Das Problem der Computerkriminalität ist noch nicht sehr alt, deshalb
soll in dieser Arbeit auf die Geschichte auch nur kurz eingegangen
werden. Sie ist jedoch meiner Meinung nach für diese Arbeit von
Bedeutung, da die Entwicklung der Computerkriminalität aufgezeigt
werden kann und sich somit auch Vermutungen über deren weiteren
Verlauf anstellen lassen. Diese Zukunftsprognosen sind wiederum
dringend notwendig, um der Kriminalität schon im Entstehen zu begegnen.
Die Computerkriminalität, mit Computern unserer heutigen Definition
, trat erst in den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts
auf. Es wurde zunächst vor allem befürchtet, der Mensch werde durch
die neuen Technologien staatlich kontrollierbar, da der Datenschutz
und jegliche Intimsphäre der Person durch Computermissbrauch gefährdet
seien. Die Visionen des Buches "1984" von George Orwell bekamen
durch Datenansammlungen, Datenverarbeitung und Datenzusammenführungen
einen reellen Hintergrund, so dass Befürchtungen über die Schaffung
des gläsernen, durch den Staat kontrollierbaren Menschen wach wurden.
In der Mitte der siebziger Jahre gewann das Thema erstmals verstärkte
Bedeutung, denn in diesem Zeitraum wurde es möglich, Straftaten
mit Hilfe des Telefonnetzes oder eines Modems zu begehen.
"However, after about 1975, it became common to enter
programs and data from remote terminals (a keyboard and CRT-monitor)
using a modem and a telephone line. This same technology allowed
banks to retrieve a customer's current balance from the bank's central
computer, and merchants to process credit card billing without sending
paper forms. But this change in technology also meant that a criminal
could alter data and programs from his home, without physical entry
into the victim's building. The traditional laws were no longer
adequate to punish criminals who used computer modems."
Diese Neuerung in der Computerkriminalität, das Begehen einer Straftat
ohne physische Anwesenheit eines Täters, machte den entscheidenden
Unterschied zu der "traditionellen Kriminalität" aus. Man begann
daraufhin erstmals, dieses Phänomen wissenschaftlich zu untersuchen.
Dabei stellte sich jedoch heraus, dass die reelle Zahl gemeldeter
Straftaten mit Computerbezug sehr gering war. Dies ist eine Tatsache,
die schon damals zu der Vermutung veranlasste, dass die Statistiken
für diese Form der Kriminalität keine starke Aussagekraft hätten,
da viele Fälle der Polizei wahrscheinlich aus verschiedenen Gründen
nicht gemeldet, beziehungsweise gar nicht entdeckt wurden.
In den achtziger Jahren setzte erneut eine Verstärkung des öffentlichen
Interesses an dem Thema Computerkriminalität ein, da in dieser Zeit
eine rasante Entwicklung auf diesem Gebiet stattfand. Erstmals wurden
Berichte von Computerviren, Hacking und Kreditkartenmissbrauch veröffentlicht.
Zum Beispiel fand 1980 das wahrscheinlich erste bekannt gewordene
Hacking statt, bei dem Kevin Mitnick mit der Roscoe-Bande in das
Computersystem der Firma US-Leasing eindrang.
Das erste illegale Virus wurde 1986 programmiert. Es war das Virus
"Pakistani Brain", das den Bootsektor des Computers befiel.
Hiermit wurde erstmals die Möglichkeit genutzt, diese Art der Programmierung
zu Sabotagezwecken einzusetzen. Verschiedene Arten von Virenvorgängern
waren seit Beginn der siebziger Jahre programmiert worden. Das erste,
sich selbst reproduzierende Virus, wurde jedoch 1983 von Fred Cohen
im Rahmen seiner sehr umstrittenen Doktorarbeit veröffentlicht.
Angesichts dieser Entwicklung wurde es notwendig, eine verstärkte
Forschung auf dem Gebiet der Datensicherung vorzunehmen und auch
die Gesetze den neu entstandenen Formen der Kriminalität anzupassen
bzw. diesbezüglich neue Gesetze zu formulieren. Es wurde offenbar,
dass mit dem Verlauf der technischen Entwicklung ein neues Rechtsgut
entstanden war, welches durch die alten Gesetze keinen ausreichend
Schutz genoss. Unkörperliche Werte wie beispielsweise Wirtschaftsdaten
und Urheberschutz sowie Informationen im Allgemeinen hatten im Laufe
der sogenannten "informationellen Revolution" stark an Bedeutung
zugenommen.
Der Schwerpunkt der Computerdelikte liegt heute in der Wirtschaftskriminalität,
so dass sich die ersten Befürchtungen in Bezug auf die Kontrollierbarkeit
der Menschen durch den Staat schnell zerstreut hatten.
Mit der stärkeren Verbreitung des Internet wurde allerdings die
Gefahr der Kontrollierbarkeit durch die Wirtschaft geschaffen. Diese
wurde teilweise durch das Erwerben von personenbezogenen Daten und
Verhaltensprofilen der Nutzer im Internet ermöglicht, welches beispielsweise
gezieltere Werbeangebote und ein gelenktes Verhalten im Internet
möglich machen.
Heute hat die Computerkriminalität ihre Beschränkung auf die Verletzung
von Wirtschaftsgütern und Persönlichkeitsrechten im Allgemeinen
überschritten, indem sie nahezu in jeden Bereich des täglichen Lebens
eingedrungen ist. Fälle wie der Einbruch in ein Krankenhaussystem,
bei dem die Dosis der Medikamente verändert wurde, die Veröffentlichung
strafrechtlich relevanter Inhalte im Internet oder der Einbruch
in Informationssysteme des Militärs machen dies deutlich.
Die Computerkriminalität dehnte sich im Laufe der Zeit in so viele
Bereiche aus, dass die ehemalige Homogenität dieser Gruppe von Straftaten
heute nicht mehr vorhanden ist, da bereits fast jedes "traditionelle
Verbrechen" heute auch mit dem Computer ausgeführt werden kann.
Durch diese Entwicklung der Computerkriminalität ist sie heutzutage
nur noch sehr schwer eindeutig von anderen Bereichen der Kriminalität
abzugrenzen.