Zirkustiere


Der Zirkus - 1891 - Georges Seurat - Credits to Wikipedia - de.wikipedia.org/wiki/Bild:Georges_Seurat_019.jpg



Zauber der Manege?



Zum Glück widerlegen sich die Zirkusunternehmen
selbst, wenn sie versuchen,
die Haltung von Wildtieren zu rechtfertigen
Giraffe im Zirkus - Credits to soylent-network
"... und bietet zusammen mit dem großen Außengehege viel Platz für den reichlich vorhandenen
Spieltrieb ..." 1

Immerhin hat auch diese Giraffe, die nicht aus dem Tierbestand des hier zitierten Zirkusunternehmens stammt, ein Aussengehege. Und es ist sogar fast so groß, wie in manchem Zoo.

Aber, ist dieses Gehege deshalb wirklich ein Ort, an dem eine Giraffe ein auch nur annähernd tier- bzw. verhaltensgerechtes Leben führen kann?


"Alle Manegen-"Kunststücke" entstammen dem natürlichen Verhaltensrepertoire der Tiere." 1

Na klar, Elefanten setzen sich in freier Wildbahn andauernd auf die Hinterbeine und machen "Männchen"! Es gehört selbstverständlich auch zu ihrem ureigenen Verhalten, eine Polonaise mit den Vorderbeinen auf dem Rücken des vorderen Tiers zu veranstalten, leben ja schließlich im geschlossenen Sozialverband. Soweit ich weiß, gehört auch der Handstand auf einem Vorderbein zum natürlichen Imponiergehabe der Elefanten.

Oder sollte ich mich etwa irren?

Löwen, Tiger, Leoparden springen durch Feuerreifen und übereinander, sie lieben den Nervenkitzel! Schade eigentlich, dass in der Natur so wenig Feuerreifen herumhängen! Raubkatzen der verschiedensten Art treffen sich in freier Wildbahn und machen zusammen ein paar Spielchen. Natürlich erst, nachdem sie sich auf einen gemeinsamen Wohnort geeinigt haben!

Oder vielleicht doch nicht?

Fahren Bären und Schimpansen nicht vielleicht doch insgeheim gern Fahrrad, wenn sie in ihrem natürlichen Lebensraum irgendwo eins rumliegen sehen?


Aber jetzt mal Scherz beiseite. Die obige Behauptung ist eine freche Lüge. Lediglich die Bewegungsabläufe der Pferde in der Dressur können in fast identischer Form in der freien Wildbahn beobachtet werden.

Hiermit die teilweise grotesken Dressuren der übrigen Zirkustiere rechtfertigen zu wollen, grenzt in meinen Augen an Volksverdummung erster Güte.

Und von einem "Verhaltensrepertoire" zu sprechen ist ein Widerspruch in sich. Ein Repertoire ist ein "Verzeichnis der von einem Bühnenkünstler oder Musiker gespielten Rollen bzw. Partien". Wie kann ein natürliches Verhalten gleichzeitig eine gespielte Rolle sein? Muss ich das verstehen?

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"In einer Zeit, in der die in freier Wildbahn lebenden Exoten immer mehr aus ihrer natürlichen Umgebung verdrängt werden, ist es für uns eine Verpflichtung, ihnen Lebensraum bei uns zu geben." 1

Falsch! Es sollte für uns eine Verpflichtung sein, ihnen ihren natürlichen Lebensraum zu erhalten, oder alternativen natürlichen Lebensraum zu schaffen, und damit meine ich wahrhaftig nicht den Pseudo-Lebensraum in Zoos oder Zirkussen!

"So wurde z.B. in den 50er Jahren die Ausrottung des sibirischen Tigers nur durch den exakten Zuchtplan des Dr. Schneider vom Leipziger Zoo verhindert. Und bald wird es auch dringend notwendig sein, Elefanten in Circussen und Zoos zu züchten." 1

Eine bodenlose Frechheit, sich als Rechtfertigung für in Ketten lebende Elefanten, die zu entwürdigenden "Kunststücken" getrieben werden das Deckmäntelchen der Arterhaltung überzuwerfen!


"Tiere im Circus werden optimal ernährt, nicht nur um ein schönes und gefälliges Aussehen zu haben, sondern auch um leistungsfähig zu sein." 2

Ich dachte immer essen, trinken, schlafen sind Grundbedürfnisse eines jeden Lebewesens und gehören grundsätzlich jedem Tier in Menschenobhut gewährt. Wie man sich irren kann!

"So kann man auch ihre Gehege wesentlich kleiner halten als in der Natur. Das heißt natürlich nicht, dass man Gehege beliebig klein bauen kann." 2

Stimmt! Wenn sie noch kleiner wären, würde ja eventuell eine Strafe von den Behörden verhängt. Unvorstellbar wäre auch der Imageverlust, wenn die Medien davon Wind bekämen und das kleine Vergehen unnötig aufbauschen würden.


"Indem man Jungtiere von klein auf an das angebotene Zuhause gewöhnt, war und ist es möglich, Wildtiere zu domestizieren und in menschlicher Obhut zu halten." 2

Ich übersetze mal kurz: "Weil die armen Kreaturen es nicht anders kennen, dürfen wir uns über eine art- bzw. tiergerechte Haltung mit ruhigem Gewissen hinwegsetzen."

"Menschen neigen dazu, ihre Vorstellungen, Wünsche und Träume von Freiheit auf das Tier zu übertragen. Doch Freiheit ist ein relativer Begriff. Ganz besonders im Reich der Tiere. Dort entpuppt sich diese "FREIHEIT" als ständiger Kampf um Nahrung, Partner und Lebensraum, dessen Grenzen markiert, überwacht und verteidigt werden müssen." 2

Oh mein Gott, die armen Tiere. Ja, wenn sie in der Freiheit solch einen Stress haben, dann ist das wirklich nichts für sie. Da sollten sich doch mehr Leute entschließen, eine Zirkus zu gründen, um ihnen ein sicheres Zuhause ohne Sorgen bieten zu können. Oh, mein Gott, fange ich jetzt schon an, zu verblöden?

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"Circustiere rennen immer am Zaun oder Gitter hin und her; sie sind alle verhaltensgestört", wird häufig pauschalierend behauptet.

Aber was ist dran an diesen Behauptungen?

Zunächst einmal gilt es festzuhalten, dass der größte Teil dieser Ansichten von Besuchern geäußert werden, die die Tiere nur kurz sehen und deshalb nur Resultate kurzer Beobachtungen wiedergeben können. Selbst eine Beobachtung, die sich über 15 Minuten erstreckt, ist nur eine Momentaufnahme.

Um eine fundierte Aussage über das Verhalten eines Tieres machen zu können, muss man Eindrücke schon genauer und über einen längeren Zeitraum erfassen." 2

Das ist die reinste Verschleierungstaktik. Natürlich steht kein Besucher mehrere Stunden vor den Käfigen und beobachtet die Tiere. So kann und darf man aber nicht verschleiern, dass es bei einem nicht kleinen Teil der Zirkustiere stereotype Verhaltensweisen tatsächlich gibt. Würde man das jedoch zugeben, hätte man nur dummerweise gleichzeitig selber die Zirkushaltung als nicht annähernd art- bzw. tiergerecht enttarnt. Das wollen wir aber doch tunlichst vermeiden, oder?


"Pferde pflegen die Hälfte der Zeit eines Tages dösend auf der Stelle zu stehen; diese Beobachtung lässt sich sowohl auf einer Hauspferd-Koppel als auch bei Zebras in der Savanne oder im Gehege eines Circus machen." 2

Zum Einen stellt sich mir hier die Frage: Haben die Zirkusleute noch nicht einmal von Pferden und Zebras die leiseste Ahnung, oder wollen sie wieder nur verschleiern? Jeder, der sich ernsthaft mit den "Equiden", den "Pferdeartigen" befasst, sollte doch wissen, dass ein Pferd in freier Wildbahn etwa 16 Stunden täglich fressen muss, um seinen Energiebedarf zu decken. Da der Magen eines Pferdes unverhältnismässig klein ist, kann es unter normalen Umständen gar nicht solche Mengen Futter aufnehmen, um anschließend "die Hälfte der Zeit eines Tages dösend auf der Stelle stehen".

Zum Anderen verwundert es mich doch sehr, dass Zirkusleute soviel Zeit an Hauspferd-Koppeln und in der Savanne zubringen, um "eine fundierte Aussage über das Verhalten eines Tieres machen zu können". Andere Beobachtungen wären ja schließlich "nur eine Momentaufnahme".

1 Quelle: Zirkus Krone (http://www.circus-krone.de), 15.11.2001
2 Quelle: Zirkus Barum (http://www.circus-barum.de), 15.11.2001



Soviel zur Glaubwürdigkeit der Zirkusleute
oder
Soviel zu meinem beschränkten Horizont



Tiger im Käfig - Credits to animalrightsmedia and Animal Defenders Investigation

... ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt ...



Welch ein Maß an Leiden und brutaler Behandlung müssen die
armen Kreaturen erdulden, um dem gefühl- und gedankenlosen Menschen
einige Augenblicke der Freude zu bereiten?
Albert Schweitzer



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