Freitod

Freitod, auch Selbsttötung, Suizid oder Selbstmord ist die vorsätzliche Tötung der eigenen Person. Das Phänomen Freitod wird in unterschiedlichen Gesellschaften schon immer äußerst differenziert bewertet.

Im Allgemeinen wird der Freitod in den westlichen, christlich geprägten Ländern aus moralischen und religiösen Gründen strikt abgelehnt. In anderen Kulturkreisen, beispielsweise fernöstlichen, ist er ein durchaus regelhaftes, normativ akzeptiertes Verhalten. Eindrucksvoll dokumentierten dies die japanischen Kamikaze-Flieger im Zweiten Weltkrieg. Ihre Selbstmordkommandos empfanden sie als besondere, vom Vaterland verliehene Ehre. Aber auch heute empfinden palästinensische Intifada-Kämpfer ihre mörderischen Anschläge als Dienst für Allah, der ihnen direkten Zugang ins Paradies verschafft, obwohl auch der Islam den Freitod prinzipiell ächtet. In Religionen, für die das körperliche Dasein wenig gilt, wie den indischen Jainismus, hungern sich Menschen ehrenvoll zu Tode.

In der antiken Philosophie wurde Freitod strikt abgelehnt und als unerlaubtes Sich-Entfernen aus der Obhut der Götter verworfen. Anders als Sokrates und Platon akzeptierten die Stoiker den Freitod als letzten Weg der Freiheit, der durchaus gewählt werden konnte, wenn der Lebenssinn unerfüllbar schien. Auch im Römischen Reich wurde der Freítod gebilligt, galt als ehrenvoll und als Zeichen einer heldenmütigen Seele.

Das Christentum verurteilt den Freitod scharf als Sünde und Eingriff in die göttliche Schöpfungsordnung. Im Mittelalter wurden sogar die Besitztümer von Selbstmördern eingezogen, ihre Leichname oft geschändet. Römische Konzilien beschlossen, dass Menschen, die sich das Leben genommen hatten, nicht beerdigt werden durften. Erst seit 1882 wird Selbstmördern ein christliches Begräbnis nicht mehr verweigert, weil die subjektive Schuld nach dem Tode nicht feststellbar ist.

Dennoch ist sowohl nach christlichem und jüdischem Glauben Freitod nach wie vor verboten.

Heute wird der Freitod mehr unter psychologischen als unter ethisch-moralischen Aspekten betrachtet. Der Soziologe Durkheim war einer der ersten Forscher, die sich dieses Phänomens angenommen haben. Aufbauend auf Durkheims Thesen wurde Freitod als soziologische Entwicklung gesehen, die durch mangelnde Geschlossenheit des sozialen Wertesystems oder durch fehlende Bindung des Individuums an die Gemeinschaft ausgelöst werden kann. Selbstmord ist demnach als eine komplexe Handlung zu verstehen, die biologische, psychische und soziale Ursachen haben kann. Die Beendigung des Lebens wird dann als Befreiung aus dem nicht zu bewältigenden, unerträglich schmerzhaften Zustand Leben empfunden. Oft geht aus Abschiedsbriefen auch hervor, dass der Freitod ein Racheakt an einer Person ist, die für die schmerzhaften Empfindungen verantwortlich gemacht wird.

Für Deutschland belegen aktuelle Untersuchungen, dass Selbstmord in katholisch geprägten Regionen weitaus seltener auftritt als in protestantischen. Generell bleibt festzuhalten, dass die Suizidrate in Krisensituationen zunimmt. Bei Männern ist sie mehr als doppelt so hoch wie bei Frauen, und vor allem Alleinlebende sehen im Freitod oft den letzten Ausweg aus nicht zu bewältigenden Situationen.

Die Zahl der Suizidversuche ist allerdings um ein Vielfaches höher als die der tatsächlich begangenen Freitode. Der versuchte Freitod ist oft als Hilferuf an die Umwelt zu sehen. Durch Depressionen ausgelöste Suizide sind bei Menschen bis zu 40 Jahren die zweithäufigste Todesursache in Deutschland, bei Jugendlichen in der Pubertät sogar die häufigste.

Nach deutschem Gesetz ist der Freitod sowie auch der Versuch zum Freitod straflos, die unterlassene Verhinderung beziehungsweise Hilfeleistung jedoch nicht. Ein neues Gesetz in Holland, das die Tötung auf Verlangen nicht unter Strafe stellt, hat in Deutschland zu heftigen kontroversen Auseinandersetzungen unter Kirchenvertretern, Politikern und anderen gesellschaftlichen Gruppen geführt. Dies ist der Beginn einer gesellschaftlichen Diskussion, die von allen einen sensiblen Umgang mit dem Thema "Recht auf Tod" fordert.