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3 Die Geschichte der Computerkriminalität

Das Problem der Computerkriminalität ist noch nicht sehr alt, deshalb soll in dieser Arbeit auf die Geschichte auch nur kurz eingegangen werden. Sie ist jedoch meiner Meinung nach für diese Arbeit von Bedeutung, da die Entwicklung der Computerkriminalität aufgezeigt werden kann und sich somit auch Vermutungen über deren weiteren Verlauf anstellen lassen. Diese Zukunftsprognosen sind wiederum dringend notwendig, um der Kriminalität schon im Entstehen zu begegnen.

Die Computerkriminalität, mit Computern unserer heutigen DefinitionGerät, das Rechenoperationen ausführt und das von Programmen gesteuert wird. Da man mit einem Computer verschieden Programme ausführen kann, ist ein vielseitiger Einsatz möglich. [Computer - Wörterbuch (2000)] , trat erst in den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts auf. Es wurde zunächst vor allem befürchtet, der Mensch werde durch die neuen Technologien staatlich kontrollierbar, da der Datenschutz und jegliche Intimsphäre der Person durch Computermissbrauch gefährdet seien. Die Visionen des Buches "1984" von George Orwell bekamen durch Datenansammlungen, Datenverarbeitung und Datenzusammenführungen einen reellen Hintergrund, so dass Befürchtungen über die Schaffung des gläsernen, durch den Staat kontrollierbaren Menschen wach wurden.[vgl. Sieber (1998), S. 39]

In der Mitte der siebziger Jahre gewann das Thema erstmals verstärkte Bedeutung, denn in diesem Zeitraum wurde es möglich, Straftaten mit Hilfe des Telefonnetzes oder eines Modems zu begehen.

"However, after about 1975, it became common to enter programs and data from remote terminals (a keyboard and CRT-monitor) using a modem and a telephone line. This same technology allowed banks to retrieve a customer's current balance from the bank's central computer, and merchants to process credit card billing without sending paper forms. But this change in technology also meant that a criminal could alter data and programs from his home, without physical entry into the victim's building. The traditional laws were no longer adequate to punish criminals who used computer modems."[ Standler (1999)]

Diese Neuerung in der Computerkriminalität, das Begehen einer Straftat ohne physische Anwesenheit eines Täters, machte den entscheidenden Unterschied zu der "traditionellen Kriminalität" aus. Man begann daraufhin erstmals, dieses Phänomen wissenschaftlich zu untersuchen. Dabei stellte sich jedoch heraus, dass die reelle Zahl gemeldeter Straftaten mit Computerbezug sehr gering war. Dies ist eine Tatsache, die schon damals zu der Vermutung veranlasste, dass die Statistiken für diese Form der Kriminalität keine starke Aussagekraft hätten, da viele Fälle der Polizei wahrscheinlich aus verschiedenen Gründen nicht gemeldet, beziehungsweise gar nicht entdeckt wurden.[vgl. Sieber (1998), S. 18]

In den achtziger Jahren setzte erneut eine Verstärkung des öffentlichen Interesses an dem Thema Computerkriminalität ein, da in dieser Zeit eine rasante Entwicklung auf diesem Gebiet stattfand. Erstmals wurden Berichte von Computerviren, Hacking und Kreditkartenmissbrauch veröffentlicht.[vgl. Sieber (1998), S. 19]

Zum Beispiel fand 1980 das wahrscheinlich erste bekannt gewordene Hacking statt, bei dem Kevin Mitnick mit der Roscoe-Bande in das Computersystem der Firma US-Leasing eindrang.[vgl. Computerkriminalität (17. 06. 2001)] Das erste illegale Virus wurde 1986 programmiert. Es war das Virus "Pakistani Brain", das den Bootsektor des Computers befiel.vgl. Kapitel 4.1.4.2 dieser Arbeit Hiermit wurde erstmals die Möglichkeit genutzt, diese Art der Programmierung zu Sabotagezwecken einzusetzen. Verschiedene Arten von Virenvorgängern waren seit Beginn der siebziger Jahre programmiert worden. Das erste, sich selbst reproduzierende Virus, wurde jedoch 1983 von Fred Cohen im Rahmen seiner sehr umstrittenen Doktorarbeit veröffentlicht.[vgl. Marx (08. 01. 2000)]

Angesichts dieser Entwicklung wurde es notwendig, eine verstärkte Forschung auf dem Gebiet der Datensicherung vorzunehmen und auch die Gesetze den neu entstandenen Formen der Kriminalität anzupassen bzw. diesbezüglich neue Gesetze zu formulieren. Es wurde offenbar, dass mit dem Verlauf der technischen Entwicklung ein neues Rechtsgut entstanden war, welches durch die alten Gesetze keinen ausreichend Schutz genoss. Unkörperliche Werte wie beispielsweise Wirtschaftsdaten und Urheberschutz sowie Informationen im Allgemeinen hatten im Laufe der sogenannten "informationellen Revolution" stark an Bedeutung zugenommen.vgl. Sieber (1996), S. 643

Der Schwerpunkt der Computerdelikte liegt heute in der Wirtschaftskriminalität, so dass sich die ersten Befürchtungen in Bezug auf die Kontrollierbarkeit der Menschen durch den Staat schnell zerstreut hatten.vgl. Sieber (1998), S. 40 Mit der stärkeren Verbreitung des Internet wurde allerdings die Gefahr der Kontrollierbarkeit durch die Wirtschaft geschaffen. Diese wurde teilweise durch das Erwerben von personenbezogenen Daten und Verhaltensprofilen der Nutzer im Internet ermöglicht, welches beispielsweise gezieltere Werbeangebote und ein gelenktes Verhalten im Internet möglich machen.

Heute hat die Computerkriminalität ihre Beschränkung auf die Verletzung von Wirtschaftsgütern und Persönlichkeitsrechten im Allgemeinen überschritten, indem sie nahezu in jeden Bereich des täglichen Lebens eingedrungen ist. Fälle wie der Einbruch in ein Krankenhaussystem, bei dem die Dosis der Medikamente verändert wurde, die Veröffentlichung strafrechtlich relevanter Inhalte im Internet oder der Einbruch in Informationssysteme des Militärs machen dies deutlich.vgl. Sieber (1998), S. 18

Die Computerkriminalität dehnte sich im Laufe der Zeit in so viele Bereiche aus, dass die ehemalige Homogenität dieser Gruppe von Straftaten heute nicht mehr vorhanden ist, da bereits fast jedes "traditionelle Verbrechen" heute auch mit dem Computer ausgeführt werden kann. Durch diese Entwicklung der Computerkriminalität ist sie heutzutage nur noch sehr schwer eindeutig von anderen Bereichen der Kriminalität abzugrenzen.

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