August Kurfürst von Sachsen

geboren: 31.07.1526 zu Freiberg
vermählt: I.) 07.10.1548 mit Anna, T. Christians III. König v. Dänemark; II.) 03.01.1586 mit Agnes, T. Joachim Ernsts von Anhalt-Dessau
gestorben: 11.02.1586 zu Dresden

Des Bruders Moritz' Natur lag in seinem wirtschaftlich umsichtigen Handeln, wobei seine eigenen handwerklichen Fähigkeiten hierbei besonders Erwähnung finden sollen. Sein praktisches wie auch künstlerisches Tun neben den Staatsgeschäften ist in seiner eigenen Drehbank bezeugt, welche heute noch das Museum Cluny in Paris ziert.

Dennoch galt sein besonderes Augenmerk dem Ausbau der Wirtschaft nicht nur in seiner Residenz Dresden. Das ganze Land blühte während seiner Regierung auf, wobei verschiedenste Verfügungen den Aufschwung noch begünstigten. Belegt sind so neben Verordnungen für die Forst- und Wiesenkultur, den Hopfen, Wein-, Obst- und Bergbau ebenso eine neuerliche Bergwerks- (03.10.1554) und Holz-, Jagd- und Forstordnung (1560). Wichtig war ihm ebenso der Erweiterung des Handels zu Böhmen, wobei der Ausbau der Fernhandelsstraßen, die Schaffung des Postenlaufs aber auch die Beschränkung des Wuchers sein Augenmerk fanden. Die Errichtung eines Gestüts bei Torgau zur Veredlung einheimischer Pferde sei wohl eher am Rande vermerkt, vielmehr hob er u.a. das Textilhandwerk, die Leine- und Baumwollweberei, Tuch- und Zeugmacherei, im armen Erzgebirge. Wohl bekannteste Vertreterin dieses Zweiges ist Barbara Uttmann, welche (1562) das Klöppeln der Spitzen und Kanten erfunden hatte.

Doch auch auf die Wehrhaftigkeit seiner Residenz hatte August ein Auge geworfen. Einer der wichtigsten Stützpunkte der Dresdner Garnison war das 1559-63 errichtete Altstädter Hauptzeughaus (seit 1887 "Albertinum"). Unter August fanden ebenso in den Jahren 1582 und 1583 umfassende Musterungen der wehrhaften Mannschaften im Kurfürstentum statt, die in den folgenden Jahrzehnten wiederholt wurden. Als es unter Christian II. zu einer Neuordnung des Defensionswesen kam, wurden in den Jahren 1608 bis 1612 die Mannschaften in den Städten wie auf dem Lande gezählt. Erwähnt sei hier noch die Erlassung einer Polizeiordnung sowie ein Dekret gegen Kleiderluxus, Spiel und Gelage, sowie gegen Bettelei und die Zigeuner, welche letztere "allerley abscheuliche Gotteslästerung und Zauberey treiben" (1555).

August war nicht nur ein Freund der Musik und Baukunst, besonders hatte es ihm die Buchkunst angetan. Leider ist von der rund 3.000 Bücher zu schätzenden Sammlung, welche August mit Hilfe des wohl größten Buchbinders seiner Zeit, Jacob Krause, aufbaute und über Jahre hinweg im Torgauer Schloss verwahrt war, fast nichts mehr übrig, denn auch diese Schätze gingen beim Luftangriff auf Dresden im Februar 1945 fast vollständig verloren. Dennoch aber ist ein, wenn auch unter anderem Namen, nicht unwesentlicher Bestandteil Dresdens, die von ihm begründete Kunstkammer im Residenzschloss, heute Teil der Gemäldegalerie "Alte Meister" und das "Grüne Gewölbe", ihm zuzuschreiben. Namentlich Kurfürst August liebte es, Altäre und Stiftern zu verschenken. Sitte im 16. Jahrhundert war es, Schreine reicher Kirchen durch neue zu ersetzen, die alten aber armen Kirchen zu verschenken.

In puncto Bautätigkeit vollendete sich unter ihm nicht nur das Werk seines Bruders Moritz, die Moritzburg, es entstanden u.a. in Dresden die Annenkirche, benannt nach seiner Gemahlin, sowie die Augustenburg (1560-72), Schloß Lichtenburg und im Tharandter Wald das Jagdschloß Grüllenburg.

Doch auch um Kleinigkeiten war Kurfürst August bemüht. So ist bekannt, daß er aufgrund einer Beschwerde eines Predigers der Kreuzkirche zu Dresden, da sich darin Sperlinge eingenistet hatten und den Gottesdienst störten, eine Befehl ausgab, worin August anordnete, dass "... dem kleinen geflögel durch manücherley ... listige Wege und Griffe nachzustellen" und es "ohne sonderlich Kosten auß der Kirchen zum Heiligen Creuz" zu bringen sei, damit "solche ergerliche Vogelerey und hinderlich Getzschirpe und Geschrey im Hause Gottes" für die Zukunft versagt bliebe.

Politisch gesehen suchte August durch Vermittlung, Verträge und sonstige Vereinbarungen, wie zum Beispiel Erbvereinbarungen sein Land in ruhigeres Fahrwasser zu steuern. So kommt es bereits kurz nach Amtsantritt (11.09.1553) durch Vermittlung des Königs von Dänemark und Kurfürst Johann Georg von Brandenburg zu einer Aussöhnung mit Markgraf Albrecht von Brandenburg. Gleichzeitig suchte er den Ausgleich zwischen Albertinern und Ernestinern. Noch kurz vor Johann Friedrichs I. von Sachsen-Coburg Tod erhält dieser die thüringischen Herrschaften Weimar, Jena, Gotha, Eisenach, Sachsenberg, Altenburg, Schmölln und Eisenberg. Auch alte Verträge, wie zum Beispiel zu Böhmen aus dem Jahre 1332, werden erneuert. Das am 13.03.1556 August zugestandene Vorkaufsrecht an den Besitzungen Burggraf Heinrichs V. von Meißen a.d.H. Reuß, darunter Plauen, Oelsnitz, Adorf und Pausa, wurde wenige Jahre später (1569) nach letzterem Tod ebenfalls eingelöst, woraus sich später der Vogtländische Kreis bildete. Drei Jahre später gewinnt August noch die Reste der Burggrafschaft Meißen und nimmt den Titel und Wappen der Burggrafschaft Meißen an.

In Kritik geraten ist August vielfach durch sein Auftreten gegenüber den Ernestinern. Zum einen ist da eine 1554 mit Wilhelm IV. Graf von Henneberg-Schleusingen abgeschlossene Erbeinigung (andere Erbeinigungen zu Brandenburg und Hessen anno 1555), andererseits wegen des Vollzugs der Reichsacht 1567 an Johann Friedrich II. "dem Mittleren" Herzog von Sachsen-Gotha, welche ihm neben einem beträchtlichen Gebietsgewinn auch noch die Vormundschaft gegenüber den Ernestinern bis 1572 verschafft. Sein energisches Auftreten gegen eine weitere Ausbreitung des Protestantismus ohne eigene Mitwirkung zeigen dennoch auf, dass August bemüht war, neben dem Abbau der Staatsschulden die wirtschaftlichen Aspekte seines Landes in den Mittelpunkt zu rücken. Dem zugute halten muss man aber die durch August geförderte Hochzeit der Witwe Moritz's, Agnes, mit dem Sohne Johann Friedrichs I., Johann Friedrich II. "dem Mittleren" am 26.05.1555 zu Weimar, um dadurch die gestörte Eintracht zwischen den beiden sächsischen Linien wiederherzustellen.

Auf religiöser Ebene hatten sich nach dem Tode Martin Luthers verschiedenste Gruppierungen gebildet, welche in eigenen Auslegungen versuchten, dessen Lehren zu interpretieren, wobei die Kalvinisten immer mehr Einfluss auf das allgemeine Leben der verschiedenen Stände nahm. Auseinandersetzungen z.B. über die Mitwirkung des Heiligen Geistes auf die Bekehrung und Verbesserung des Menschen, der sog. Synergistische Streit, waren an der Tagesordnung. Die Kryptokalvinisten dagegen suchten ihren Weg durch ein gemeinsames Abendmahl sowie durch Weglassung der Teufelsbeschwörungen bei der Taufe zu rechtfertigen. Der anfangs hierfür zugängliche Kurfürst August ließ trotz erfolgloser Unterredungen der im Glaubenstreit befindlichen auch anderer Gruppierungen verschiedene Unterredungen derer abhalten, so in Altenburg (1568 - 1569), und Zerbst (1570). Erst die August zugetragene Information, man wolle das ganze Land dem Kalvinismus unterordnen, ließen ihn mit aller Härte nunmehr (April 1574) gegen die Kalvinisten vorgehen.

Mit dem "Zweitem Torgauer Artikel" suchte Kurfürst August die alten Lehren Luthers neu zu formieren. Alle diejenigen, welche diesen Artikel nicht zu unterschreiben bereit waren, wurden eingekerkert oder verloren ihre Stellungen. Doch auch dieses ließ den Konflikt nicht bereinigen. 1577 brachte man gemeinsam endlich ein unter dem Namen "Eintrachts-Formel" bzw. "Klosterbergisches Buch" ein neues Glaubensbekenntnis zustande, welches nunmehr u.a. von "den protestantischen Kurfürsten von Sachsen, Brandenburg und der Pfalz, von 22 Reichsfürsten, 122 Grafen, 4 Freiherren, 35 Reichsstädten" unterzeichnet wurde. Diese Vereinbarung, veröffentlicht am 25. Juni 1580 zu Dresden, beinhaltete "das apostolische, nicäische und athanasische Glaubensbekenniß, die Augsburger Konfession, die Apologie derselben, die schmalkaldischen Artikel und die beiden Katechismen Luthers".

Auch wenn von anderer Seite erneut Kritik aufkam, die protestantischen Theologen erneut in zwei Lager spaltete und man diese Übereinkunft spöttisch in "concordia discors", d.h. Zwietrachtsformel, umbenannte, so ist dennoch anzumerken, dass diese Vereinbarung erst einmal eine weitere Option gegenüber militärischen Auseinandersetzungen darstellt.

In seiner freien Zeit suchte August gemeinsam mit seiner Gemahlin Anna außerdem als Alchimist und bei der Jagd Ausgleich. Anna, auch "Mutter Anna" genannt, war Initiatorin zur Gründung der ersten Hofapotheke Dresdens anno 1581.

Kurfürstin Anna starb am 01. Oktober 1585 an der damals in Dresden wütenden Pest. August hingegen versuchte nochmals eine Ehe mit der Tochter Joachim Ernst von Anhalt-Dessau einzugehen, überlebte diese aber nur ein paar Tage, als im zu Moritzburg "der Schlag" traf, und er nach 33 Regierungsjahren zu Dresden starb. Seine letzte Ruhestatt fand er neben seinem Bruder Moritz und seiner Gemahlin Anna im Freiburger Dom.

 

Ahnen
Vater
Nachkommen:
Christian I.

gesondert:
Die Ernestiner

August,
gen. "der Glückliche", "Vater August", "Sächsischer Justinian"
Herzog zu Sachsen, Kurfürst von Sachsen, des Heiligen Römischen Reichs Erzmarschall, Landgraf in Thüringen, Markgraf zu Meißen, Burggraf von Magdeburg, Graf von Weißenfels, Administrator von Merseburg