Zurück zur Startseite:

suchtinf.htm

 

_______________________________________________________________________

 

ERLÄUTERUNG EINIGER BEGRIFFE, U.Ä.

 

 

SUCHT. 2

Alkohol 3

Alkoholiker 3

Körperliche Abhängigkeit 4

Psychische (seelisch-geistige) Abhängigkeit 4

Krampfanfälle. 4

Delirium tremens. 4

“PHASEN DER ALKOHOLSUCHT: 5

TYPEN. 6

MOTIVE. 7

CO-ABHÄNGIGKEIT. 10

GENESUNGS-CHANCEN: 13

Die Kontaktphase. 14

Die Entgiftungsphase. 14

Die Entwöhnungsphase. 14

Die Nachsorge- und Rehabilitationsphase. 14

Alateen. 15

„KONTROLLIERTEN TRINKEN“ („KT“) 18

POLITIK / SPD : 20

SPD-Bundestagswahlprogramm 1994. 20

URTEILE ZUM THEMA: 21

ZITATE –. 22

Kinder aus Alkoholikerfamilien. 24


DEFINITIONEN

(Aus der Arbeit des Autors “Gesellschaft-Sucht-Sozialarbeit”)

 

 

SUCHT

 

Der Begriff ,,Sucht" ist eigentlich nicht mehr ganz korrekt. Die Weltgesundheitsorganisation (= World Health Organization, WHO) ersetzte ihn 1964 durch den Begriff ,,Drogen-abhängigkeit". Zu diesem Begriff findet sich folgende Erklärung:

 

,,Drogenabhängigkeit wird als übergeordneter Begriff definiert. Er bezeichnet einen Zustand seelischer oder seelischer und körperlicher Abhängigkeit von einer Substanz mit psychoaktiver, bzw. zentralnervöser Wirkung, die zeitweise oder fortgesetzt eingenommen wird." (6)

 

In Bezug auf den Teilbegriff ..... -abhängigkeit" findet hier natürlich eine Erklärung eines Begriffes durch sich selbst statt. Daher bleibt zur näheren Bestimmung des Begriffs Abhängigkeit" folgendes nachzutragen:

 

,,Abhängig ist jemand, der einen sog. )Kontrollverlust( erleidet, D.h. er hat entweder die Kontrolle darüber verloren, wieviel er von einer bestimmte Substanz zu sich nimmt und/oder er hat keine Kontrolle mehr darüber, wie oft er wirksame Mengen einer bestimmten Substanz zu sich nimmt. Weitere Anzeichen sind die Vorläufer oder das Vorhandensein körperlicher, seelisch -geistiger und sozialer Schäden. Immer haben die Betroffenen Schwierigkeiten mit dem Aufhören." (7)

 

Im Wesentlichen werden heute 7 Typen von Drogen-abhängigkeit unterschieden:

 

 

-Halluzinogen-Typ             (z.B. Lysergsäurediäthylamid =LSD, Meskalin, Psilocybin, u.ä.)

 

-Cannabis-Typ                   (Tetrahydrocannabinol in Haschisch und Marihuana)

 

-Amphetamin-Typ              (z.B. Pervitin, AN 1, auch Appetitzügler wie Eventin)

 

-Kokain-Typ                       (Kokain)

 

-Alkohol -/Barbiturat-Typ    (hierzu auch: Tranquilizer wie Valium, Librium, usw.)

 

-Morphin-Typ                      (z.B. Heroin, Morphium)

 

-Kath-Typ                            (,,catha edulis"=Blätter, gekaut oder als Tee)

 

Zur dieser Liste bleibt nachzutragen, daß folgende (echte) Sucht-Typen hier keine Aufnahme fanden:

 

a)    Schnüffelstoffe, wie Benzin, Lösungsmittel

b)    ,,leichtere" Süchte, wie Coffein, Nikotin

c)    Prozeßgebundene Süchte, wie Spielsucht, Fr-/eßsucht

 

Eine andere Möglichkeit ,,Sucht" zu unterteilen, ist die nach dem Beschaffungsweg des jeweiligen ,,Stoffes", Hier läßt sich einteilen in:

 

* Legal beschaffte Drogen

 

(z.b. Alkohol im Supermarkt, Fachgeschäft)

 

* Teils legal / teils illegal beschaffte Drogen

(Z.B. Medikamente (aus der Apotheke, auf Rezept, aber auch durch Tausch und Kauf ,,unter Freunden" und auf dem ,,grauen Markt") ebenso durch Beschaffungskriminalität, z.b. Einbrüche)

 

* Illegal beschaffte Drogen

(Z.B. Heroin -aber auch Haschisch- beim ,,Dealer" -zu deutsch: Händler)

 

 

Natürlich wird bei all diesen (und noch einigen anderen, ) Unterteilungsversuchen nach typisch ,,westlicher" Art und Weise erst einmal versucht alles ,,hübsch ordentlich" zu sortieren. Daß dies das Aufspüren gemeinsamer Ursachen nicht eben erleichtert ist klar. Aber es wäre ja auch ,,noch schöner" wenn etwa der (gesundheitsbewußte?) Tablettenkonsument oder der (genußfähige?) Kognaktrinker in einem Atemzuge mit diesen ,ekeligen Drogenfreaks" genannt würde...

 

Wie dem auch sei. Ganz sinnlos sind diese Aufteilungen sicher nicht, Die Einordnung nach Typen (also KokainTyp) Morphin -Typ) usw.) ist z.B. in Bezug auf die Entzugserscheinungen wichtig. Diese -und auch die typischen Vergiftungserscheinungen- sind ziemlich gut bekannt und können somit gezielter behandelt werden. Die medizinische Sicht ist hier angesprochen. Wichtig: Innerhalb eines Suchttyps ist der Betroffene automatisch von allen Substanzen abhängig! Beispiel: Ein Alkoholiker ist auch abhängig von Tranquilizern, oder wird es zumindest sehr leicht und sehr schnell!

 

Die Aufteilung nach dem Beschaffungsweg dagegen kann in therapeutischer Hinsicht interessant werden. Ob jemand Straftaten begehen mußte und/oder sich hoch verschulden, um seinen Stoff zu konsumieren, bzw, zu erwerben:

diese Teilbereiche (von vornherein) mit einzubeziehen kann sicherlich von Vorteil sein

 

Verbreitung (Epidemiologie)

 

Während einige Sucht-Typen in Deutschland so gut wie keine Verbreitung haben (z.B. Khat-Typ)) sind andere als regelrechte ,,Volksseuchen" zu bezeichnen, So wird die Zahl der behandlungsbedürftigen Alkoholkranken in Deutschland von der ,,Deutschen Haupt -stelle gegen die Suchtgefahren" (DHS), für 1991, auf 2)½) Millionen geschätzt. (9)

Grond schätzt) für 1990) die Zahl der Medikamentenabhängigen in der BRD auf 400 000': (10) (Dies eine doch eher niedrige Schätzung.)

 

Von illegalen) harten Drogen (wie Heroin) sind hingegen ,,nur" einige Zehntausend Menschen abhängig.

 

Bedenkt man Dunkelziffern und mitbetroffene Angehörige u.ä. so ergibt sich ein erschreckendes Bild !

 

 

 

Alkohol

 

Mit ,,Alkohol" ist meist der sog. Ethylalkohol (C2H2OH) gemeint. Alkohol entsteht durch die Gärung von Zucker und ist ein Stoffwechselprodukt lebender Mikroorganismen; er kann seit dem 20 Jahrhundert auch künstlich hergestellt werden. Alkohol ist leichter als Wasser und verdampft bei ca. 78 Grad Celsius. In reiner Form ist Alkohol eine wasserlösliche, farblose, brennend schmeckende Flüssigkeit, die mit blauer Farbe verbrennt und auf der Haut kühlend wirkt. Interessanterweise kommt Alkohol in der Natur höchstens in einer Konzentration von 14 % vor, bei höherer Konzentration sterben die Organismen, die Alkohol herstellen nämlich ab. Das Wort ``Alkohol" stammt aus der arabischen Sprache und bedeutet ,,das Feinste". Alkohol ist eine Droge und wirkt unmittelbar verändernd auf Funktionen des Zentralnervensystems. Er erzeugt eine Abhängigkeit vom Alkohol-/Barbiturattypus. (11)

 

Alkoholiker

 

,,Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) der UNG hat 1952 bereits definiert: )Alkoholiker sind exzessive Trinker, deren Abhängigkeit vom Alkohol einen solchen Grad erreicht hat, daß sie deutlich Störungen und Konflikte in ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit, ihren mitmenschlichen Beziehungen, ihren sozialen und wirtschaftlichen Funktionen aufweisen; oder sie zeigen Prodrome (Vorläufer) einer solchen Entwicklung. Daher brauchen sie Behandlung.(" (12)

 

,,Das Bundessozialgericht hat in einem Grundsatzurteil vom 18. Juni 1968 festgestellt: Trunksucht ist eine Krankheit im Sinne der Reichsversicherungsordnung -PVO.(" (12) Und zwar im Sinne des § 182 der RVO (BSG 28, 114). Nach diesem Urteil ist jede Sucht eine solche Krankheit. Kennzeichen von Sucht ist hier der ,,Verlust der Selbstkontrolle" und das ,,nicht - mehr - aufhören -können". (14)

 

Es wird für die Entwicklung der totalen Abhängigkeit, bzw, Sucht (bei Alkohol) ein Zeitraum von bis zu 12-15 Jahren angenommen. (Dies heißt also vom ersten Miß-brauch an gerechnet.)

 

Allerdings: Bei Frauen und Jugendlichen ist dieser Zeitraum meist wesentlich kürzer. Auch heißt dies nicht, daß vorher keine Schädigungen eintreten. Ebenso kann der Betreffende durchaus schon vorher an den Mißbrauchsfolgen sterben (z.B. durch Unfälle in berauschtem Zustand, Folgeerkrankungen, oder auch an Suizid oder (versehentlichen) Überdosierungen.) (15)

 

Körperliche Abhängigkeit

Eine körperliche Abhängigkeit vorn Alkohol äußert sich vor allem in Bezug auf die Entzugserscheinungen. Hier können sehr schwerwiegende Erscheinungen auftreten, zum Beispiel Krampfanfälle und ein Delirium tremens.

 

Psychische (seelisch-geistige) Abhängigkeit

Diese äußert sich beispielsweise in Unruhe, Nervosität, Schlafstörungen und Angst bei Entzug des Alkohols, In der Praxis sind körperliche und seelisch-geistige Entzugserscheinungen nicht unbedingt leicht auseinanderzuhalten, sie treten natürlich auch oft gemeinsam auf. Es kann aber durchaus eine der beiden Erscheinungsformen stark im Vordergrund stehen. D.h. das ,,Fehlen" des einen oder anderen Entzugsanzeichens bedeutet nicht, daß der Betreffende kein Alkoholiker ist!

 

Krampfanfälle

,,Krampfanfälle leiten relativ häufig (bis zu 40%) ein Delirium tremens ein und treten meist um den dritten Tag der Entzugsphase auf. Sie sind Ausdruck einer veränderten elektrischen Erregbarkeit des Gehirns in der Entzugssituation, da Alkohol ähnlich wie bestimmte Medikamente gegen Epilepsie wirkt, überdauern diese Krampfanfälle die Entzugsphase, dann spricht man von Alkohol-Epilepsie.

 

 

Delirium tremens

)Delirium tremens( ist die medizinische Bezeichnung für das nach 3 bis 5 Tagen eventuell auftretende klinische Vollbild der Alkoholentzugserscheinungen, das sich typischerweise durch Schlafstörungen, Händezittern, körperlicher Unruhe) Schweißausbrüche, Angst, optische Sinnestäuschungen (weiße Mäuse) und lebensbedrohliche Herz-Kreislauf - Komplikationen äußert. Die Behandlung erfolgt heute unter intensiv -medizinischen Bedingungen,..." (16)


 

“PHASEN DER ALKOHOLSUCHT:

Eine sehr brauchbare schematisierende  (!) Übersicht hierzu gibt Feuerlein:

A. Prodromal-Phase

1. Alkoholische Palimpseste (Räusche mit Erinnerungslücken)

2. Heimliches Trinken

    (Gelegenheit suchen ein paar Schnäpse ohne Wissen der anderen zu trinken)

3. Dauerndes Denken an Alkohol

    (Sorge ob genügend da ist, vorsorglich ein paar Schnäpse trinken)

4. Gieriges Trinken der ersten Gläser

5. Schuldgefühle

6. Vermeiden von Anspielungen auf Alkohol

7. Häufige Palimpseste

   

B Kritische Phase

8. Verlust der Kontrolle nach Beginn des Trinkens

9. Alkoholiker-Alibis (warum er trinken muß)

l0. Widerstand gegen Vorhaltungen

11. Großspuriges Benehmen

12. Auffallend aggressives Benehmen

13. Dauernde Zerknirschung

14. Perioden völliger Abstinenz mit ständigen Niederlagen

15. Änderung des Trinksystems (nicht vor bestimmten Stunden)

16. Freunde fallenlassen

17. Arbeitsplatz fallenlassen

18. Das Verhalten auf den Alkohol konzentrieren

19. Verlust an äußeren Interessen

20. Neue Auslegung zwischenmenschlicher Beziehungen

21. Auffallendes Selbstmitleid

22. Gedankliche oder tatsächliche Ortsflucht

23. Ungünstige Änderung im Familienleben

24. Grundloser Unwille

25. Bestreben, seinen Vorrat zu sichern

26. Vernachlässigung angemessener Ernährung

27. Erste Krankenhaus-Einweisung wegen körperlicher Beschwerden

28. Abnahme des sexuellen Triebes

29. Alkoholische Eifersucht

30. Regelmäßiges morgendliches Trinken

 

C.  Chronische Phase

31. Verlängerte tagelange Räusche

32. Bemerkenswerter ethischer Abbau

33. Beeinträchtigung des Denkens

34. Passagere alkoholische Psychosen

35. Trinken mit Personen weit unter seinem Niveau 

36. Zuflucht zu technischen Produkten (Haarwasser, Rheumamittel, Brennspiritus)

37. Verlust der Alkoholtoleranz

38. Angstzustände

39. Zittern

40. Psychomotorische Hemmung

41. Das Trinken wird wie besessen

42. Das Erklärungssystem versagt. Er wird leichter der Behandlung zugänglich.”

 

Quelle: Feuerlein, W., Alkoholismus - Mißbrauch und Abhängigkeit, Stuttgart, 1975

 

TYPEN

Diese geschilderten Phasen treffen im Prinzip auf alle Alkoholiker zu, ursprünglich und insbesondere aber auf einen bestimmten Alkoholikertyp, nämlich den sogenannten “Gamma - Typ". Dieser ist im unserem Kulturkreis tatsächlich auch am weitesten verbreitet.

Auch auf die übrigen Typen ist die Phasenlehre aber übertragbar, wenn auch gelegentlich mit gewissen Abweichungen. So entfällt beispielsweise beim ,,Delta - Typ" oft das Merkmal sozialen Drucks, zumindest zu Beginn seiner Suchtkarriere. Abhängige diesen Typs sind nämlich meist nicht auffällig betrunken und im Verhalten oft sehr korrekt. Die verschiedenen Typen sollen nun im Zusammenhang dargestellt werden.

 

ALKOHOLIKERTYPEN

,,Alpha-Typ: Problem - und Erleichterungstrinker; kein Kontrollverlust; seelische Abhängigkeit, da diese Angstabwehr die Probleme vergrößert.

Beta-Typ: Anpassungs - und Gewohnheitstrinker, um )mitzuhalten( mit den (Trink-) Sitten, an Situationen gekoppelt (Fernsehen, Wochenende, Arbeitswege, Hausarbeit); wenig seelische, aber später körperliche Abhängigkeit.

Gamma-Typ: Eigentlicher Prozeß-Trinker mit seelisch - körperlicher Abhängigkeit, Toleranzsteigerung, Kontrollverlust, Abstinentzsymptome, auch wenn Abstinenzzeiten möglich sind.

Delta-Typ:  Spiegel-Trinker; da über lange unauffällige, schleichende Gewöhnung der Alkohol-Spiegel sich langsam erhöht, bis er gebraucht wird, hat der Betroffene nie das Gefühl des Kontrollverlustes, und da er sozial überkorrekt ist, ist er bei dieser rauschlosen Dauerimprägnierung besonders schwer zu motivieren.

Epsilon-Typ: Periodischer Trinker (früher Quartalssäufer...); auch diese im Alltag überkorrekten Menschen brauchen den Ausbruch ins zerstörerische Sozial-Unerlaubte, um überbemüht sozial erlaubt leben zu können; maskiert sich lieber mit Hilfe von Ärzten mit der ,,feineren" Diagnose phasischer Depressionen." (“Irren ist menschlich”, S.251)

 

Als behandlungsbedürftig krank gelten allgemein alle Typen außer dem Alpha- und Beta-Typ, wobei anzumerken ist, daß hier Weiterentwicklungen in Richtung eines “echten” Alkoholikertypus nicht unwahrscheinlich -und eine große Gefahr  sind!

Die Übersicht zur Krankheit an sich soll damit abgeschlossen werden, um die Wichtigkeit des Themas zu unterstreichen sollen aber noch einige kurze Anmerkungen zu den durch Alkoholismus entstehenden Schäden gemacht werden.

 

 

 

 

 

MOTIVE

Gründe/begünstigende Faktoren für Sucht können sein (Beispiele):

 

-Soziale Ängste (z.B. Prüfungsängste, vor Vorgesetzten, "Lampenfieber",...)

-Sexuelle Ängste (Annäherungsängste, Versagensängste)

-Depressionen

-Geistig-seelische Schwächen

 (Schwierigkeit mit Gefühlen umzugehen, geringe Belastbarkeit u.ä.)

-sonstige Ängste und seelische Störungen

-Eltern - Kind- Konflikte

-Kommunikations- und Partnerschaftsprobleme

-Lebenskrisen (wie der Tod eines Angehörigen oder Trennungen).              

-Lebensalter (Jugendprobleme - Altersängste)

-Falsche Lernerfahrungen in Bezug auf das Suchtmittel ("mit" geht scheinbar Schlechtes

  besser / Gutes noch besser)

-Geschlecht

 (Frauen wird in der Öffentlichkeit ein Alkoholrausch noch immer nicht so leicht verziehen

  wie einem Mann. Dies sicher mit ein Grund dafür, daß eher bei den Medikamentensüchtigen

  ,,in Führung liegen").

 

* * *


 

DEUTSCHE HAUPTSTELLE GEGEN DIE SUCHT- GEFAHREN

BASIS - INFORMATIONEN  ZU  SUCHTKRANKHEITEN  UND RAUSCHMITTELN

Ausdruck:   07.01.1998         

 

Alkohol                                                   

Nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS) sind etwa 2,5 Millionen Bundesbürger und -bürgerinnen behandlungsbedürftig alkoholabhängig. Der Anteil Jugendlicher und junger Erwachsener wind auf etwa zehn Prozent dieser Gesamtzahl geschätzt. Etwa ein Drittel der Betroffenen sind Frauen. Die Zahl der Alkoholtoten wird bei etwa 40.000 angesetzt. 1994 standen bei Unfällen mit Personenschaden insgesamt 40725 Beteiligte unter Alkoholeinfluß, davon waren 3313 (=8,1 %) Frauen. 1994 ereigneten sich 39892 Alkoholunfälle mit Personen-schaden, bei denen 55093 Menschen verunglückten. Von den Verun- glückten starben 1828 Menschen, 18.6 % der insgesamt 9815 im Straßenverkehr Getöteten. Da nicht bei jedem Unfall eine Blut- probe genommen wird, muß der tatsächliche Anteil der Alkohol- unfälle an allen Unfällen höher geschätzt werden. 4.956 Verkehrstote gingen - nach Auffassung des Verbandes Technischer Überwachungsvereine - im Jahr 1992 mit großer Wahrscheinlichkeit auf das Konto alkoholisierter Fahrzeugführer. Dies ist die Hälfte aller Verkehrsopfer. Das Bundesministerium für Verkehr schätzt, daß nur jede 600ste Fahrt unter Alkoholeinfluß aufgedeckt wird (0,17 %). Der alkoholbedingte volks-wirtschaftliche Schaden wird unterschiedlich geschätzt. Die DHS schätzt jährlich Kosten in Höhe von 30 - 80 Milliarden. Das WHO-Regionalkomitee für Europa schätzt die Gesamtkosten, die der Gesellschaft durch den Alkoholkonsum entstehen, auf 5 bis 6 % des Bruttosozialproduktes. Die westdeutschen Arbeitgeberverbände sprechen von einem volks- wirtschaftlichen Schaden durch Alkoholmißbrauch in Höhe von 30 Milliarden Mark pro Jahr allein in den alten Bundesländern.

(Aus einer Mitteilung an den Autor)

 


SUCHT

Das Zwillingsgespenst von Medikamentenmißbrauch und Sucht verfolgt die menschliche Gesellschaft, seitdem sie über sich selbst nachdenkt. Keine Kultur auf unserem Planeten hat es umgehen können, mit dem Dilemma, das sie selbst produziert, konfrontiert zu werden. Von den Opiumhöhlen des 19. Jahrhunderts zu den Prohibition speakeasy, vom Säurentest der 1960er bis zum crack house in heutigen Tagen haben Medikamente und Drogen eine Hauptrolle gespielt, wenn es um subkulturelle und antikulturelle Gesellschaftseinflüsse ging. Selbst zugelassene Drogen wie z.B. Kaffee oder Nikotin können mißbraucht werden. Da es sehr wahrscheinlich ist, daß Drogen langfristig verfügbar sind, müssen sich Gesellschaften und Individuen gleichermaßen mit den Ursachen des Drogenphänomens auseinandersetzen. Man muß sich fragen, wie nicht nur die physiologischen, sondern auch die psychologischen und sozialen Auswirkungen dieser Erscheinung aussehen.

Einer der wesentlichen Punkte in der Definition einer Droge bezieht sich auf ihre physiologischen Wirkungen. Einfach ausgedrückt handelt es sich bei jeder Substanz um eine Droge, die direkt eine physiologische oder psychologische Veränderung im Körper hervorruft. Dazu gehören etwa Aspirin, Kaffein, Alkohol, Schlaf- und Schmerztabletten, Impfstoffe, Marihuana und Hustensaft. Da es sich hier um eine sehr wohlwollend getroffene Defintion handelt, bezieht man sich auf das bösartige Drogenphänomen gewöhnlicherweise, indem man von Drogenmißbrauch spricht. Oder man verwendet den Begriff "Drogen", um diejenigen Substanzen zu beschreiben, die am häufigsten mißbraucht werden  (Betäubunsmittel, Alkohol usw.). Die erstgenannte Haltung setzt sich weniger mit den moralischen Werten einer Droge auseinander, sondern stattdessen mit ihrer Handhabung. Die letztgenannte schränkt die Bedeutung des Begriffes "Drogen" ein und scheint damit alles zu verurteilen, auf das sich der Begriff bezieht. Ein Beispiel dafür findet man etwa in der Kampagne "Sag nein zu Drogen". Sie bezieht sich natürlich nicht auf solche Substanzen wie Vitamine und Aspirin, sondern auf Drogen, die ein Menschenleben zerstören können - wie Kokain und Heroin. Eine Droge (im eingeschränkten Sinn des Wortes) greift schwerwiegend in die mentale und physikalische Verfassung eines Menschen ein. Drogen sind zum großen Teil deshalb so gefährlich, weil sie den Verlust geistiger Kontrolle hervorrufen können und Änderungen in physikalischen Fähigkeiten erzeugen (wie etwa die veränderte Koordination der Körperglieder). Außerdem führt eine ganze Reihe von Drogen zur Zerstörung wichtiger Bereiche in Gehirn, Lungen, Leber und anderen Organen. So werden sie zu einem zweischneidigen Schwert. Einige der gefährlichsten Drogen zerstören nicht nur mentale und physikalische Fähigkeiten, sowie Körpergewebe, sondern führen auch zur Abhängigkeit. Auf diese Weise können sie einen oft fatalen, wirbelartig verlaufenden Absturz in menschliche Abgründe  verursachen. Solche Drogen wie Kokain (und Crack, eine Form von Kokain), Betäubungsmittel (wie Heroin), Alkohol und andere gehören vielleicht zu den gefährlichsten für Individuum und Gesellschaft.

Zusätzlich zu den physikalischen Auswirkungen spielen vor allem die psychologischen Einflüsse eine Rolle dabei, zu unterscheiden, ob man von einer Droge abhängig oder nur an sie gewöhnt ist, ob man gelegentlich den Wunsch verspürt, ihre Wirkungen zu verspüren oder ihr süchtig verfallen ist. Das Problem von Drogenmißbrauch und -sucht ist aber nicht nur ein individuelles Dilemma, sondern betrifft die Gesellschaft im ganzen. Für den sozialen Optimisten steht fest, daß es irgendwo einen verläßlichen Weg gibt, der zwischen den liberalen Schreien nach Legalisierung der Drogen und den konservativen Forderungen nach Gefängnisstrafen liegt. Wenn das stimmen sollte, dann möge man einem verzeihen, wenn man behauptet, daß dieser Weg dann aber noch darauf wartet, entdeckt zu werden.

Es lohnt sich also, diejenigen zu beachten, die vermuten, Drogenprobleme zu haben.  Das Leben ist zu kurz und wertvoll, um es in der Sklaverei für eine Droge zu vergeuden. Wenn Sie selbst abhängig sind, oder glauben, es zu sein, fragen Sie nach Hilfe. Es könnte Ihr Leben retten.                                               (Quelle unbekannt)

 


CO-ABHÄNGIGKEIT

 

Eine der Möglichkeiten der Einseitigkeit von kurzen Definitionen zu entgehen, ist, deren mehrere zu sammeln und darzustellen. Recht gewinnbringend hat dies z.B. Bertling (1993, S. 24/25) (Unterstreichungen vom Verfasser) unternommen:

“Die Begriffe ,Co-Abhängigkeit' und ,Mitbetroffenheit' sind auf alle die Menschen bezogen, die mit einem Abhängigen leben (Lebenspartner, Ehepartner, Kinder und weitere Angehörige) oder außerhalb des Familienlebens mit ihm Kontakt haben (Arbeitskollegen, Vorgesetzter, Arzt, Seelsorger, Therapeut und Freunde). Der Begriff der ,Co-Abhängigkeit' wird sehr unterschiedlich definiert. ...

R. Subby definiert ,Co-Abhängigkeit' als ,,ein Lebensbewältigungs- und Problem-lösungsmuster, das durch eine Reihe von dysfunktionalen Regeln innerhalb der Familie oder des sozialen Systems geschaffen und aufrechterhalten wird. Diese Regeln beeinträchtigen gesundes Wachstum und machen konstruktive Veränderungen sehr schwer, wenn nicht unmöglich."

Cruse -Wegscheider definiert: ,,Co-Abhängigkeit ist ein spezifischer Zustand, der durch die vorrangige Beschäftigung mit einem anderen Menschen oder Objekt sowie die Abhängigkeit (emotional, sozial, manchmal auch körperlich) von diesem charakterisiert ist. Schließlich wird diese Abhängigkeit von einer anderen Person zu einem pathologischen Zustand, der die co-abhängige Person in allen anderen Beziehungen beeinträchtigt."

T.L. Cermak definiert ,Co-Abhängigkeit' so: ,,Co-Abhängigkeit ist ein erkennbares Muster von Persönlichkeitsmerkmalen, die in vorhersagbarer Weise bei den meisten Mitgliedern von suchtkranken Familien gefunden wurden und dazu geeignet sind, eine ausreichende Dysfunktion hervorzurufen, um die Diagnose einer gemischten Persönlichkeitsstörung zu rechtfertigen, wie sie im DSM-11133 skizziert ist." ...

Robin Norwood ... spricht von ,Co-Alkoholikern'. Sie sagt: ,,Das Wort ,Co-Alkoholiker' bezieht sich auf Menschen, deren Verhalten im Umgang mit anderen gestört ist, weil sie eine sehr enge Beziehung zu jemandem hatten, der alkoholkrank war. Ganz gleich, ob der Alkoholiker nun ein Elternteil, Ehepartner, Kind oder Freund gewesen ist - eine solche Beziehung bewirkt meistens, daß beim Co-Alkoholiker bestimmte Gefühle und Verhaltensweisen auftreten: ein niedriges Selbstwertgefühl, das Bedürfnis, gebraucht zu werden, ein starkes Verlangen danach, andere zu verändern und zu kontrollieren, und eine Bereitschaft zu leiden.” ...

Um das Verhalten der ,Co-Abhängigen' kurz zu beschreiben, sei gesagt, daß sie aus einem Mitgefühl gegenüber dem Abhängigen heraus sich sorgen und dem Abhängigen helfen wollen. Sie verbünden sich mit ihm, indem sie seine Abhängigkeit vor sich selbst und vor anderen Personen leugnen, den Abhängigen in Schutz nehmen, ihn für sein Verhalten entschuldigen, ihm jede Verantwortung abnehmen, um sie sich selbst aufzubürden und sich als ,,Verräter" fühlen, wenn sie die Abhängigkeit eines ihnen nahestehenden oder gut bekannten Menschen gegenüber sich selbst und anderen Menschen preisgeben.”. (Bertling,1993,S.24/25)

Mit diesen Ansätzen zur Begriffsbestimmung ist schon vieles deutlich geworden. Anders als Bertling hat der Verfasser keine Probleme damit, all´ diese Definitionen nebeneinander bestehen zu lassen. Ausdrückliche Widersprüche finden sich nicht, im Gegenteil werden die unterschiedlichen Facetten des Begriffs recht gut dargestellt.

Aus eigener Anschauung kann nur noch ergänzt werden, daß es in der Tat bemerkenswert scheint, wie lange und mit welch´ hohem körperlichen und seelischen Durchhaltevermögen Co-Abhängige in ihrer Rolle verbleiben, selbst wenn sich der eigene Zusammenbruch schon klar abzeichnet, bzw. verschiedene Gefahren schon längst deutlich geworden sind.

In der co-abhängigen  Rolle befinden sich zwar zum Teil auch die Kinder selbst, insbesondere nimmt diese aber der Elternteil ein, der die Kinder aus (sonder-) pädagogischen Einrichtungen abholt, der evtl. zu Elternabenden, Einzelgesprächen und ähnlichem erscheint. Seine Situation und seine Verhaltensmuster müssen ebenfalls bekannt sein, wenn Hilfe in einer Form angeboten werden soll, die für diesen Mitbetroffenen auch wirklich “annahmefähig” ist.

Reine Begriffsbestimmungen reichen zur Herstellung dieses Verständnisses nicht aus, auch Co-Abhängigkeit verläuft z.B. meist in sich entwickelnden Phasen. Diese werden u.a. von Schmieder (1992, S.41/42) recht anschaulich folgendermaßen dargestellt:

“Wie die Beziehungskonstellationen auch geartet sein mögen, idealtypisch werden für das co-alkoholische Verhalten und dessen Verlauf im Zuge der Krankengeschichte drei Phasen unterschieden ... :

1. die Beschützer- oder Erklärungsphase,  2. die Kontrollphase,  3. die Anklagephase

In der Beschützer- oder Erklärungsphase versucht die Co- Alkoholikerin oder der Co-Alkoholiker zu erklären, welche Gründe für den Alkoholkonsum des Partners vorliegen. Was oder wer, stellt sich die Frage, ist schuld daran, daß er zu häufig und zu tief ins Glas schaut. Es wird nicht darüber gesprochen, was in der Familie vor sich geht. Weder reden die Familienmitglieder miteinander, schon gar nicht spricht man sich mit Außenstehenden aus. Es herrscht ein Klima des beredten Schweigens, was der Alkoholiker spürt und was ihm zusätzliche Schuldgefühle verschafft. Das läßt sein Selbstwertgefühl noch mehr sinken, als es schon gesunken ist - ein weiterer Anlaß zum Trinken.

In der Kontrollphase geraten die Versuche zu erklären und zu beschützen an ihre Grenzen oder brechen zusammen, weil der Alkoholiker beschützt wurde und weil ihn das dadurch noch weiter ruinierte Selbstwertgefühl immer tiefer in seinen Alkoholismus hineinzog. Beim Co-Alkoholiker wird das Gefühl verstärkt, versagt zu haben. Nun bleibt nur noch die Möglichkeit, stellvertretend für den Alkoholiker das zu tun, was er selbst nicht zu leisten in der Lage ist: den Alkoholkonsum zu kontrollieren, zu überwachen. Dies ist die leidvolle und immer zum Scheitern verurteilte Phase, in welcher der zähe und in den meisten Fällen stumme Kampf um die Flasche geführt wird. Durch dieses Überwachen und Kontrollieren wird dem Alkoholiker seine Unselbständigkeit noch weiter demonstriert, wogegen er sich mit der ihm einzig verbliebenen ‘Waffe’ wehrt: Er steigert seinen Alkoholkonsum. Auf der anderen Seite wächst die Verzweiflung der Co-Alkoholikerin oder des Co-Alkoholikers weiter, sind doch alle bemühten Versuche nicht nur erfolglos, sondern zeitigen fast schon das Gegenteil der guten Absicht. Wachsende Enttäuschung und Unzufriedenheit werden schließlich in der Anklagephase meistens in Vorwürfe übersetzt. Es sind Schuldzuweisungen an den saufenden Sündenbock, um das eigene, durch vergebliches Bemühen stark erschütterte Selbstvertrauen, wenn schon nicht zu retten, so doch die kläglichen Restbestände über die Runden zu bringen.

 Die Phaseneinteilung bleibt holzschnittartig gegenüber der Wirklichkeit des Suchtalltags.

Welche Co-Alkoholikerin weiß nicht ein trauriges Lied davon zu singen: die vielen Methoden der heimlichen Kontrolle, die er mit ebenso vielen raffinierten Tricks zu unterlaufen versteht. Um an seine Droge zu kommen, ist er außerordentlich einfallsreich und erfinderisch - wie alle Drogenabhängigen, gleichviel um welche Droge es sich handelt. Er hat seine Depots, ob im Bastelkeller, im Garten, manchmal ist sogar der Wasserbehälter der Scheibenwischanlage seines Autos mit Schnaps gefüllt: Ein Blick unter die Motorhaube, heimlich und schnell ein paarmal am Kunststoffschlauch gesogen, schon ist die alkoholisierte Welt wieder in Ordnung. Sein Portemonnaie wird kontrolliert und zur Not erleichtert oder die Flaschen werden einfach ausgegossen; für ihn ärgerlich, aber er wird sich auf jeden Fall wieder Alkohol verschaffen - er kann nicht anders, denn er ist süchtig.”

Diese recht ausführliche Darstellung gibt wertvolle Hinweise, die das Empfinden des mitbetroffenen Elternteils erklären und sein Verhalten beleuchten. Auch hier ist aber natürlich der Hinweis am Platze, daß diese Phasen nicht streng gesetzmäßig ablaufen, daß sie in der Praxis verändert, unterbrochen und verschoben auftreten können.

Aus eigenem Erleben und erfahren von sich und anderen Kranken kann der Verfasser bestätigen, daß die Schilderung der Raffinesse des Süchtigen in keiner Weise überzogen ist: Selbst bei eigentlich eher einfach strukturierten Persönlichkeiten und trotz -nein- wegen ihrer Krankheit wächst der Einfallsreichtum des Abhängigen ins kaum glaubliche -jedenfalls soweit das Beschaffen und Konsumieren des jeweiligen Suchtmittels tangiert ist.

Im -vergeblichen- Kampf mit dieser Problematik befinden sich die Angehörigen, oft die Mütter, der Kinder aus Alkoholikerfamilien. Ihren Schmerz zu kennen, die Belastung unter der sie stehen zu realisieren und -insbesondere- ihre aus der Not geborenen Selbsttäuschungen  zu durchschauen: dies ist wichtig.

Weiter oben wurde der Satz zitiert: “Die Scheidung ist in vielen Fällen nicht nur Folge des Alkoholismus, sondern wird auch zur Ursache seines weiteren Fortschreitens.” Dies muß korrigiert werden: das allzulange Ausharren und “Nicht-an-sich-selbst-denken” des Angehörigen -dies ist es, was dem Trinker ermöglicht “in Ruhe” weiterzutrinken!

(Aus der Arbeit “Kinder aus Alkoholikerfamilien” des Autors)


GENESUNGS-CHANCEN:

 

((Folgt: Rist,F.; S. 244, “Therapiestudien mit Alkoholabhängigen”, nach Mann,K.; Buchkremer,G. (Hrg.), “Sucht”, S.95; G.Fischer-Verlag: Stuttgart))

Eine Meta-Analyse von Süß (1995) konzentriert sich deshalb auf weniger, aber methodisch solidere Untersuchungen. Nach Zurückweisung aller Studien mit methodischen Mängeln verblieben von ursprünglich 320 einschlägigen Untersuchungen nur 44 Studien in der Meta-Analyse. In 23 davon wurden Behandlungverfahren bzw. Ansätze kontrolliert verglichen. 21% davon beschränkten sich auf die Darstellung katamnestischer Verläufe. Zur Berechnung der Abstinenz- und Besserungsraten wurden unterschiedliche Bezugsgrößen gewählt, sodaß sowohl pessimistische wie auch optimistische Schätzungen resultieren: Bestimmt man die Quote der Abstinenten nur für jene Patienten. die nicht vorzeitig entlassen wurden und die bei der Katamnese auffindbar waren. so resultiert eine übermäßig optimistische Schätzung. Nimmt man an daß alle vorzeitig entlassenen und alle nicht erreichten Patienten rückfällig geworden waren. erhält man eine eher pessimistische Schätzung. Faßt man alle Patienten und alle Katamnesezeitpunkte zwischen 6 Monaten und 4 Jahren zusammen. so ergeben sich Schätzungen von 34 Prozent dauerhaft Abstinenten für den pessimistischen Be- rechnungsmodus, 48% für den optimistischen Berechnungsmodus. Die Nichtabstinenten aber Gebesserten machen bei der pessimistischen Schätzung nur 6% aus, bei der optimistischen Schätzung 22%. Die Ergebnisse dieser Meta-Analyse belegen recht überzeugend, daß im Verlauf eines Jahres nach Abschluß einer Entwöhnungsbehandlung auch bei pessimistischer Schätzung doch mit einer Abstinenzquote zwischen 30 bis 50% zu rechnen ist. Eine Sonderstellung der Behandlung Alkoholabhängiger in der BRD im Vergleich zu anderen Ländern wird auch in der Meta-Analyse von Süß (1995) deutlich: In den von ihm berücksichtigten Arbeiten betrug die mittlere stationäre Verweildauer in Sucht- Fachkliniken ca 21 Wochen. in psychiatrischen Kliniken ca 6 Wochen. in den anderen Ländern ca 4 Wochen. Im Mittel sind in dieser Meta-Analyse stationäre Behandlungen in Deutschland sogar länger als ambulante Behandlungen außerhalb Deutschlands, für die Süß (1995) eine mittlere Dauer von ca 13 Wochen ermittelte. In einem Vergleich der Abstinenz- und Besserungsraten deutscher Sucht-Fachkliniken und psychiatrischer Kliniken mit ausländischen Arbeiten fand Süß (1995) jedoch eine gewisse Rechtfertigung dieses Systems. Für das eindeutig operationalisierte Kriterium ,,Abstinenz" betrug die Differenz 14% zugunsten der stationären Behandlungen in Deutschland,...”

((Obiges: Rist,F.; S. 244, “Therapiestudien mit Alkoholabhängigen”, nach Mann,K.; Buchkremer,G. (Hrg.), “Sucht”, S.95; G.Fischer-Verlag: Stuttgart))


 

BEHANDLUNG UND REHABILITATION:

 

Die Behandlung einer Abhängigkeitserkrankung läßt sich in vier Phasen einteilen, die jedoch nicht immer ganz voneinander getrennt werden können. Die Aufeinanderfolge der vier Phasen nennt man die Behandlungskette. Die Phasen sind:

- die Kontaktphase

- die Entgiftungsphase

- die Entwöhnungsphase

- die Nachsorge- und Rehabilitationsphase.

Die Kontaktphase

Ziel der Kontaktphase ist es, einen guten Kontakt zu dem Patienten herzustellen, da dies die Voraussetzung für die Weckung oder Bestärkung der Motivation für die Behandlung ist. Diese Phase dient auch der Abklärung der Diagnose und der evtl. bereits vorhandenen Folgekrankheiten sowie der psychosozialen Situation. Von Wichtigkeit ist die Kontaktaufnahme mit den Angehörigen, dem Hausarzt und dem Arbeitgeber, um weitere Informationen über den Patienten, aber auch über die Einstellungen der Kontaktpersonen zu der Krankheit bzw. dem Patienten zu erfahren. Es ist erforderlich, den Therapiebedürftigen genauestens über seine Erkrankung, die damit verbundenen Folgeerscheinungen sowie über die Behandlungsverfahren und Behandlungsziele aufzuklären. Die Kontaktphase vollzieht sich meist im ambulanten Bereich und dauert wenige Tage bis einige Wochen. Bei Patienten, die primär mit Alkoholfolgekrankheiten in stationäre Behandlung kommen, findet der erste Kontakt im Krankenhaus statt.

((Kontakt ist auch mittels einer Selbsthilfegruppe möglich !! –Der Autor))

 

Die Entgiftungsphase

Wenn die Patienten unter Dauereinwirkung von Drogen standen, ist eine Entgiftungsphase notwendig, da mit einem Auftreten von Entziehungserscheinungen zu rechnen ist. Die Entgiftung ist eine von einigen Tagen bis zu Wochen sich hinziehende Behandlung akuter Symptome wie z.B. Zittern, Schmerzen, Unruhe, Krampfanfälle oder Delir. Die Entgiftung ist primär die Aufgabe des Arztes.

Die Entwöhnungsphase

Die Entwöhnung ist ein langwieriger Vorgang (ca. 3 - 9 Monate), bei der psycho-therapeutische und sozialpädagogische Maßnahmen im Vordergrund stehen.

Bei gut motivierten Patienten, bei denen die Krankheit noch nicht so weit fortgeschritten ist, der körperliche und seelische Zustand gut ist sowie die sozialen Bezüge noch intakt sind, kann die Entwöhnung ambulant durchgeführt werden. Hingegen ist bei fortgeschrittener Drogenkarriere, hauptsächlich bei kritischen sozialen Verhältnissen und schwacher Motivation eine stationäre Behandlung ratsam. In der Entwöhnungsphase soll der Klient lernen, seine Problemdynamik zu erkennen und zu bewältigen, ohne wieder Zuflucht zu der Droge zu nehmen.

 

Die Nachsorge- und Rehabilitationsphase

Ziel dieser Phase ist es, die Entwöhnung zu stabilisieren und bei den neuen Sozialisationsformen wie bei der Wiedereingliederung in die sozialen Bereiche (Familie, Arbeitsstelle, Freundeskreis) Hilfestellung zu geben. Die Nachsorge läßt in der Realität oft zu wünschen übrig. Ambulante wie auch stationäre Einrichtungen kommen diesen Aufgaben vielfach nicht genügend nach. Eine große Hilfe bedeuten jedoch häufig die zahlreichen Selbsthiifegruppen; sie haben sich vor allem bei Alkoholkranken bewährt.

((“Einführung in die Sozialmedizin”, E.Grond,1990))

 

Alateen

 

(Folgt aus: Alateen-Faltblatt)

Alateen ist: eine Gemeinschaft von jugendlichen Al-Anons, etwa zwischen Zehn und Zwanzig, deren Leben durch das Trinken eines anderen beeinträchtigt worden ist. Aufgaben von Alateen: Junge Leute kommen zusammen: um Erfahrung, Kraft und Hoffnung miteinander zu teilen; um über ihre Schwierigkeiten zu reden; - um einen wirksamen Weg zu finden, mit ihren Problemen fertigzuwerden; - um sich gegenseitig zu ermutigen; - um miteinander die Prinzipien des Al-Anon Programms verstehen zu lernen. Alateens lernen: - daß zwanghaftes Trinken eine Krankheit ist; - daß sie sich gefühlsmäßig von den Problemen des Alkoholkranken lösen können, ohne ihn deshalb weniger gern zu haben; daß sie nicht die Ursache für das Trinken oder das Verhalten eines anderen sind; - daß sie niemanden außer sich selbst ändern oder kontrollieren können; - daß sie geistige und intellektuelle Fähigkeiten haben, mit denen sie ihre eigene Persönlichkeit entwickeln können, ganz gleich, was zu Hause passiert; - daß sie ihre eigenen wertvollen und befriedigenden Erfahrungen machen können. Sponsorschaft: Jede Alateengruppe braucht einen erfahrenen. erwachsenen Al- Anon als Sponsor. Der Sponsor nimmt aktiv an der Gruppe teil. Er gibt sein Wissen über unsere Zwölf Schritte und Traditionen an die Gruppe weiter. Außerdem kann sich jeder Alateen für einen persönlichen Sponsor entscheiden; dieser Sponsor ist ein anderer Alateen oder ein Al-Anon. Wo Alateens sich treffen: Alateens treffen sich in Gemeinde- oder Schulräumen oder an anderen geeigneten Orten (oft im selben Gebäude wie eine Al- Anon Gruppe, jedoch in einem eigenen Raum). Alateen Literatur: Alateens werden ermutigt. konferenzgeprüfte Literatur von Al- Anon und Alateen zu lesen, in der persönliche Erfahrungen anderer Al-Anons und Alateens zum Ausdruck kommen. Diese können bei der Bewältigung eigener Probleme helfen. ((aus: Alateen-Faltblatt)))

 

---Kontakte über die AA-Adressen!---

PHYSISCHEN FOLGEN VON ALKOHOLKUNSUM:

Einen sehr kompakten Überblick über die physischen Folgen von Alkoholkunsum gibt Reiners-Kröncke (S.31) unter der Überschrift “Alkoholfolgen:

Folgen: Alkoholfettleber, chronisch-dauerhafte und chronisch- aggressive Alkoholhepatitis, alkoholische Leberzirrhose, Bauchspeicheldrüsenentzündungen, Schleimhauterkrankungen (dadurch erhöhte Gefahr von Karzinomen), Alkoholhalluzinose (seltene Psychose), Eifersuchtswahn, Alkoholparanoia, Störung des Altgedächtnisses, gesteigerte Ermüdbarkeit, Reduktion des Vorstellungsschatzes, Affektlabilität, Mißtrauen, Wernicke-Korsakow-Syndrom, Kleinhirnatrophie, Polyneuropathie, alkoholischer Tremor.”

 

 

 

“SOZIALE AUSWIRKUNGEN VON ABHÄNGIGKEIT:

- erhöhte Krankheitshäufigkeit (Morbidität)

- Herabsetzung der Lebenserwartung

- verstärkte Unfallneigung

- Abgleiten in dissoziale Verhaltensweisen bzw. in Kriminalität

   (z.B. Beschaffungskriminalität bei Heroinabhängigen oder Prostitution weiblicher Fixer)

- finanzielle Schwierigkeiten

- Zerbrechen familiärer oder religiöser Bindungen

- Aufgabe des Berufes bzw. beruflicher Abstieg oder Aufgabe der Berufausbildung

- häufiger Wechsel der Wohnung bzw. des Wohnortes bis hin zur Obdachlosigkeit

- Gefühl der Sinnentleerung des Lebens und der Welt

- Rückzug aus allen sozialen Bindungen bzw. Zuwendung zu Menschen, die weit unter dem

   eigenen Niveau stehen (z.B. “Kumpanei" der Alkoholkranken und “Abdriften" in unterste soziale

   Schichten).

In aller Regel läßt sich bei der Erhebung der Sozialanamnese und bei der Erstellung der psycho-sozialen Diagnose eine enge Beziehung zwischen der Dauer der Drogenkarriere und dem sozialen Abgleiten feststellen. Daraus erhellt die Problematik der heute weit verbreiteten therapeutischen Grundhaltung, mit Hilfsmaßnahmen solange zu warten, bis der Klient für eine Therapiemaßnahme vollständig motiviert ist. In der Praxis ist immer wieder zu erleben, daß zu diesem Zeitpunkt die Auswirkungen der Erkrankung soweit fortgeschritten sind, daß mit einer vollständigen Rehabilitation oft kaum mehr zu rechnen ist.”

((“Einführung in die Sozialmedizin”, E.Grond,1990))


Prävention

(Vorbeugung)

 

Ein wichtiges Ziel ist es, in die Zukunft zu denken und unseren Kindern die Krankheit  ”Sucht” möglichst zu ersparen.

Dazu gehört unter anderem für eine lebenswerte Umwelt einzutreten.

Aber auch in Hinblick auf unser Verhalten gegenüber Kindern können wir konkrete Verbesserungen erreichen, die sie vor Abhängigkeit schützen können.

Eine Hilfe hierzu gibt eine Broschüre der ”Aktion Sorgenkind”. Ergänzend wird auch ein sogenanntes ”Kindergarten-Kit” angeboten, das (nicht nur) für Erzieherinnen und Erzieher in Kindereinrichtungen eine Hilfe sein kann.

Anschließend stichwortartig einige Zitate aus dieser Broschüre, sowie die Bezugsadresse:

 

       SIEBEN REGELN GEGEN SUCHT

 

1 Kinder brauchen seelische Sicherheit

 

2 Kinder brauchen Anerkennung und Bestätigung

 

3 Kinder brauchen Freiraum und Beständigkeit

 

4 Kinder brauchen realistische Vorbilder

 

5 Kinder brauchen Bewegung und richtige Ernährung

 

6 Kinder brauchen Freunde und  eine verständnisvolle Umwelt

 

7 Kinder brauchen Träume und Lebensziele

 

                 Bezugsadresse:

Vorsorge-Initiative

Lersnerstraße 40

                        60322 Frankfurt am Main

 

((Zu “Vorbeugung”:

Die Aspekte der Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention der Drogenkrankheiten sind die gleichen wie bei anderen psychischen Erkrankungen. Die Grundprinzipien der Psychohygiene finden hier ihre Anwendung. ))

 

 

Stellungnahme zum

 

„KONTROLLIERTEN TRINKEN“ („KT“)

 

 

Mit großer Sorge beobachten wir besonders in letzter Zeit die Berichterstattung in der Öffentlichkeit zum so genannten „neuen Therapieziel kontrolliertes Trinken“.

 

Der Alkoholiker brauche künftig nicht mehr völlig auf seine Droge zu verzichten, um als gesund zu gelten, heißt es hier verschiedentlich. Eine genaue Buchführung –unter Anleitung versteht sich- über seinen mäßigen bis mittleren Konsum reiche aus, um als „geheilt“ zu gelten.

 

Dazu haben wir folgendes zu sagen:

 

·      Es widerspricht völlig unserer Erfahrung mit uns und anderen Betroffenen, daß ein Alkoholkranker jemals wieder zur Kontrolle über seinen Konsum zurückfinden kann.

 

·      Wir beobachten oft, daß monate- und teilweise jahrelang versucht wird, diese Kontrolle wieder zu erlangen, mit zum Teil schlimmsten Folgen für den Betroffenen. Sein Leiden wird verlängert, das Risiko von Unfällen steigt, die Angehörigen haben zunehmend unter den wiederholten Rückfällen zu leiden und körperliche Folgekrankheiten verschlimmern sich bis hin zu Todesfällen.

 

·      Tatsächlich will kein Alkoholkranker zunächst wahrhaben, daß gerade er nicht mehr trinken, sondern nur noch saufen kann und manch` einer, der sich schon auf dem Weg zur Nüchternheit befunden hat, wird durch das nun ausgerufene Therapieziel „kontrolliertes Trinken“ sich in seiner falschen Hoffnung bestätigt fühlen und es „doch noch mal versuchen“, ob er nicht doch „normal“ trinken kann. So produziert man Rückfälle und verlängert Leiden!

 

·      Weiterhin ist es uns gänzlich unverständlich, daß die zufriedene Abstinenz, die bei einem Verzicht auf Alkohol durchaus in angemessener Zeit erreichbar ist, als höchstens „zweitbestes Therapieziel“ hingestellt wird. Durch wirklich kompetente therapeutische Hilfe im Verein mit Selbsthilfegruppen stellt nämlich -sogar oft recht schnell- das „Nicht-mehr-Trinken“ keinerlei Verzicht mehr für den Betroffenen dar. Hierdurch wird eine echte Freiheit eröffnet, die den Kopf und das Herz freimacht für neue Erfahrungen mit sich selbst und anderen Menschen! Warum hier das tägliche und wöchentliche „Erbsenzählen“ und Buchführen über die bereits konsumierte Alkoholmenge den hochwertigeren und besseren Lebensentwurf darstellen soll, ist uns völlig rätselhaft. Denn der Genuß, den Nichtbetroffene durchaus durch das Trinken erzielen können, der bleibt hier doch wohl ebenfalls vollkommen „auf der Strecke“ ...!

 

·      Den Einwand bei „hoffnungslosen Fällen“ und bei „Noch-nicht-Ganz-Alkoholikern“ könne man das „Kontroll-Ziel“ doch versuchsweise anwenden, vermögen wir ebenfalls nicht nachzuvollziehen. Sicherlich, wer wollte ernsthaft –und ohne moralisch deswegen verurteilt zu werden- etwas dagegen einwenden, bei „hoffnungslosen Fällen“ alles, aber auch wirklich alles zu versuchen und somit auch das kontrollierte Trinken als „Versuchsziel“ zu akzeptieren ? Über die damit verbundenen „Erfolgschancen“ und die erzielbare Lebensqualität braucht aber in Wahrheit doch wohl nicht ernsthaft diskutiert zu werden .......

Anders verhält es sich hinsichtlich der Menschen, die zwar Alkoholmißbrauch betreiben, aber „eigentlich“ noch nicht völlig als kranke Alkoholiker zu klassifizieren sind. Aus dieser Gruppe –und dies ist schon heute absehbar- werden sicherlich bald die Apologeten des Kontrollierten Trinkens ihre fiktiven „Erfolgsstatistiken“ speisen. Tatsächlich ist es möglich, daß in Vergangenheit und Gegenwart bereits mancher Alkoholmißbraucher als Kranker behandelt worden ist. Aber: Was bitte ist ihm denn damit schlimmes getan ? Eine zufriedene Abstinenz ist für uns, wie bereits gesagt, keineswegs ein „zweitklassiger Lebensentwurf“ sondern eben ein erstklassiger ! Tatsächlich gibt es ja Menschen, die ohne jemals Suchtprobleme gehabt zu haben, freiwillig diesen lohnenden „Verzicht“ leisten.

 

·      Sucht man also nach neuen Möglichkeiten Suchtkranken zu helfen, kann die Konsequenz für uns niemals heißen, ein medienwirksames und gut „verkäufliches“ aber untaugliches und theoretisches Modell fern jeder Praxis zu ersinnen und zu propagieren, sondern die von uns gesammelten Erkenntnisse und Erfahrungen noch stärker und weiter in die Öffentlichkeit zu tragen, insbesondere die, die wir unter dem Stichwort „Zufriedenheit“ genannt haben.

 

 

 

Wir möchten noch darauf hinweisen, daß –soweit uns bekannt- alle Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen unsere Ansicht im wesentlichen teilen. Das BLAUE KREUZ verfügt über eine nunmehr hundertjährige fachliche Erfahrung und so hoffen wir, daß auch unsere Argumente Gehör finden werden.

 

Wenn Sie unsere Arbeit in irgendeiner Form unterstützen möchten, sind Sie herzlich hierzu eingeladen. Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

i.A. des BLAUEN KREUZES HASSLOCH / PFALZ

 

 

        Burkhard Tomm-Bub


 

POLITIK / SPD :

 

SPD-Bundestagswahlprogramm 1994

 

...durch eine neue Politik gegen Drogen

 

Rund 100 000 junge Menschen sind heute abhängig von harten Drogen. Fast jeder fünfte stirbt daran. HIV-Infektion und andere Krankheitsrisiken, Verwahrlosung und menschliches Elend gehören zu den Folgen. Beschaffungs- und Begleitkriminalität nehmen zu, sorgen für Unsicherheit in unseren Städten und richten immense gesellschaftliche Schäden an. Wir sind nicht bereit, dies einfach hinzunehmen, und setzen uns für eine neue Politik gegen Drogen ein. Wir werben für ein Leben ohne Sucht; wir wollen die Hilfe für Drogenkranke zur Überwindung ihrer Abhängigkeit verbessern und gehen mit der ganzen Härte des Gesetzes gegen Drogenhändler und -händlerinnen und organisierte Kriminelle vor. Suchtkranke müssen besser betreut werden. Im Rahmen dieser Programme müssen streng kontrolliert auch Ersatzstoffe oder andere Hilfen abgegeben werden können. Durch den Übergang vom Legalitäts- zum Opportunitätsprinzip bei der Verfolgung des Besitzes kleinerer Mengen von Drogen zum Eigenverbrauch können Polizei und Strafverfolgung gezielter als bisher gegen wirkliche Dealer und organisierte Kriminelle vorgehen.

 

© Babiel GmbH 1995

 


 

 

URTEILE ZUM THEMA:

 

Haftungsausschluß der Versicherung bei Alkohol

Die relative Fahruntüchtigkeit des Versicherten bedarf ins einzelne gehende Feststellung hinsichtlich nachgewiesener Ausfallerscheinungen oder eines Fahrfehlers, der typischerweise durch Alkoholgenuß bedingt ist. Denn die Erfahrung zeigt, daß vielfach auch nüchternen Fahrern Fahrf­ ehler unterlaufen. Deshalb kommt es nicht auf irgendein Verschulden des Versicherten an dem Unfall an. Nur wenn der Richter davon überzeugt ist, daß der Verunglückte Fahrun- tüchtig war, hat er die weitere Frage zu prüfen, ob die Fahrun- tüchtigkeit für den Unfall ursächlich gewesen ist. Erst hierfür kann der erste Anschein als Beweis herangezogen werden.

BGH IV a ZR 193/86-VersR 1988,733=NJW 1988,1646.

 

 

Alkoholbedingte Fahruntüchtigkeit /Versicherung

Ab einem Grenzwert von 1,3 Promille ist stets von einer alkoholbedingten Fahruntüchtigkeit auszugehen. Dies gilt auch für zur Nachtzeit fahrende Motorradfahrer. Die Verträglichkeit von Alkohol ist bei Menschen unterschiedlich. Der Umstand allein, daß der Versicherte im Scheitelpunkt einer Linkskurve (also nicht ausgangs der Kurve) nach rechts von der Fahrbahn abgekommen ist, genügt nicht als Nachweis für einen Fahrfehler, der zusammen mit einer Blutalkoholkonzentration von 0,94 Promille den Schluß auf eine relative Fahruntüchtigkeit zulassen würde. Denkbar bleibt, daß der Verunglückte einem anderen Verkehrsteilnehmer oder einem Tier ausgewichen ist.

OLG Hamm 20 U 365/87-r+s 1989,66.

 


 

ZITATE –

die zum Thema passen !

--------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

 

,,Ich mißbillige das moderne erkünstelte Leben des Sinnesgenusses ,.. weil ich weiß, daß wir ohne vernünftige Besinnung auf die Einfachheit rettungslos in einen Zustand abstürzen müssen, der noch unter dem des wilden Tieres liegt." (1)

Mahatma Gandhi

 

 

,,Zum Höchsten ist gelangt, wer da weiß, worüber er sich freut, wer sein Glück nicht fremder Macht unterwirft." (2)

Seneca

 

 

,,Wir haben die Fähigkeit und die Energie ver­loren, aus unseren eigenen Handlungen zu lernen. Wir aber -nicht die Gesellschaft und schon gar nicht die Politiker- sind letzt­lich verantwortlich für unsere Handlungen und auch dafür, aus ihnen zu lernen. Und bei einem solchen Lernen entdecken wir unendlich viel . . ," (3)

Jiddu Krishnamurti

 

 

,,Meine Brüder, sucht Rat beieinander, denn darin liegt der Weg aus Irrtum und einsich­tiger Reue. Die Weisheit vieler ist ein Schild gegen Tyrannei. Wer keinen Rat sucht, ist ein Narr. Seine Torheit macht ihn der Wahrheit gegenüber blind, böse und wider­spenstig, und er wird zu einer Gefahr für seine Gefährten." (4)

Khalil Gibran

 

 

,,Wenn )Glücklichsein( überhaupt eine Bedeu­tung hat, dann doch wohl die, daß man ein Gefühl des Wohlbefindens, der Ausgeglichen­heit, der Übereinstimmung mit dem Leben hat. Das hat man aber nur, wenn man sich frei fühlt." (5)

 

A.S. Neill

 

 

--------------------------------------------------------------------------------------------------------



Kinder aus Alkoholikerfamilien

 

Was kann ich tun ?

 

Informationen

und

Anregungen

für

Lehrer/innen

und

Erzieher/innen

 

 

 

Alkoholabhängigkeit wird seit einigen Jahrzehnten als Krankheit anerkannt, erforscht und erfolgreich behandelt.  Professionelle Hilfen stehen mittlerweile auch für die mitbetroffenen und zumeist co-abhängigen Angehörige zur Verfügung.

Die Gruppe der minderjährigen Kinder aus Alkoholikerfamilien aber wurde allzulange vernachlässigt. Sie sind Mitbetroffene in besonderer Hinsicht. Einerseits verfügen auch sie nicht über die notwendigen Informationen, verhalten auch sie sich in der Regel so, daß der süchtige Vater oder die süchtige Mutter in der Krankheit gefangen bleibt und keine Anstalten unternimmt die Sucht zum Stillstand zu bringen -und insofern sind auch sie, die Kinder, “Co-Alkoholiker”. Andererseits sind sie aber Opfer in doppeltem Sinne, denn sie sind körperlich unterlegen, rechtlich höchstens beschränkt handlungsfähig und ganz allgemein mit weniger Möglichkeiten und Kompetenzen versehen als jeder erwachsene “Co”.

Hilfe ist hier dringend Not-wendig !

 

Suchen Sie Verbündete:

 

1) Suchtberatung

........................

........................

........................

 

2) Suchtberatung

........................

........................

........................

 

3) Präventionsfachkraft

 

........................

........................

........................

 

WAS KANN ICH TUN, WENN ICH EINEN ALKOHOLKRANKEN IN DER FAMILIE EINES KINDES VERMUTE?

 

Vorweg:

Sich -falls nötig- Fachwissen verschaffen.

1. Ruhe bewahren, überhastetes Eingreifen kann schädlich sein (Abwiegeln mit an-schließendem “aus dem Felde gehen”/end- gültiges Ausweichen, Trotzreaktionen, ...).

2. Kollegen, oder andere Vertrauenspersonen suchen, mit denen man über die eigenen Beobachtungen, Unsicherheiten und Gefühle sprechen kann, bzw. dies im Team thematisieren.

3. Den Kontakt zu dem speziellen Kind vorsichtig intensivieren, um eine (noch) positive/re Beziehung herzustellen.

4. Das Kind immer wieder ermutigen, über Probleme und Gefühle zu sprechen.

5. In der Gruppe / Klasse das Thema ,,gute und schlechte Geheimnisse” erarbeiten. (Gute Geheimnisse machen Spaß; alle Geheimnisse, die schlechte, komische oder schreckliche Gefühle machen sind schlechte Geheimnisse. Über sie darf (muß) man sprechen.)

6. In der Gruppe (im Spiel, in geeigneten Unterrichtsfächern) das Thema Alkohol / Betrunkenheit vorsichtig ansprechen und damit signalisieren: ,,Ich weiß, daß es Eltern gibt, die viel trinken .. Mit mir könnt Ihr darüber reden... Ich weiß, daß Kinder sich in so einer Situation oft schlecht und verzweifelt fühlen.”

7. Mitarbeiter einer Selbsthilfeinitiative, einer Beratungsstelle o.ä. hinzuziehen, um mehr Sicherheit zu gewinnen.

8. Hinweise auf das Vorliegen einer “Alkoholikerfamilie” aufschreiben (stichwortartiges Tagebuch über Verhaltensweisen des Kindes führen).

9. Wenn möglich, Kontakt zur Mutter / zum anderen Elternteil intensivieren, (z.B. Zusammenarbeit bei der Vorbereitung von Kindergartenfesten, Gespräche am Elternsprechtag, usw.), um die Vermutung zu prüfen und um ein besseres Vertrauensverhältnis aufzubauen.

10. Kontakt zum Jugendamt, bzw. zum jeweils zuständigen Fachdienst aufnehmen (ggf. vorerst ohne Namensnennung), z.B. wenn eine räumliche Trennung oder Herausnahme zur Diskussion steht.

11. Falls möglich, dem Betroffenen die Befürchtungen und Eindrücke klar und deutlich (Daten und Fakten!) zurückmelden / mitteilen (Moralisierungen und Drohungen vermeiden!). Dies sollte i.d.R. zu zweit geschehen. Hilfen in Form  der Nennung von regionalen Adressen, Telefonnummern und Ansprechpartnern können bei entsprechender positiver Reaktion angeboten werden.

12. Falls möglich dem nichtbetroffenen / mitbetroffenen Elternteil eine solche Rückmeldung geben und ihm konkrete Hilfen anbieten.

13. Mit dem Kind positiv arbeiten, seine Rolle(n) “aufweichen”; wachsam sein (Informationen über Verschlimmerung der Situation erfragen); ggf. konkrete Hilfen anbieten; schlimmstenfalls über eine Inobhutnahme/Herausnahme nachdenken, diese diskutieren und evtl. einleiten (lassen).

 

Literaturempfehlungen:

 

1......................

........................

.........................

 

2. .......................

............................


 

 

Zurück zur Startseite:

suchtinf.htm