Florida 2003 - Ein Reisebericht von Carsten und Bianca

 

 

 

 

 

 

Tag 1: So, 09.02.2003        Flug nach Miami

 

 

Unser dritter USA-Urlaub nach New York / Kalifornien / Arizona (vier Wochen im Frühjahr 2000) und Washington D.C. (22 Stunden Aufenthalt zum Jahrtausendwechsel) sollte uns nach Florida führen. Der Flug nach Miami mit Lufthansa startete um 9,55 Uhr MEZ von Terminal 1 des Frankfurter Flughafens. Im Flugzeug wurden wir dann auch gleich auf unseren bevorstehenden USA-Urlaub eingestimmt, denn im Bordkino lief "Sweet Home Alabama", eine herrlich romantische Liebesgeschichte mit Reese Witherspoon. Nach etwas über 10 Stunden Flugzeit landeten wir pünktlich um 14,00 Uhr Ortszeit in Miami. Gepäckausgabe und Passkontrolle verliefen problemlos. Als wir das klimatisierte Flughafengebäude verließen, um zu unserem Alamo-Shuttlebus zu gelangen, traf uns erst mal der Hitzeschock. Du meine Güte! Im kalten deutschen Winter gestartet und im warmen floridianischen Frühling gelandet. Aber nach ein paar Minuten gewöhnt man sich an Temperaturen von um die 30 Grad Celsius und freut sich um so mehr auf einen tollen Urlaub. 

 

Mit dem Shuttlebus wurden wir dann zur außerhalb des Flughafengeländes gelegenen Alamo-Vermietstation gefahren. Den Wagen (kleinste Kategorie) hatten wir bereits von Deutschland aus gebucht. Nun waren wir auf die Hartnäckigkeit des Alamo-Mitarbeiters gespannt. Denn wie wir herausgefunden haben, halten die Mietwagenfirmen ihre Mitarbeiter dazu an, den Kunden vor Ort eine höhere Fahrzeugkategorie bzw. zusätzliche Versicherungen aufzuschwatzen. Passiert es häufig, dass der Mitarbeiter den Kunden keine Upgrades andrehen kann, wird er zu einen ernsten Gespräch bei seinem Chef gerufen. Das muss man einfach wissen, wenn man in den USA ein Auto mietet. 

 

Nun sollte man aber keinesfalls aus Solidarität mit den armen Mitarbeitern auf den möglicherweise angebotenen "special deal" eingehen. Hier gilt es standhaft zu bleiben. Denn schließlich hat man sich ja zu Hause bereits ausreichend Gedanken über die gewünschte Fahrzeugkategorie gemacht. Warum sollte man daran etwas ändern wollen? Und man hat hoffentlich bereits den vollen Versicherungsschutz bei der Buchung erworben. Dann besteht auch kein Bedarf mehr an einer weiteren Zusatzversicherung (es sei denn, man will unbedingt doppelt zahlen...). Ein weiterer Grund, ein angebotenes Upgrade abzulehnen, ergibt sich, wenn man (wie wir) die kleinste Kategorie gebucht hat. Diese Fahrzeugkategorie ist nämlich in aller Regel nicht verfügbar, so dass man vor Ort automatisch einen höherwertigen Wagen erhält, ohne mehr dafür zu zahlen. Dies ist uns in San Francisco vor drei Jahren passiert und auch diesmal spekulierten wir darauf. Nun, zurück zur Hartnäckigkeit des Alamo-Mitarbeiters. Wie erwartet bot er uns an, ein Upgrade auf eine höhere Klasse vorzunehmen. Schließlich sei der Komfort bei einem größeren Auto doch auch viel besser als bei unserem Kleinwagen. Als wir freundlich aber bestimmt ablehnten, gab er zu unserer Überraschung ziemlich schnell auf und überreichte uns die Schlüssel für unseren Mietwagen, einen grauen Hyundai Accent. Dieser war viertürig und somit (wie von uns erhofft) eine Kategorie höher angesiedelt als der von uns gebuchte Wagen der Opel-Corsa-Klasse.

 

Nachdem wir uns erst mal mit dem ungewohnten Automatikgetriebe vertraut gemacht haben ("R bedeutet Rückwärts und nicht Rallye-Gang"), ging es los in Richtung Miami Beach. Anfang der neunziger Jahre gab es organisierte Banden, die in Flughafennähe orientierungslos herumfahrende Touristen ausraubten. Dies wurde von den Medien ziemlich hochgespielt, so dass in der Folgezeit mehr und mehr europäische Touristen ausblieben. Der Staat Florida hat mittlerweile gehandelt. Neben einer stärkeren Polizeipräsenz auf den Interstates haben die Mietwagen keinen überdimensionalen Firmen-Aufkleber mehr, der die Insassen des Wagens automatisch als Touristen entlarvt. Natürlich muss man nach wie vor vorsichtig sein. Die Gegend rund um den Miami International Airport gehört (vorsichtig ausgedrückt) nicht zu den feinen Adressen. Wer sich nicht vorher schon ungefähr den Weg vom Flughafen zu seinem weiteren Ziel eingeprägt hat und dann am Seitenstreifen anhalten muss, um die Landkarte zu betrachten, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen. In mehreren Reiseführern und auch im Internet haben wir vor unserem Abflug gelesen, dass der Weg vom Flughafen Miami bis nach Miami Beach durch sog. "Sonnen-Symbole" gekennzeichnet ist und man sich somit gar nicht verfahren kann, wenn man nur immer diesen Symbolen folgt. Eigentlich eine gute Idee. Jedoch vor Ort konnten wir keine "Sonnen" finden. Anscheinend wurden die Verkehrsschilder mittlerweile erneuert und die "Sonnen-Symbole" wieder entfernt. Schade eigentlich. War eine gute Idee. Aber auch so braucht man sich keine Sorgen zu machen, dass man den Weg nicht findet. "Miami Beach" ist hervorragend ausgeschildert. Und wer lesen kann, ist halt im Vorteil. 

 

Miami Beach ist eine lange und schmale Insel, die der auf dem Festland liegenden eigentlichen City of Miami vorgelagert ist. Berühmt wurde Miami Beach vor allem für seinen Art-Deco-District. Mehrere Hundert Häuser in den Farben und Formen der späten 1920er Jahre prägen das Viertel im Süden von Miami Beach. Dabei wäre das historische Viertel in den 1970er Jahren beinahe abgerissen worden. Nur einer von Barbara Capitman angeführten Bürgerinitiative ist es zu verdanken, dass die Häuser heute noch stehen. Capitman erreichte 1979 die Aufnahme der Art-Deco-Häuser Miamis in das National Register of Historic Places, eine Liste der zu schützenden Gebäude. Anschließend wurden die Gebäude mit großem Aufwand renoviert und saniert. Und plötzlich kamen die Touristen aus aller Welt. Miami wurde zur "In-Stadt" und die der Art-Deco-Stil zum Wahrzeichen von Miami South Beach.

 

Was garantiert in keinem Reiseführer erwähnt ist, ist der endlose Stau, der auf Miami Beach herrscht. Es dauert Stunden, bis man sich durch den Verkehr gekämpft hat. Je weiter nördlich man kommt, desto besser wird es allerdings. Nachdem wir erfolglos einige Hotels abgeklappert hatten (die vor unserer Reise aus dem Internet heruntergeladenen Coupons von www.roomsaver.com halfen uns auch nicht weiter) fanden wir letztlich das Golden Sands Hotel, 6901 Collins Avenue. Obwohl das Hotel direkt am Strand gelegen ist, hatten wir gerade mal 49$ pro Nacht zu zahlen. Für Miami-Beach-Verhältnisse ein echtes Schnäppchen. 

 

Nach dem Zimmerbezug war dann noch Einkaufen angesagt. Da wir in Amerika sind, haben die Supermärkte natürlich auch Sonntags geöffnet. Sehr verbraucherfreundlich! Und so stürmten wir umgehend den auf der gegenüberliegenden Straßenseite gelegenen Publix. Neben leckeren Tortilla Chips von Lays kauften wir Diet Pepsi für Bianca, Budweiser und Vanilla Coke für Carsten. Carsten unterzog sich dann auch prompt noch am selben Abend dem "Selbstversuch" mit Vanilla Coke. Und er hat es tatsächlich überlebt - man glaubt es kaum, aber die süße Brause mit Vanillegeschmack hat ihm sogar ausgesprochen gut geschmeckt! 

 

Nachdem wir wieder auf unserem Hotelzimmer waren, überfiel uns doch die Müdigkeit. Immerhin waren wir schon 24 Stunden auf den Beinen. Und während Bianca einschlummerte, ging Carsten noch ein wenig einem seiner Hobbys nach: TV-Zapping. Insgesamt konnte man im Golden Sands Hotel 82 Fernsehkanäle empfangen. Carsten war begeistert. Keine Frage, wir waren in Amerika! 

 

 

 

Tag 2: Mo, 10.02.2003        Miami

 

Den heutigen Tag begannen wir mit einem Promenadenspaziergang am Strand in Richtung Art-Deco-Viertel. Unterwegs machten wir noch einen kleinen Zwischenstopp bei Dunkin Donuts, der größten Donut-Kette der USA, wo wir für 3,25$ sechs leckere Kringel für unterwegs kauften. Unser Tipp: Boston Kreme! Schmeckt super lecker! Unbedingt probieren!

Bianca und Carsten auf Miami Beach

Während wir am Strand saßen, die Sonne genossen und Donuts aßen, konnten wir Fotografen und ihren Models bei Modeaufnahmen zuschauen. Dabei haben wir uns dann auch prompt unseren ersten kleinen Sonnenbrand geholt. 

 

Nur ein paar Meter weiter gab es sogar Filmaufnahmen: Am Strand wurde vom Filmteam ein Volleyballnetz aufgebaut. In der Szene, die wir beobachten konnten, wurde ein Beachvolleyball-Spiel nachgestellt. Die Schlüsselszene: Ein Schauspieler stürmt vor zum Netz, erwischt den Ball jedoch nicht richtig und tut sich da weh, wo es Männern am meisten weh tut. 

Filmaufnahmen am Strand von Miami

Wir haben keine Ahnung, ob es sich bei diesen Filmaufnahmen um einen Spielfilm oder nur um einen Werbespot handelte. Also wenn jemand zufällig die oben geschilderte Szene in einem Film oder Commercial sieht, dann wären die Autoren dieses Reiseberichtes für eine kurze e-mail dankbar. 

 

Nachdem wir den Filmleuten eine Weile zuschauten, entschieden wir uns dafür, mit dem Bus nach Downtown Miami zu fahren. Blickfang in Downtown ist vor allem der sog. Freedom Tower. Dieser 1920 im mediterranen Stil erbaute Turm diente ursprünglich als Wahlkampfzentrale des Präsidentschaftskandidaten James Cox. Später wurde der Freedom Tower von der Einwanderungsbehörde aufgekauft, die hier ein Zentrum für kubanische Flüchtlinge einrichtete. Unser eigentliches Ziel war aber die Bayside Marketplace. Die Bayside Marketplace gilt als eine der Hauptattraktionen Miamis, obwohl es sich hierbei im Grunde genommen nur um eine riesige Shopping Mall handelt. Geschäfte und  Restaurants ohne Ende. Hier befindet sich auch das Hard Rock Cafe Miami. 

 

Nach ausgiebigem Shopping entdeckten wir außerhalb der Bayside Marketplace den Metromover. Der Metromover ist eine Schwebebahn, die Downtown Miami umrundet und tolle Blicke auf die Skyline der Millionenstadt freigibt. Laut Reiseführer soll eine Fahrt mit dem Metromover gerade mal 25 Cent kosten. Vor Ort stellten wir fest, dass die Fahrt mittlerweile sogar umsonst ist. Prima Sache! Quasi eine Stadtrundfahrt für lau! Der Nachteil war jedoch, dass diese "günstige" Art des Transfers natürlich in erster Linie von, na ja, sagen wir mal, sozial schwachen Personen genutzt wurde. Bei den Gestalten, die mit uns im Metromover fuhren, war uns schon ein bisschen komisch zumute. Gerade auch, weil wir voll bepackt mit unseren Einkaufstüten von der Bayside Marketplace unterwegs waren. Letzten Endes haben wir die Fahrt aber überlebt. Jedoch sahen wir zu, dass wir schleunigst zurück nach Miami Beach kamen. Der Bus (Linie S) fuhr uns für 1,25$ pro Person zurück bis zur Haltestelle direkt vor unserem Hotel in der oberen Collins Avenue.

 

Gegen Abend waren wir dann noch im Denny's, einer amerikanischen Familienrestaurant-Kette, essen. 

 

 

 

   

 

 

Tag 3: Di, 11.02.2003        Sawgrass Mills / Vero Beach

 

Heute sollte es hinaus aus Miami in Richtung Fort Lauderdale, dem "Venedig Amerikas" gehen. Geplant war ein Zwischenstopp in den Sawgrass Mills Stores in der Nähe von Fort Lauderdale. Wie wir dann feststellen mussten, ist "Nähe" in den USA jedoch 

relativ. Von der Interstate-Ausfahrt bei Fort Lauderdale aus brauchten wir noch gut eine Stunde, bis wir an den Sawgrass Mills ankamen. Die Fahrt ging immer geradeaus. Es gab nicht eine einzige Kurve. Dafür standen wir jedoch alle 500 Meter an einer Kreuzung mit roter Ampel. Amerikanische Highway-Romantik kommt da nicht auf... 

 

Endlich an der Shopping Mall angekommen, holte sich Carsten erst mal am Informationsschalter ein Coupon-Heftchen, mit dem man in fast allen Shops und teilweise auch in den Restaurants Rabatte bekommt. Eigentlich wollten wir uns nicht allzu lange in den Sawgrass Mills aufhalten, da wir auch noch etwas von Fort Lauderdale sehen wollten. Aber es kommt natürlich immer anders als geplant. Die Sawgrass Mills erwiesen sich als größte Shopping Mall Floridas: Über 400 Geschäfte und 30 Restaurants auf zwei Meilen Fläche verteilt. Somit beschlossen wir, den ganzen Tag hier zu verbringen und auf Fort Lauderdale zu pfeifen. Auf eine Besichtigung der  High-Society-Yachten hatten wir eh keine Lust und schöne Strände sollten wir später noch genug zu sehen bekommen. Also war Shoppen angesagt, was insbesondere Bianca auch reichlich ausnutzte. Besonders angetan war Bianca von "Claire's Boutique Outlet", einem Shop mit Ohrringen, Haarclips und vielen anderen schönen Accessoires. Carsten wiederum wollte unbedingt zu GAP. In Deutschland gibt es ja nur eine Handvoll Geschäfte dieser US-Bekleidungskette. Und Jakob Dylan, der Sänger der von Carsten zutiefst verehrten Band "The Wallflowers", hat mal einen Werbespot für GAP gemacht. Also war ein Besuch bei GAP für Carsten natürlich Pflicht. Und kaum hatte Carsten den Laden betreten, spürte er, dass da was ganz Besonderes in der Luft lag. Er konnte es sich nicht erklären, aber er spürte ein gewisses Kribbeln im Bauch. Er schaute sich um, und plötzlich passierte es: Die Hintergrundmusik änderte sich und aus den Boxen ertönten die ersten Takte von "When you're on top" vom fantastischen Wallflowers-Album "Red Letter Days". Carsten war hin und weg. Inspiriert und berauscht von dieser traumhaften Musik und im festen Glauben, dass die Rock-Götter oder zumindest das Schicksal ihm ein Zeichen gegeben haben, kaufte er sich gleich zwei Jeans und drei T-Shirts und spendierte noch dazu Bianca einen Rock, einen Jeans-Rock und ein Shirt. Obwohl es mit dem oben erwähnten Coupon-Heftchen immerhin satte 15% Rabatt gab, wurde Carstens Reisekasse durch diese Aktion ziemlich stark belastet. Und so lud ihn Bianca anschließend zum Mittagsessen ein. Es gab leckeres "Orange Flavored Chicken" bei Panda Express, einer ausgezeichneten Chinese-Food-Imbisskette. Sehr zu empfehlen!

 

Nachdem wir so ziemlich alle 400 Shops in den Sawgrass Mills abgeklappert hatten, ging unsere Fahrt weiter in Richtung Kennedy Space Center, dessen Besichtigung morgen auf dem Programm stehen sollte. Aus Zeitgründen nutzten wir die Interstate 95 und nicht die landschaftlich reizvollere Route 1. Übernachtet haben wir in Vero Beach (Motel "Vero Beach Resort"). Bemerkenswert war noch, dass wir heute sehr, sehr viele Autos mit patriotischen Stickern wie "United we stand" oder "God bless America" oder "Proud to be an American" sahen. Amerika im Vorfeld des Irak-Kriegs. Nur ein einziger unerschütterlicher Autofahrer hatte einen "Peace is Patriotic"-Aufkleber. Ein tapferer Außenseiter im kriegsbereiten Amerika George W. Bushs.

 

 

 

 

 

 

 

Tag 4: Mi, 12.02.2003        Kennedy Space Center / Kissimmee

 

 

Heute sind wir mal ein bisschen zeitiger aufgestanden. Der Besuch im Kennedy Space Center Abschussrampe in Cape Caneveralstand auf dem Programm. Erst vor 11 Tagen, am 01. Februar kam es zu einer der schlimmsten Katastrophen in der Geschichte der bemannten Raumfahrt, als die Raumfähre Columbia beim Landeanflug abstürzte. Über die Absturzursache wurde lange spekuliert. Am wahrscheinlichsten ist, dass sich bereits wenige Sekunden nach dem Start des Space Shuttle am Tank ein Teil der Isolierung löste und auf die linke Tragfläche prallte. Der Isolierschaum schlug gegen die Verbindungsstelle zwischen Tragfläche und Rumpf und schlug dort ein Stück der Dichtung los. Durch diese Stelle drangen dann beim Landeanflug Gase ins Innere der Raumfähre, die dort eine Explosion auslösten. Alle sieben Astronauten kamen ums Leben. 

 

Unmittelbar vor unserer Reise informierten wir uns im Internet, ob das Kennedy Space Center aufgrund dieses Unglücks überhaupt geöffnet hat. Wir konnten auf der Website des KSC jedoch nichts gegenteiliges finden. Und so machten wir uns von unserem Motel in Vero Beach aus auf den Weg nach Cape Canaveral. Nach knapp einer dreiviertel Stunde Fahrt waren wir bereits da. 

 

Aus dem Kennedy Space Center ist mittlerweile so etwas wie ein Themenpark geworden. Raumfahrt-Puristen sind von der "Disneysierung" des KSC überhaupt nicht begeistert. Laien wie uns hat jedoch die Art der Präsentation und Veranschaulichung der Eroberung des Weltraums sehr gefallen.  

 

Shuttlebusse fahren zwischen 10,00 Uhr und 14,45 Uhr alle 15 Minuten die einzelnen Stationen an. Somit gelangt man nacheinander zur Abschussrampe, zum Vehicle Assembly Building (VAB), zum Apollo/Saturn-Center und eigentlich auch zum International Space Station Center. Dieses war aber bei unserem Besuch nicht zugänglich. Die Stimme auf dem Band im Tourbus kommt Mond-Landekapselvon James Lovell, Kommandant von Apollo 11. Dessen Kommentar kann man mit ein paar Englisch-Kenntnissen auch ganz gut folgen, so dass der Erwerb einer deutschsprachigen Übersetzung eigentlich nicht nötig ist. Besonders gut gefallen hat uns das Apollo/Saturn-Center. Im "Firing Room Theater", einem nachgebauten NASA- Kontrollraum  wird der Countdown der ersten Mondlandung mit Original-Tonaufnahmen nachgestellt. Sobald der Countdown Null erreicht, hört und fühlt man den Start der Apollo 8-Rakete. Das ist klasse gemacht! Nach dieser Vorführung wird man in einen riesigen Raum geführt, in dem eine der drei noch existierenden Saturn 5-Raketen aufgebaut ist. Außerdem kann man u.a. noch ein Mondfahrzeug, eine Landekapsel und den Raumanzug von James Lovell bewundern. 

 

Ein weiterer Höhepunkt des KSC ist der IMAX-Kino-Bereich. Wir entschieden uns für den 3D-Film "Space Center" im IMAX2. Mit aufgesetzter 3D-Brille kann man von Astronauten selbst gefilmte Weltraumaufnahmen sehen und ein bisschen das Gefühl dafür bekommen, was es heißt, sich in Schwerelosigkeit zu bewegen. 

 

Gegen Nachmittag machten wir uns dann auf den Weg von Cape Caneveral nach Kissimmee. Kissimmee ist quasi ein Vorort von Orlando mit endloser Hotelmeile. Wir hatten die freie Auswahl und entschieden uns letztendlich für das Super 8 in der Vine Road. Dies war auch eine gute Wahl, denn wir konnten von dort zu Fuß zu Chevy's, Taco Bell und Hardee's gehen. Außerdem war es von diesem Hotel aus nicht allzu weit zu Disney World und Sea World. Wir zahlten 39$ pro Nacht, was angemessen ist. Wenn man sparsam ist und ein wenig sucht, kann man übrigens in Kissimmee auch schon Zimmer für 25$ bekommen. 

 

Abends gingen wir dann noch ins eben bereits erwähnte Chevy's. Mexikanisch essen in tollen Ambiente - einfach genial! Man kann gar nicht genug Werbung für Chevy's machen, so lecker ist das Essen hier!

 

 

 

 

 

Tag 5: Do, 13.02.2003        Disney World Orlando (Magic Kingdom)

 

 

1971 wurde mit Eröffnung des Magic Kingdom der Grundstein für die heutigen Walt Disney World Resorts in Zentralflorida gelegt. Heute gehören neben dem "klassischen" Magic Kingdom das EPCOT Center (eine Art ständige Weltausstellung mit Schwerpunkt auf Wissenschaft und Forschung), das Animal Kingdom (Schwerpunkt: die Tierwelt), die MGM-Studios, der Wasserpark Typhoon Lagoon sowie das Nachtclubviertel Pleasure Island zum riesigen Gesamtkomplex Disney World. Obwohl wir das Original des Magic Kingdom bereits vor zwei Jahren im kalifornischen Anaheim bei Los Angeles besuchten, entschieden wir uns diesmal wieder für diesen ursprünglichsten aller Disney-Vergnügungsparks. Dieser gilt zwar eher als Park für Kinder und Jugendliche, und es gibt ohne Frage Vergnügungsparks mit besseren Achterbahnen und Attraktionen. Aber dennoch hat Magic Kingdom etwas Besonderes, ja etwas Magisches an sich. 

 

Stündlich findet vor dem Schloss eine Aufführung mit bekannten Disneyfiguren und Musik aus diversen Disney-Filmen statt. Bianca war hin und weg. Insgesamt haben wir uns diese Show dreimal angesehen. 

 

Die besten Rides sind unserer Meinung nach Splash Mountain und Space Mountain. Nicht so gut gefallen hat uns der ExtraTERRORextrial Encounter. Hier wird im Prinzip die Illusion eines Alien-Ausbruchs aus einem Versuchslabor vermittelt. Man sitzt mittendrin, es ist dunkel und man bekommt plötzlich ein paar Wasserspritzer und etwas Luftdruck ab. Das ist aber nichts besonderes. Wir fragten uns ständig, wann es denn endlich losgeht. Außerdem passt dieser "Horror" nicht zum üblichen jugend- und gewaltfreien Angebot des Magic Kingdom.

 

Wie gesagt, der Reiz des Magic Kingdom liegt nicht in den Rides und Attraktionen. Da gibt es viel bessere Parks. Aber das Magic Kingdom hat einen Flair, der einfach unglaublich und immer wieder schön ist. 

 

Höhepunkt des Tages ist - natürlich - das Feuerwerk ganz am Ende. Das darf man nicht verpassen. Wer vorher geht, ist selbst schuld.

 

Dieser Donnerstag war der bisher schönste Tag unseres Florida-Urlaubes.

 

 

 

Tag 6: Fr, 14.02.2003        Sea World Orlando

 

Mit dem Sea World stand heute ein weiterer Vergnügungspark auf dem Programm. Im Sea World drehen sich (wie der Name eigentlich schon sagt) alle Attraktionen rund um das Thema "Meer". Highlights sind die Shows mit dressierten Walen und Delfinen. In den USA hat man - im Gegensatz zu Deutschland - keine Bedenken gegen diese Art der Shows. Wir haben uns drei Shows angesehen, die uns allesamt  sehr gut gefallen haben. Vom Einfluss der oft negativen Berichterstattung in den deutschen Medien bezüglich der Delfinshows konnten wir uns aber nicht ganz lösen, so dass dennoch ein etwas ungutes Gefühl im Bauch zurückblieb. 

 

Bianca am Eingang von Sea WorldUm 11,30 Uhr haben wir uns die Shamu Adventure Show angesehen. Shamu ist ein dressierter Killerwal, der allerhand Kunststücke vorführte und zum Schluss die hartgesottenen Zuschauer, die trotz der Warnungen des Ansagers in der "Splash Zone" Platz genommen hatten, mit seiner Flosse bis auf die Knochen nass spritzte.  Die zweite Show hieß "Clyde & Seamore Take Pirate Island". Hier spielen zwei dressierte Seeelefanten die Hauptrollen in einer Aufführung mit Rahmenhandlung. Spannend, witzig und angereichert mit verblüffenden Tricks und Einfällen - diese Show ist die Beste in Sea World. Die dritte Show (um 13,30 Uhr) war dann eine klassische Delfin-Show - ganz gut, aber nichts herausragendes.

 

Anschließend begaben wir uns ins sog. Hospitality Center. Sea World gehört zum Brauerei-Konzern Anheuser-Busch. Und im Hospitality Center kann jeder Besucher diverse Biere dieser Brauerei kostenlos probieren. Das Angebot ist allerdings beschränkt auf zwei Proben pro Besucher. Wobei anzumerken ist, dass hier lediglich eine "Sichtkontrolle" durch den Ausschenkenden vorgenommen wird. So sollte es (bedenkt man die Menschenmassen, die hier regelmäßig für Freibier anstehen) eigentlich auch möglich sein, mehr als nur zwei Proben zu ergattern. Carsten beschränkte sich jedoch auf zwei Bud Light, die ihm (trotz des "Light") außerordentlich gut schmeckten. Wieso hat Budweiser eigentlich sogar hier in den USA einen schlechten Ruf? Man weiß es nicht...

 

Bianca und die Flamingos

Wenn man durch den Park geht, kommt man unterwegs immer wieder an interessanten Haltepunkten vorbei, so z.B. am Manatees Center. Manatees sind Seekühe, die bis zu 4 Meter lang und 2000 kg schwer werden. Sie sind völlig friedlich, jedoch akut vom Aussterben bedroht, da sie sich von Angelhaken und Fangnetzen nicht befreien können und außerdem etliche Manatees beim Auftauchen und Luftholen von Schiffsschrauben erfasst und getötet werden. Im Manatees Center erfährt man Erstaunliches über die Geschichte dieser seltenen Tiere.

 

Ein weiterer Haltepunkt ist die Dolphin Cove. Hier kann man die herumschwimmenden Delfine füttern und streicheln. Die schlauen Tiere kommen aber nur an den Beckenrand, wenn man vorher für 4$ Spezial-Delfin-Futter kauft.

 

Spannend war dann der Shark Encounter. Hier geht man quasi durch ein riesiges, langgezogenes Aquarium hindurch. Diverse Haie sind rechts, links und auch über einem zu sehen. Das ist interessant und bedrohlich zugleich. Ein Muss im Sea World!

 

KrakenAch ja, zwei geniale Rides gibt es auch noch: Kraken (Super-Achterbahn mit mehreren Loopings) und Journey to Atlantis (Wildwasserbahn).

 

Sea World war der Park, der Carsten am Besten gefallen hat.

 

Die Anstehzeiten bei den einzelnen Haltepunkten und Attraktionen hielten sich sehr im Rahmen. Nirgendwo musste man länger als 10 Minuten warten - ein großer Vorteil des Sea World gegenüber vergleichbaren Vergnügungsparks.

Wildwasserbahn

 

Bei den oben erwähnten Shows sollte man sich jedoch rechtzeitig (mindestens 20  Minuten) vorher einen guten Platz sichern!

 

Abends ließen wir einen schönen Tag mit einem Grande Combo bei Taco Bell ausklingen. Wir staunten noch über diverse Valentinstags-Geschenkideen des vorher besuchten Wal-Mart. Dieser hatte doch tatsächlich - ach wie romantisch - Snickers-Schokoriegel-Herzen im Angebot. Na da wird sich die Herzdame ja freuen, wenn Sie Snickers-Herzchen zum Valentinstags erhält. Ein sehr interessantes Land, dieses Amerika...

 

 

 

 

Tag 7: Sa, 15.02.2003        Tallahassee

 

Heute war der Beginn unserer Fahrt nach New Orleans. Da die Strecke von Orlando bis New Orleans nicht an einem Tag zu schaffen ist, entschieden wir uns als Tagesziel für Tallahassee. Tallahassee ist seit 1845 die Hauptstadt Floridas. Die damaligen Metropolen St. Augustine und Pensacola konnten sich nicht darauf einigen, wer denn nun Hauptstadt des gerade unabhängig gewordenen Floridas werden soll. Als Kompromiss wählte man dann die Stadt, die in der Mitte beider Städte liegt: nämlich das beschauliche Tallahassee. Die Hauptstadt hat nichts gemeinsam mit dem hektischen Treiben Süd- und Zentralfloridas. Tallahassee versprüht eher einen kleinstädtischen Charme. 

 

In Tallahassee angekommen, wählten wir als Unterkunft das Motel Super 8 (für 45$). Im EconoLodge wollte man zwar nur 40$ haben, aber der Empfang war unfreundlich und der Standard des Super 8 ist in der Regel auch etwas höher anzusiedeln als der des EconoLodge.

 

Lake Ella in TallahasseeNach dem Einchecken fuhren wir zu einem wunderschönen kleinen Park am Lake Ella, der uns beim Vorbeifahren auf der Hauptstraße (Monroe Street) bereits aufgefallen ist. Hier ruhten wir uns aus und gingen einmal um den See herum spazieren.

 

Anschließend fuhren wir nach Downtown Tallahassee und machten einen Spaziergang rund ums Capitol, dem Regierungssitz Floridas, wo (nebenbei bemerkt) Floridas Gouverneur Jeb Bush dafür sorgte, dass sich sein älterer Bruder George W. im Jahre 2000 die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten ergaunerte, indem die umstrittene Stimmenauszählung in Florida zu ungunsten des Demokraten Al Gore gewertet wurde.

 

In der Nähe des Capitols befindet sich der Old Town Cemetery, der älteste Friedhof Tallahassees, den man besichtigen kann. Hier befinden sich auch u.a. die Gräber der während des amerikanischen Bürgerkriegs (in der Schlacht von Olustee) gefallenen Soldaten - getrennt nach Soldaten der Nord- und Südstaaten. Getrennt voneinander sind auch die Gräber der Weißen (im Osten) und ihrer schwarzen Sklaven (im Westen des Friedhofs) zu finden. Die Rassentrennung ging also auch nach dem Tod weiter.

 

Auf dem Weg zurück zu unserem Mietwagen kamen wir noch an der First Presbyterian Church vorbei, in die sich vor 150 Jahren die Gläubigen bei Überfällen der Indianer vom Stamm der Seminolen zurückzogen.

Nach dem Spaziergang waren wir dann doch ein bisschen hungrig und so bestellten wir bei Domino's "Pizza to go". Wir orderten 2 x Medium mit 3 Toppings für zusammen 14,99 $ - sehr, sehr lecker, aber eindeutig zu viel für uns zwei. Merke: Die Portionen in den USA sind meist deutlich größer als in Deutschland. "Medium" in Amerika ist "groß" bei uns. "Large" wäre dann korrekterweise mit "riesig" zu übersetzen.

 

Die Pizza aßen wir ganz gemütlich in unserem Motelzimmer, während auf HBO "The Chase" mit Charlie Sheen und Kristie Swanson lief. In diesen Film haben wir in Deutschland auf RTL2 schon mal reingesehen, jedoch haben wir zu Hause schnell wieder umgeschaltet, da die dämliche deutsche Synchronisation nicht zum Aushalten war. Der Film in Originalfassung ist aber gar nicht mal so schlecht!

 

 

 

 

Tag 8: So, 16.02.2003        New Orleans

 

Eigentlich war heute ein reiner Fahrtag geplant. Wir wollten so etwa bis Biloxi kommen. Da wir jedoch schneller als erwartet auf der Interstate 10 vorankamen, sind wir direkt bis New Orleans durchgefahren. Einen Zwischenstopp machten wir an einer Raststätte in Alabama, wo wir bei herrlichem Sonnenschein die Reste unserer gestrigen Domino's Pizza verspeisten. 

 

Als wir gegen Nachmittag in New Orleans ankamen, stand zunächst einmal die Hotelsuche an. Da wir keine Ahnung hatten, wo genau sich die "Hotel-Meile" von New Orleans befindet, haben wir einfach mal die Interstate-Abfahrt "French Quarter" genommen. Nach ein paar Minuten bog Bianca nach Anweisung ihres die Straßenkarte studierenden Beifahrers nach rechts ab und schon waren wir mittendrin im französischen Viertel von New Orleans. Die Straße, in die Carsten seine Fahrerin gelotst hatte, erwies sich ausgerechnet als die Bourbon Street, die Haupt-Party-Straße des French Quarter. Entsprechend groß waren natürlich die Menschenmassen auf der Straße. Es dauerte ewig, bis wir einigermaßen dem Trubel entkamen. Und dann mussten wir ja auch noch eine Unterkunft finden. Carsten fragte bei mehreren Hotels nach Zimmern. Doch meist waren diese ausgebucht oder wollten zwischen 120$ und 150$ pro Nacht haben. Nein Danke! Auch wenn morgen Feiertag sein sollte und es ein wenig naiv von uns war, an einem solchen Tag ohne Buchung nach NeDas New Orleans Guesthouse - Unser Hotel im Big Easyw Orleans zu reisen - alles machen auch wir nicht mit! Und irgendwann, nach dem X-ten Versuch, ein Zimmer zu bekommen, gab man uns bei einem der ausgebuchten Hotels den Tipp, es doch mal eine Querstraße weiter bei einem pink gestrichenen Haus zu versuchen. Und tatsächlich: Dort war noch ein Zimmer frei. Und dieses war sogar noch bezahlbar ("nur" 79$ pro Nacht). Wir nahmen es dann auch gleich für zwei Nächte. Das "New Orleans Guesthouse" dürfte wohl als echter Geheimtipp durchgehen. Das Hotel ist sehr familiär geführt. Der nette Mann am Empfang gab uns einen Stadtplan von New Orleans mit und zeichnete exakt ein, wie wir am besten und sichersten ins Zentrum des French Quarter gelangen konnten. Unser Hotel lag in der Ulyssees Street und damit genau an der Grenze des French Quarter. Die Gegend außerhalb des Vieux Carre ist sehr gefährlich und verslumt. Hier ist Vorsicht geboten! Deshalb hielten wir uns auch sehr genau an die Anweisungen des Herrn vom Empfang, als wir in Richtung Bourbon Street marschierten.

 

Unser erster Eindruck: Party pur! Es herrschte eine ausgelassene und fröhliche Stimmung rund um die Bourbon Street. Tanzende Menschen jeden Alters auf der Straße und dazu laute Musik aus den Kneipen. Eine Mischung aus St. Pauli und Oktoberfest. Und völlig untypisch für Amerika: Die Leute trinken Alkohol auf der Straße! Ist zwar auch in New Orleans offiziell nicht erlaubt, wird aber geduldet. Wir verbrachten einen tollen Abend im "Big Bad Wolf", wo eine Live-Band Cover-Versionen von alten und neuen Rock-Klassikern spielte. Anschließend waren wir noch im "Cats Meow", einer Karaoke-Bar. Auch da hat es uns eigentlich sehr gut gefallen. Aber je länger der Abend wurde, desto mulmiger wurde uns. Die anfangs heitere Stimmung kippte plötzlich. Viele betrunkene Amis wankten umher, grölten was das Zeug hält und so wurde aus der guten Stimmung nach und nach eine aggressive Stimmung. Schade, eigentlich! Und deshalb zogen wir es gegen Mitternacht vor, zurück zum Hotel zu gehen. Unterwegs haben wir noch gesehen, wie die Polizei einem schwarzen Jugendlichen Handschellen angelegt und ihn abgeführt hat. Und das fast direkt gegenüber von unserem Hotel, das übrigens mit dicken Stahlgittern vorm Eingang gesichert wurde. 

 

Zum Party machen ist New Orleans schon toll. Vorausgesetzt man ist vorsichtig! Aber wohnen und leben möchten wir hier nicht!

 

 

 

 

 

Tag 9: Mo, 17.02.2003        New Orleans

 

New Orleans wurde bereits 1718 von französischen Siedlern gegründet. Später regierten die Spanier und ab 1803 wurde die Stadt US-amerikanisch. Das Herz von New Orleans ist zweifelsohne das French Quarter, welches übrigens von den Spaniern und nicht von den Franzosen errichtet wurde. Dieses "französische" Viertel hebt sich durch seinen für die USA wohl einzigartigen Baustil vom Rest der Stadt ab. Kleine, alte Häuser  mit verschnörkelten Balkonen, schmiedeeisernen Geländern und geschlossenen Innenhöfen prägen das Stadtbild. Was für ein Gegensatz zu dem immer gleichen schachbrettartigen Muster der anderen amerikanischen Städte. Das wirkt fast schon europäisch. Berühmt ist "The Big Easy", wie New Orleans oft genannt wird, auch für den Mardi Gras. Dabei handelt es sich um den hier ausgiebigst zelebrierten Karneval afrikanisch-lateinamerikanischer Prägung. Beim Mardi Gras werden statt Bonbons Beads geworfen. Beads sind bunte Perlenkletten aus Plastik, die hier in den Souvenirshops auch außerhalb der Karnevalssaison an Touristen verscherbelt werden. Höhepunkt des Mardi Gras ist der "Fat Tuesday", der Tag vor Aschermittwoch. Zum dann stattfindenden farbenprächtigen Umzug kommen jährlich Hunderttausende nach New Orleans. Zur Zeit des Mardi Gras ein zentral gelegenes Hotel zu bekommen, dürfte fast unmöglich sein.

 

Auch wir hatten es (wenige Tage vor dem Höhepunkt des Mardi Gras) nicht leicht, ein freies und bezahlbares Zimmer zu ergattern. Doch unsere stundenlange Suche von gestern hatte sich geloht. Gegen 9 Uhr saßen wir auf der überdachten Terrasse des "New Orleans Guesthouse" und ließen uns das Frühstück schmecken. Normalerweise bekommt man in den amerikanischen Hotels und Motels unserer Preisklasse wenn überhaupt nur ein sog. Continental Breakfast. Dies besteht im Prinzip lediglich aus Kaffee und etwas Süßem, in der Regel Donuts. Heute morgen jedoch genossen wir zum ersten mal in diesem UrlaubBianca und Carsten an Bord des Steamboat Natchez ein "richtiges" Frühstück mit warmen Croissants, Obst, O-Saft und Tee für Bianca. Sehr lecker!

 

Gut gestärkt machten wir uns dann auf den Weg zur Anlegestelle des Steamboat Natchez.

 

Das Steamboat Natchez ist ein nachgebauter Schaufelraddampfer, mit dem man wie zu Tom Sawyer's Zeiten auf dem Mississippi herumschippern kann. An der Anlegestelle haben wir uns zwei Tickets für die "Jazz Cruise" gekauft. Dank der Discount-Coupons aus dem Internet bekamen wir noch einen Rabatt von 3$ pro Person. Und außerdem gab's noch je zwei Freigetränke, quasi als Entschädigung dafür, dass heute keine Jazz Combo an Bord war. Diese Musikkapelle wäre uns eh egal gewesen, also freuten wir uns über Der Schaufelraddampfer Stamboat Natchezdie Gratis-Getränke. Bevor unser Dampfer ablegte, hatten wir noch etwas Zeit. Und so gönnten wir uns im "Cafe Beignet" (die Schlange am weltberühmten "Cafe du Monde" war einfach zu lang) noch ein paar der leckeren, mit Unmengen von Puderzucker bestreuten Kringel, die wie Berliner ohne Füllung schmecken. Mjamm!

 

Die anschließende Fahrt auf dem Mississippi war ganz O.K.. Leider hat das Wetter nicht mitgespielt. Es war sehr kalt und windig. So stellt man sich New Orleans ganz sicher nicht vor. Aber wir haben noch das beste daraus gemacht. Wir lösten unsere Getränke-Gutscheine gegen Hot Chocolate ein, gingen ab und zu nach draußen an Deck und besichtigten zum Schluss der Fahrt noch den Maschinenraum.

 

Nach der Fahrt mit dem Steamboat Natchez klapperten wir die in der Nähe gelegene Shopping Mall "Riverwalk" ab. Anschließend besuchten wir den French Market, was aber nichts anderes ist als ein für Touristen gemachter überdachter Flohmarkt mit ausschließlich kommerziellen Anbietern. Nichts besonderes.

 

Gegen Spätnachmittag sind wir dann noch mal die Bourbon Street rauf- und runtergegangen. Hier war aber längst nicht mehr so viel los wie noch am Abend zuvor. Und die Bourbon Street verliert auch ihren Reiz, wenn man erst mal in alle Kneipen hineingeschaut hat und man nicht so sehr Lust auf sinnlosen Alkoholgenuss hat. 

 

Als wir uns dann zurück zum Hotel begaben, gingen wir einen Schritt schneller als sonst. Es sind schon ziemlich viele unheimliche Gestalten in den kleinen Gassen des French Quarter unterwegs. Es ging aber alles gut - wir haben überlebt!  

 

 

 

 

 

Tag 10: Di, 18.02.2003        Panama City Beach

 

Nach einem nochmaligen leckeren Frühstück im Hotel stiegen wir in unseren Mietwagen, um uns auf die "Heimreise" nach Florida  aufzumachen. Bereits nach ein paar Metern fuhren wir am "Treme Club" vorbei. Dieser Name war uns noch aus den lokalen Fernsehnachrichten von gestern Abend ein Begriff, in denen über einen Mord vor besagtem Club berichtet wurde - keine zwei Blocks von unserem Hotel entfernt. Und so waren wir dann doch sehr froh, heute aus New Orleans herauszufahren. 

 

Wir fuhren ohne größere Pausen in Richtung Tallahassee auf der Interstate 10. Einen Zwischenstopp legten wir lediglich in Golfport, Alabama ein, wo wir die örtlichen Outlet Stores abklapperten. Da wir sehr schnell unterwegs waren, konnte das Tagesziel mit "Panama City Beach" neu festgelegt werden. Gegen 19,30 Uhr erreichten wir dann auch diesen direkt am Golf von Mexiko gelegenen Ferienort, in dem es vor Motels und Apartments nur so wimmelte. Dennoch hatten wir Probleme, ein bezahlbares Zimmer zu finden. Wir fuhren bestimmt 10 Motels ab, die entweder ausgebucht oder für unsere Verhältnisse zu teuer waren. Letzten Endes wurden wir aber doch noch fündig. Wir entdeckten das Motel "Value Inn". Für 39$ erhielten wir das schönste und größte Zimmer unserer gesamten Reise. Und es war noch dazu direkt am weißen Sandstrand gelegen. Traumhaft! Deshalb buchten wir es auch gleich für zwei Nächte. 

 

Da wir von der langen Fahrt ziemlich geschlaucht waren, zogen wir es vor den heutigen Tag im Hotel ausklingen zu lassen. Lediglich einen Supermarkt mussten wir noch finden, um unsere Vorräte aufzufüllen. Der lokale "Winn-Dixie" hatte natürlich auch um 21 Uhr noch geöffnet, so dass Carsten sein leckeres Coors und Bianca ihre ebenso leckeren Marshmallows käuflich erwerben konnten. Oh ja, an Supermärkte, die 24 Stunden geöffnet sind, kann man sich echt gewöhnen. An der Kasse hatte Carsten die Idee, die Möglichkeit des "Cashback", von der er im Internet-Forum auf www.usa-reise.de gelesen hat, mal auszuprobieren. Und so fragte er an der Kasse nach, ob die deutsche EC-Karte mit dem "Maestro"-Logo akzeptiert wird. Nachdem die Kassiererin bejahte, stand dem Versuch nichts mehr im Weg. Cashback funktioniert folgendermaßen: Man schiebt die EC-Karte ins Lesegerät, gibt die PIN ein, drückt bei der anschließenden Frage nach "Cashback" auf "Yes" und gibt den Betrag ein (hier: 30$ zum Testen). Unsere Debit Card (also die EC-Karte) wurde daraufhin statt dem Warenwert in Höhe von 15,13$ mit 45,13$ belastet. Wir erhielten unsere Waren und von der Kassiererin noch 30$ in bar. Hat super geklappt! An Kosten sind gerade mal 1 EUR entstanden, die von Carstens Bank bei Rückkehr nach Deutschland als Gebühr berechnet wurden. Das ist deutlich billiger, als mit Kreditkarte am ATM-Automaten Bargeld zu ziehen. Eine tolle Sache! 

 

Spät abends machte Carsten dann noch die Entdeckung, dass auf dem von ihm ansonsten sehr geschätzten Sportkanal ESPN 2 heute Abend statt Eishockey oder Basketball doch tatsächlich die Live-Übertragung einer Poker-Runde übertragen wurde. Das sind so die kleinen Dinge, die man bei einem USA-Aufenthalt entdeckt und über die man als typischer Europäer nur staunen kann.

 

 

 

 

 

Tag 11: Mi, 19.02.2003        Panama City Beach

 

Carsten in Panama City BeachHeute morgen stand zunächst mal ein langer Spaziergang am wunderschönen, schneeweißen Sandstrand von Panama City Beach an. Bei strahlendem Sonnenschein liefen wir 3 1/2 Stunden an der Küste entlang, wobei uns nur sehr wenige Menschen begegneten.  Panama City Beach ist nichts für Trubelsüchtige. Jedoch einmal im Jahr - Ende März - fallen hunderttausende amerikanischer Kids in diesen Ort ein. Panama City Beach ist eine Hochburg der Springbreaker. Vergnügungssüchtige College-Studenten vertreiben sich die Zeit mit Wet-T-Shirt-Wettbewerben und Wettsaufen. Für ein paar Wochen wird dann aus dem beschaulichen Küstenstädtchen eine einzige Partymeile mit Ballermann-Flair. Bianca in Panama City Beach

 

Nach unserem Spaziergang legten wir uns zum Sonnen und Bräunen an den Strand unmittelbar vor unserem Hotel. Nachmittags waren wir dann Minigolf spielen (www.piratesislandgolf.com). Wobei anzumerken ist, dass amerikanisches Minigolf um Klassen besser ist als bei uns in Deutschland. Die Bahnen sind aus Kunstrasen. Alles ist sauber und gepflegt. Die Kulisse ist liebevoll gestaltet mit vielen kleinen Details, gelegentlichen Animationen, Wasserfontänen und dazu mit Hintergrundmusik. Das alles hat natürlich seinen Preis: Mit 6 $ pro Person waren wir dabei. Hat sich aber gelohnt!

 

Abends gönnten wir uns dann zum Ausklang eines sehr schönen Tages ein Abendessen beim Italiener. Savellis Italian Restaurant hieß das Lokal, welches wir sehr empfehlen können.

 

 

 

 

 

Tag 12: Do, 20.02.2003        Tampa

 

Heute hatten wir eine sehr lange Autofahrt vor uns. Über die Interstate 10 und die Interstate 75 ging es nach Tampa, der drittgrößten Stadt Floridas. Tampa war Ende des 19. Jahrhunderts ein unbedeutendes Nest mit gerade mal 600 Einwohnern. Nach dem Anschluss der Stadt an die von Henry B. Plant errichtete Eisenbahnlinie entwickelte sich Tampa jedoch rasch zu einem der wichtigsten Handelszentren Floridas. Während im Westen Tampas der Hafen boomte, entwickelte sich im Osten der Stadt eine von hispanischen Einwanderern geprägte Zigarrenindustrie. Dieser Stadtteil Tampas, Ybor City, war lange Zeit ziemlich heruntergekommen, soll nun jedoch wieder besuchenswert sein. Wir haben es nicht überprüft. Unser Ziel waren die Busch Gardens, ein Vergnügungspark, in dem alles auf Afrika getrimmt ist.  

 

In der Nähe der Busch Gardens haben wir dann auch nach einem günstigen Motel gesucht. Schließlich haben wir im EconoLodge eingecheckt. Anschließend noch kurz zu McDonalds, zwei große McFlurry-Eis "to go" geholt und zurück zum Motel gefahren, um das leckere Eis dort zu verspeisen. Schon beim Einbiegen in die Motel-Einfahrt hatten wir einen komischen Geruch in der Nase - als ob etwas schmort oder brennt. Eine viertel Stunde später - nachdem wir unser Eis verputzt hatten - gingen plötzlich Sirenen. Carsten ging vor die Tür, schaute über den Balkon in den Innenhof und sah erst ein, dann zwei, dann drei Feuerwehrwagen, einen Notarzt und die Polizei in den Hof unseres Motels reinfahren. Und dann sah er es auch: Aus dem Dachstuhl oberhalb der Lobby kam dichter Rauch. Kurze Zeit später kam ein Police Officer, um sämtliche Motelgäste nach draußen zu bitten. Und so wurden auch wir "evakuiert". Es dauerte etwa eine ganze Weile, bis der Brand im Griff war. Die Zeit des Wartens war jedoch sehr angenehm, kam man doch mit ebenfalls "evakuierten" amerikanischen Hotelgästen ins Gespräch. Einer meinte - durchaus zutreffend - dass man es in den USA mit allem übertreibt. Drei Feuerwehrwagen für einen kleinen Kabelbrand im Dachstuhl. Das sei typisch. Wir konnten ihm da nicht mal widersprechen. Nach einer dreiviertel Stunde durften wir wieder in unser Zimmer.

 

 

 

 

 

Tag 13: Fr, 21.02.2003        Busch Gardens, Tampa

 

Nach dieser Aufregung hatten wir uns einen Entspannungstag in den Busch Gardens verdient. Wobei "Entspannung" relativ ist. Schließlich haben die Busch Gardens bekanntermaßen die tollsten Achterbahnen der Welt.

 

Die Entstehungsgeschichte der Busch Gardens ist sehr interessant. Ende der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts beschloss die ortsansässige Brauerei Anheuser-Busch, ihren Mitarbeitern einen Park zu spendieren, in dem diese in den Mittagspausen und am Wochenende ausspannen können. Aus dieser Idee entstand der heutige Vergnügungspark. Die Brauerei selbst ist zwar längst nicht mehr in Tampa ansässig. Der Park ist dennoch geblieben.

 

In den Busch Gardens ist alles dem Thema "Afrika" untergeordnet. Wir erlebten hier einen sehr schönen Tag. Es gibt viele exotische Tiere, von denen etliche vom Aussterben bedroht sind. Die Busch Gardens sind jedoch mehr als ein "Zoo". Es gibt etliche Achterbahnen sowie zwei Water Rides, denen wir uns aber erst ganz zum Schluss unseres Besuchs gewidmet haben, da wir genau wussten, was auf uns zukommt: Wir wurden nass bis auf die Knochen!

 

Außerhalb des Parks holten wir uns dann den kostenlosen Fun-Pass. Wir wurden fotografiert, erhielten nach kurzer Zeit unsere "Ausweise" und hätten nun ein ganzes Jahr lang freien Eintritt in den Park gehabt. Zumindest morgen sollten wir dieses Extra dann noch ausnutzen.

 

Nach einem schnellen Imbiss bei Taco Bell (Buritos und Quesedillas) ging es zurück ins Motel.    

 

Wir waren beide sehr müde, doch an viel Schlaf sollte diese Nacht nicht zu denken sein. Gegen 23,30 Uhr kamen im Hof unseres Motels drei Busladungen Teenager an. Es dauerte eine Ewigkeit, bis das Begleitpersonal mit den Mitarbeitern des Motels die Belegungsfrage geklärt hatte. Und dann wurde ein Teil dieser High-School-Kids ausgerechnet in den Zimmern rechts und links von uns einquartiert. Bis tief in die Nacht lief Rap-Musik und es gab Gegröle. Und von den Aufsichtspersonen war weder was zu sehen noch zu hören. Irgendwann gegen 5 Uhr morgens war dann aber doch Ruhe und wir konnten wenigstens noch ein paar Stündchen ausruhen.

 

 

 

Tag 14: Sa, 22.02.2003        Fort Myers Beach

 

Den Vormittag verbrachten wir nochmals in den Busch Gardens. Und zwar kostenlos - dank des Fun-Passes. Heute entdeckten wir dann auch die "Montu"-Achterbahn, die beste Bahn im ganzen Park! Außerdem sind wir mit dem Scorpion gefahren. Der Scorpion ist eine der schnellsten Achterbahnen der Welt. Leider war die Fahrt dafür auch umso kürzer. Anschließend gingen wir einen sehr schön gestalteten Fußweg zu den Gehegen der Giraffen und Zebras. Danach entdeckten wir noch einen Shop, in dem handgemachte Kerzen mit vielen Verzierungen angefertigt wurden. Bianca war so fasziniert, dass sie direkt eine Kerze (mit rotem Flamingo) gekauft hat. Nach dem wir noch ein Riesen-Eis gegessen hatten, verließen wir die Busch Gardens und machten uns auf dem Weg in Richtung Fort Myers. Fort Myers ist eine an der Westküste Floridas gelegene 460.000 Einwohner zählende Stadt, die auch den Spitznamen "City of Palms" trägt. Diesen Beinamen verdankt Fort Myers dem Erfinder Thomas A. Edison, der hier im Winter Stammgast war und der Stadt aus Dank tausende von Palmen spendierte, mit denen der McGregor Boulevard bepflanzt wurde. 

 

Sonnenuntergang in Fort Myers BeachDie meisten Besucher kommen nach Fort Myers, um die unmittelbar am McGregor Boulevard gelegene gemeinsame Winterresidenz von Thomas A. Edison und Henry Ford zu besichtigen. Unser Ziel war jedoch der in diversen Reiseführern als traumhaft beschriebene Strand der vorgelagerten Insel Fort Myers Beach. Was in den Reiseführern jedoch nicht beschrieben wird, ist der endlose Stau, der kurz vor Fort Myers Beach anfing und uns in unserer Zeitplanung gute zwei Stunden zurückwarf. Dann suchten wir noch eine Ewigkeit nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Es war Wochenende - und somit fast unmöglich, etwas bezahlbares zu ergattern. Irgendwann hatten wir dann doch noch Glück und erwischten eine Ferienwohnung für 65$ die Nacht. Die Leute rechts und links von uns sowie das Pärchen aus dem Apartment unter uns kamen auch gleich vor die Tür, um ihre neuen Nachbarn zu begrüßen. Es waren allesamt Langzeiturlauber im Rentenalter aus Texas, England und Kanada. Der Small Talk war sehr nett und auf die Frage nach einem guten und günstigen Restaurant bekamen wir den Tipp, es doch mal beim nur wenige Meilen weiter nördlich gelegenen "Doc's Beachhouse" zu versuchen. "You will love it", war die einhellige Meinung unserer neuen Nachbarn. Gesagt, getan. Auf ging's zu Doc's Beachhouse. Dieses Lokal war wirklich nicht zu verachten. Ein Pub, wie man ihn schon tausend mal in US-Fernsehserien und -filmen gesehen hat. Sehr rustikal-amerikanisch in der Einrichtung. Das Essen einfach, aber sehr lecker. Bianca bestellte ein Sandwich mit Tuna, Carsten bevorzugte ein Steak.

 

Nach dem Essen fuhren wir noch in den örtlichen Publix, um unsere Vorräte aufzufüllen. Dann ging es zurück in unsere Ferienwohnung, wo wir den Tag so langsam ausklingen ließen.

 

 

 

Tag 15: So, 23.02.2003        Fort Myers Beach / Sanibel

 

Heute morgen stand zunächst ein ausgiebiger Strandspaziergang auf dem Programm. Gegen Mittag fuhren wir dann rüber auf die Insel Sanibel, an deren Stränden es vor Muscheln nur so wimmelt. Stellt man seinen Fuß ins Wasser, wird er sogleich von unzähligen Muscheln umspült. Eine tolle Sache. Sanibel insgesamt ist sehr schön und auf jedem Fall einen Abstecher wert. Die Mautgebühr von 3$ ist zu verschmerzen. Wir hielten an einigen Stränden an und fuhren dann weiter bis nach Captiva, einer weiteren kleinen Insel. Leider sind auf Sanibel und Captiva fast alle Grundstücke in Privatbesitz. Es gibt nur sehr wenig Parkplätze. Alle sind gebührenpflichtig (2$ die Stunde). Man merkt, dass Besucher eigentlich nicht erwünscht sind. Dennoch haben wir hier einen sehr schönen Badetag verbracht.  

 

Gegen Abend kehren wir nochmals in Doc's Beachhouse ein und bestellten eine Large Pizza mit Peperoni und Meatballs. Sehr lecker!

 

 

 

Tag 16: Mo, 24.02.2003       Orlando

 

Orlando war das heutige Tagesziel. Die 1875 gegründete Stadt hatte Anfang des 20. Jahrhunderts kaum mehr als 200 Einwohner. Heute leben im Großraum Orlando über 2 Millionen Menschen. Orlando ist die am schnellsten wachsende Stadt Floridas. Die Stadt ist geprägt durch das Disney World Resort. Mittlerweile gibt es jedoch noch zahlreiche weitere Themenparks und Attraktionen, so z. B. die Universal Studios, Sea World oder die Cypress Gardens.

 

Wie nicht anders zu erwarten, standen wir heute mal wieder im Stau. Nach einer dreiviertel Stunde Stop-and-go auf der Interstate 75 kurz vor Tampa sahen wir einen völlig ausgebrannten Van auf dem rechten Seitenstreifen und die Fahrt konnte "normal" weitergehen.

 

Gegen 14 Uhr kamen wir in Orlando an. Hotels gibt es hier wirklich wie Sand am Meer. Man hat die freie Auswahl. Wir entschieden uns für das in der Nähe der Universal Studios am International Drive gelegene Travelodge (35$ pro Nacht).

 

Nach dem Einchecken war Shoppen angesagt. Wir steuerten das Belz Factory Designer Outlet an. Unter anderen erstanden wir hier super-günstig vier Uhren (Casio G-Shock). Und auch im GAP-Store haben wir mal wieder gutes Geld gelassen. 

Zum Abschluss des Tages gab's noch ein leckeres Abendessen bei Bennigan's, einem Irish-American-Family-Restaurant mit toller Einrichtung, super Service und klasse Speiseangebot. 

 

 

 

 

Tag 17: Di, 25.02.2003        Orlando

Heute schliefen wir mal ein bisschen länger als üblich. Man hat ja schließlich Urlaub! Leider stellten wir jedoch nach dem Aufstehen fest, dass es Frühstück in unserem Hotel nur bis 9 Uhr gab. Also fuhren wir zum nächsten Starbucks - ein teures Vergnügen, dafür bekommt man aber nirgends wo sonst so leckeren Kaffee! 

Nach diesem Frühstück gönnten wir uns noch eine Runde Minigolf (Pirate's Cove am Intl. Drive). Gegen Mittag fuhren wir - den Empfehlungen diverser Reiseführer folgend - zur Church Street Station in der Innenstadt Orlandos. Hierbei handelt es sich um einen restaurierten Bahnhofskomplex in der sog. Altstadt. Laut Reiseführer ist hier richtig was los. Restaurants, Bars, Entertainment etc. Minigolf in Orlando

 

Unsere Meinung: Die Church Street Station ist wirklich sehr schön hergerichtet worden. Aber von "Leben" kann hier keine Rede sein. Es war absolut tote Hose. Auch falls gegen Abend etwas mehr los sein sollte, ist die Church Street Station nicht empfehlenswert. Kein Flair und nicht die beste Gegend. Wer sich trotzdem hierher verirrt, wird enttäuscht sein. 

 

Statt länger hier zu verweilen, setzten wir uns deshalb in unseren Mietwagen und fuhren in Richtung Norden. Bianca hatte die Idee, die Reiseführer ganz beiseite zu legen und einfach mal nach Gefühl eine Interstate-Abfahrt zu wählen. Sie entschied sich spontan für die Abfahrt "Winter Park". Nach ein paar Meilen landeten wir in einem traumhaft schönen Luxus-Vorort von Orlando. Carsten staunte über Biancas Instinkt, der uns direkt in eine der wohlhabendsten und dementsprechend fein herausgeputzten Gegenden der Stadt geführt hatte. Wir hielten an und gingen die Einkaufsstraße Park Avenue auf und ab - allerdings ohne etwas zu kaufen. Für "Prada" und andere Luxus-Artikel reichte unsere Reisekasse dann doch nicht ganz aus. 

 

Bianca am Spielfeldrand vor dem großen SpielDann wurde es aber auch Zeit für das absolute Highlight dieses Urlaubs: Das Basketballspiel der Orlando Magic gegen die Dallas Mavericks. Carsten hatte im Internet über Ticketmaster bereits Monate vorher die Karten bestellt und per Kreditkarte bezahlt. Am Spieltag konnten wir uns dann vor der Halle (TD Waterhouse Centre) an einen speziellen Schalter die online bestellten Eintrittskarten aushändigen lassen. Das hat auch einwandfrei funktioniert. Wohnt man in den USA, geht es sogar noch einfacher. Man kann sich die Eintrittskarten direkt über den heimischen PC ausdrucken lassen. Am Eingang wird lediglich der aufgedruckte Strichcode eingelesen. Einfacher geht es nicht mehr. Ein toller Service. So was müsste es in der Service-Wüste Deutschland mal geben. Wenn man hierzulande Eintrittskarten für Spiele der Fußball-Bundesliga bestellt, wartet man wochenlang auf eine Bestätigung des Eingangs der Kartenbestellung - natürlich ohne verbindliche Zusage. Erhält man schließlich die Karten - natürlich nicht in der gebuchten Kategorie, da diese Karten vergriffen sind - werden diese per Post verschickt. Natürlich mit Einschreiben / Wertbrief - die Gebühren trägt der Käufer. Und man kann sich nicht mal gegen diese unnötigen Kosten beschweren. Nein, man muss ja froh sein, überhaupt Karten bekommen zu haben. Grrrrr. In den USA kann man per Mausklick in Sekundenschnelle Karten ordern. Man weiß genau, welchen Platz man erhält und wie viel man zu zahlen hat. Ganz einfach eben. Irgendwann wird man in Deutschland auch so weit sein. Irgendwann mal...

 

Aber wir schweifen ab. Zurück zum Spiel Orlando gegen Dallas.

Dirk Nowitzki auf dem Videowürfel

Bei den Mavericks spielte unser deutscher "Held" Dirk Nowitzki. Somit war klar, dass wir zu den Mavs halten würden. Dallas war das bis dahin dominierende Team der NBA. Orlando stand irgendwo im Mittelfeld aber noch mit Chancen auf ein Erreichen der Playoffs. Vor dem Spiel holte Carsten seiner Gattin noch schnell einen Hot Dog mit Zwiebeln, Senf und Ketchup. Für Carsten gab es als typisch deutsche Spezialität eine "Bratwurst mit Sauerkraut". Mjamm! Bianca wollte eigentlich Popcorn haben. In den USA scheint es jedoch lediglich gesalzenes Popcorn zu geben. Carsten erhielt auf seine Frage nach "Popcorn with sugar" nur ein ungläubiges Kopfschütteln. Und da Bianca nicht so sehr auf salziges Popcorn steht, nahm sie dann mit Ihrem Hot Dog Vorlieb. Aber wir schweifen schon wieder ab...

 

Dallas begann gut und führte zeitweise mit 10 Punkten Vorsprung. Es sah ganz nach einem Auswärtssieg aus. Entsprechend ruhig war es auch in der mit 20.000 Zuschauern ausverkauften Halle. Im dritten Viertel dann kam Orlando immer besser ins Spiel. es kam zu einem offenen Schlagabtausch. Zwei Minuten vor Ende der Partie führte Dallas nur noch mit 89:88. Dann versagte Dirk Nowitzki jedoch zwei mal beim Freiwurf und deUnser Held beim Freiwurfr Mavs-Spieler Eduardo Najera wurde wegen Schiedsrichterbeleidigung vom Platz gestellt. Am Ende gewannen die Gastgeber mit 98:93, wobei der Star der Orlando Magic, Tracy McGrady insgesamt 26 Punkte erzielte - genauso viel wie auf der Gegenseite Dirk Nowitzki. Die Halle tobte. Und auch wenn "unsere" Mannschaft verloren hat, waren wir absolut happy, dabei gewesen zu sein. Der Besuch dieses NBA-Spiels war das absolute Highlight unseres Florida-Urlaubs. Von der Pre-Show mit Cheerleadern über die Half-Time-Show mit artistischen Trampolin-Einlagen bis hin zu den Mini-Zeppelinen, die über die Köpfe der Zuschauer hinweg flogen und Burger-Discount-Coupons abwarfen. Es ist unglaublich, wie simple Sportveranstaltungen in den USA zu Mega-Unterhaltungs-Events aufgepeppt werden. So etwas muss man einfach mal mit eigenen Augen gesehen haben!    

 

Noch ein kleiner Nachtrag: Nach dem Spiel wurde auf dem riesigen Videowürfel über dem Spielfeld das Ergebnis der heutigen Bürgermeisterwahl bekannt gegeben. Ganz Orlando war vollgepflastert mit Plakaten und Bannern für die beiden Kandidaten Buddy Dyer und Peter Burr. Im TV gab es bereits in den letzten Tagen etliche Sondersendungen zu dieser Bürgermeisterwahl. Am Ende gewann Buddy Dyer die Wahl. Uns erstaunte jedoch die unfassbar niedrige Wahlbeteiligung: Dyer erhielt gerade mal 17.000 Stimmen, der unterlegene Gegenkandidat Pete Burr lediglich 12.000 Stimmen. Orlando hat aber ca. 800.000 Wahlberechtigte. Dass die Wahlbeteiligung in den USA noch geringer ist als in Deutschland, ist ja allgemein bekannt. Aber wenn nicht mal 30.000 von 800.000 Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben, macht das doch nachdenklich. Darf sich ein Bürgermeister, den gerade mal 2% der Wahlberechtigten gewählt haben, denn überhaupt "demokratisch legitimiert" nennen? Wir haben da so unsere Zweifel.

 

   

 

 

Tag 18: Mi, 26.02.2003        Orlando

 

Während des "Continental Breakfasts" an der Pool-Bar unseres Hotels überlegten wir, was wir heute so machen sollten. Zur Wahl stand entweder der Besuch eines weiteren Vergnügungsparks (Epcot Center oder Universal Studios) oder das Wet'n Wild. Da uns das Epcot Center mit seinem Schwerpunkt auf Wissenschaft und Technik weniger interessierte und wir die Universal Studios bereits aus Los Angeles kannten und da ferner das Wetter mitspielte, entschieden wir uns für das Wet'n Wild. 

 

Beim Wet'n Wild handelt es sich um einen Wasserpark mit verschiedensten Attraktionen. Man kann sich mit Schwimmreifen über den Lazy River treiben lassen, man kann die riesigen Wellen des Wave Pools austesten oder - wenn man mutig ist - saust man in einer Röhre (genannt: "Der Stuka") in die Tiefe. Ganz Mutige wählen die "Bomb Bay". Hier steigt man in eine Art Kapsel, die Tür wird geschlossen und auf Knopfdruck der Aufsichtsperson wird der Boden geöffnet und man fällt nahezu senkrecht in die Tiefe.

 

Das Wet'n Wild ist eine tolle Sache. Egal ob man auf Thrill Rides steht oder sich entspannt im Wasser treiben lassen will. Hier wird für jeden was Chevys - Mexican Food at its best!!!geboten - auch wenn die Eintrittspreise (31$ abzüglich evtl. Discount) ziemlich happig sind. Zum Eintrittspreis dazurechnen muss man noch die versteckten Gebühren von 5$ für den Reifen sowie von 2$ für ein Schließfach. Wenn man noch Essen und Trinken hinzurechnet, dann kann man bei diesem "Schwimmbad"-Besuch ganz schön arm werden. 

 

Trotz der hohen Preise erlebten wir einen tollen Tag, den wir noch mit einem grandiosen Abendessen bei Chevy's in Kissimmee ausklingen ließen.      

 

 

 

Tag 19: Do, 27.02.2003        Florida City

 

Nach dem Frühstück hieß es: Sachen packen. Es sollte weiter in Richtung Everglades gehen. Während des Packens lief im TV die berühmt-berüchtigte Jerry-Springer-Show. Auf dem Sofa sitzen eine Frau, ihr Mann und dessen Bruder. Vor laufender Kamera gesteht die Frau ihrem Mann, dass sie mit seinem Bruder schläft. Die beiden (leicht unterbelichteten) Männer fallen daraufhin übereinander her. Man hört nur noch die eingeblendeten "Piepser", die die Schimpfwörter der Darsteller überdecken. Ob dies wirklich echt ist? Oder sind hier nur Schauspieler am Werk? Die Protagonisten wirken so überdreht, dass man als "Normalo" denkt, so was gibt's gar nicht in Wirklichkeit. Aber wer weiß das schon...

 

Bevor wir uns weiter auf den Weg in Richtung Interstate machten, fuhren wir noch eine am Intl. Drive gelegene und leicht zu übersehene kleine Einkaufspassage, die "Pointe Orlando" an. Immerhin besteht diese "kleine" Passage aus über 60 Shops. Highlight: Die Spielwaren-Vielfalt in der Filiale des FAO Schwarz (u.a. gibt es hier eine Barbie-Puppe als McDonalds-Verkäuferin). Außerdem staunten wir nicht schlecht, als wir einen "Athens 2004"-Shop fanden. Obwohl es noch 1 1/2 Jahre bis zu den Olympischen Spielen in Athen waren, hatte dieser Laden bereits geöffnet. Dann staunten wir noch mehr, als uns die Verkäuferin auf Deutsch ansprach. Sie entpuppte sich als Deutsch-Griechin aus München, die eigentlich als Kinderkrankenschwester arbeitet, nun aber gemeinsam mit Ihrem Lebensgefährten für drei Jahre diesen Shop führt. 2005 kehren beide wieder nach Deutschland zurück. Auf unsere Nachfrage erklärte sie uns, der Shop sei zur Zeit der einzige offizielle Olympia-Shop außerhalb Griechenlands. Gesponsert wird er u.a. vom Nationalen Olympischen Komitee der USA. Wir ließen uns diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen und kauften gleich vier T-Shirts. Zwei für uns und zwei als Geschenk bzw. Souvenir. Wer hat denn schon 18 Monate vor Beginn der Olympischen Spiele ein offizielles "Athen 2004"-T-Shirt? Wir schon!

 

Weiter ging die lange Fahrt in Richtung Süden. Wir wollten bis nach Florida City kommen, dem Tor zu den Everglades. Als wir ankamen, war es bereits dunkel, die Luftfeuchtigkeit jedoch immer noch erdrückend. Und wieder mal hatten wir das Problem der Zimmersuche. In der Nähe von Florida City liegt die Rennstrecke "Homestead". Und ausgerechnet morgen sollte das jährliche "Racing Weekend" beginnen. Dies hatte zur Folge, dass selbst einfache Motels kaum für unter 100$ die Nacht zu bekommen waren. Am Ende nahmen wir das "Holiday Motel" -  das Einfachste vom Einfachen. Und wir mussten immer noch 69$ bezahlen. Was soll man machen...

 

Nach der Hotelsuche begaben wir uns noch in den nächstgelegenen Wal-Mart, wo wir unsere Vorräte auffrischten. An der Kasse wurden wir von der Verkäuferin in lupenreinem Deutsch angesprochen. "Den Ausweis bitte", verlangte "Anna". Wir waren sehr verblüfft über die Deutsch-Kenntnisse von Anna, aber auch über die Aufforderung an sich. Schließlich hatten wir weder Alkohol noch Zigaretten gekauft, sondern nur ChezMix, Mountain Dew und Dr. Pepper. Und für den käuflichen Erwerb von Chips und Cola braucht man auch in den USA keinen Ausweis. Dann aber stellte sich heraus, dass sie nur Spaß gemacht hat. Sie sei Deutsche, komme aus Wiesbaden, sei jedoch "der Liebe wegen" nach Florida gezogen. Wir hätten gerne noch länger mit ihr geplaudert, aber das Grummeln der Leute in der Schlange hinter uns war deutlich zu vernehmen. Also verabschiedeten wir uns von Anna und versprachen ihr, die Heimat ganz herzlich zu grüßen.

 

Wir freuen uns auf morgen: Da stehen die Everglades an!

 

 

 

 

Tag 20: Fr, 28.02.2003         Everglades / Marathon

 

 

Die riesigen Sümpfe der Everglades gehören mit zu den größten Attraktionen Floridas. Streng genommen handelt es sich jedoch gar nicht um Sumpfgebiet. Die Everglades sind eigentlich ein Fluss, der 80 km breit und im DurchCarsten in der Mangrovenwäldern der Evergladesschnitt gerade mal 15 cm tief ist, wobei der Höhenunterschied zwischen dem höchsten Punkt und dem Meer gerade mal drei Meter beträgt. Das Wasser braucht somit fast ein Jahr von der Quelle bis zum Meer. Der größte Teil der Everglades wurde bereits 1947 zum Nationalpark erklärt. 

 

 

Von Florida City aus führt eine ca. 60 km lange Straße durch den Everglades National Park bis zum Örtchen Flamingo. Lohnenswert ist ein Halt am Visitor Center direkt am Eingang. Hier kann man sich gut einen ersten Überblick über den Park verschaffen. Man erhält zahlreiche Informationen über die Geschichte der Everglades und über die früher hier lebenden Miccosukee-Indianer, sowie über die biologische Vielfalt der Sümpfe. Oops! Ein Alligator in freier Wildbahn!

 

 

Auf der Straße nach Flamingo gibt es zahlreiche lohnenswerte Aussichtspunkte. Wir fuhren die ganze Strecke bis Flamingo, wobei wir zunächst lediglich einen Stop am Pa-Hay-Okee Overlook Trail machten. Von einer Aussichtsplattform aus kann man dort kilometerweit auf das Sumpfgras der Everglades blicken. Auf dem Rückweg von Flamingo klapperten wir dann alle übrigen Vista Points ab. Der beste davon ist der Anhinga Trail beim Royal Palms Visitor Center. Auf diesem ca. 6,5 km langen Spazierweg haben wir bestimmt 20 Alligatoren in freier Wildbahn und jede Menge fremder Vögel gesehen. Beeindruckend!

 

Nach dem Besuch der Everglades - es war bereits Nachmittag - fuhren wir weiter in Richtung Süden, unserem Tagesziel Key Largo entgegen: Key Largo liegBianca auf dem Anhinga Trail in den Evergladest ziemlich am Anfang der berühmten "Florida Keys", einer 200 Kilometer langen Inselgruppe, die sich nach Südwesten in den Atlantik hinein schlängelt. Key Largo ist in erster Linie durch den gleichnamigen Bogard-Film aus dem Jahre 1948 berühmt geworden. Die "African Queen", das Schiff aus einem anderen Film mit Humphrey Bogard, das hier im Hafen vor Anker liegt, hat jedoch nichts mit Key Largo zu tun. 

 

Auf der größten der Keys angekommen, mussten wir jedoch feststellen, dass alle Hotels und Motels weit und breit ausgebucht waren oder zumindest nicht für unter 100$ pro Nacht zu bekommen waren. O.K., es war Wochenende, aber alles machen wir nun auch nicht mit! Und so sind wir dann einfach weiter gefahren. Nach mehreren vergeblichen Versuchen haben wir schließlich auf der Insel Marathon ein gemütliches Motel mit einigen kleinen Bungalows für 69$ gefunden. Das "Bonefish Bay Motel" hatte sogar eine Picnic-Area vor der Tür. Und so besorgten wir uns dann im nahe gelegenen Supermarkt Getränke, setzten uns in die Abendsonne und spielten bis in die Nacht hinein Kniffel. Dabei unterhielten wir uns sehr lange mit zwei älteren Amerikanern aus Tennessee. Einer der beiden verbrachte in den fünfziger Jahren mehrere Jahre in Deutschland (Militärdienst). Somit war für ausreichend Gesprächsstoff gesorgt, insbesondere was die kulturellen aber auch politischen Unterschiede zwischen den USA und dem "alten Europa" angeht. Erstaunt waren beide, dass man in Europa den Ehering nicht an der linken, sondern an der rechten Hand trägt. Außerdem konnten sie kaum glauben, wie teuer das Benzin in Deutschland ist. Dann kam das Gespräch auf Schusswaffen. Einer der beiden erzählte, er habe acht Gewehre - die meisten davon im Angebot bei Wal-Mart gekauft. Als wir Ihnen daraufhin erklärten, dass man in deutschen Supermärkten keine Waffen kaufen kann, waren sie völlig perplex. "Wo kauft Ihr denn dann Eure Waffen?", wollten sie wissen. Die beiden konnten überhaupt nicht verstehen, dass es da wo wir herkommen nun mal nicht allgemein üblich ist, mehrere Knarren zu besitzen... 

 

 

 

Tag 21: Sa, 01.03.2003        Key West

 

Schon sehr früh machten wir uns auf den Weg nach Key West. Key West, ganz am Ende der Keys gelegen, ist die südlichste Stadt der USA. Von hier aus ist es näher nach Havanna als nach Miami. Key West ist seit jeher ein Anziehungspunkt für Schriftsteller, Aussteiger und Freaks. Der berühmte Autor Ernest Hemingway verbrachte hier viele Jahre seines Lebens, bevor er dem zunehmenden Touristenstrom überdrüssig wurde und nach Kuba ging. Man sagt, während seiner Zeit in Key West habe Hemingway die produktivste Phase seines literarischen Schaffens gehabt.

 

Sloppy Joe's - Die Lieblingskneipe von Ernest HemingwayNach ca. 1 Stunde Autofahrt erreichten wir unser Ziel. Die Fahrt über die Route 1 und über die berühmte Seven-Mile-Bridge (u.a. bekannt aus dem Schwarzenegger-Film "True Lies") ist zwar ganz nett, jedoch längst nicht so spektakulär, wie in einigen Reiseführern beschrieben. Viel zu sehen gibt es nicht. Das Meer wird die meiste Zeit von Bäumen und Pflanzen verdeckt. Erst gegen Ende der Fahrt, auf den letzten 20 Meilen, kann man rechts und links ein paar kleine Inselchen erblicken. Von einer "Traumstraße der Welt" kann aber keine Rede sein - ganz im Gegensatz übrigens zum Highway 1 in Kalifornien, den wir drei Jahre zuvor befuhren. 

 

In Key West angekommen, fiel uns dann positiv auf, dass es ausreichend kostenlose Parkmöglichkeiten gibt. Eine Seltenheit in Florida. Nach einem kurzen ersten Erkundungsspaziergang frühstückten wir gemütlich in einem kleinen französischen Lokal mit Toast und Jam. Mjamm!  

 

Der südlichste Punkt der USA auf Key West

Gut gestärkt gingen wir dann zum Southernmost Point USA, dem südlichsten Punkt der USA.

 

Ach ja, nicht zu vergessen: Ausgeschildert waren auch noch das "Southernmost Hotel", das "Southernmost Motel" und schließlich das "Southernmost House".

 

Anschließend gingen wir die Duval Street auf und ab. In dieser kann man zahlreiche interessante kleine Läden und Boutiquen finden, von edel bis alternativ. Leider gibt es aber bestimmt noch mal doppelt soviel Souvenir-Shops mit den überall gleichen T-Shirts. 

 

Ein Geschäft hatte es uns besonders angetan. Der Laden war voll und ganz auf "Deutschland" ausgerichtet - oder zumindest auf das, was sich Amerikaner so allgemein unter "deutsch" vorstellen. Es gab Deutschland-Fahnen, deutsche Biergläser, Schnapsgläser mit Ludwig II. von Bayern als Motiv und als absolute Krönung: eine Original-Heino-CD für nur 19,99$. 

 

Der Tag verging wie im Flug, und so langsam begann es zu dämmern.

 

Also nichts wie hin zum MaMalerischer Sonnenuntergang auf Key Westllory Square, wo täglich der Sonnenuntergang mit einem Fest gefeiert wird. Man kann sich am Mallory Square nicht nur an den üblichen Fressbuden und Getränkeständen stärken, sondern auch Akrobaten, Feuerschlucker und Hunde-Dompteure bewundern. Das Zelebrieren des Sonnenuntergangs war ein tolles Erlebnis. Ist schon irre, dass ein gewöhnlicher Sonnenuntergang Tag für Tag Anlass für eine spontane riesige Party ist und tausende Menschen anzieht.

 

Insgesamt hat uns Key West gut gefallen. Insbesondere der südländische Touch der städtischen Architektur und das lockere, karibische Lebensgefühl hatten es uns angetan. Key West ist mit Sicherheit die am wenigsten amerikanische Stadt der USA!

 

 

 

Tag 22: So, 02.03.2003        Miami Beach

 

Heute wollten wir das tolle Wetter nutzen und noch mal einen Strandtag einlegen. Also fuhren wir ca. 20 Minuten zum Bahia Hondo State Park (5$ Eintritt). dieser Strand wurde immerhin 1992 zum schönsten Strand der USA gewählt. Heute jedoch stapelten sich an der Wasserlinie gut einen Meter hoch die Algen. Ohne diese Algenflut wäre der Strand ganz akzeptabel gewesen, aber keinesfalls preisverdächtig. Ein Gang ins Meer war jedoch nicht möglich. Also legten wir uns in die Sonne und lasen und ruhten ein wenig.

 

Gegen Mittag wurde uns dann aber doch zu langweilig, so dass wir uns zum Weiterfahren entschieden. Unser Ziel war Miami Beach, dem Ausgangs- und Endpunkt unserer Reise. Nach einem kleinen Zwischenstopp bei Kentucky Fried Chicken erreichten wir nach Fahrt über den South Dixie Highway gegen 15,30 Uhr Miami Beach. Da wir keine Lust mehr auf eine lange Hotelsuche hatten, checkten wir wieder (wie bereits zu Beginn unserer Reise) im Golden Sands ein. Preis: 59$ pro Nacht - in Anbetracht der Ausstattung und Lage des Hotels (direkt am Strand) sehr preiswert. 

 

Und dann kamen wir doch noch zu unserem erhofften Strandtag. Direkt bei unserem Hotel genossen wir die Sonne und das Meer von Miami Beach. Wir blieben bis zum herrlichen Sonnenuntergang, der es auch durchaus mit dem gestrigen von Key West aufnehmen konnte. 

 

Auf dem Weg zurück ins Hotel entdeckte Carsten den Internet-Terminal in der Lobby. Und so wurde ein 1$-Schein für 5 Minuten World Wide Web  investiert, um mal schnell die Bundesliga-Ergebnisse zu checken. Und natürlich auch (was für Carsten noch wichtiger war) die Ergebnisse der 2. Liga. Eintracht Frankfurt hatte gegen den Karlsruher SC mit 2:1 gewonnen und stand damit noch immer auf einem Aufstiegsplatz. Prima! Erleichterung! Der Abend konnte beginnen. 

 

Zunächst stärkten wir uns bei Miami Subs. Der Slogan dieser Restaurant-Kette lautete: "Real Food at Fast Food Prices" (auf deutsch: Richtiges Essen zu Fast-Food-Preisen). Na ja, der Slogan hielt dann nicht ganz das, was er versprach. Das Essen war Durchschnitt. Vertretbar, aber nicht umwerfend.

 

Nach letzten Besorgungen im Supermarkt Publix (nochmals Budweiser für Carsten und die leckere Orangenlimo Slice für Bianca) ging es an die Pool-Bar unseres Hotels. Dort spielten wir bis in die Nacht Karten und tranken dabei das eine oder andere Draft. Ein frisch gezapftes Bier kostete gerade mal 1$ (in der 24-Stunden-Happy-Hour).

 

 

 

Tag 23: Mo, 03.03.2003        Miami Beach

 

Heute schliefen wir noch mal so richtig aus. Mit Frühstück von Dunkin' Donuts ging es an den Strand. Hier lagen wir bis 16,30 Uhr in der Sonne (28 Grad Celsius) und kühlten uns im Meer ab.

 

Nach dem Duschen aßen wir (ebenfalls an Strand) eine Pizza von Domino's und genossen einen weiteren tollen Sonnenuntergang.

 

Carsten wollte sich dann noch ins Nachtleben Miamis stürzen. Und so fuhren wir mit dem Bus für 1,25$ pro Person nach South Beach, wo wir bislang nur tagsüber waren. Dort angekommen, spazierten wir über den Ocean Drive und schauten uns die dortigen Lokale an. Direkt am Ocean Drive scheinen jedoch ausschließlich Möchtegern-Yuppies zu verkehren. Das war dann doch nicht so unser Fall und so fuhren wir zu unserem Hotel zurück, ohne die Nachtszene von Miami Beach näher kennen gelernt zu haben. Wir konnten das aber ganz gut verkraften...   

 

 

 

Tag 24: Di, 04.03.2003        Rückflug nach Frankfurt

 

Auch der schönste Urlaub geht einmal vorbei. Und heute sollte es zurück nach Hause gehen. Im Big K-Mart und im Winn Dixie gaben wir die letzten Dollars aus. Nach einem abschließenden Burger bei Checkers wurde der Mietwagen abgegeben und wenig später saßen wir bereits in der Boing 747 (LH 463) nach Frankfurt. Dort kamen wir am nächsten Morgen gegen 6,40 Uhr an. 

 

"Florida 2003" war zu Ende.

 

 

 

 

Fazit:

 

Uns bleibt uns ein toller Urlaub in Erinnerung, an den wir noch sehr oft zurückdenken werden. Herausragend waren die Tage in Orlando, die Vergnügungsparks, sowie der Besuch des NBA-Spiels Orlando Magic - Dallas Mavericks. Wir machten die Bekanntschaft mit offenen und herzlichen Menschen sowie mit freundlichem und hilfsbereitem Personal in Restaurants und Geschäften. Wir erlebten die Einkaufsmöglichkeiten der riesigen Shopping Malls und das enorme Angebot der Supermärkte. Wir hatten traumhaft schönes Wetter. Was will man mehr.

 

Zu den wenigen negativen Erfahrungen zählen die nervenaufreibenden Staus auf den Interstates und in den Ballungszentren von Miami und Fort Myers sowie so manche Strände, die nichts mit dem Postkartenimage Floridas zu tun haben. 

 

Auch haben wir den Fehler gemacht, die Entfernungen zwischen den einzelnen Tageszielen zu unterschätzen. Im Nachhinein betrachtet würden wir auch nicht mehr mit dem Mietwagen nach New Orleans fahren. Hier wurden zu viele Reisetage geopfert, die wir besser in Orlando oder anderswo verbracht hätten.

 

Was wir wieder so machen würden, ist die Hotelsuche vor Ort, auch wenn sie (wie beschrieben) oft mit vielen Problemen und Hindernissen verbunden war. Bucht man seine Unterkünfte bereits von zu Hause aus, ist man einfach viel zu gebunden und setzt sich ferner dem Stress aus, unbedingt seinen Zeitplan einhalten zu müssen.

 

Insgesamt gesehen war es ein klasse Urlaub, den man nicht so schnell vergisst. Auch wenn Florida letzten Endes nicht ganz so beeindruckend war wie der Südwesten der USA, den wir im Jahr 2000 bereisten.

 

 

(C) Carsten Werner, 2003

 

 

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