Lurche
- Kathrin Weber -


Definition: Was ist ein Lurch (Kennzeichen)?
Lurche (Amphibia) sind eine Klasse der wechselwarmen Wirbeltiere mit nackter drüsenreicher, feuchter Haut, die einen Teil der Atemfunktion übernimmt. Von den Reptilien, ihren nächsten Verwandten, unterscheiden sich die Lurche durch diese Haut, die nicht wie bei den Reptilien mit Schuppen bedeckt ist. Die Lurche atmen als erwachsene Landtiere durch die Lungen, als im wasserlebende Larven durch die Kiemen und zeigen so eine Metamorphose vom Wasser - zum Landleben.
Das Wort Amphibien kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Doppellebende", was auf die Tatsache zurückzuführen ist, daß diese Tiere üblicherweise einen Teil ihres Lebens im Wasser verbringen und einen Teil auf dem Land. Sie sind Feuchtlufttiere und wegen ihrer Fortpflanzung ans Wasser gebunden.
Amphibien sind kaltblütige Tiere. Bei sehr tiefen Temperaturen verfallen sie in einen Zustand der Starre. Viele der Amphibienarten, die in den gemäßigten Klimazonen vorkommen, halten eine Winterruhe. Dazu vergraben sich die Frösche beispielsweise in Bodenschlamm, während sich die Kröten eher in ein feuchtes Erdreich zurückziehen. In dieser Zeit der Starre wird keine Nahrung aufgenommen. Den geringen Sauerstoffanteil, den die Tiere in ihrer Winterstarre benötigen, wird durch die Haut aufgenommen.
Die ausgewachsenen Lurche sind Fleischfresser und ernähren sich hauptsächlich von Insekten und kleinen wirbellosen Tieren. Große Froschlurche können sogar Mäuse zu sich nehmen. Die Larven, beziehungsweise die Kaulquappen ernähren sich weitgehend von Plankton. Die Feinde der Lurche sind vor allem Schlangen und Vögel. Die Eier und Larven der Lurche werden unter anderem von Wasserinsekten und Fischen gefressen.
Es gibt etwa 3000 bekannte Amphibienarten die sich auf drei Ordnungen verteilen :
Schematische Übersicht über den Stammbaum der Amphibien mit Klasse, Ordnungen und Familien:

Die Verbreitungsgebiete der Lurche sind weit gestreut:
Blindwühlen:
in den Tropen, mit Ausnahme von Australien, des indoaustralischer Raumes, Madagaskars und Westindien
Schwanzlurche:
gemäßigte Breiten, hauptsächlich in Nordamerika vertreten, in Südamerika im Bereich der Anden, bis in den tropischen Bereich vorgedrungen, in Afrika sind sie nur im äußersten Nordwesten vertereten
Froschlurche:
in sämtlichen Erdteilen und Ländern zu finden, treten besonders zahlreich in den Tropen auf
Die Evolution der Lurche:
Die Amphibien stammen von den ersten Wirbeltieren ab. Sie sind entwicklungsgeschichtlich aus den Fischen hervorgegangen. Die sogenannten Quastenflosser (Crossapterygier), eine nahezu 360 Millionen Jahre (im Zeitalter des Devon) alte Gruppe von Tieren, gelten als die fischähnlichen Vorfahren unserer heutigen Amphibien. Diese Gruppe wurde infolge vieler Trockenperioden ihren neuen Lebensbedingungen angepaßt. Lungenähnliche Atemhöhlen und die knochenverstärkten Brust- und Bauchflossen befähigten sie zu einem kurzzeitigen Landleben.
Im Karbon, der Steinkohlezeit vor rund 300 Millionen Jahren, hatten die von den Quastenflossern abstammenden Lurche bereits ihre Blütezeit. Weltweit herrschte ein feuchtwarmes Treibhausklima und es gab ausgedehnte Feuchtgebiete in weiten Teilen der Erde. Diesen Bedingungen waren die Lurche optimal angepaßt.
Der Fisch der Gruppe der Rhipidistia hat sich von den Quastenflossern abgespalten. Bei diesen Fischen kann man bereits Merkmale sehen, die man bei der Stammform der Amphibien finden kann. Beispielsweise waren die Flossen als fleischige Lappen ausgebildet, deren Skelett im Wesentlichen die gleiche Anordnung der Knochen aufweist, wie man sie später auch bei den Landwirbeltieren wieder finden kann. Auch die Knochen des Schädels lassen sich mit denen der ersten Amphibien vergleichen.
Aus der Gruppe der Rhipidistia entwickelte sich später im Karbon der Ichthyostega. Dieser war das erste bekannte Fossil, das man als Lurch bestimmen konnte. In einigen Merkmalen ähnelten sie noch den Fischen in anderen aber schon den Amphibien. Sie besaßen einen mächtigen Schwanz, der fischähnliche Flossen trug. Die Gliedmaßen hingegen waren bereits ausgebildet. Obwohl sie sehr kurz waren, konnten sie den Körper trotzdem tragen.
Aus der Gruppe der Ichthyostega entwickelten sich die uns heute bekannten drei Amphibienarten:
1. Schwanzlurche
2. Froschlurche
3. Blindwühlen
Die Stammesgeschichte der Amphibien:

Die Atmung:

Die wichtigste Veränderung, die beim Übergang vom Leben im Wasser zum Leben auf dem Land stattgefunden hat, ist die unterschiedliche Methode des Sauerstoffaustausches.
Es gibt 2 Atmungsmethoden, zum Einen das Atmen mit Hilfe der Kiemen, zum Anderen durch die Lungen. Amphibien können beide Methoden anwenden.
Die Larven, die vorerst am Anfang ihrer Entwicklung im Wasser leben, atmen mit Hilfe der Kiemen. Nach einer weiteren Entwicklung zur landlebenden Form haben sich die Kiemen zurückgebildet. Die ausgewachsenen Lurche atmen dann durch ihre einfach gebauten Lungen als auch durch ihre Haut. Die Atmung der Lurche ist jedoch abhängig von den Lebensweisen der Arten und ist somit eng damit verbunden.
Es gibt auch einige Ausnahmen, so zum Beispiel bei den lungenlosen Molchen, die ausschließlich durch ihre Haut atmen.
Das Auge:
| Längsschnitt durch das Auge eines Molches | ![]() |
Auch die Augen mussten umgestaltet werden, um auf dem Land leben zu können. Hierzu benötigen die Amphibien Drüsen, die mit Flüssigkeit die äußere durchsichtige Schicht des Auges feucht halten.
Die Augen sind bei den Amphibien jedoch unterschiedlich entwickelt. Beispielsweise können Blindwühlen nicht sehen.
Schwanzlurche hingegen weisen zum Teil rückgebildete Augen auf oder miteinander verwachsene Lider.
Das Sehen ist jedoch unentbehrlich bei der Nahrungssuche und beim Beobachten von Feinden, wenn Gefahr droht. Auch das Sehvermögen hängt wiederum von den Arten und deren Lebensweise ab.
Die Zunge:
Die meisten Amphibienarten haben eine gut entwickelte Zunge, die sehr muskulös ist. Die Zunge ist nach hinten im Maul eingeschlagen und vorne im Maul angewachsen. Auch hier in der Mundhöhle sind Drüsen vorhanden, die sie feucht und klebrig halten.
Die Beute der Amphibien wird gefangen, indem das Tier die Zunge herausklappt und sich so die Beute schnappt. Für im Wasser lebende Amphibien ist die Zunge nicht von Nutzen, viele besitzen lediglich eine Falte.
Das Ohr:
Auch das Gehör der Lurche ist von wichtiger Bedeutung. Gerade bei den Froschlurchen ist es sehr gut ausgebildet. Das Trommelfell liegt an der Oberfläche des Körpers. Man kann es als etwas heller gefärbte Hautfläche unmittelbar hinter dem Auge erkennen.
Die Schwanzlurche hingegen können nur Schwingungen wahrnehmen, da sie kein Trommelfell besitzen.
Die Haut:
Die Haut besteht aus 2 Schichten: der äußeren Epidermis und der inneren Cutis oder Dermis. Die Epidermis der Amphibien besteht aus einer Schicht ausgestorbener Zellen, die vor dem Verlust von Flüssigkeit schützt und somit als Verdunstungsschutz dient. Dieser Schutz ist gerade auf dem Land bei hohen Temperaturen vor dem Austrocknen ein Vorteil. Wenn das Tier größer wird, so häutet es sich wie ein Reptil. Nur die Blindwühlen besitzen winzig kleine Schuppen. Die anderen Ordnungen weisen keine Schuppen auf. Die Haut besitzt Drüsen, zum Einen die Schleimdrüsen, die eine Flüssigkeit absondern, um den Körper feucht zu halten, zum Anderen Schleimdrüsen an den Zehen, um auch an senkrechten Flächen haften zu können. Des weiteren besitzt die Haut Giftdrüsen, um sich vor Feinden zu schützen. Bei Bedrohung wird eine milchige Flüssigkeit abgesondert, die auf den Gegner giftig wirkt. Viele giftige Amphibien sind auffallend gefärbt (leuchtende Farben), was wiederum für die Feinde als Abschreckung dienen soll.
Die Stimme:
Die Blindwühlen haben keine Stimme, da sie keine Stimmbänder haben. Sie sind völlig stumm. Auch bei den Schwanzlurchen fehlen zum Teil die Stimmbänder. Es gibt nur wenige Arten dieser Ordnung, die imstande sind ein leises Geräusch, ähnlich wie ein heiseres Quaken, von sich zu geben.
Die Froschlurche sind jedoch sehr stimmgewandt, besonders während der Fortpflanzungszeit. Sie erzeugen Töne, indem sie Luft zwischen der Mundhöhle und den Lungen vorwärts und rückwärts pressen, wobei die Luft über die Stimmbänder streicht. Bei diesem Vorgang bleibt das Maul und die Nasenlöcher geschlossen. Sie können deshalb auch sehr gut unter Wasser quaken.
Es gibt eine große Vielfalt an Tönen und Dauer der Laute, so daß man die verschiedenen Arten auch anhand ihrer Stimme identifizieren kann. Meist ist es jedoch nur das Männchen, welches Laute von sich gibt. Durch seinen Gesang versucht es das Weibchen, während der Paarungszeit anzulocken.
Das Skelett

Die Schwanzlurche sehen in der äußeren Gestalt den Vorfahren sehr ähnlich. Sie haben einen langgestreckten Körper mit 4 kleinen Beinen und einen langen Schwanz. Der lange Schwanz ist ein typisches Merkmal der Schwanzlurche. Das Skelett hat jedoch eine grundlegende Umgestaltung durchgemacht, deshalb sind die Übereinstimmungen nur sehr oberflächlich.
Die Knochen des Schädels sind zurückgebildet und einige Teile des knöchernen Skelettes sind durch Knorpel ersetzt worden. Die meisten Knochenelemente der Wirbelsäule sind bei den Blindwühlen und den Schwanlurchen zu finden.

Das Skelett des Froschlurches ist der Fortbewegung des Springens angepasst. Der Schwanz ist in der Evolution verlorengegangen, da dieser für die Fortbewegung nicht notwendig ist. Dafür hat dieser Forschlurch sehr starke Hinterbeine, die als Antriebskraft dienen. Der Beckengürtel ist mit der Wirbelsäule verwachsen. Die Vorderbeine und der Brustgürtel sind verstärkt, um das Gewicht nach dem Aufsetzen eines Sprunges abzufangen.
Die Fortpflanzung:
Die Amphibien vermehren sich innerhalb eines Jahres nur während einer bestimmten Periode, die von der Jahreszeit abhängig ist. Schwanz- und Froschlurche pflanzen sich in den gemäßigten Breiten im Frühjahr fort. In den Tropen hingegen paaren sich die Froschlurche in der Regenzeit. Die Fortpflanzungszeit hängt bei vielen Arten stark vom Wetter ab.
Bei den Froschlurchen findet das Anlocken der Partnerin durch Quaken statt. Auch der Geruch oder die gefärbte Haut der Lurche können den Partner anlocken.
Meist legt das Weibchen ihre Eier im Wasser ab. Die männlichen Froschlurche besamen den Laich, sobald er den Körper des Weibchens verläßt. Dabei klammert sich das Männchen auf dem Rücken des Weibchens fest. Bei den Schwanzlurchen findet auch eine äußere Befruchtung statt, während die Befruchtung bei den meisten anderen Arten innerlich geschieht.
Die Eier der Amphibien sind im Wasser durch eine dicke gallertige Schicht geschützt. Froschlurche können bis zu 20000 Eier pro Laich legen. Es gibt zwei Stadien bei der Entwicklung eines Lurches. Zunächst schlüpft aus dem Ei eine Larve, die Kaulquappe. Aus dieser Kaulquappe entwickelt sich später ein erwachsender Lurch. Im Alter von 1 - 4 Jahren werden die Amphibien geschlechtsreif und können sich dann fortpflanzen.
Die Entwicklung (Ontogenie) des Grasfrosches:

Die Gefährdung:
Durch die Zerstörung vieler Feuchtbiotope durch den Menschen, sind die Populationen vielerorts zurückgegangen. Die Hauptgefährdung der Amphibien liegt im Straßenverkehr. Wenn die Tiere ihr Laichgebiet verlassen und in ein naheliegendes Winterquartier ziehen, müssen sie meist die Straße überqueren und werden dabei von Autos erfaßt.
Beispiele für Lurche: v.l. Dunkler Querzahnmolch, Rotrückensalamander, Ringelwühle



Quellen: