein sogenanntes
”Kindergarten-Kit” angeboten, das (nicht nur) für Erzieherinnen und Erzieher in
Kindereinrichtungen eine Hilfe sein kann.
Anschließend stichwortartig einige
Zitate aus dieser Broschüre, sowie die Bezugsadresse:
SIEBEN
REGELN GEGEN SUCHT
1 Kinder
brauchen seelische Sicherheit
2 Kinder
brauchen Anerkennung und Bestätigung
3 Kinder
brauchen Freiraum und Beständigkeit
4 Kinder
brauchen realistische Vorbilder
5 Kinder
brauchen Bewegung und richtige Ernährung
6 Kinder
brauchen Freunde und eine verständnisvolle
Umwelt
7 Kinder
brauchen Träume und Lebensziele
Bezugsadresse:
Vorsorge-Initiative
Lersnerstraße 40
60322 Frankfurt am Main
((Zu
“Vorbeugung”:
Die
Aspekte der Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention der Drogenkrankheiten sind
die gleichen wie bei anderen psychischen Erkrankungen. Die Grundprinzipien der
Psychohygiene finden hier ihre Anwendung. ))
Stellungnahme zum
Mit großer
Sorge beobachten wir besonders in letzter Zeit die Berichterstattung in der
Öffentlichkeit zum so genannten „neuen Therapieziel kontrolliertes Trinken“.
Der
Alkoholiker brauche künftig nicht mehr völlig auf seine Droge zu verzichten, um
als gesund zu gelten, heißt es hier verschiedentlich. Eine genaue Buchführung
–unter Anleitung versteht sich- über seinen mäßigen bis mittleren Konsum reiche
aus, um als „geheilt“ zu gelten.
Dazu haben
wir folgendes zu sagen:
·
Es widerspricht völlig unserer Erfahrung mit uns und
anderen Betroffenen, daß ein Alkoholkranker jemals wieder zur Kontrolle über
seinen Konsum zurückfinden kann.
·
Wir beobachten oft, daß monate- und teilweise
jahrelang versucht wird, diese Kontrolle wieder zu erlangen, mit zum Teil
schlimmsten Folgen für den Betroffenen. Sein Leiden wird verlängert, das Risiko
von Unfällen steigt, die Angehörigen haben zunehmend unter den wiederholten
Rückfällen zu leiden und körperliche Folgekrankheiten verschlimmern sich bis
hin zu Todesfällen.
·
Tatsächlich will kein Alkoholkranker zunächst
wahrhaben, daß gerade er nicht mehr trinken, sondern nur noch saufen kann und
manch` einer, der sich schon auf dem Weg zur Nüchternheit befunden hat, wird
durch das nun ausgerufene Therapieziel „kontrolliertes Trinken“ sich in seiner
falschen Hoffnung bestätigt fühlen und es „doch noch mal versuchen“, ob er
nicht doch „normal“ trinken kann. So produziert man Rückfälle und verlängert
Leiden!
·
Weiterhin ist es uns gänzlich unverständlich, daß die
zufriedene Abstinenz, die bei einem Verzicht auf Alkohol durchaus in
angemessener Zeit erreichbar ist, als höchstens „zweitbestes Therapieziel“
hingestellt wird. Durch wirklich kompetente therapeutische Hilfe im Verein mit
Selbsthilfegruppen stellt nämlich -sogar oft recht schnell- das
„Nicht-mehr-Trinken“ keinerlei Verzicht mehr für den Betroffenen dar. Hierdurch
wird eine echte Freiheit eröffnet, die den Kopf und das Herz freimacht für neue
Erfahrungen mit sich selbst und anderen Menschen! Warum hier das tägliche und
wöchentliche „Erbsenzählen“ und Buchführen über die bereits konsumierte
Alkoholmenge den hochwertigeren und besseren Lebensentwurf darstellen soll, ist
uns völlig rätselhaft. Denn der Genuß, den Nichtbetroffene durchaus durch das
Trinken erzielen können, der bleibt hier doch wohl ebenfalls vollkommen „auf
der Strecke“ ...!
·
Den Einwand bei „hoffnungslosen Fällen“ und bei
„Noch-nicht-Ganz-Alkoholikern“ könne man das „Kontroll-Ziel“ doch versuchsweise
anwenden, vermögen wir ebenfalls nicht nachzuvollziehen. Sicherlich, wer wollte
ernsthaft –und ohne moralisch deswegen verurteilt zu werden- etwas dagegen
einwenden, bei „hoffnungslosen Fällen“ alles, aber auch wirklich alles zu
versuchen und somit auch das kontrollierte Trinken als „Versuchsziel“ zu
akzeptieren ? Über die damit verbundenen „Erfolgschancen“ und die erzielbare
Lebensqualität braucht aber in Wahrheit doch wohl nicht ernsthaft diskutiert zu
werden .......
Anders verhält es sich hinsichtlich der Menschen, die zwar
Alkoholmißbrauch betreiben, aber „eigentlich“ noch nicht völlig als kranke
Alkoholiker zu klassifizieren sind. Aus dieser Gruppe –und dies ist schon heute
absehbar- werden sicherlich bald die Apologeten des Kontrollierten Trinkens
ihre fiktiven „Erfolgsstatistiken“ speisen. Tatsächlich ist es möglich, daß in
Vergangenheit und Gegenwart bereits mancher Alkoholmißbraucher als Kranker
behandelt worden ist. Aber: Was bitte ist ihm denn damit schlimmes getan ? Eine
zufriedene Abstinenz ist für uns, wie bereits gesagt, keineswegs ein „zweitklassiger
Lebensentwurf“ sondern eben ein erstklassiger ! Tatsächlich gibt es ja
Menschen, die ohne jemals Suchtprobleme gehabt zu haben, freiwillig diesen
lohnenden „Verzicht“ leisten.
·
Sucht man also nach neuen Möglichkeiten Suchtkranken
zu helfen, kann die Konsequenz für uns niemals heißen, ein medienwirksames und
gut „verkäufliches“ aber untaugliches und theoretisches Modell fern jeder
Praxis zu ersinnen und zu propagieren, sondern die von uns gesammelten
Erkenntnisse und Erfahrungen noch stärker und weiter in die Öffentlichkeit zu
tragen, insbesondere die, die wir unter dem Stichwort „Zufriedenheit“ genannt
haben.
Wir möchten noch darauf hinweisen, daß –soweit uns bekannt-
alle Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen unsere Ansicht im
wesentlichen teilen. Das BLAUE KREUZ verfügt über eine nunmehr hundertjährige
fachliche Erfahrung und so hoffen wir, daß auch unsere Argumente Gehör finden
werden.
Wenn Sie unsere Arbeit in irgendeiner Form unterstützen
möchten, sind Sie herzlich hierzu eingeladen. Für Rückfragen stehen wir Ihnen
gern zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
i.A. des BLAUEN KREUZES HASSLOCH / PFALZ
Burkhard Tomm-Bub
...durch
eine neue Politik gegen Drogen
Rund 100 000
junge Menschen sind heute abhängig von harten Drogen. Fast jeder fünfte stirbt
daran. HIV-Infektion und andere Krankheitsrisiken, Verwahrlosung und
menschliches Elend gehören zu den Folgen. Beschaffungs- und Begleitkriminalität
nehmen zu, sorgen für Unsicherheit in unseren Städten und richten immense
gesellschaftliche Schäden an. Wir sind nicht bereit, dies einfach hinzunehmen,
und setzen uns für eine neue Politik gegen Drogen ein. Wir werben für ein Leben
ohne Sucht; wir wollen die Hilfe für Drogenkranke zur Überwindung ihrer
Abhängigkeit verbessern und gehen mit der ganzen Härte des Gesetzes gegen
Drogenhändler und -händlerinnen und organisierte Kriminelle vor. Suchtkranke
müssen besser betreut werden. Im Rahmen dieser Programme müssen streng
kontrolliert auch Ersatzstoffe oder andere Hilfen abgegeben werden können.
Durch den Übergang vom Legalitäts- zum Opportunitätsprinzip bei der Verfolgung
des Besitzes kleinerer Mengen von Drogen zum Eigenverbrauch können Polizei und
Strafverfolgung gezielter als bisher gegen wirkliche Dealer und organisierte
Kriminelle vorgehen.
© Babiel
GmbH 1995
Haftungsausschluß
der Versicherung bei Alkohol
Die relative
Fahruntüchtigkeit des Versicherten bedarf ins einzelne gehende Feststellung
hinsichtlich nachgewiesener Ausfallerscheinungen oder eines Fahrfehlers, der
typischerweise durch Alkoholgenuß bedingt ist. Denn die Erfahrung zeigt, daß
vielfach auch nüchternen Fahrern Fahrf ehler unterlaufen. Deshalb kommt es
nicht auf irgendein Verschulden des Versicherten an dem Unfall an. Nur wenn der
Richter davon überzeugt ist, daß der Verunglückte Fahrun- tüchtig war, hat er
die weitere Frage zu prüfen, ob die Fahrun- tüchtigkeit für den Unfall
ursächlich gewesen ist. Erst hierfür kann der erste Anschein als Beweis
herangezogen werden.
BGH IV a ZR 193/86-VersR
1988,733=NJW 1988,1646.
Alkoholbedingte
Fahruntüchtigkeit /Versicherung
Ab einem Grenzwert von 1,3
Promille ist stets von einer alkoholbedingten Fahruntüchtigkeit auszugehen.
Dies gilt auch für zur Nachtzeit fahrende Motorradfahrer. Die Verträglichkeit
von Alkohol ist bei Menschen unterschiedlich. Der Umstand allein, daß der
Versicherte im Scheitelpunkt einer Linkskurve (also nicht ausgangs der Kurve)
nach rechts von der Fahrbahn abgekommen ist, genügt nicht als Nachweis für
einen Fahrfehler, der zusammen mit einer Blutalkoholkonzentration von 0,94
Promille den Schluß auf eine relative Fahruntüchtigkeit zulassen würde. Denkbar
bleibt, daß der Verunglückte einem anderen Verkehrsteilnehmer oder einem Tier
ausgewichen ist.
OLG Hamm 20 U 365/87-r+s 1989,66.
die zum Thema passen !
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,,Ich
mißbillige das moderne erkünstelte Leben des Sinnesgenusses ,.. weil ich weiß,
daß wir ohne vernünftige Besinnung auf die Einfachheit rettungslos in einen
Zustand abstürzen müssen, der noch unter dem des wilden Tieres liegt." (1)
Mahatma
Gandhi
,,Zum
Höchsten ist gelangt, wer da weiß, worüber er sich freut, wer sein Glück nicht
fremder Macht unterwirft." (2)
Seneca
,,Wir
haben die Fähigkeit und die Energie verloren, aus unseren eigenen Handlungen
zu lernen. Wir aber -nicht die Gesellschaft und schon gar nicht die Politiker-
sind letztlich verantwortlich für unsere Handlungen und auch dafür, aus ihnen
zu lernen. Und bei einem solchen Lernen entdecken wir unendlich viel . .
," (3)
Jiddu
Krishnamurti
,,Meine
Brüder, sucht Rat beieinander, denn darin liegt der Weg aus Irrtum und einsichtiger
Reue. Die Weisheit vieler ist ein Schild gegen Tyrannei. Wer keinen Rat sucht,
ist ein Narr. Seine Torheit macht ihn der Wahrheit gegenüber blind, böse und
widerspenstig, und er wird zu einer Gefahr für seine Gefährten." (4)
Khalil
Gibran
,,Wenn
)Glücklichsein( überhaupt eine Bedeutung hat, dann doch wohl die, daß man ein
Gefühl des Wohlbefindens, der Ausgeglichenheit, der Übereinstimmung mit dem
Leben hat. Das hat man aber nur, wenn man sich frei fühlt." (5)
A.S. Neill
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Was kann ich tun ?
Informationen
und
Anregungen
für
Lehrer/innen
und
Erzieher/innen
Alkoholabhängigkeit wird seit einigen Jahrzehnten als
Krankheit anerkannt, erforscht und erfolgreich behandelt. Professionelle Hilfen stehen mittlerweile
auch für die mitbetroffenen und zumeist co-abhängigen Angehörige zur Verfügung.
Die Gruppe der minderjährigen Kinder aus
Alkoholikerfamilien aber wurde allzulange vernachlässigt. Sie sind
Mitbetroffene in besonderer Hinsicht. Einerseits verfügen auch sie nicht über
die notwendigen Informationen, verhalten auch sie sich in der Regel so, daß der
süchtige Vater oder die süchtige Mutter in der Krankheit gefangen bleibt und
keine Anstalten unternimmt die Sucht zum Stillstand zu bringen -und insofern
sind auch sie, die Kinder, “Co-Alkoholiker”. Andererseits sind sie aber Opfer
in doppeltem Sinne, denn sie sind körperlich unterlegen, rechtlich höchstens
beschränkt handlungsfähig und ganz allgemein mit weniger Möglichkeiten und
Kompetenzen versehen als jeder erwachsene “Co”.
Hilfe ist hier dringend Not-wendig !
Suchen Sie Verbündete:
1) Suchtberatung
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2) Suchtberatung
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3) Präventionsfachkraft
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........................
WAS KANN ICH TUN, WENN ICH EINEN ALKOHOLKRANKEN IN DER
FAMILIE EINES KINDES VERMUTE?
Vorweg:
Sich -falls
nötig- Fachwissen verschaffen.
1. Ruhe bewahren, überhastetes
Eingreifen kann schädlich sein (Abwiegeln mit an-schließendem “aus dem Felde
gehen”/end- gültiges Ausweichen, Trotzreaktionen, ...).
2. Kollegen, oder andere
Vertrauenspersonen suchen, mit denen man über die eigenen Beobachtungen,
Unsicherheiten und Gefühle sprechen kann, bzw. dies im Team thematisieren.
3. Den Kontakt zu dem speziellen
Kind vorsichtig intensivieren, um eine (noch) positive/re Beziehung
herzustellen.
4. Das Kind immer wieder ermutigen,
über Probleme und Gefühle zu sprechen.
5. In der Gruppe / Klasse das Thema
,,gute und schlechte Geheimnisse” erarbeiten. (Gute Geheimnisse machen Spaß;
alle Geheimnisse, die schlechte, komische oder schreckliche Gefühle machen sind
schlechte Geheimnisse. Über sie darf (muß) man sprechen.)
6. In der Gruppe (im Spiel, in geeigneten
Unterrichtsfächern) das Thema Alkohol / Betrunkenheit vorsichtig ansprechen und
damit signalisieren: ,,Ich weiß, daß es Eltern gibt, die viel trinken .. Mit
mir könnt Ihr darüber reden... Ich weiß, daß Kinder sich in so einer Situation
oft schlecht und verzweifelt fühlen.”
7. Mitarbeiter einer
Selbsthilfeinitiative, einer Beratungsstelle o.ä. hinzuziehen, um mehr
Sicherheit zu gewinnen.
8. Hinweise auf das Vorliegen einer
“Alkoholikerfamilie” aufschreiben (stichwortartiges Tagebuch über Verhaltensweisen
des Kindes führen).
9. Wenn möglich, Kontakt zur Mutter
/ zum anderen Elternteil intensivieren, (z.B. Zusammenarbeit bei der
Vorbereitung von Kindergartenfesten, Gespräche am Elternsprechtag, usw.), um
die Vermutung zu prüfen und um ein besseres Vertrauensverhältnis aufzubauen.
10. Kontakt zum Jugendamt, bzw. zum
jeweils zuständigen Fachdienst aufnehmen (ggf. vorerst ohne Namensnennung),
z.B. wenn eine räumliche Trennung oder Herausnahme zur Diskussion steht.
11. Falls möglich, dem Betroffenen
die Befürchtungen und Eindrücke klar und deutlich (Daten und Fakten!)
zurückmelden / mitteilen (Moralisierungen und Drohungen vermeiden!). Dies
sollte i.d.R. zu zweit geschehen. Hilfen in Form der Nennung von regionalen Adressen, Telefonnummern und
Ansprechpartnern können bei entsprechender positiver Reaktion angeboten werden.
12. Falls möglich dem
nichtbetroffenen / mitbetroffenen Elternteil eine solche Rückmeldung geben und
ihm konkrete Hilfen anbieten.
13. Mit dem Kind positiv arbeiten,
seine Rolle(n) “aufweichen”; wachsam sein (Informationen über Verschlimmerung
der Situation erfragen); ggf. konkrete Hilfen anbieten; schlimmstenfalls über
eine Inobhutnahme/Herausnahme nachdenken, diese diskutieren und evtl. einleiten
(lassen).
Literaturempfehlungen:
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2. .......................
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