Selbstmord in China
Studie: Selbstmord ist bei jungen Chinesen häufigste Todesursache
London/Peking (rpo). Die häufigste Todesursache unter jungen Erwachsenen
in China ist der Selbstmord. Etwa jeder fünfte Todesfall in der Altersgruppe
von 15 bis 34 Jahren sei ein Selbstmord, ergab eine groß angelegte Studie
Pekinger Forscher.
Vor allem unter den jungen Frauen in ländlichen Gebieten Chinas habe die
Anzahl der Selbstmorde dramatische Ausmaße. Bei jeder dritten Toten aus
dieser Gruppe wurde nach den Angaben ein Selbstmord festgestellt.
Weil sich so viele junge Frauen auf dem Land das Leben nehmen, steht
Selbstmord an erster Stelle der Todesursachen der gesamten Altersgruppe,
schreibt Michael Phillips vom Hui Long Guan Hospital im britischen
Fachjournal "The Lancet" (Bd. 359, S. 813). Männliche junge Erwachsene
sterben in China am häufigsten bei Motorradunfällen. Der Selbstmord steht
bei ihnen direkt an zweiter Stelle.
Gemessen an der chinesischen Gesamtbevölkerung ist Selbstmord die
fünfthäufigste Todesursache mit 3,6 Prozent Anteil. Diese Rate ist damit
mehr als doppelt so groß wie in Deutschland. In China stellen Frauen laut
Studie insgesamt 25 Prozent mehr Selbstmorddfälle als Männer.
Als mögliche Erklärung für die hohe Selbstmordrate in China verwies einer
der Autoren der Studie, Michael Phillips, am Freitag in Peking auf eheliche
Konflikte und das gesellschaftliche und kulturelle Umfeld. Zu den etwaigen
Ursachen, die noch untersucht werden, gehöre der Umstand, dass Selbstmord in
China kein religiöses oder kulturelles Tabu sei. Das soziale Umfeld lasse es
zu.
Vor allem Konflikte zwischen Ehepartnern steckten häufig hinter dem
Entschluss zum Selbstmord. "Ehelicher Streit ist zweifellos der vorrangige
Vorbote von Selbstmorden in ländlichen und städtischen Gebieten", sagte
Philipps. Ehestreit sei auch ein "wesentlicher Auslöser". Frauen auf dem
Lande in China hätten zudem ein eingeschränktes soziales Netzwerk, das ihnen
Unterstützung bieten könnte. Meist stecke starker Stress hinter einem
Selbstmord.
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