Demo-Bericht 1.April 2006


In Dessau begann am 1. April 2006 die 2. Großdemonstration unter dem Motto "Break the silence - Gegen rassistische Staatsgewalt, Vertuschung und Straflosigkeit".
Die bundesweite Demonstration, zum Gedenken an den von der Polizei ermordeten Oury Jalloh, bewegte um die 1000 Menschen nach Dessau. Allerdings bemühten sich laut Angaben nur wenige Dessauer dem Demonstrationszug beizutreten. Lieber sah man aus sicherer Lage und desinteressiert aus dem Balkon oder Fenster der Demo von oben zu. Weiterhin waren um die 800 Polizisten im Einsatz, die sich vorallem zahlreich in Nebenstraßen aufhielten und am Polizeipräsidium Dessau selbst.
Um ca. 15 Uhr kam der erwartete Reisebus aus Berlin an, welcher von der Polizei durchsucht werden sollte. Kurzum gingen mehrere autonom Linke vom Bahnhof Richtung Straße, um die Polizei, die gerade dabei war mit dem "Abholen" zu beginnen, einzukreisen. Insgesamt konnte sich der Demonstrationszug gegen 15.15Uhr in Bewegung setzen. Durch zahlreiche Hinterstraßen gelockt, konnte sich die Demo wenigstens einmal von der gewünschten Route befreien und schlug kurzerhand einen eigenen Weg ein. Mehrere Sitzblockaden und Vorlesungen von Freunden Jallhos streckten die Demo zeitlich. Nach einem kurzem Abstecher am Knast wurden dann endlich Hauptstraßen und das Zentrum von Dessau passiert.

Aufgestaute Spannung und Wut gegen die Staatsgewalt konnte dann wenigstens beim Nähern der Polizeiwache Dessau entladen werden, wo man mit Schäferhunden und Schlagausrüstung schon wartete. Weiterer Verbleib war letztendlich der Hautpeingang der Dessauer Polizeifiliale die von mundkorbtragenden Polizisten bewacht wurde. Dank Maulkorb konnten sich die Staatsgewalt so peinlichen Fragen entziehen und dank Redeverbot blieb Ausredengesuche aus. Sitzblockaden führten zu einer Blockade der Ein- und Ausgänge der Polizei. An der Polizei sitzend, stehend oder Polizisten betrachtend verbleibend, wurden Reden der Familie und Initiativen gehalten.
Ausrufe wie "Hoch die internationale Solidarität" kippten in anbetracht der Tatsache leicht in "Hoch die antinationale Solidarität" über. Seltsamerweise sammelten sich hunderte von Polizisten in Rudeln in zahlreichen Hinterstraßen um das Grüne Hauptquartier. Auch wenn hin und wieder Mützen von Polizeibeamten den Besitzer wechselten und Essen inform von Tomaten geworfen wurde, kann man sagen das die Demonstration weitgehend friedlich und ohne Polizeigewalt stattfand.
Zum bedauern vieler ließ sich keine einzige Nazibande blicken um den Frust der brutale Gesellschaft wenigstens ein kleines Ventil zu geben.