DROGEN & SELBSTMORD

Weite Felder, grasende Kühe, ein paar hübsche Burgen und Schlösser - so kennt man das Kleverland: friedlich und flach. Doch ab und zu passieren auch auf dem platten Land Dinge, die das Blut in den Adern gefrieren lassen. Einzelfälle, in denen das Schicksal den Menschen grausam mitspielt: ein tragischer Unfall, ein ungeklärter Selbstmord. Ein paar Tage lang ist so ein Fall in aller Munde - gesetzt den Fall, er kommt ans Tageslicht. Um dann wieder vom niederrheinischen Dunst verschlungen und möglicherweise vergessen zu werden. Zwei junge Niederrheiner wollen diesen Dunst jetzt durchbrechen: Sie wollen Filme drehen, die auf die lauernden Gefahren aufmerksam machen.

Marco Aurand (23) aus Kleve und Thomas Gregorio (31) aus Rees haben den ersten Film schon im Kasten. Titel: "Die tödliche Macht der Drogen". Die Story: Ein junger Mann gerät auf die schiefe Bahn, steckt einem anderen Partypillen zu. Der dreht auf seinem Trip durch, stürzt sich von der Rheinbrücke. Mit dieser Schuld kann der Dealer nicht leben, er verursacht einen Auto-Crash ....

Die Dreharbeiten liefen in den vergangenen zwei Wochen im Kreis Kleve. Auf der Rheinbrücke in Rees stürzte sich der Selbstmörder in den Rhein. Auf einer Straße bei Kranenburg wurde der Auto-Unfall simuliert. Und in einem Eiscafe´ auf der Hoffmannallee in Kleve spielte sich das schicksalhafte Zusammentreffen der beiden jungen Männer ab.

"Wir wollen im Kreis Kleve drehen. Hier kommen wir her, und hier passieren auch viele Dinge, nicht immer nur in den Großstädten", erklärt Marco Aurand. Da stürzte etwa vor ein paar Jahren ein junger Mann von der Schwanenburg in den Tod. Drogen sollen im Spiel gewesen sein. "So etwas wird schnell wieder vergessen, während in den Medien die Gefahr von Drogen - wie zum Beispiel durch das Trallala um Daum - oft verharmlost wird", so Aurand. Der selbst zwei Freunde an den Drogentod verloren hat. Auch Thomas Gregorio hat im engsten Familienkreis erlebt, was Drogen anrichten können: "Mein Halbbruder war völlig in Ordnung. Dann nahm er LSD. Jetzt glaubt er, Superman zu sein und lebt in einer Wohngruppe. Wenn ich ihn sehe, kommen mir die Tränen."

Die Trauer um den Bruder und die Wut auf die Macht der Drogen wandelte Gregorio in unglaublichen Eifer um. Nachdem er seinen Job als LKW-Fahrer verlor, haderte er nicht mit seinem Schicksal. Heute arbeitet er erfolgreich an Internet-Auftritten - und hat nebenbei noch genügend Kraft, seinen Traum zu verwirklichen: Filme zu drehen. Während er im Internet nach Profis suchte, die den Amateuren unter die Arme greifen, beendete Marco Aurand seine Lehre als KFZ-Mechaniker und trat seinen Zivildienst in den Rheinischen Kliniken Bedburg-Hau an. Dort fand er genügend Stoff, um das Drehbuch für den ersten gemeinsamen Film zu schreiben.

"Wir haben vor ein paar Jahren schon mal einen Film gedreht. Aber der war einfach schlecht", lacht Marco. Übers Internet haben sie jetzt Unterstützung von Profis gefunden. Die Produktionsfirma Viewmedia erklärte sich bereit, das Ganze kostenlos technisch zu begleiten. Wieder übers Internet suchten sie nach Darstellern. Und veranstalteten das Casting in Kleve. Die jungen Schauspieler, die sie gefunden haben, sind genausowenig Film-erfahren wie sie, und genauso begeistert bei der Sache. Um Tipps für den simulierten Sprung von der Rheinbrücke zu bekommen, riefen sie kurzerhand beim berühmtesten deutschen Stuntman an - und erwischten Hermann Joha auf dem Weg zum nächsten Dreh.

Mit ihrem Kurzfilm (elf Minuten), der heute fertig geschnitten werden soll und dann insgesamt rund 1200 Euro gekostet hat, möchten die Freunde aufrütteln. Und jungen Leuten möglichst eindringlich vermitteln: "Lasst die Finger von Drogen!" Das steht auch im Abspann des Filmes, der nach Wünschen der Newcomer in Schulen und als Vor-Film im Kino gezeigt werden soll.

Und damit nicht genug: Aurand und Gregorio haben schon die beiden nächsten Film-Projekte im Blick. Im Mai soll ein Film über Kindesmisshandlung abgedreht werden, im Juli ein Streifen über den Geschwindigkeitsrausch auf den Straßen im Kreis Kleve. "Wir wollen sozialkritisch bleiben", so Gregorio. Und realistisch. "Die haben uns vorgeschlagen, Godzilla durch Kleve laufen zu lassen. Das ist ja alles technisch machbar. Aber nicht unser Ding." Trotzdem: Der größte Traum der beiden Freunde ist, irgendwann mal ihr Geld mit Filmen zu verdienen.

Für ihre nächsten Projekte suchen sie noch nach Investoren, Darstellern und Drehbuchschreibern. Kontakt: Tel: 01 75/6 20 26 83, Tel: 0 28 51/5 818 55. Weitere Infos: www.die-tödliche-Macht-der-Drogen.de