USA 2000 – Ein Reisebericht von Carsten und Bianca

 

Tag 1: Di, 26.04.2000     New York

 

Heute war es endlich soweit. Nach langen Monaten der Vorbereitung und der Vorfreude ging unser USA-Trip los.

 

Zuerst hatten wir geplant, mit dem Mietwagen einmal quer durch die Staaten zu reisen (von New York an der Ostküste bis nach San Francisco im Westen). Doch glücklicherweise sind wir von dieser Idee wieder abgekommen. Die Fahrt durch den Mittleren Westen hätte wohl einige Längen gehabt und nur on the road zu sein, wäre auch nicht gerade der Hit gewesen. Ganz abgesehen davon, dass uns dann einige USA-Highlights mangels Zeit durch die Lappen gegangen wären.

 

Dann  planten wir, 1 Woche in New York zu verbringen und anschließend 3 Wochen mit dem Mietwagen durch den Westen der USA (Kalifornien, Arizona) zu fahren. Nach intensiver Beratung im Reisebüro mussten wir unseren Aufenthalt in New York dann auf insgesamt 5 Tage kürzen. Andernfalls hätte es mit dem Inlandsflug nach San Francisco und auch mit dem gewünschten New Yorker Hotel Probleme gegeben. Ist schon irre, auf was man alles Rücksicht nehmen muss, wenn man eine individuelle Reise plant und kein Mallorca-Pauschalangebot bucht. Fest gebucht hatten wir übrigens lediglich die Flüge, den Mietwagen, das Hotel in New York sowie das 1. Hotel nach Ankunft in San Francisco und das letzte Hotel vor dem Rückflug. Alles andere wollten wir auf uns zukommen lassen.

 

Und so saßen wir nun im Flugzeug der Lufthansa auf dem Weg in die Vereinigten Staaten; gespannt auf das, was uns erwarten sollte. Die Fahrt zum Flughafen Frankfurt mit der Deutschen Bahn AG hat übrigens reibungslos funktioniert. Wie wohl unsere Stimmung gewesen wäre, wenn wir bei einem verspäteten Zug dem Flieger verpasst hätten. Besser nicht drüber nachdenken...

 

Pünktlich kamen wir um 12 Uhr in New York JFK an. Die Passkontrolle verlief reibungslos. Am Ground Transportation Center erkundigten wir uns nach dem besten Weg, zu unserem Hotel zu gelangen. Dort empfahl man uns den Gray Line Air Shuttle Minibus. Mit diesem Bus wurden wir dann auch recht zügig zu unserem Hotel gefahren. Dies klappte (mit einmal umsteigen an der Grand Central Station) auch recht gut. Unser Hotel war das Skyline Hotel. Und dieses Haus war für unsere Ansprüche auch genau das Richtige. Kein Luxus, denn wir wollten ja im Prinzip nur dort übernachten und uns nicht längerfristig dort aufhalten. Aber wir wollten auch keine Bruchbude. Eine Besonderheit war das Hallenbad auf dem Dach, welches wir am letzten Tag unseres Big-Apple-Aufenthaltes noch testen sollten.

 

Nach dem Einchecken hatten wir dann die Wahl, uns entweder von den Reisestrapazen auszuruhen oder noch einen Stadtbummel zu machen. Es siegte die Neugierde vor der Müdigkeit, und so machten wir uns auf den Weg in Richtung Times Square. Der Times Square ist laut Reiseführer ein "riesiges  Renovierungsprojekt, in dessen Verlauf kleine, schöne, nicht so rentable Theater verschwinden und statt dessen Kinos, Hotels und Restaurants entstehen". Da wir zum ersten Mal dort waren, können wir nicht beurteilen, wie der Times Square vor seiner Renovierung (Sanierung?) einmal ausgesehen hat. Jedenfalls waren wir beide vom heutigen Square restlos begeistert. Wer Großstädte mag, kommt hier, im Herzen New Yorks, voll auf seine Kosten. Tausende von Menschen auf der Straße, Einheimische und Touristen, Bettler und Manager, Würstchenverkäufer und Saxophonspieler. Dazu hupende Autos als Dauerbeschallung und immer wieder im Stadtbild New Yorks zu sehen: die zahllosen Limousinen mit ihren verdunkelten Scheiben sowie Taxis, Taxis und nochmals Taxis. Und dieses ganze Durcheinander wird eingerahmt von Wolkenkratzern und von Neonreklame, die wahrscheinlich in dieser Form einzigartig auf der Welt ist. Besonders beeindruckend ist der Times Square bei Nacht, denn da kommen die grellen Lichter der Stadt besonders zur Geltung. Und immer noch sind tausende Menschen unterwegs, teils singend und tanzend (Touristen), teils genervt auf dem Nachhauseweg von der Arbeit. "The City that never sleeps", heißt es im berühmten Frank-Sinatra-Song. Und das trifft auf New York tatsächlich zu.

 

 

Tag 2: Mi, 26.04.2000     New York

 

Für heute hatten wir uns einiges vorgenommen. Zunächst einmal stand die Wall Street auf unserem Programm. Nach einem ausgiebigen und leckeren Frühstück bei Dunkin' Donuts, einer im Osten der USA weit verbreiteten Donut-Kette machten wir uns auf den Weg zur New York Stock Exchange.

 

Das Mekka des Kapitalismus befindet sich in einem neoklassizistischen Gebäude aus dem Jahr 1913, im Herzen des Financial District.  Die Börse kann kostenlos besichtigt werden. Man muss nur morgens um 9 Uhr am Hintereingang sein. Dort werden Gratis-Eintrittskarten für die Besuchergalerie verteilt. Man sollte aber rechtzeitig dort sein, denn pro Tag wird nur eine limitierte Zahl an Eintrittskarten unter die Leute gebracht. Und wer zu spät kommt, geht leer aus. Ein Besuch lohnt auf alle Fälle. Nicht nur Hobby-Börsianer und n-tv-Junkies werden begeistert sein, die traditionelle Eröffnungsglocke und das anschließende bunte Treiben der Händler live mitzuverfolgen. Markus Koch haben wir leider nicht gesehen. Egal. War trotzdem ein Erlebnis.

 

Anschließend stand ein Einkaufsbummel im Rockefeller Center auf dem Programm. Das riesige Kommerzzentrum im Art-deco-Stil wurde 1931 vom Multimillionär John D. Rockefeller errichtet. Die Bauzeit zog sich bis 1940 hin. Um ehrlich zu sein: Wir waren ein wenig enttäuscht. Das Center erwies sich als äußerst unübersichtlich. Viele Geschäfte und Restaurants waren geschlossen. Ein besonderer Flair geht von diesem Komplex nicht aus. Okay, wir können jetzt sagen, wir waren mal im Rockefeller Center. Das war's dann aber auch schon.

 

 

Ein Highlight unserer Reise sollte der Besuch der Statue of Liberty sein. Die Freiheitsstatue wurde vom französischen Bildhauer Frederic-Auguste Bartholdi 1886 errichtet. Ursprünglich war sie für Ägypten bestimmt, aber dort wollte man sie nicht haben. Und so steht das Symbol der Freiheit heute im New Yorker Hafen. Schon die Fahrt mit der Fähre nach Liberty Island ist ein Erlebnis. Der Blick auf die Skyline der Millionenmetropole ist atemberaubend.

 

An der Statue angekommen, hat man die Wahl, entweder zu Fuß bis ganz hinauf in die Krone zu gehen oder bis zum Ende des Podests mit dem Fahrstuhl zu fahren. Dann befindet man sich am Fuß der Statue und kann nicht mehr bis ganz nach oben gelangen. Wir entschlossen uns zu Variante 1. Nach sage und schreibe 3 ½ Stunden (!) Schlangestehen waren wir endlich oben und konnten aus dem Kopf der Freiheitsstatue auf Manhattan und aufs Meer schauen. Da der Andrang so groß war, durfte man nicht sehr lange dort verweilen und wurde nach wenigen Augenblicken des Aussichtgenießens von uniformierten Männern wieder die Stufen hinabgeschickt. Tja, ob es sich nun gelohnt hat, 3 ½ Stunden anzustehen? Na ja. Immerhin können wir jetzt behaupten, im Kopf der Statue of Liberty gewesen zu sein. Und wer kann das schon. Auf der anderen Seite war die Aktion doch sehr, sehr anstrengend. Es hätte eigentlich auch gereicht, mit dem Aufzug zum Fuß zu fahren. Die Aussicht dort ist sogar noch besser wie von ganz oben.

 

Unser Reisetipp: Morgens so früh wie möglich zur Statue fahren. Dann ist der Andrang der Besucher noch nicht so groß und man hat mehr Zeit, das Museum im Sockel zu erkunden.

 

 

Gegen Abend waren wir dann noch in Chinatown und Little Italy. Beide Viertel halten nicht das, was man sich davon verspricht. Es gibt dort eigentlich nur Touristenfallen und überteuerte Restaurants. Vielleicht wurden unsere Eindrücke aber auch nur vom schlechten Wetter überdeckt und bei Sonnenschein sieht es dort ganz anders aus. Heute Abend jedoch regnete es in Strömen. Also zogen wir es vor, zum Hotel zurückzugehen.

 

 

Tag 3: Do, 27.04.2000    New York

 

Heute morgen stand ein Besuch im World Trade Center an. Die berühmten Zwillingstürme galten einst als höchste Gebäude der Welt (450m). Zunächst überlegten wir noch, ob wir den unverschämten Preis von 13 Dollar pro Person tatsächlich zahlen sollten. Doch man bekommt ja nicht oft die Gelegenheit, New York vom 107. Stock eines Wolkenkratzers aus zu sehen. Also entrichteten wir schweren Herzens unseren Obolus. Wenige Minuten später wurden wir dann per Fahrstuhl nach oben katapultiert. Die Fahrt dauerte exakt 58 Sekunden. Oben angekommen hatten wir dann tatsächlich einen herrlichen Blick über New York. Leider war das offene Deck wegen zu starkem Wind geschlossen, so dass wir mit der Sicht "durch Glas" vorlieb nehmen mussten. Aber auch das war ein tolles Erlebnis.

 

Anschließend sollte es zum Baseball gehen. Der amerikanische Nationalsport fasziniert mich schon seit längerem. Auch in Deutschland gibt es ja mittlerweile dank Premiere World exzellente Baseballübertragungen aus der MLB. Das Erlebnis, ein Spiel der Profiliga live mitzuerleben, wollte ich mir nicht nehmen lassen. Und so wurde sich bereits vor dem Urlaub im Internet auf der Homepage der New York Mets über das Stadion, die Spielpaarungen und Eintrittspreise informiert. Kleine Anmerkung: Es gibt noch einen zweiten New Yorker Baseballclub. Die blöden Yankees kamen aber nicht in Frage, weil ich die nunmal nicht ausstehen kann. Und so kam es, dass Bianca und ich an einem Donnerstag um 13,30 Uhr im Shea-Stadion saßen und uns die Partie Mets gegen die Cincinnati Reds reinzogen. Es war kalt. Es war windig. Das Spiel war, na ja, sagen wir mittelmäßig. Am Ende gewannen die Reds mit 2:1 nach Extra Innings. Aber es hat trotzdem wahnsinnig viel Spaß gemacht. Erstaunlich war, dass das Stadion nahezu voll war - obwohl es sich um ein relativ unbedeutendes Saisonspiel handelte, dass auch noch an einem Wochentag zur Mittagszeit ausgetragen wurde. Unglaublich!

 

Unser Reisetipp: Auch wenn Ihr von den Regeln null Ahnung habt - Besucht doch einfach mal ein Baseballspiel. Die Stimmung im Stadion ist fantastisch. Es ist faszinierend, die Zuschauer beim Anfeuern ihrer Mannschaft zu beobachten. Und gönnt Euch  Hot Dog, Cola und eine Packung Crackerjack. Nirgendwo kann man Amerika so amerikanisch erleben, wie beim Baseball!

 

Jedes Spiel ist leider irgendwann einmal zu Ende. Und so fuhren wir mit der U-Bahn wieder von Queens zurück nach Manhattan. Dort machten wir nochmals einen Bummel über den Times Square. Vor einer Parfümerie stand plötzlich eine Menschentraube auf dem Gehweg und teilweise auch auf der Straße. Neugierig, wie wir nun mal sind, blieben auch wir stehen. Keiner wusste genau, was los war. Aber weil so viele Menschen hier herumstanden und auf etwas warteten, blieben natürlich noch mehr Leute stehen. Gerüchte machten die Runde, dass Claudia Schiffer kommen sollte, um Ihre neueste Duftkollektion vorzuführen. Die Polizei versuchte verzweifelt, wenigstens die Straße freizuhalten. Und dann kam sie tatsächlich. Bewacht von mehreren Bodyguards und umstürmt von etlichen Paparazzi stieg sie aus einer standesgemäßen Limousine und war ruckzuck in der Parfümerie verschwunden. Gesehen haben wir praktisch nichts. Außer einem blonden Etwas, das in Windeseile an uns vorbeihuschte. Anschließend gingen wir ins Sbarro Pizza essen. Das hatten wir uns dann aber auch verdient.

 

Es war bereits dunkel, da beschlossen wir, noch einen romantischen Abstecher auf das Empire State Building zu machen. Dieses Wahrzeichen New Yorks wurde 1931 nach nur 18 Monaten Bauzeit eingeweiht. Es ist 407m hoch und spielt in vielen berühmten Hollywood-Filmen eine Rolle (z.B. King Kong, Schlaflos in Seattle). Die Aussicht von oben ist wirklich phantastisch. Besonders bei Dunkelheit.

 

Unser Reisetipp: Man sollte das World Trade Center tagsüber und das Empire State Building gegen Abend besuchen. Wenn man aus Zeit- oder sonstigen Gründen nur eines der beiden Gebäude aufsuchen möchte, sollte das Empire bevorzugt werden.

 

 

Tag 4: Fr, 28.04.2000     New York

 

Heute stand ein Besuch des berühmten Künstlerviertels Greenwich Village sowie des Central Park auf dem Programm.

 

Greenwich Village war in den fünfziger und sechziger Jahren das In-Viertel der Künstler, Schriftsteller und Beatniks. Der große Sänger und Poet Bob Dylan zog hier am Anfang seiner Karriere mit Gitarre und Mundharmonika durch die Folk-Clubs und Beatnikschuppen. Heute sieht man kaum noch Künstler, dafür umso mehr Touristen. Dennoch hat sich das Village einen besonderen Flair bewahrt. Greenwich Village ist ein kleines Dorf innerhalb des Riesenmolochs New York City und auf jeden Fall einen Abstecher wert.

 

340 Hektar groß ist der vielleicht berühmteste Park der Welt, der New Yorker Central Park. 1858 begannen die Arbeiten an dem Projekt nach Plänen von Frederick Olmstedt und Calvert Vaux. Das Grundstück lag damals weit nördlich des damaligen New York, inmitten von Müllhalden und Obdachlosenlagern. Heute ist der Park rundherum bebaut, was aber gerade den Flair des Parks ausmacht. Der Blick gleitet vom Grün des Rasens über die Wipfel der Bäume hin zur Hochhausfacette der City. Dieser Anblick ist einfach genial!

 

Unser Reisetipp: Nach einem langen Spaziergang durch den Park mit vorher besorgten Donuts und Truthahn-Sandwiches ausgiebig picknicken und die Atmosphäre und die Aussicht genießen. 

    

 

Tag 5: Sa, 29.04.2000     New York

 

Heute ging es schon frühmorgens raus, denn wir wollten am letzten Tag vor dem Abflug nach San Francisco noch möglichst viel von New York sehen. Mit der U-Bahn ging es zunächst aus Manhattan hinaus, auf die andere Seite des East River, in den Stadtteil Brooklyn. An der Metrostation High St. stiegen wir aus und machten einen wunderschönen Spaziergang über die 1883 nach 15 Jahren Bauzeit fertiggestellte Brooklyn Bridge. Diese über 500m lange Brücke wurde damals als "achtes Weltwunder" bejubelt. Die Aussicht auf die Skyline Manhattans ist wirklich phänomenal.

 

 

Am anderen Ufer (also wieder in Manhattan) angelangt gingen wir, dem Tipp einer Einheimischen folgend, zum South Street Seaport. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um einen (ehemaligen) Hafen. Mittlerweile ist dieser jedoch völlig umgebaut worden und präsentiert sich jetzt als Mischung zwischen Museum, Boutiquen und kleinen Bistros. Um es mit den Worten der bereits erwähnten New Yorkerin auszudrücken: "It's very, very beautiful!". Und sehr amerikanisch. Wir hatten dort eine tolle Zeit. Auch wenn sich der South Street Seaport in den gängigen Reiseführern allerhöchstens im Kleingedruckten wiederfindet, können wir einen Abstecher dorthin nur empfehlen.

 

"Nothing beats the excitement of soccer" heißt es im Werbespruch der amerikanischen Major League Soccer.  Der Rest der Welt würde dem wohl auch zustimmen, jedoch ist Fußball in den USA noch immer eine Randsportart. Allenfalls Frauenfußball sorgt für volle Stadien. Nichtsdestotrotz hat die MLS mittlerweile ein beachtliches Niveau erreicht, was auch in den Erfolgen der US-Nationalmannschaft zum Ausdruck kommt. Aufmerksamkeit in Deutschland hat die 1995 gegründete Profiliga jedoch erst durch das Mitwirken eines gewissen Lothar Matthäus bei den New York / New Jersey MetroStars erhalten. Nun bin ich alles andere als ein Fan von Leitwolf Loddar, doch ein Spiel der MetroStars wollte ich dann doch ganz gerne mal sehen. Immerhin spielt ja auch noch Thomas Dooley bei den MetroStars. Außerdem war "Lothar Matthäus" ein gutes Argument, um Bianca (ihres Zeichens Bayern-Fan) mit ins Stadion zu locken.

Die Spiele der MetroStars finden außerhalb von New York, in den Meadowlands, East Rutherford, New Jersey im Giants Stadium statt. Da wir kein Auto hatten und uns Taxifahren ein wenig teuer erschien, entschlossen wir uns, mit dem Bus zu fahren. Vom Port Authority Terminal ging es mit NJ Transit (Linie 351) für 6,50 $ innerhalb von 45 Minuten direkt bis vor die Türen des Giants Stadium. Karten zu bekommen war kein Problem, da das Stadion höchstens zu einem Viertel gefüllt war - und das bei einem Spitzenspiel. Immerhin ging es gegen den Vorjahresfinalisten, die Los Angeles Galaxy. Aber so sind sie halt, die Amis. Karten für die Rangers (Eishockey) und erst recht für die Knicks (Basketball) sind auf Jahre hinaus ausverkauft (kein Witz!). Aber für die Weltsportart Nr. 1 Fußball interessiert sich hier kein Schwein. Ohne Worte. Das Spiel an sich war nicht weiter bemerkenswert. Los Angeles hat mit 1:0 gewonnen und musste in den letzten Minuten einen wahren MetroStars-Sturmlauf über sich ergehen lassen. Aber Cobi Jones hielt seine Abwehr zusammen, so dass die Galaxy am Ende die Glücklicheren waren. Loddar fiel lediglich dadurch auf, dass er vor dem Spiel getrennt von der Mannschaft sein eigenes Aufwärmprogramm durchzog und nach dem Spiel lautstark mit dem Schiri diskutierte. Ob in Englisch oder Deutsch, konnte man von der Tribüne aus leider nicht hören...

 

Anschließend kauften wir uns noch ein paar MetroStars-Souvenirs und fuhren dann mit dem Bus wieder zurück nach Manhattan, wo wir unseren letzten Abend in New York am Times Square ausklingen ließen.

 

 

Tag 6: So, 30.04.2000    Flug nach San Francisco

 

Heute sollte also mit dem Flug an die US-Westküste der zweite Teil unseres Amerika-Trips eingeleitet werden.

 

Nach dem Klingeln des Weckers um 7,45 Uhr ging ich in aller Ruhe zum extra eingerichteten Transport-Informationsschalter in der Lobby unseres Hotels. Dort wollte ich einen Bus-Shuttle zum Flughafen Newark bestellen. Der Schalter sollte um 7,30 Uhr öffnen. Nachdem auch um 8,00 Uhr noch niemand da war, fragte ich an der Rezeption nach. Dort erklärte man mir, dass die Person sich wohl verspätet habe, aber jeden Moment kommen müsse. Und während ich wartete und wartete und so ganz allmählich nervös wurde, fiel mein Blick auf eine kleine Informationstafel an der Wand über dem Schreibtisch. Auf dieser stand sinngemäß: "Bustransfers zu den Flughäfen sind am Tag vorher zu buchen". Na toll, dachte ich. Und wie kommen wir jetzt zum Flughafen? Na klar, mit dem Taxi! Eigentlich hatten wir nicht vor, mit einem New Yorker Yellow Cab zu fahren. Zu viel hatten wir schon von Abzocke und überhöhten Preisen gehört. Aber nun gab es ja keine andere Möglichkeit mehr. Schnell wurde Bianca geweckt und über den Hotelportier ein Taxi herbeigerufen. Und unser Fahrer hat es dann auch tatsächlich noch rechtzeitig zum Flughafen geschafft. Interessanterweise wurden wir während der Fahrt mehrmals daran erinnert, den "Tip" nur ja nicht zu vergessen. Anscheinend hat der Taxi-Driver in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit geizigen deutschen Touries gemacht. Na ja, sein Trinkgeld hat sich der Gute dann auch redlich verdient.

 

Nach dem Stress waren wir heilfroh, als wir endlich in der Maschine der United Airlines nach San Francisco saßen. Leider bekamen wir Plätze in der hintersten Reihe, direkt an den Toiletten zugewiesen. Entsprechend roch es dann auch den ganzen Flug über. Aber was nimmt man nicht alles in Kauf, um in den Sonnenstaat Kalifornien zu gelangen.

 

Nach der Landung versuchten wir, auf schnellstem Wege zu unserem Travellodge-Hotel zu gelangen, das sich in Flughafennähe befinden sollte. Dieses hatten wir bereits in Deutschland gebucht, um zumindest am Tag der Ankunft in S.F. eine Bleibe zu haben. Nach einigen Telefonaten mit dem freundlichen aber ein wenig undeutlich sprechenden indischen Hotelangestellten kam dann auch der Shuttle-Bus, der uns zum Flughafenhotel bringen sollte. Das Hotel erwies sich dann auch tatsächlich als reines Flughafenhotel, d.h. ohne jeden Luxus und weit, weit ab vom Schuss. An irgendwelche Unternehmungen war somit heute nicht mehr zu denken, da  wir unseren Mietwagen erst morgen in Empfang nehmen sollten. Wenigstens gab es in der Nähe einen McDonalds, bei dem wir uns noch ein wenig stärken konnten.

 

 

Tag 7: Mo, 01.05.2000    San Francisco

 

Heute morgen bekamen wir am Mietwagenterminal des Flughafens unseren Mietwagen vom Typ Plymouth Neon, Farbe weiß. Dieser war zwar etwas klein (Opel-Corsa-Klasse) aber sah fast wie ein Sportwagen aus. Wir waren froh, dass wir uns bei der Mietwagenfirma Dollar nicht einen größeren (und damit teureren) Wagen haben aufschwätzen lassen. Obwohl man minutenlang auf uns einredete, doch einen größeren und viel, viel besseren Wagen mit mehr Komfort zu nehmen, blieben wir standhaft. Die "Dame", die uns am Mietwagenschalter bediente, hieß Tina. Tina war der lebende Beweis dafür, dass es in der amerikanischen Dienstleistungsgesellschaft nicht nur freundliche und höfliche Menschen gibt. Ich will mich hier nicht näher über diese Person auslassen, da sich mir sonst der Magen umdreht. Solltet Ihr jedoch Euren Mietwagen bei Dollar in San Francisco mieten, dann macht  um "Tina" einen weiten Bogen, wenn Ihr Euch nicht den Urlaub verderben wollt. Eine unfreundlichere und arrogantere Person habe ich noch nie in meinem Leben getroffen!

 

Nachdem wir dann endlich unseren Mietwagen hatten, stand die Hotelsuche an. Zunächst fuhren wir vom Flughafen, der etliche Meilen außerhalb der City liegt, in Richtung San Francisco Mitte. Nachdem wir einige Motels und Hotels abgeklappert hatten, die entweder ausgebucht waren oder nicht unseren Preisvorstellungen entsprachen, fanden wir gegen Mittag doch noch ein hübsches und für S.F. relativ günstiges Hotel in der Lombard Street, ganz in der Nähe der berühmten "Crookedest Street in the world". Es hieß Hotel Francisco Bay. Marshal, der Besitzer, sprach sogar ein paar Brocken Deutsch ("Ein Bier, bitte"), da er vor 20 Jahren mal bei der US Army in Deutschland stationiert war. Anschließend gab er uns noch einen Stadtplan von San Francisco und zeichnete Dinge ein, die wir unbedingt gesehen haben sollten und Sehenswürdigkeiten, die seiner Meinung nach überteuert bzw. überschätzt werden. Außerdem wies er uns auf die Bezirke hin, die wir bei Dunkelheit besser meiden sollten. Marshal war sehr nett und gastfreundlich. Kein Vergleich zu dieser unsäglichen Schnepfe Tina vom Mietwagenverleih.

 

Nachdem wir uns auf dem Hotelzimmer ein wenig frisch machten, gingen wir zu Fuß die Stadt erkunden. Unsere erste Anlaufstelle war die ganz in der Nähe liegende, bereits erwähnte, krummste Straße der Welt. Diese ist so steil, dass sie nur abwärts befahren werden darf. Ein geiler Anblick. 

 

 

Anschließend stiegen wir die steilen Straßen San Franciscos hinab in Richtung Fisherman's Wharf. Fisherman's Wharf gilt als eine der Hauptattraktionen der Stadt an der Bay. Es handelt sich hierbei um einen ehemaligen Hafen, der bis in die vierziger Jahre als Ankerstätte für Fischereiboote diente. Heute findet man dort fast nur noch Souvenirshops und überteuerte Restaurants vor. Lediglich der Pier 39 hat mit einigen kleinen Läden und Boutiquen einen gewissen Reiz. Einen Bummel ist Fisherman's Wharf aber trotzdem wert. Schon alleine wegen der zahlreichen Seelöwen, die direkt am Pier Quartier bezogen haben und quasi in freier Natur zu bewundern sind.

 

Gegen Nachmittag stand dann Chinatown auf unserem Programm. Das Viertel ist die größte chinesische Gemeinde außerhalb Asiens. Und dieses Chinatown hat im Gegensatz zum Pendant in New York auch tatsächlich ein gewisses Flair. Hier wirkt wirklich alles asiatisch. Aus den Geschäften kommt dezente fernöstliche Musik, aus den Restaurants strömen leckere Gerüche und die Menschen sind (mit Ausnahme der zahlreichen Touristen) eine Spur gelassener als im Rest San Franciscos. Auf einem Haus weht unübersehbar die rote Flagge Chinas. Und sogar das für die USA obligatorische McDonalds-Restaurant ist mit chinesischen Schriftzeichen versehen. Bianca und ich haben den Aufenthalt hier sehr genossen. Gemeinsam sind wir durch die Straßen Chinatowns geschlendert und haben eine Zeitlang glatt vergessen, dass wir ja eigentlich in Amerika sind.

 

Abends waren wir dann noch im italienischen Viertel North Beach, und haben uns zum Ausklang eines anstrengenden, aber schönen Tages eine italienisch-amerikanische Pizza reingezogen.

 

 

Tag 8: Di, 02.05.2000     San Francisco

 

Was wäre ein Aufenthalt in San Francisco, ohne eine Fahrt mit der legendären Cable Car mitgemacht zu haben. Die Wagen sind über 6 Tonnen schwer und fahren ca. 15 km/h "schnell". In erster Linie dienen sie heute als Touristenattraktion. In der Vorzeit des Automobils jedoch war die Cable Car das Hauptverkehrsmittel San Franciscos. Es gibt zur Zeit noch drei verschiedene Strecken, die von der Cable Car befahren werden. Wir entschieden uns für die Strecke Fisherman's Wharf / Powell Station. Zunächst wurde an der Haltestelle am ehemaligen Fischereihafen eine Fahrkarte für 2$ gelöst und kurze Zeit später saßen wir schon drin in der legendären Bahn. Mit viel Gepolter ging es über die steilen Hügel, vorbei an Lombard Street und Chinatown.

 

 

Die Fahrt war ein tolles Erlebnis, leider jedoch viel zu schnell zu Ende. Am Zielpunkt angelangt war Shopping angesagt. Vom San Francisco Shopping Center über Niketown bis zum Embarcadero Center klapperten wir sämtliche Läden und Shopping Malls der Innenstadt ab. Bianca war ganz begeistert, obwohl New York letzten Endes doch noch eine größere Einkaufsvielfalt bietet. Was nicht so angenehm war, waren die vielen Bettler und Obdachlosen, die mit ihrem Hab und Gut auf der Straße sitzen bzw. mit ihren Einkaufswagen durch die Gegend ziehen und die Mülltonnen nach Essbarem durchwühlen. Die Obdachlosen prägen hier wirklich das Stadtbild. Man begegnet ihnen (zumindest im Zentrum San Franciscos) an jeder Ecke. Diese augenfälligen Schattenseiten der kapitalistischen Gesellschaftsordnung machten uns doch ganz schön nachdenklich.

 

Aber wir können als Touristen nun mal nicht die Ungerechtigkeiten des amerikanischen Systems beseitigen. Also gingen wir zurück zum Fisherman's Wharf, wo wir eines der Highlights unseres USA-Aufenthalts erleben sollten: Eine Fahrt zur ehemaligen Gefängnisinsel Alcatraz.

 

Vorab unser Reisetipp: Kauft unbedingt einen Tag vorher Eure Tickets zur Überfahrt. Gerade bei schönem Wetter ist der Andrang enorm. Und Alcatraz zu verpassen, wäre wirklich schade! Und gebt auf jeden Fall die paar Dollar mehr aus, um die Tonband-Tour mitzumachen. Ohne diese ist das Erlebnis Alcatraz noch nicht mal halb so groß.

 

 

Alcatraz ist der 1934 gebaute (und in vielen Filmen verewigte) berüchtigteste Knast der Vereinigten Staaten. Hierher kamen Schwerstkriminelle, die man für zu gefährlich hielt, um sie in anderen Gefängnissen unterzubringen. Unter anderem saß hier Gangsterkönig Al Capone. Es gab zwar mehrere Ausbruchsversuche, jedoch ist keiner davon geglückt. Man vermutet, dass diejenigen, die es tatsächlich geschafft haben zu fliehen, von der Strömung ins offene Meer hinausgetragen wurden. Außerdem ist die Bucht vor der Insel voller Haie. Von den Ausbrechern jedenfalls hat man nie wieder etwas gehört. 1963 wurde Alcatraz als Gefängnis geschlossen und 1972 für Touristen wieder geöffnet. Schon die Überfahrt zur Insel ist ein Erlebnis. Vom Schiff aus hat man einen umwerfenden Blick auf die Skyline San Franciscos (zwar nicht mit New York vergleichbar, aber trotzdem klasse).

 

Auf Alcatraz selbst kann man dann an einer audiovisuellen Tour teilnehmen. Das funktioniert so: Man bekommt einen Walkman mit Kopfhörer, eine Kassette (sogar in deutscher Sprache!) und kann nun von Informationen und Kommentaren eines Sprechers begleitet, durch das Gefängnis gehen. Der Hit dabei sind die von Band kommenden Effekte und Hintergrundgeräusche, die einem tatsächlich das Gefühl geben, live dabei zu sein (z.B. bei einer Meuterei). Wenn man sich beispielsweise gerade in einer Zelle umsieht und auf einmal aus dem Kopfhörer laut das Zuschlagen der Zellentür vernimmt, wird einem schon ein wenig unheimlich. Diese Tour ist wirklich gut gemacht! Darf man einfach nicht verpassen!

 

 

Tag 9: Mi, 03.05.2000     Monterey

 

Heute hieß es Abschied nehmen von San Francisco. Zumindest vorläufig, denn wir wollten noch für ein bis zwei Tage am Ende unserer Tour zurückkommen. Bevor wir uns aufmachten, den ersten Teil des 650km langen Highway 1 zwischen S.F. und Los Angeles zu erobern, fuhren wir mit unserem Plymouth Neon hinauf nach Twin Peaks.

 

Twin Peaks ist ein Aussichtspunkt auf den Hügeln vor San Francisco und hat mit der gleichnamigen Fernsehserie meines Wissens nach nichts zu tun. Bereits gestern Abend fuhren wir zu diesem Aussichtspunkt. Besser gesagt: Wir versuchten es. Denn es wurde plötzlich so neblig, dass wir nicht mal mehr die Hand vor Augen sehen konnten und deshalb auf halber Strecke umkehrten. Heute morgen jedoch war der Himmel strahlend blau und der etwa 30minütige Umweg hatte sich voll und ganz gelohnt.

 

 

Von Twin Peaks aus hat man einen phantastischen Blick auf die Mega-City San Francisco inklusive Golden Gate Bridge. Anschließend folgten wir dem bereits erwähnten Highway 1 Richtung Monterey.

 

Der Highway 1 gilt als eine der schönsten Straßen der Welt. Er führt direkt am Pazifik entlang von San Francisco nach Los Angeles. Die Fahrt auf dem Highway 1 dauert zwar wesentlich länger als auf der Interstate, aber die tolle Landschaft ist diesen Umweg wirklich wert. Fast hinter jeder Kurve gibt es Aussichtspunkte. Alle paar Minuten hätten wir anhalten können,  so schön ist die amerikanische Pazifikküste und der Blick aufs Meer hier. Nach zahlreichen Zwischenstopps, wo wir immer wieder unsere Fotoapparate zückten und die Videokamera auspackten, machten wir gegen Mittag im Städtchen Santa Cruz Rast.

 

Santa Cruz hat eine wirklich schöne Einkaufspassage mit vielen kleinen Geschäftchen. Bianca war mal wieder begeistert. Und zwar so begeistert, dass wir fast unsere bereits abgelaufene Parkuhr vergessen hätten. Im Laufschritt flitzten wir zurück zum Auto. Als wir um die Ecke bogen, trauten wir unseren Augen nicht. Auf der anderen Straßenseite stand ein grüner Lastwagen mit der magischen Aufschrift "Bitte ein Bit". Jawoll, ein echter Bitburger-Biertransporter stand direkt vor uns. Und das im äußersten Westen der USA, quasi am Ende der  Welt. Während wir noch überlegten, wie wir wohl den (unbewachten) Laster unbemerkt entern könnten, um an die leckere Brause zu gelangen, kam leider der Fahrer des Truck von seiner Mittagspause zurück. Und so blieb für Carsten am Abend wieder mal nur das obligatorische Budweiser aus der Dose übrig. Obwohl dieses besser ist als sein Ruf, wäre ein leckeres Bit heute zur Abwechslung doch mal ganz nett gewesen. Na ja!

 

Sei's drum. Weiter ging die Fahrt an zerklüfteten Felsen entlang und durch einsame Wälder mit riesigen Bäumen in Richtung Monterey. Monterey war früher mal das Zentrum der Ölsardinen-Industrie. Jedenfalls solange, bis sämtliche Bestände leergefischt waren. Hier fand auch 1967 (noch vor Woodstock) das legendäre Open-Air-Festival mit Janis Joplin und Jimi Hendricks statt. In Monterey angekommen, verbrachten wir dann geschlagene 1 ½ Stunden im Feierabendverkehr mit der Suche nach einem Hotel. Nervenaufreibend! Wir sind eine Querstraße zu früh abgebogen und verpassten so eine etwa fünf Meilen lange Hauptstraße, wo ein Hotel neben dem anderen steht. Bis wir dies merkten, war uns schon der Spaß an der Stadt Monterey vergangen. Und so fuhren wir, nachdem wir endlich ein Motel gefunden hatten, direkt zum Örtchen Carmel, welches eigentlich erst morgen früh auf unserem Programm stand.

 

Carmel ist ein sehr hübsches, kleines Städtchen mit vielen Antiquitätenläden und Boutiquen. Hier war übrigens Clint Eastwood früher mal Bürgermeister. Ein Abstecher hierhin lohnt auf alle Fälle, nur sollte man viel Geld dabeihaben, denn Carmel ist ein überaus teures Pflaster. Statt in Kunstgalerien unerschwingliche Ölgemälde zu bestaunen, verzogen wir uns dann doch lieber an den tollen Sandstrand, um einen anstrengenden, aber wunderschönen Tag ausklingen zu lassen.

 

 

Tag 10: Do, 04.05.2000  Ventura

 

Und weiter ging die Fahrt auf dem Highway 1 Richtung Los Angeles. Und der zweite Abschnitt dieser Küstenlandstraße war mindestens genauso beeindruckend wie der Erste. Von Big Sur aus ging es über Cambria nach Morro Bay.

 

 

Zwischendurch konnte man teilweise nur einspurig fahren. Die zweite Fahrbahn war wegen Steinschlags gesperrt. Man musste dann warten, bis der entgegenkommende Verkehr durchgeleitet wurde. Dies war schon ziemlich nervig. Aber wir waren froh, dass der Highway überhaupt befahrbar war, denn vor unserer Abreise hatten wir in der Zeitung noch gelesen, dass der Highway 1 zur Zeit für den Verkehr ganz gesperrt sei.

 

Einen kleinen Abstecher machten wir noch nach Solvang. Dabei handelt es sich um ein Dorf, das Anfang des letzten Jahrhunderts von dänischen Einwanderern gegründet wurde. Laut Reiseführer hat sich der Ort "seinen dänischen Flair bewahrt". Nun ja! Solvang ist wirklich ein hübscher, kleiner Ort mit vielen rot-weißen Dänemark-Fähnchen und nachgebauten Windmühlen. So stellen sich wahrscheinlich die Amis unser sympathisches Nachbarland im Norden vor. Aber ein echter Däne dürfte sich hier wohl eher totlachen, als Heimatgefühle zu bekommen. Beeindruckt haben uns aber die vielen kleinen Souvenirläden, insbesondere ein Weihnachtsgeschäft, das das ganze Jahr über geöffnet hat. Ob Lebkuchen, Christbaumschmuck oder Papp-Nikoläuse: Hier kann man selbst im Mai alles bekommen, was das Weihnachtsherz begehrt. Oh Du fröhliche!

 

Nach unserem Abstecher nach "Skandinavien" ging es weiter auf unserer Tour. Diesmal aber über die Interstate. Bye, Bye, Highway 1.

 

Eigentlich wollten wir noch einen Zwischenstopp in Santa Barbara, einer 1602 von Sebastian Vizcaino gegründeten spanischen Missionsstadt, einlegen. Doch nach einem endlos langen Stau verging uns die Lust darauf. Da fährt nach extra die (langweilige) Autobahn um schneller voranzukommen, und dann steht man 2 Stunden im Stau. Na toll!  So fuhren wir dann weiter, ohne in Santa Barbara gewesen zu sein. Unser neues Tagesziel lautete dann Ventura, wo wir auch gegen Abend ankamen. Ventura ist ebenfalls eine alte spanische Missionsstadt mit einer sehr schönen (historischen) Altstadt. Im Mittelpunkt steht die 1782 erbaute Kirche San Buenaventura, von der der Name der Stadt abgeleitet wurde.  Ventura hatte als Etappenziel auch den Vorteil, dass es nicht mehr all zu weit von den Universal Studios Los Angeles entfernt lag, die morgen auf unserem Programm standen.

 

 

Tag 11: Fr, 05.05.2000   Los Angeles

 

Nachdem wir uns bereits sehr früh aufgemacht hatten, erreichten wir gegen 8,30 Uhr Studio City, einen künstlich geschaffenen Stadtteil von Los Angeles. Unser Hotel für die nächsten drei Nächte war das Universal City Inn, welches nicht weit entfernt von den  Studios liegt und von der Autobahn aus sehr gut zu erreichen ist.

 

Direkt nach dem Einchecken ging es los. Um die Parkgebühren (6 $) zu sparen, gingen wir ein paar Meter zur Bushaltestelle, von der ein kostenloser Pendelbus zum Eingang der Universal Studios fährt. Dort angekommen, waren wir angenehm überrascht, dass sich entgegen unseren Befürchtungen keine Menschenmassen an den Eingängen stauten. Grund dafür war wohl das Wetter. Zwar regnete es nicht, aber für einen Maitag in Kalifornien war es doch recht kühl. Und so konnten wir in einem der schönsten Vergnügungsparks der Welt einen tollen Tag erleben. Highlights der Universal Studios sind die Jurassic-Park-Bahn (Vorsicht! Man wird garantiert nass bis auf die Knochen!!!), die Feuershow Backdraft (den Film muss man nicht unbedingt gesehen haben, aber die Tricks in dieser Show sind wirklich klasse) und die  Terminator 2 - Show (geniale Effekte).

 

Nicht entgehen lassen sollte man sich auch eine Fahrt über das Universal-Filmgelände, wo man viele originale Filmkulissen sehen kann (z.B. von Zurück in die Zukunft oder das Psycho-Hotel) und eindrucksvoll verschiedene Tricks der Traumfabrik Hollywood demonstriert bekommt.

 

 

Tag 12: Sa, 06.05.2000   Los Angeles

 

Aus diversen Reiseführern hatten wir bereits erfahren, dass Hollywood heute nicht mehr viel zu bieten hat und nur noch ein Mythos längst vergangener Tage ist. Entsprechend gering war unsere Erwartungshaltung.

 

Doch auch wenn die großen Filmstudios hier nicht mehr drehen und die Gegend nicht gerade die Beste ist, wollten wir doch zumindest das berühmte Mann's Chinese Theatre und den Walk of Fame sehen. Nachdem wir unseren Mietwagen in einer Seitenstraße geparkt hatten, gingen wir zunächst den Walk of Fame ab. Unter "Walk of Fame" versteht man den Gehweg am Hollywood Boulevard, auf dem über 2000 Messingsterne mit den Namen berühmter Stars eingelassen sind. Ein Künstler erhält nur dann einen Stern, wenn er bereit ist, 10.000 US-$ zu zahlen, von einem Gremium akzeptiert wird und zur Einweihung des Sterns persönlich am Walk of Fame erscheint. Außerdem benötigt man jemanden, der die Patenschaft über den Stern übernimmt. Dieser Pate muss dann mindestens einmal in der Woche zum Putzen und Polieren vorbeikommen. Aber anscheinend sind viele Fans dazu bereit. Bianca und ich sahen in den zwei Stunden unseres Aufenthalts etliche, die mit Putzzeug fleißig dabei waren, den Stern "Ihres" Stars auf Hochglanz zu polieren. Wenn Sie sonst nichts zu tun haben...

 

 

Direkt am Walk of Fame liegt auch das Mann's Chinese Theatre. Dieses ist ein 1927 erbautes Kino. Es ist dafür berühmt, dass sich in den Zementplatten vor dem Eingang an die 200 Stars mit ihren Hand- und Fußabdrücken verewigt haben. Manche haben auch noch witzige Kommentare dazu geschrieben. Wer sich als Tourist in Hollywood umsieht, darf das Mann's Chinese Theatre nicht verpassen!

 

Auf dem Weg zurück zum Auto überlegten wir, was wir uns jetzt noch anschauen könnten. Eigentlich hatten wir für Hollywood einen ganzen Tag eingeplant, aber sehr viel zu sehen gab es hier wirklich nicht. Schon gar keine Schauspieler. Also beschlossen wir, nach einem kleinen Snack bei Jack-in-the-box, nach Beverly Hills zu fahren. Schließlich wohnen die meisten Hollywood-Berühmtheiten dort. Und wenn sich die Stars in Hollywood selbst nicht blicken lassen, so dachten wir, müssen wir eben zu Ihnen kommen.

 

Bibi und Carsten auf Promi-Jagd in Beverly Hills. Das muss ein Bild für die Götter gewesen sein. Ich investierte 5$ in einen Lageplan, auf dem die Häuser der Stars eingezeichnet waren. Diese Pläne verkaufen Straßenhändler hier an jeder zweiten Ecke. Bianca fuhr den Wagen, und ich als Beifahrer bemühte mich, die Karte zu lesen und meiner Fahrerin Anweisungen zu geben ("Links geht's zum Haus von Bruce Willis"). Leider erwies sich die Orientierung in diesem Nobelvorort von L.A. als äußerst schwierig, da viele kleine, verwinkelte Straßen zu befahren waren und die Beschilderung als eher dürftig zu bezeichnen war. Außerdem hatte man trotz Geschwindigkeitsbegrenzung ständig irgendwelche Autos hinter sich, die einen gnadenlos abhupten, beschimpften und dann auch überholten. Tja, es ist echt nicht leicht, als Touri auf Promi-Jagd zu gehen.

 

Am Ende sahen wir ein, dass wir nichts sehen würden. Die meisten Villen waren hinter meterhohen Sträuchern versteckt und mit Stacheldraht, Videokameras und privaten Sicherheitsdiensten geschützt. Gesehen haben wir letztlich nur die Häuser von Barbara Streisand und Peter Falk ("Colombo") sowie die Hofeinfahrt von Sylvester Stallone. Letztere war übrigens mit einem überdimensionalen "Keep-Out"-Schild ausgestattet. Wenig einladend... Danach fuhren wir noch eine Runde durch Bel Air, um den Prinz alias Will Smith zu suchen. Doch auch diesen fanden wir heute nicht.

 

Spätnachmittags statteten wir noch dem weltberühmten Hollywood-Schild einen Besuch ab. Dieses wurde 1923 aufgestellt und diente ursprünglich als Werbung für eine Immobilienfirma. Es dauerte jedoch eine halbe Ewigkeit, bis wir das blöde Schild gefunden hatten. Fahrt mal zur Rush-Our durch den Großstadtdschungel L.A., ein aus diversen anderen Städten zusammengesetzter Moloch, der größer als das Ruhrgebiet ist. Trotz zwölfspuriger Autobahn nur Stau, Stau, Stau! Obwohl Samstag war! Irre! Als wir endlich am (allerdings sehr schönen) Vista Point ankamen, dämmerte es bereits. Auf den mehrere Kilometer langen Fußweg zum Schild verzichteten wir dann. Man konnte das 15 Meter hohe Wahrzeichen Hollywoods nämlich auch gut aus der Ferne sehen. Der Blick auf L.A. von diesem Aussichtspunkt aus ist übrigens phantastisch. Allein dieser Ausblick war die ganzen vorausgehenden Stau-Strapazen wert.

 

 

Tag 13: So, 07.05.2000   Los Angeles

 

Heute stand endlich mal ein Badetag auf dem Programm, den ich Bianca schon lange versprochen hatte. Nur sahen wir auf unserer Tour bislang entweder keinen geeigneten Strand, oder das Wetter spielte nicht mit, oder wir hatten etwas Besseres vor, als Baden zu gehen. Da es in und um L.A. sehr viele schöne Strände gibt und wir uns nicht für einen Bestimmten entscheiden konnten, wurde der heutige Tag ganz einfach zum "Beach-Test-Tag" erklärt.

 

Den Anfang machte der Strand von Santa Monica. Santa Monica ist ein 1875 gegründetes Seebad, das mittlerweile von zahlreichen Künstlern bevölkert wird. Unser Interesse heute galt aber nicht den schönen Künsten, sondern dem Strand. Und der Sandstrand von Santa Monica ist wirklich wunderschön. Anschließend fuhren wir nach Malibu, wo wir die echte Baywatch-Lifeguard bei der Arbeit beobachten konnten. Pamela Anderson hab ich übrigens nicht getroffen. Auch sonst gab es hier enttäuschender Weise keine Lebensretterinnen in schicken roten Badeanzügen. Die Lifeguard bestand nur aus Männern! Na ja, wenigstens Bianca hat's gefallen. Wird eigentlich die Serie Baywatch hier gedreht? Egal. Der Strand war sehr schön, wenn auch ein bisschen überlaufen.

 

Nach einer Stärkung bei McDonalds (Heute war Hamburger-Tag; die leckere Bulette kostete nur 29 Cents) ging es nach Venice. Venice Beach ist wohl der breiteste aber auch schönste Strand von L.A. Auf alle Fälle ist hier am meisten los.

 

Unser Reisetipp: Setzt Euch einfach mal für ein paar Minuten auf den Rand des Boardwalk und schaut den Leuten zu, die an Euch vorbeihuschen. Jogger, Walker, Radfahrer und vor allem Rollerblader laufen bzw. fahren den Strand rauf und runter. Die Frage, ob dies nun der körperlichen Fitness wegen geschieht, oder ob die meist jungen und braungebrannten California Girls and Boys einfach nur gesehen werden wollen, muss aber offen bleiben. Macht Euch doch einfach selbst ein Bild davon.

 

Nachdem wir genug Sonne getankt hatten, ging es zurück zum Hotel, wo wir uns kurz frisch machten.

Danach fuhren wir zum sogenannten Universal City Walk. Dieser befindet sich in unmittelbarer Nähe des Vergnügungsparks. Da er jedoch außerhalb der Universal Studios liegt, muss kein Eintritt gezahlt werden. Lediglich Parkgebühren fallen an, die man aber ganz einfach sparen kann, indem man den praktischen Pendelbus nutzt (siehe Tag 11). Der City Walk ist im Prinzip eine Fußgängerzone im Art-Deco-Stil, ziemlich überdimensioniert und kitschig. Er besteht aus zahlreichen kleinen Geschäften, Restaurants und Musikkneipen und ist sehr, sehr amerikanisch. Highlight ist das Hard Rock Cafe mit seiner riesengroßen Gitarre vor dem Eingang.

 

Unser Reisetipp: Wer keine Gewerbegebiete mehr sehen kann (Wer schon mal in L.A. war, weiß was ich meine), sollte sich den Universal City Walk antun. Hier ist sogar Abends was los, es gibt kein Fast Food und die Preise halten sich auch im Rahmen. Ein echter Geheimtipp!

 

 

Tag 14: Mo, 08.05.2000  Anaheim

 

Heute hieß es Abschied nehmen von Los Angeles, der Stadt der Engel. Disneyland stand auf unserem Programm.

 

Doch zunächst musste ich mir einen neuen Rasierapparat kaufen, denn mein aus Deutschland mitgebrachtes Gerät hatte überraschend den Geist aufgegeben. Und das, obwohl ich die Stromspannung meines Rasierers völlig ordnungsgemäß umgestellt habe. Schönen Dank auch, Firma Braun! Nach Benutzung des schleunigst neu erworbenen Remington Micro Screen konnten wir endlich abdüsen.

 

Diesmal ging es ohne nennenswerten Stau schnurstracks Richtung Anaheim. Keine 1 ½ Stunden später waren wir da. Eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden, war überhaupt kein Problem. In der Nähe von Disneyland gibt es massenweise Hotels aller Kategorien. Wir entschieden uns für das Super 8. Unmittelbar nach dem Einchecken wurden wir mit dem hoteleigenen Shuttlebus direkt vor die Tore Disneylands gebracht. Mit 41$ Eintritt waren wir dabei.

 

Leider hatten wir uns für unseren Besuch keinen guten Tag ausgesucht. Das Wetter hätte zwar nicht besser sein können, jedoch war heute anscheinend Mutter-Kind-Tag (mit entsprechend ermäßigtem Eintritt für diesen speziellen Personenkreis). Und so bildeten sich bereits vor dem Eingang lange Schlangen mit Müttern und Ihren "Strollern". So viele Kinderwagen auf einmal hatten wir noch nie gesehen. Na das konnte ja heiter werden. Aber irgendwie scheint Disneyland etwas Magisches an sich zu haben. Man wird mit Musik aus Disney-Filmen berieselt und hat ständig den Eindruck, als ob über dem ganzen Park eine riesige Zuckerwatte klebt. Alles ist sauber und die Mitarbeiter freundlich und hilfsbereit. Und so waren erstaunlicherweise weder quengelnde Kinder noch schimpfende Mütter zu hören. Ganz anders als in Deutschland...

 

Die besten Bahnen in Disneyland sind Space Mountain, Indiana Jones Adventure und die Big Thunder Mountain Railroad. Auch das gigantische Feuerwerk am Ende des Tages darf man sich nicht entgehen lassen. Wer früher geht, ist selbst schuld! Anzumerken ist noch, dass Bianca an einem Imbissstand den laut eigener Aussage "besten Chili-Hot-Dog aller Zeiten" gegessen hat. Lecker!

 

Ihr werdet jetzt wahrscheinlich wissen wollen, welcher Vergnügungspark uns besser gefallen hat. Die Universal Studios oder Disneyland? Tja, das ist wohl Geschmackssache. Mir persönlich haben die Universal Studios, Bianca hat Disneyland besser gefallen. Auf jeden Fall sind Beide sehr schön und auch Ihr Geld wert. Wer Zeit hat, sollte eigentlich beide Parks besuchen.

 

Unser Reisetipp: Auf gar keinen Fall solltet Ihr Samstags oder Sonntags in die kalifornischen Vergnügungsparks kommen. Dann platzen sowohl Disneyland als auch die Universal Studios aus allen Nähten!

 

 

Tag 15: Di, 09.05.2000   Palm Springs

 

Nach den großstädtischen Metropolen New York, San Francisco und Los Angeles stand uns nun mit den großen Nationalparks in Osten der USA der eher "ländliche" Teil unserer Reise bevor. Die Fahrt heute führte uns ins bevorzugte Urlaubsdomizil der kalifornischen High Society, nach Palm Springs.

 

Doch bereits kurz nach Anaheim mussten wir auf ausdrücklichen Wunsch meiner weiblichen Begleitung wieder rechts abfahren. Das magische Schild mit der Aufschrift "Factory Outlet Center" hatte sie in den Bann gezogen. Die Factory Outlet Stores sind kleinere Läden, in denen fabrikneue Ware direkt ab Werk verkauft wird. So kann man hier beispielsweise Auslaufmodelle erheblich reduziert erwerben. So ganz verstanden habe ich das Prinzip dieser Läden aber nicht, denn das Warenangebot unterscheidet sich nicht sonderlich von dem regulärer Shops. Und auch die Preise sind (von Sonderposten abgesehen) auch nicht viel günstiger. Bianca aber war ganz begeistert. Klar, alle Frauen shoppen nun mal gern. Und so klapperten wir dann zwei Stunden lang die vielen kleinen Outlet Shops ab.

 

In einem der Läden, im "Shoe Express", sprach uns plötzlich ein Verkäufer an. Wir kämen doch aus Deutschland, das hätte er an der Sprache erkannt. Ob wir Fußballfans wären, wollte er wissen. "Of course", antworteten wir. Und dann fragte er uns doch tatsächlich, ob wir heute um 11,30 Uhr die Live-Übertragung des Champions-League-Halbfinal-Rückspiels zwischen Bayern München und Real Madrid auf ESPN2 anschauen werden. Ein Amerikaner, der sich für Fußball interessiert? Und dann auch noch für europäischen Fußball??? Und der weiß, wann und auf welchem Sender die Begegnung übertragen wird??????? Nicht zu glauben!!! Und dann wusste er auch noch, wie das Hinspiel ausgegangen war (2:0 für Madrid). Nicht zu fassen!

 

Jeden Abend kann man hier im US-TV mindestens drei Baseball-Live-Übertragungen sehen. Dazu noch Basketball und Eishockey. Aber Soccer? Noch nicht mal die Ergebnisse werden gezeigt. Schon gar nicht aus Europa. Auch sonstige Nachrichten aus Europa spielen im US-Fernsehen keine Rolle. Die News sind folgendermaßen aufgebaut: Zuerst kommt Mord und Totschlag aus der Nachbarschaft, dann die übrigen Lokalnachrichten. Anschließend folgen ein paar überregionale Nachrichten mit den obligatorischen News aus dem Weißen Haus. Dann folgt Sport, Sport, Sport. Und wenn dann noch Zeit ist, werden Katastrophen-Bilder aus aller Welt gezeigt: Vulkanausbruch in Japan, Überschwemmung in China, Unruhen in Palästina. Das war's. Keine Politik aus Europa oder dem Rest der Welt. Hier gibt's nur die United States! Es ist kein Wunder, dass sich Amerika für den Mittelpunkt der Welt, für "Gods own country" hält. Das Volk bekommt schon vom Fernsehen her nichts anderes serviert als tagein tagaus nur USA, USA! Ein Blick über den nationalen Tellerrand hinaus findet nicht statt.

 

Und dann treffen wir diesen Verkäufer vom "Shoe Express", der Ahnung von europäischem Fußball hat! Einfach unglaublich! Ein absoluter Hammer! Er empfahl uns dann noch seine Stammkneipe. Wir sollten einfach dem Wirt einen schönen Gruß bestellen; er würde dann auf den Pay-TV-Sender ESPN2 umschalten. Und so fuhren wir dann auch sofort los, um diese Kneipe zu suchen. Das Spiel fing nämlich bereits in knapp einer halben Stunde an. Jedoch kam uns der Name der Lokalität ein wenig komisch vor. "Bombay" hieß die Kneipe, die wir mit ein bisschen Glück dann auch fanden. Was dann passierte war filmreif. Wir öffneten die Tür des Etablissements und traten ein. In dem Moment ging die Musik aus und sämtliche Gäste drehten sich zu uns um. Die hatten wohl noch nie Fremde in ihrer Gaststätte gesehen. Der Wirt fragte uns in einem unvergleichlichen Dialekt, was wir denn wollten. Wir schilderten unser Anliegen und tatsächlich, wenn auch etwas skeptisch, schaltete er auf den richtigen Kanal um.

 

Im "Bombay" gab es eine Großleinwand, auf der Bianca und ich nun in aller Ruhe das Spiel verfolgen konnten. Bayern gegen Real Madrid. Live im äußersten Westen der USA. Irre! Vor Spielbeginn bestellte ich für uns noch was zu Trinken: 2 Cola. Die an der Theke hockenden Cowboy-Gestalten konnten sich vor Lachen nicht mehr einkriegen. "Cola? Ho, Ho, Ho!". Hat in dieser Kneipe wohl noch nie jemand bestellt. Jetzt seid mal ehrlich: Ist es denn sooo ungewöhnlich, vormittags Coke statt Budweiser zu trinken? Im "Bombay" anscheinend schon... Das Spiel ging dann 2:1 für den deutschen Meister aus, aber nach dem 0:2 auswärts waren die Bayern im Halbfinale ausgeschieden. Bianca war sehr enttäuscht, denn sie hatte sich schon auf ein Endspiel mit Ihrem Lieblingsclub gefreut, welches am Tag unserer Rückkehr nach Deutschland stattfinden sollte. Kann man nichts machen!

 

Weiter ging die Fahrt in Richtung Palm Springs. Palm Springs hat gerade mal 30.000 Einwohner, dafür jedoch 90 Golfplätze. Jedes Jahr kommen an die 2 Millionen Gäste zu Besuch. Palm Springs ist in erster Linie etwas für die Superreichen. Dennoch versuchten wir hier unser Glück, da das Städtchen ein geografisch günstig gelegener Ausgangspunkt für die morgige Tour zum Joshua Tree Nationalpark war.

 

Leider blieb die Suche nach einem Hotel zunächst erfolglos. Entweder war man ausgebucht, oder das Preisniveau entsprach nicht unseren Vorstellungen. Vielleicht wollte man aber auch einfach keine durchreisenden deutschen Touristen mit Shorts in den Hotels haben. Die Leute hier waren jedenfalls extrem unfreundlich. Ich vermute, dass auch unsere Tina vom Mietwagenverleih (siehe Tag 7) ursprünglich aus Palm Springs stammt. Die an sich sehr schöne Stadt wird mir aufgrund seiner arroganten Einwohner immer in unangenehmer Erinnerung bleiben.

 

Na ja, letztendlich haben wir dann doch noch eine Unterkunft gefunden. Sogar mit Swimming Pool! Bianca hat Ihr strahlendes Lächeln aufgesetzt und da konnte der indische Hotelpächter nicht Nein sagen. Müde von einem anstrengenden Tag fielen wir ins Bett.

 

 

Tag 16: Mi, 10.05.2000   Joshua Tree NP

 

Der erste Nationalpark, der auf unserem Reiseprogramm stand, war der Joshua Tree NP. Er verdankt seinen Namen einer speziellen Palmenart, die bis zu 15 Meter groß wird und nur hier vorkommt.

 

Wir fuhren zunächst die Interstate 10 Richtung Blythe, um dann nach knapp einer Stunde Fahrzeit den Südeingang des Parks zu erreichen. Im Besucherzentrum erstanden wir dann für 50$ den Golden Eagle Passport. Mit diesem hat man ein ganzes Jahr lang freien Eintritt in sämtlichen US-Nationalparks. Eine prima Sache. Wer vor hat, mehrere Nationalparks zu besuchen, kann mit diesem Pass viel Geld sparen. Anschließend wurden wir vom netten Ranger noch mit ausreichend Informationsmaterial versorgt.

 

Der Joshua Tree Park selbst hat leider nicht sehr viel zu bieten. Ganz hübsch ist der Cholla Cactus Garden. Hier führt ein kleiner Fußweg an allerlei Pflanzen (vor allem Kakteen) vorbei. Sehenswert ist auch noch Key's View, ein Aussichtspunkt, von dem aus man über das ganze Tal blicken kann. Gegen Mittag hatten wir dann aber genug gesehen. Über den Nordausgang des Parks fuhren wir auf dem Highway 62 zurück nach Palm Springs, wo wir bei 30 Grad Celsius einen schönen Nachmittag am Pool verbrachten.

 

Hier ist noch von zwei älteren deutschen (bayerischen) Touristenpärchen zu berichten, die sich ständig gegenseitig zu übertrumpfen versuchten, indem sie erzählten, wo sie schon überall im Urlaub gewesen sind und wie schön es da doch war. Diese Angeberei war so peinlich, dass wir es vorzogen, uns nicht als Deutsche erkennen zu geben. Der Hammer war dann noch, dass einer der Angeber, ein ergrauter Mann in den Fünfzigern, alle 10 Minuten in den lauwarmen Pool hüpfte, eine Runde schwamm und dabei immer und immer wieder die Worte "Eiskoalt, Eiskoalt, Eiskoalt" rief. Leute gibt's...

     

Abends gingen wir ins Denny's essen. Denny's ist eine in den ganzen USA vertretene Family- Restaurant-Kette, die man wirklich nur empfehlen kann! Hier gibt's kein Fast Food, das Essen wird serviert und das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt auch.

 

 

Tag 17: Do, 11.05.2000  Fahrt zum Grand Canyon

 

Heute sollte uns ein anstrengender Fahrtag bevorstehen. Wir waren dann auch tatsächlich den ganzen Tag unterwegs. Insgesamt 800 km legten wir ohne größere Pause zurück.

 

Geplant war, über Phoenix nach Flaggstaff zu fahren. Flaggstaff, mit 46.000 Einwohnern größte Stadt Nordarizonas, liegt nicht weit vom Grand Canyon entfernt. Und diesen wollten wir morgen erkunden. Heute fand also im Prinzip eine Überbrückungsfahrt statt.

 

Kurz vor Phoenix machten wir das erste Mal Rast. Wir stärkten uns in einem direkt an der Interstate gelegenen beliebten "schottischen" Schnellimbiss. Bianca wollte unbedingt noch ein Eis haben und so bestellte sie ein großes McFlurry mit Smarties. Das Eis erwies sich dann allerdings nicht als groß, sondern vielmehr als riesig. 750 ml McFlurry waren selbst für Bianca zu viel. Vor allem, da der junge Mann hinter dem McDoof-Tresen nicht an den Smarties gespart hatte. Mit Sicherheit befand sich eine ganze Packung der bunten Leckerlies inmitten des Vanilleeisbergs. Viele, viele bunte Smarties eben. Aber mussten es gleich so viele sein? Weiter ging die Fahrt in Richtung Flaggstaff.

 

Kurz hinter Phoenix standen wir im Stau. Na klasse! Auch nachdem sich der Stau aufgelöst hatte, hatten wir immer noch mit sehr viel Verkehr zu tun. By the way: Es stimmt einfach nicht, dass Amerikaner "rücksichtsvolle und verständnisvolle Autofahrer" sind, wie es in einem meiner Reiseführer heißt. Genau das Gegenteil ist der Fall. Trotz scharfer Tempokontrollen rasen einige hier wie verrückt. Von vorausschauendem Fahren scheint man hier noch nichts gehört zu haben. Und wenn man den Blinker setzt, um die Spur zu wechseln, zum Beispiel wenn ein Wagen mit Panne direkt vor einem auf der rechten Spur steht, dann darf man auf keinen Fall erwarten, dass man links reingelassen wird. Auf der linken Spur fahrende Amerikaner werden in den allermeisten Fällen noch mal richtig Gas geben, um auch garantiert vorne zu sein. Reißverschlussverfahren? Njet! Ist ein Fremdwort hier. Never heared of it, man!

 

Zurück zu unserer Übergangsfahrt nach Flaggstaff. Irgendwann sind wir dann doch noch dort angekommen. Jetzt schnell ein Hotelzimmer finden und dann die historische Altstadt erkunden. Doch denkste! Es war kein Zimmer frei. Und wenn doch, dann nur zu astronomischen Summen. Der Grund dafür war, dass ausgerechnet an diesem Wochenende die Abschlussfeierlichkeiten der Universität stattfanden. Und die Eltern und übrigen Verwandten des hoffnungsvollen Akademiker-Nachwuchses quartierten sich just an diesem Donnerstag in den Hotels von Flaggstaff ein und trieben die Übernachtungspreise entsprechend in die Höhe. Wir erhielten den Tipp, es doch mal im 30 Meilen entfernten Williams zu versuchen. Doch darauf hatten wir keine Lust mehr. Also fuhren wir direkt weiter zum Grand Canyon, in der Hoffnung, dort noch eine Unterkunft zu ergattern.

 

Und tatsächlich, im Red Feather Hotel war noch ein Zimmer für 80$ frei. Nicht ganz billig, aber dafür lag das Hotel auch unmittelbar am Eingang des Nationalparks. Außerdem hatte es den Vorteil, dass in der Empfangshalle ein Computer mit Internetzugang stand, den man nach Einwurf von mehreren Dollars für einige Minuten nutzen konnte. So konnte ich wenigstens mal die Bundesligaergebnisse checken. In den USA sitzt man diesbezüglich ja ziemlich auf dem Trockenen.

 

Gegen Abend gingen wir noch zu Pizza Hut. Dort entstand dann die Idee, mit dem Flugzeug über den Canyon zu fliegen. Ich machte zunächst noch meine Witze bezüglich "Never Comeback Airlines", doch irgendwann hatte mich Bianca so weit gebracht, trotz meiner Flugangst in so eine kleine Propellermaschine einzusteigen, von deren Abstürzen man schon so oft in der Zeitung gelesen hat. Doch nachdem ich Ihr mein Wort gegeben hatte, gab es kein Zurück mehr.   

 

 

Tag 18: Fr, 12.05.2000   Grand Canyon & Page

 

Der Flug über den Grand Canyon sollte dann auch einer der absoluten Highlight unseres USA-Urlaubes werden. Für 75$ pro Nase flog uns Grand Canyon Airlines 45 Minuten über den Canyon.

 

Zunächst war mir noch ein wenig mulmig im Bauch, doch aufgrund des grandiosen Ausblicks verging die leichte Übelkeit recht schnell. Nach dem Flug fuhren wir mit dem Mietwagen an den Südrand der größten Schlucht der Welt. Hier gibt es einige Aussichtspunkte, von denen auch Trails nach unten führen. Der Canyon ist 450 km lang, 30 km breit und 1.700 m tief. Von allen Aussichtspunkten hat man einen tollen Blick auf den Canyon. Dessen wahre Größe kann man jedoch von dort kaum erahnen.

 

 

Unser Reisetipp: Wenn Ihr schon einen so weiten Weg zurückgelegt habt, um den Grand Canyon zu sehen, dann solltet Ihr auch die paar Dollar für einen Flug investieren. Nur von oben kann man sich ein wirkliches Bild über die gewaltigen Ausmaße der weltberühmten Schlucht machen. Von den Aussichtspunkten aus hat man zwar auch einen schönen Blick, aber dies ist nichts im Vergleich zum Erlebnis eines Grand-Canyon-Rundfluges!

 

Bereits gegen Mittag machten wir uns auf in Richtung unseres nächsten Zieles (Bryce Canyon). Da wir heute nicht so lange im Auto sitzen wollten wie gestern, beschlossen wir, nur bis zum Lake Powell (bis nach Page) zu fahren. Die Stadt Page entstand erst in den fünfziger Jahren, als der Glen Canyon Damm (der zweitgrößte Staudamm der Vereinigten Staaten) errichtet wurde. Damals war Page das Camp der Bauarbeiter. Heute ist aus dem Arbeiterdorf ein sehr schönes kleines Städtchen geworden, das allerdings vor allem von reichen Großstädtern als Ausflugsziel genutzt wird. Hier kann man ausgiebig Golf spielen und Bootstouren auf dem Lake Powell unternehmen, wenn man denn genügend Kohle hat.

 

Da sich das Preisniveau der Hotels dem Geldbeutel der Besucher angepasst hat, mussten wir uns nach einer günstigeren Alternative umsehen. Die fand sich dann auch in Form von Uncle Bill's Place, einer günstigen Ferienwohnung. Uncle Bill ist ein etwas verschrobener alter Kauz mit einem einzigartigen Sinn für Humor. Tipp: Wer mal hier ist, sollte sich unbedingt die "Hausordnung" durchlesen!. Die Wohnung bestand aus drei Schlafzimmern, Küche, Bad und einem gemütlichen Wohnzimmer. Wir hatten den Wohntrakt mit anderen Gästen zu teilen. Für Jugendherbergs-Reisende dürfte dies eine Selbstverständlichkeit sein und gehört wohl auch zum Urlaubserlebnis dazu. Für uns als mehr oder weniger verwöhnte Hotelgäste aber war diese Art der Unterbringung etwas ungewohnt.

 

Im Zimmer neben uns war ein Pärchen aus Frankreich untergebracht, das wir aber nicht sahen, da die Beiden erst nachts kamen und sehr früh am nächsten Morgen wieder abreisten. Und dann waren da noch drei Studenten von Down Under, mit denen wir spätabends noch über australisches Bier und US-Sport philosophierten. Uncle Bill war äußerst gastfreundlich. Er gab uns Tipps für Ausflüge und wollte uns sogar seine Supermarkt-Clubkarte (mit der man bei vielen Produkten Rabatte bekommt), zur Verfügung stellen.

 

Auf die Frage, wo wir denn etwas essen könnten, empfahl uns Uncle Bill sein Lieblingssteakhouse. Ken's Old West hieß der Schuppen. Und man fühlte sich hier wirklich wie im guten (?) alten Wilden Westen. Wir wurden zu einem Tisch in Nähe der (noch leeren) Bühne geführt. Und kaum hatten wir unsere Bestellung aufgegeben, kam eine Country-Band auf die Bühne und legte los. Direkt vor unserer Nase. War schon witzig, auch wenn an eine Unterhaltung jetzt nicht mehr zu denken war, so laut spielte die Band. Die übrigen Gäste mit Ihren Cowboyhüten waren begeistert und sangen und klatschten lautstark mit. Ein tolles Erlebnis. Als wir die Rechnung bekamen, wussten wir aber, warum wir uns in den USA in erster Linie von billigem Fast Food ernährten. 65$ hatten wir zu berappen. Für zwei Steaks, Bier und Cola. Essen gehen in den USA ist ein teures Vergnügen.

 

 

 

Tag 19: Sa, 13.05.2000   Bryce Canyon

 

Heute mussten wir Uncle Bill und das Städtchen Page leider wieder verlassen. Wir wären gerne länger hier geblieben, aber unser Reiseplan ließ keinen Bummeltag mehr zu. Und so sagten wir Bill und seiner Frau morgens Bye-Bye und fuhren den Highway 89 weiter.

 

Unser erstes Ziel war der Zion National Park. Nach einem kleinen Zwischenstopp in Kanab erreichten wir diesen auch bereits am späten Vormittag. Der Park erhielt seinen biblischen Namen von mormonischen Pionieren, die Mitte des 19. Jahrhunderts hier ankamen. Zion gehört zu den eher kleineren Nationalparks im Westen. Mit seinen Felsformationen und kleinen grünen Tälern hat er uns aber dennoch begeistert. Was störte, waren lediglich die vielen, vielen Besucher, die den Park heute heimsuchten.

 

Unser Reisetipp: Der Zion Nat'l Park ist wirklich einen Abstecher wert. Aber tut Euch einen Gefallen und kommt nicht am Wochenende hier hin. Der Andrang ist enorm und Ihr werdet keinen Spaß am Besuch haben. Was für die Vergnügungsparks gilt, gilt uneingeschränkt auch für die Nationalparks: Das Wochenende ist völlig überlaufen und sollte (wenn es irgendwie geht) gemieden werden!

 

Nach Verlassen des Parks ging es weiter auf unserer Tour in Richtung Bryce Canyon. Da wir uns ein wenig verfahren hatten, kam ich auf die Idee, eine Abkürzung über einen Gebirgszug zu nehmen. Die auf der Karte eingezeichnete Straße sah auch recht groß aus und so dachten wir uns nichts dabei, den Berg zu überqueren. Leider täuschte die Landkarte über den tatsächlichen Zustand der Straße hinweg. In endlosen Serpentinen quälten wir uns den Berg hinauf. Die Waldlandschaft war sehr, sehr schön und wir hatten auch eine Reihe guter Aussichtspunkte. Doch eine Abkürzung war diese Strecke nun wirklich nicht. Im Gegenteil. Bianca war zuerst ein wenig sauer, da ich Ihr versprochen hatte, heute nicht so lange im Auto zu sitzen. Aber als sie dann, nach etwa einer Stunde kurvigen Bergauffahrens Schnee erblickte, war sie für meine "Abkürzung" dann doch dankbar. Je höher wir fuhren, desto mehr Schnee bekamen wir zu sehen. Man fühlten uns zeitweise so, als würden wir durch die Alpen fahren. Und das bei 25 Grad Celsius Außentemperatur.

 

Schließlich führte die Straße wieder abwärts und wir näherten uns unserem Ziel, dem Bryce Canyon. Zunächst mussten wir ein Zimmer finden. Tropic hieß der Ort, in dem wir unser Glück versuchten. Dieser Ort liegt nur wenige Meilen vom Parkeingang entfernt und erschien uns als gute Ausgangsbasis, um den Canyon morgen ausgiebig zu erkunden. Eine Übernachtungsmöglichkeit war dann auch schnell gefunden. Jedoch hatte Tropic außer zwei Motels, einem Supermarkt, einer Bar und ca. 50 Kühen nichts, aber auch gar nichts zu bieten. Wer einmal wahre Einsamkeit spüren möchte, sollte mal nach Tropic fahren.

 

Nachdem wir ein wenig durch diesen beschaulichen Ort spazieren gegangen sind, wurde uns dann doch zu langweilig. Und so entschlossen wir uns, den Bryce Canyon schon heute zu erkunden.  Der Bryce Canyon Nationalpark ist neben dem Grand Canyon wohl der bekannteste Canyon der USA. Er besteht aus zahlreichen, meterhohen, rotbraunen Felssäulen, die immer wieder in anderen Farbschattierungen und Formationen auftauchen.

 

 

Man muss den Bryce Canyon einfach gesehen haben. Die Ausblicke von den zahlreichen auf der Panoramastraße zu findenden Vista Points sind grandios. Leider war die Zeit mal wieder viel zu kurz. Bianca und ich erlebten am Sunset Point noch einen wunderschönen Sonnenuntergang. Und dann fuhren wir wieder zurück in unser gemütliches Land-Motel nach Tropic.

 

 

Tag 20: So, 14.05.2000   Las Vegas

 

So schön die Naturwunder des Westens auch sind. Nach so viel Einsamkeit  hatten wir einfach Lust auf ein bisschen mehr großstädtische Action. Also verzichteten wir auf einen längeren Aufenthalt am Bryce Canyon und fuhren stattdessen frühmorgens auf schnellstem Wege Richtung Las Vegas.

 

Las Vegas ist eine geniale Stadt. Davon, dass sie ursprünglich von gottesfürchtigen Mormonen gegründet wurde, ist heute nichts mehr zu sehen. Las Vegas ist eine bunte Glitzerwelt mit riesigen, themenbezogenen Hotelanlagen und Kasinos, die tag und nacht geöffnet sind. Jedes Jahr kommen an die 40 Millionen Besucher ins weltgrößte Zockerparadies. Die Hotelauswahl ist entsprechend groß.

In Las Vegas lohnt es sich nicht, in einer billigen Absteige zu übernachten. Sucht Euch unbedingt ein Luxushotel Eurer Wahl aus. Erwähnt seien beispielsweise das Mirage (mit Siegfried & Roy-Show), das Treasure Island (mehrmals täglich eine irre Piratenshow) oder das im römischen Stil nachempfundene Cesars Palace, das vor allem für seine Boxveranstaltungen bekannt ist. Da die Luxushotels hauptsächlich als Anreiz zum Besuch der hoteleigenen Kasinos dienen, sind deren Zimmerpreise subventioniert und in der Regel sehr, sehr günstig. Der Preis kann dennoch stark schwanken, da er (dem Gesetz von Angebot und Nachfrage gehorchend) völlig vom Besucherandrang abhängt.

 

Unser Reisetipp: Meidet Übernachtungen von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag, da am Wochenende sehr viele (spielsüchtige) Amerikaner in die Oasenstadt zum Zocken kommen und die Übernachtungspreise in die Höhe treiben. Da kann aus einem Zimmerpreis von 40$ pro Nacht (in der Woche) schnell mal das Doppelte werden.

 

Welches Hotel man bevorzugt, ist Geschmackssache. Wir entschieden uns sehr schnell für das Luxor. Dieses ist neben den eben genannten Nobelherbergen wohl das schönste und ausgefallenste Hotel in Vegas. Das Luxor hat wohl jeder schon mal im Fernsehen gesehen. Es besteht aus einer 100 Meter hohen dunklen Glaspyramide, in der die Zimmer untergebracht sind, und aus einer ägyptischen Sphinx, die größer sein soll, als das Original in Afrika.

 

Nach dem Einchecken gingen wir erst mal auf die Piste. Am Las Vegas Boulevard, dem sogenannten Strip, steht ein Hotel neben dem anderen. Wir schauten bei vielen mal hinein. Alle sind einem bestimmten Thema untergeordnet. Das Excalibur ist beispielsweise einer Ritterburg nachempfunden. Von innen aber sehen alle ziemlich gleich aus: Ein Spielautomat steht neben dem anderen. Dazu kommen noch massenweise Roulette-Tische, sowie Tische für Craps oder andere Würfelspiele.

 

Heute jedoch wollten wir (noch) nicht spielen, sondern uns erst mal am Strip umschauen. Zu sehen gab es genug. Und zu Freude von Bianca gab es auch einige Geschäfte zum Shoppen. Besonders angetan war sie vom direkt am Las Vegas Boulevard gelegenen m&m-Store. In diesem gibt es auf drei Etagen alle nur denkbaren m&m-Merchandise-Artikel, vom m&m-Telefon bis zur m&m-Plüschfigur. Außerdem kann man die leckeren, mit Nuss gefüllten Schokoladenkügelchen hier in bestimmt fünfzig verschiedenen Farben kaufen. Wahnsinn! Direkt neben diesem Shop befindet sich der Coca-Cola-Store. Und auch hier wieder: Drei Etagen voller Fanartikel. Diesmal zum Thema "Coke". Coca-Cola in allen Variationen. Amerika ist wirklich das Shopping-Paradies schlechthin.

 

 

Tag 21: Mo, 15.05.2000  Las Vegas

 

Heute morgen stand erst mal Relaxen auf dem Programm. Der große Swimmingpool unseres Hotels lud regelrecht zum Schwimmen und Sonnetanken ein. Und die herrliche Südnevada-Sonne ebenso. Und so lagen wir um 10 Uhr am Pool und ließen es uns gut gehen.

 

Interessanterweise war das Becken so flach, dass auch Nichtschwimmer hier bedenkenlos planschen konnten. Und jetzt kommt der Hammer: Trotzdem waren am Beckenrand alle fünf Meter Bademeister und Bademeisterinnen postiert, die aufmerksam das Geschehen im Pool verfolgten! Tja, ja, die amerikanischen Sicherheitsbestimmungen. Eine Pistole kann man hier in jedem Supermarkt kaufen, aber ein paar Meter Schwimmen im Pool ist ja soooo gefährlich. Hier spricht niemand mehr von Eigenverantwortung. Es könnte ja jemand ertrinken. Oder gar das Hotel auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagen. Die spinnen, die Amis!

 

Während wir so in der Sonne vor uns hin schlummerten, sprach uns plötzlich ein deutscher Tourist an, der an unserer Unterhaltung gehört hatte, dass wir auch aus Deutschland kommen. Er erzählte, dass er mehrmals im Jahr nach Las Vegas fliege, aber kein Spieler sei. Na klar, er kommt wohl wegen der schönen Landschaft hierher. Dann erzählte er etwas bedrückt, dass er gestern 3000 Dollar verspielt habe, aber heute noch mal nachlegen wolle, um seinen Verlust wieder auszugleichen. Schließlich müsse er noch sein Rückflugticket bezahlen. Aber er ist ja kein Spieler! Natürlich nicht! Armer Irrer! Wir wünschten ihm noch viel Erfolg und gingen dann zum Mittagessen.

 

Im Luxur gibt es für 8$ ein All-You-Can-Eat-Buffet, das vom Allerfeinsten ist. Chinesisch, Italienisch, Mexikanisch, Amerikanisch etc. Da wir uns nicht entscheiden konnten, nahmen wir von allem ein Bisschen.  Vorher noch Suppe und Salat und anschließend natürlich lecker Nachtisch. Außerdem hieß es auch bei den Getränken "All-You-Can-Drink". Eine aufmerksame Kellnerin kam immer wieder vorbei und füllte unsere Gläser auf. Fazit: Ein geniales Buffet zu genial günstigen Preisen. Wirklich vom Feinsten. Nur leider haben wir so viel in uns hineingestopft, dass uns anschließend ein, na ja, sagen wir leichtes Völlegefühl heimsuchte und wir uns erst mal zur Ruhe begaben.

 

Nach einem Mittagsschläfchen am Pool war nun die Zeit reif,  ein wenig zocken zu gehen. Bianca versuchte Ihr Glück an diversen Spielautomaten, während es mich mehr zum Roulette zog. Der niedrigste Einsatz an den Automaten beträgt übrigens 5 Cents. Natürlich sind an diesen 5-Cent-Automaten auch die möglichen Gewinne entsprechend geringer. Bianca fütterte mit Leidenschaft immer und immer wieder diese "billigen" Geräte. Dies war wohl auch gut so, denn dadurch hielten sich ihre finanziellen Verluste ein wenig in Grenzen.

 

Meine Wenigkeit verfolgte am Roulettetisch die altbewährte Verdoppelungsstrategie, die auch halbwegs aufging. Am Ende hatte ich einen Gewinn von 80 Dollar zu verbuchen. Nicht schlecht, oder? Übrigens sind die Getränke in den Kasinos gratis. Man braucht sich nur an einen Spieltisch zu setzen und schon kommt eine knapp bekleidete Kellnerin vorbei, die einen nach dem Getränkewunsch fragt. Auf ein kurzes "Budweiser, please" wird dann auch umgehend die leckere Brause serviert. Toller Service! Die Zeit im Kasino verging rasend schnell. Als wir auf die Uhr schauten, war es bereits zwei Uhr morgens. Und so bestellten wir noch ein letztes Bud und verschwanden dann in unserer Hotelsuite.

 

Las Vegas wird man als Besucher entweder lieben oder hassen. Uns hat es sehr gefallen und wir werden auf alle Fälle wiederkommen. Soviel steht fest! Viva Las Vegas!    

 

 

Tag 22: Di, 16.05.2000   Beatty

 

Nach einem kleinen Frühstück verabschiedeten wir uns von Las Vegas und machten uns auf in Richtung Death Valley.

 

Unsere Fahrt jedoch dauerte nicht allzu lange. Bereits nach wenigen Minuten Fahrt sah Bianca das magische Schild "Belz Factory Outlet Stores" (Erklärung der Outlet Stores siehe Tag 15). Und so wurde ich mit sanftem Druck zum rechts Abfahren gezwungen. Statt Besichtigung des legendären Tal des Todes war also mal wieder Shopping angesagt. Voll bepackt mit T-Shirts, Schuhen, Spielzeug und vielen anderen nützlichen und weniger nützlichen Souvenirs verließen wir viele Stunden später das Einkaufsparadies am Stadtrand von Las Vegas.

 

An eine Besichtigung des Death Valley war nun natürlich nicht mehr zu denken. Und so beschlossen wir, bis an den Rand des Valley, nach Beatty zu fahren und uns dort ein Zimmer für die nächste Nacht zu nehmen. Beatty sah auf der Landkarte wie eine größere Stadt aus. Als wir kurz nach Anbruch der Dunkelheit dort ankamen, entpuppte sich die "größere Stadt" jedoch als ähnlich klein wie Tropic (siehe Tag 19).

 

Beatty scheint nur für Truck-Fahrer interessant zu sein. Hier gibt es mehrere billige Motels, ein paar Spielkasinos und Kneipen, sowie eine Tankstelle, die gleichzeitig auch als Supermarkt dient. In diesem besorgten wir uns dann auch unser Abendessen. Während ich ein Salami-Sandwich bestellte, entschied sich Bianca für eines mit Thunfisch. Die leckeren Schnittchen wurden an einer speziellen Theke frisch zubereitet. Man konnte sich Zutaten wir Gurken oder Zwiebeln frei auswählen. Toller Service! Leider haben wir den jungen Mann hinter der Theke aufgrund dessen Dialekt etwas missverstanden. Und so kam es, dass Bianca auf die nicht ganz ernst gemeinte Frage nach Senf und Ketchup mit "Yes" antwortete. Der Mann schaute zunächst etwas verstört drein, aber dann bekam Bianca tatsächlich auf ihr Thunfisch-Sandwich extra Senf und extra Ketchup. Die anwesenden Verkäufer müssen gedacht haben, die verrückten deutsche Touristen essen auch alles.

 

Bianca war es nun etwas peinlich, das Sandwich wieder zurückgehen zu lassen und so aß sie brav ihr Schnittchen auf. Und das beste daran: Es schmeckte auch noch! Ich hab's selbst gekostet. War wirklich lecker! Bianca meinte hinterher: "Das war das beste Thunfisch-Sandwich mit Senf und Ketchup, das ich je gegessen habe". Dennoch verzichteten wir darauf, noch eine weitere Stulle zu bestellen und verließen gesättigt den Laden. 

 

 

Tag 23: Mi, 17.05.2000   Death Valley

 

Nur wenige Meilen von Beatty entfernt liegt der Eingang des Death Valley. Was vor tausenden von Jahren mal ein großer See war, ist heute nur noch eine karge Salzwüste. Ende des 19. Jahrhunderts lebten hier noch die Shoshone-Indianer, die jedoch dann vom Weißen Mann vertrieben und in Reservate gesteckt wurden.

 

Die unglaubliche Hitze in diesem "Tal des Todes" macht Death Valley so berühmt. Wir fuhren mit unserem Mietwagen bis nach Badwater, dem mit 86 Metern unter dem Meeresspiegel gelegenen tiefsten Punkt der USA. Hier stiegen wir aus und gingen ein paar hundert Meter über das glitzernde Salz spazieren. Auch wenn es heute eigentlich nicht sonderlich warm war, spürten wir, wie intensiv  im Valley die Sonne scheint. Es muss eine unglaubliche Hitze sein, die hier im Sommer herrscht. Durch den in der Luft liegenden Salzgeschmack bekommt man außerdem sehr bald einen ziemlichen Durst. Es ist schon unheimlich, wenn man daran denkt, wie viele Pioniere auf dem Weg nach Westen hier durch mussten. Etliche kamen auch bei dem Versuch, das Death Valley zu durchqueren, ums Leben.

 

Nach der Besichtigung von Badwater fuhren wir weiter durch den Nationalpark. Der 14 Kilometer lange Artists Drive, der in einigen Reiseführern empfohlen wird, ist jedoch nichts Besonderes. Halbwegs lohnend ist noch die Fahrt zu Dante's View. Von hier aus kann man das ganze Tal überblicken. Außerdem sieht man gleichzeitig den tiefsten Punkt der USA (Badwater) und einen der höchsten Punkte (den 4400 Meter hohen Mount Whitney). Insgesamt gesehen waren wir vom Death Valley allerdings ein wenig enttäuscht. Wir hatten uns dann doch etwas mehr versprochen. Besonders viel zu sehen gibt's hier nicht.

 

Unser Reisetipp: Der Death Valley Nationalpark ist von allen Parks, die wir während unserer Reise aufgesucht haben, der langweiligste. Wer nicht unbedingt sagen muss: "Ich war schon mal im Death Valley", der kann gut auf einen Besuch verzichten.

 

Abschließend waren wir noch in Rhyolite, einer im Park gelegenen Geisterstadt aus der Zeit des Goldrauschs. Gegründet wurde Rhyolite im Jahr 1904. Nachdem die Goldadern erschöpft waren, verließen die Bewohner die Stadt genauso schnell, wie sie gekommen waren. Auch diese Geisterstadt muss man nicht unbedingt gesehen haben.

 

Nun fuhren wir ohne große Unterbrechung nach Lee Vining, ein kleines Städtchen am Mono Lake, welches wir uns als Etappenziel ausgesucht hatten. Einen kleinen Zwischenstopp machten wir lediglich in Tonopah. Wir fuhren etwa 100 Meilen weit, bis wir nach Tonopah gelangten. Dort aßen wir gemütlich im McDonalds unsere obligatorischen Burger, um dann wieder etwa 100 Meilen bis zur nächsten Ortschaft zu fahren. Ringsum ist nichts als steppenähnliche Landschaft. Tonopah sollte wirklich als Synonym für Abgeschiedenheit gelten. Was machen die Leute hier in dieser Einöde den ganzen Tag?

 

Wir konnten es leider nicht mehr in Erfahrung bringen, denn wir mussten weiter, da wir die Entfernung zwischen Death Valley und Lee Vining total unterschätzt haben. Und so kamen wir nach stundenlanger Fahrt, die zunächst mehrere hundert Kilometer nur geradeaus ging und anschließend über schier endlose Serpentinen führte, erst nach Einbruch der Dunkelheit in Lee Vining an und waren froh, überhaupt noch eine Unterkunft (Murphy's Motel) gefunden zu haben. Diese buchten wir dann aber gleich für zwei Nächte.

 

 

Tag 24: Do, 18.05.2000  Yosemite NP

 

Lee Vining liegt unmittelbar am Eingang des Yosemite Nationalparks, direkt an einem 21 Kilometer breiten Salzwassersee, dem Mono Lake. Dieser hat mit einem ständig fallenden Wasserspiegel zu kämpfen, da das Wasser der Zuflüsse für die Versorgung von Los Angeles benötigt wird. Das Ökosystem der ganzen Region wurde durch erfolgte Trockenlegungen aus dem Gleichgewicht gebracht. Insbesondere die California-Möwen haben zahlreiche Nistplätze verloren.

 

An der Rezeption unseres Motels erfuhren wir dann, dass der Yosemite Park normalerweise bis Ende Mai geschlossen ist. Wir hätten aber Glück gehabt, da der Park aufgrund des milden Wetters in diesem Jahr bereits seit ein paar Wochen geöffnet ist. Daran, dass der Park möglicherweise noch geschlossen ist, hatten wir überhaupt nicht gedacht. Aber schließlich liegt Yosemite in ca. 3000 Metern Höhe. Und da ist es normal, dass im Mai noch Schnee liegt. Also hatten wir wirklich Glück gehabt, dass der Park bereits geöffnet war.

 

Unser Reisetipp: Wenn Ihr den Yosemite Park besuchen wollt, erkundigt Euch vorher, ob dieser geöffnet ist. Stundenlang im Auto zu sitzen, um dann vor verschlossenen Türen zu stehen, wäre ärgerlich!

 

Um es vorwegzunehmen: Yosemite ist unserer Meinung nach der landschaftlich mit Abstand schönste Nationalpark, den der amerikanische Westen zu bieten hat. Romantische Täler mit Fichtenwäldern, grünen Wiesen und blauen Bächen wechseln sich ab mit grandiosen Granitfelsen und eindrucksvollen Wasserfällen.

 

 

Der schönste Teil des 2500 qm großen Parks ist das Yosemite Valley. Dieses wurde im Lauf der Jahrhunderte von Gletschern in die High Sierra geschlagen und ist wirklich ein sagenhaftes Stückchen Natur. Nicht verpassen sollte man einen Spaziergang zum 740 Meter hohen Yosemite-Falls-Wasserfall. Der ist wirklich beeindruckend. Nur die kleinen Stechmücken hier sind eine lästige Plage. Sogar eine Hochzeitskapelle befindet sich hier im Tal. Wir konnten zufällig ein Pärchen beobachten, wie es nach dem Ja-Wort unter dem lauten Jubel der Hochzeitsgesellschaft die kleine Kirche verließ. Es war eine Szene wie in einem Hollywood-Film a la Pretty Woman. Sehr, sehr kitschig, aber wunderschön anzuschauen.

 

Wieder in unserem Motel angelangt, hatten wir noch ein kleines Erlebnis mit den bereits angesprochenen California-Möwen. Nachdem wir uns im Supermarkt Sandwiches gekauft haben (nein, diesmal nicht mit Thunfisch, Senf und Ketchup!), setzten wir uns auf den großen Balkon, um gemütlich an der frischen Luft unsere bescheidene Abendmahlzeit zu uns zu nehmen. Jedoch blieben wir nicht lange alleine. Eine Möwe kam herbeigeflogen und beobachtete uns aus wenigen Metern Entfernung. Sie spekulierte offensichtlich auf einen Happen von unserem Sandwich. Bianca gab dem putzigen Tierchen dann auch ein Stückchen. Das aber war das Signal für weitere Möwen, die plötzlich aus allen Himmelsrichtungen angeflogen kamen und um Fressen bettelten. Am Ende saßen 12 ausgewachsene, hungrige California-Möwen wie die Aasgeier um uns herum. Das wurde uns dann doch ein bisschen unheimlich. Und so zogen wir es vor, mitsamt unseren leckeren Schnittchen ins sichere Zimmer zu flüchten.

 

 

Tag 25: Fr, 19.05.2000   Lake Tahoe

 

In unserem Zeitplan lagen wir sehr gut. Da wir (entgegen unserer ursprünglichen Planung) sowohl San Diego als auch das Monument Valley ausgelassen hatten und uns auch kürzer wie geplant am Grand Canyon und im Death Valley aufhielten, hatten wir plötzlich zwei ganze Tage mehr zur Verfügung. Diese konnten wir nun für einen Abstecher zum Lake Tahoe und nach Sacramento nutzen, die eigentlich als Ziele nicht in unserer Reiseplanung auftauchten.

 

Und so fuhren wir auf einem landschaftlich wundervollen Highway in Richtung Lake Tahoe, den wir dann auch bereits am späten Vormittag erreichten. Motels gibt's in South Lake Tahoe, dem Zentrum der Gegend, am laufenden Meter, so dass wir die freie Auswahl hatten. Wir entschieden uns für das "Super 8". Nach dem Einchecken versuchten wir vergeblich, einen der Sandstrände zu finden, die es hier am größten Bergsee Nordamerikas laut Reiseführer angeblich geben soll. Es mag sein, dass diese tatsächlich existieren. Allerdings sind diese wohl in Privatbesitz und der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

 

Aber auch ohne Sandstrand verbrachten wir einen herrlichen Tag mit viel Sonne an einem wunderschönen See.

 

 

Der Lake Tahoe wird traumhaft umgeben von dichten Wäldern und schneebedeckten Bergspitzen und gilt als Erholungsort für viele Kalifornier, die hier am Wochenende zum Angeln oder Segeln herfahren. Schon allein für dieses tolle "Naherholungsgebiet" sind sie zu beneiden, die Kalifornier.

 

Unser Reisetipp: Auch wenn der Lake Tahoe abseits der sonst in den Reiseführern beschriebenen Routen liegt, lohnt sich ein Umweg auf alle Fälle.

 

 

Tag 26: Sa, 20.05.2000   Sacramento

 

Preisfrage: Was ist die Hauptstadt von Kalifornien: San Francisco oder L.A.? Falsch! "Sacramento" muss die richtige Antwort lauten.

 

Für ausländische Touristen liegt die 300.000 Einwohner zählende Stadt etwas abseits der üblichen Routen. Für uns aber war die Hauptstadt des Bundesstaates Kalifornien ein willkommener Zwischenstopp auf dem Weg zwischen dem Lake Tahoe und San Francisco. Und wir sollten die Fahrt hierhin auch nicht bereuen.

 

Mitten in der City ergatterten wir ein günstiges Zimmer für gerade einmal 35$. Von dort aus war es nur ein Katzensprung zum Capitol. Der Hauptsitz der kalifornischen Regierung ist dem Original in Washington nachempfunden und liegt inmitten eines wunderschönen Parks mit subtropischer Vegetation. Während der Besichtigung des State Capitol Building lief uns plötzlich ein japanisches Hochzeitspärchen über den Weg. Die Beiden mussten immer und immer wieder die altehrwürdige Treppe des Capitol hinuntergehen, damit die fotografierfreudigen Verwandten ausgiebig Bilder knipsen konnten. Bianca war übrigens ganz fasziniert vom weißen (!) Anzug des Bräutigams. Tja, andere Länder, andere Sitten.

 

Anschließend statteten wir Old Town Sacramento einen Besuch ab. Obwohl diese "historische" Altstadt  größtenteils neu errichtet und lediglich auf alt getrimmt wurde, kommt hier nostalgisches Flair auf - schon allein wegen der zahlreichen Pferdekutschen, die die Straße auf und ab fahren.

 

Gegen Abend hatten wir genug gesehen und bekamen plötzlich Appetit auf mexikanisches Essen. Ich schlug Bianca vor, in unserem Hotel nach dem nächsten Chevy's zu fragen. Chevy's ist eine Tex-Mex-Restaurantkette, in der es uns bereits in Carmel ausgezeichnet geschmeckt hat. Gesagt, getan. Leider war die Fahrtbeschreibung unseres Hotelportiers nicht ganz ausgereift, so dass wir über eine Stunde durch diverse Gewerbegebiete fuhren, ohne einen Chevy's zu finden. Als wir den leckeren Mexikaner dann doch noch gefunden hatten, glaubten wir zunächst nicht, was wir da sahen. Enorme Menschenmassen stauten sich vor dem Eingang. Von drinnen kam laute Mariachi-Musik. Man kam sich vor, wie vor der angesagtesten In-Disco einer deutschen Großstadt (nur ohne Türsteher). Wir meldeten unseren Besuch an, wurden in eine Warteliste eingetragen und nach 1 ½ Stunden Wartens kam die Lautsprecherdurchsage "Carsten - Party of two" und wir wurden zu unserem Tisch geleitet.

 

Mal ehrlich: Würde in Deutschland jemand so lange warten, um in ein Restaurant reingelassen werden? Wohl kaum. In den USA aber ist das (zumindest an einem Samstag Abend) ganz normal. Das Essen war übrigens  phantastisch! Und die ausgelassene Partystimmung, die hier herrschte, ebenfalls. Wer mexikanisches Essen mag, ist im Chevy's  genau richtig aufgehoben. Und das alles zu vernünftigen Preisen. Pappsatt verließen wir spätabends das Lokal.

 

 

Tag 27: So, 21.05.2000   Napa Valley

 

Für heute hatten wir die Rückkehr nach San Francisco geplant. Vorher stand jedoch noch eine Fahrt durchs berühmte Napa Valley an.

 

Das Napa Valley gilt in Deutschland wohl als Synonym für amerikanischen Weinanbau. Und Weinliebhaber werden hier auch voll auf ihre Kosten kommen. Gleich hinter der Ortschaft Napa, der das Tal seinen Namen verdankt, beginnen kilometerlange Weinrebenfelder. Die Reben werden hier übrigens ebenerdig angebaut und nicht mit Hanglage, wie man es von Rhein und Mosel her kennt. Alle paar Hundert Meter liegen die Einfahrten diverser Weingüter. Über 200 Winzer bauen hier ihre Trauben an. Bei den meisten kann man an Weinproben teilnehmen, die jedoch mittlerweile fast überall kostenpflichtig sind (ab 5$ ist man dabei). Auch wir sind ein paar mal abgefahren und haben sogar ein Weingut gefunden, bei dem man kostenlos diverse Weine probieren konnte (der Name ist mir leider entfallen). War lecker! Hicks! Für den Rest des Tages fuhr dann aber Bianca unseren Mietwagen.

 

Wer nicht abfährt, hat bereits in gut einer Stunde das komplette Napa Valley durchquert. Lohnenswert ist ein Abstecher nach Yountville. Dort gibt es mit dem "Yountville 1870" eine ehemalige Fabrik, die heute nach einem Umbau jede Menge Boutiquen, Galerien und kleine Geschäfte beinhaltet. Diese sind sehr nett anzuschauen, jedoch auch entsprechend teuer.

 

Ebenfalls lohnenswert ist Petaluma. Dieses beschauliche Städtchen entspricht fast dem Idealbild einer US-Kleinstadt, wie man sie aus dem Fernsehen her kennt. Bianca aber interessierte weniger das Small-Town-Ambiente Petalumas, sondern vielmehr das Shopping in den Outlet-Stores, die es natürlich auch hier gibt.

 

Nach mehrstündigem Einkaufsbummel (bei dem ich u.a. eine in Deutschland nicht erschienene Rick-Springfield-CD erstanden habe) ging es weiter in Richtung San Francisco. Einen letzten Stopp legten wir in Sausalito ein. Sausalito liegt 8 Meilen nördlich von S.F., direkt an der Bay. Vom Ufer aus kann man wunderbar auf die gegenüberliegende Skyline San Franciscos blicken. Leider war Sausalito heute, an einem Sonntag Nachmittag, völlig überlaufen. An einen (kostenlosen) Parkplatz war nicht zu denken. Lediglich die zahlreichen direkt am Wasser liegenden Abzocker-Restaurants boten ihren Gästen (und nur diesen) Parkmöglichkeiten an. Folglich zogen wir es vor, dieses laut Reiseführer "liebenswürdige Städtchen" schnell wieder zu verlassen.

 

Nur wenige Minuten später kamen wir in den Genuss eines absoluten Highlights: eine Fahrt über die Golden Gate Bridge. Elf Kilometer ist sie insgesamt lang und ist damit wohl die größte Hängebrücke der Welt. Vier Jahre dauerte der Bau der 1937 fertiggestellten Brücke, die damals kaum einer haben wollte, da sie angeblich das Landschaftsbild verschandeln würde. Heute ist die Golden Gate Bridge DAS Wahrzeichen San Franciscos schlechthin und sowohl aus ästhetischen als auch aus verkehrstechnischen Gründen nicht mehr wegzudenken.

 

Eine Fahrt über die Brücke ist eigentlich ein Muss, wenn man mit dem Mietwagen in San Francisco ist. Also entrichteten wir die 3$ Mautgebühr (eine Fahrt über die Golden Gate Bridge in Süd-Nord-Richtung ist übrigens mautfrei!) und waren knapp eine halbe Stunde später auf der anderen Seite der Bay - zurück in San Francisco, von wo aus wir vor drei Wochen losfuhren.

 

 

Tag 28: Mo, 22.05.2000  San Francisco

 

Am vorletzten Tag unseres Urlaubs wurden wir noch mal so richtig mit strahlender kalifornischer Sonne verwöhnt.

 

Zunächst besichtigten wir den Golden Gate Park, eine fünf Kilometer lange Grünanlage, die aufgrund vieler schöner Brunnen und einer vielseitigen Pflanzenwelt ganz nett ist, aber längst nicht mit dem New Yorker Central Park mithalten kann.

 

Anschließend fuhren wir durch Presidio. Presidio wurde 1776 von den Spaniern als Militärbasis gegründet und später von der US Army genutzt. Ihr kennt vielleicht den gleichnamigen Film mit Sean Connery und Meg Ryan. Heute sind hier keine Militärs mehr untergebracht. Seit 1994 steht das Gelände unter Nationalparksverwaltung und kann besichtigt werden.

 

Von Presidio aus war es nur noch ein kurzer Weg zur Golden Gate Bridge, die wir ja gestern bereits überquert haben. Heute wollten wir das herrliche Bauwerk ganz aus der Nähe betrachten. Also folgten wir den Hinweisschildern, parkten unseren Wagen, gingen ein paar Schritte und dann stand sie plötzlich wunderbar rötlich schimmernd vor uns: Die Golden Gate Bridge. Welch ein Panorama! Unter der Brücke konnte man Surfer beim Wellenreiten beobachten. An den Brückenpfeilern hingen Arbeiter, die Farbe nachstrichen. 40.000 Liter Farbe werden hier jedes Jahr vermalt. Und wenn die Arbeiter die Brücke komplett angestrichen haben, fangen sie wieder von vorne an. Irre!

 

 

Gerne hätten Bianca und ich ein Foto von uns vor dieser traumhaften Brücke gehabt. Wir machten jedoch den Fehler, unseren Fotoapparat einem japanischen Touristen in die Hand zu drücken. Wir baten ihn sogar darum, zweimal zu knipsen, damit zumindest ein Bild auf jeden Fall was wird. Aber denkste: Der Typ hat den Auslöser nicht betätigt! Leider merkten wir dies erst nach Entwickeln des Films in Deutschland. Na danke schön, Nippon! Da denkt man, es kann nichts schief gehen, da den Japanern doch das Fotografieren im Blut liegt. Und was kommt dabei heraus? Bingo!

 

Nachdem wir uns von der Brücke verabschiedet hatten, stürmten wir noch bis in den späten Nachmittag die Souvenirgeschäfte an Fisherman's Wharf.

 

Gegen Abend suchten wir zum Abschluss noch mal unsere Lieblings-Burger-Kette auf. Wir haben uns ja hier in Amerika überwiegend von Fast Food ernährt (schon aus Kostengründen) und dabei meist gute Erfahrungen gemacht. McDonald's ist mit Abstand der billigste Bulettenbrater. Taco Bell und Dell Taco sind zwei ausgezeichnete mexikanische Varianten. Auch Jack-in-the-Box ist nicht zu verachten. Aber sowohl Biancas als auch meine Nr. 1 unter den Fast-Food-Läden ist ganz klar: Carl's Jr.! Die Burger sind ganz einfach Weltklasse. Besonders der "Superstar" mit Käse ist ein Genuss. Mir läuft jetzt noch das Wasser im Mund zusammen, wenn ich an Carl's Jr. denke. Einfach lecker! Schade, Schade, dass es den nicht in Deutschland gibt! 

     

 

Tag 29: Di, 23.05.2000   Rückflug nach Frankfurt

 

Heute hieß es Abschied nehmen von Amerika.

 

Nach dem Kofferpacken fuhr ich unseren Mietwagen an den Dollar-Rent-A-Car-Abgabeschalter. Die Rückgabe hat auch problemlos funktioniert. Anschließend ging es mit dem Shuttlebus zurück zum Travellodge-Flughafenhotel, in dem wir die letzte Nacht verbracht hatten. Zwischenzeitig hat Bianca unser ganzes Handgepäck verstaut. Nach dem Auschecken im Hotel gönnten wir uns für unsere letzten paar Dollars im HOTP (House of the Pancakes) noch ein leckeres Frühstück. Mjamm!

 

Und dann wurden wir mit dem Hotel-Shuttlebus an den Flughafen gebracht, wo es nachmittags mit der Lufthansa nonstop zurück nach Frankfurt ging.

 

 

Nachtrag

 

Wir haben in den vier Wochen unseres Urlaubs jede Menge gesehen und so einiges erlebt: Millionenmetropolen und einsame Wüsten, traumhafte Strände und schneebedeckte Berge. Die Kontraste in diesem riesigen Land sind einfach unglaublich.

 

Insgesamt haben wir mit unserem Mietwagen 3.800 Meilen zurückgelegt. Und jede einzelne Meile hat sich voll gelohnt. Die Masse an Eindrücke konnten wir zunächst überhaupt nicht verarbeiten. Erst nach und nach, wenn die Erinnerungen an einen Traumurlaub wiederkehren, wird einem bewusst, was man alles erlebt hat.

 

Vielleicht haben wir Euch ja ein wenig Appetit auf eine Reise ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten gemacht.

 

Fest steht, dass wir auf alle Fälle noch mal nach Amerika reisen werden. In den USA gibt es ja noch so viele andere interessante Ziele. Florida, New Orleans, Chicago, die Neu-England-Staaten, um nur einige zu nennen. Unser Reisehunger ist noch nicht gestillt!

 

 

 

(C) Carsten Werner, 2001

 

 

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