Gotha

erstmals urkundlich erwähnt: Am 25.10.775 schenkt König Karl dem Kloster Hersfeld den Zehnten der Villen Zimmern, Gothaha und Hasalah.


In einer seit der Jungsteinzeit besiedelten Landschaft liegt das 1109 als Stammsitz einer adligen Familie genannte Gotha. Der Sage nach wurde das Dorf vom Abt Meingoth von Hersfeld, zu welchem Stift es 900 gehörte, mit Mauern umgeben. Der Abt Gotthard (1005 – 22) erweiterte Gotha und wurde Schutzpatron der Stadt. Wenige Jahre später neben Thamsbrück, Buttelstedt und Weißensee einer der vier Gerichtsorte Thüringens kam Gotha spätestens im 12. Jh. zuerst an die Landgrafen von Thüringen und 1247 an die Markgrafen zu Meißen. Noch vor der Zeit der thüringischen Landgrafen wurde die Caminata errichtet, welche sich (bis 1316) zur festen Burg Grimmenstein entwickelte. Im 13. und 14. Jh. diente die Burg mehrfach als Wohnsitz der Wettiner Landgrafen von Thüringen Albrecht „dem Entarteten“ und Balthasar.

An der wichtigen Straße von Frankfurt/M. nach Leipzig (via regia) entstand um die Mitte des 12. Jhs. eine Kaufmannssiedlung mit dem Markt. Eine Münze war in der 2. Hälfte des 12. Jhs. in Betrieb. 1180/89 erscheint Gotha bereits als civitas (Stadt). An den Markt anschließend wurde um 1200 die Stadt mit dem Hauptmarkt und der 1530 abgebrochenen Marienkirche planmäßig angelegt und im 13. Jh. mit dem Neumarkt und der Margaretenkirche erweitert. Die Stadtmauer umschloss beide Teile zu einer Einheit. Das vor 1251 gegründete Zisterzienser-Nonnenkloster wurde 1258 von Augustineremeriten übernommen. Seit 1344 bestand bei der Marienkirche ein Chorherrenstift. Während die thüringischen Landgrafen a.d. Hause Wettin schon zu dieser Zeit mehrfach zu Gotha urkunden, fiel die Stadt 1440 nach dem letzten mit dem Titel eines Landgraf regierenden Fürsten in Thüringen an Friedrich II. „den Sanftmütigen“ und dessen Bruder Herzog Wilhelm II. Erst nach langjährigen Auseinandersetzungen (Thür.-sächs. Bruderkrieg 1445-51) und auf dringende Forderung des Kaisers können sich beide auf die Neuverteilung ihrer Lande einigen. Thüringen, einschließlich Gotha, wird im Friede von Naumburg Herzog Wilhelm zugesprochen, fällt jedoch nach dessen Tod 1482 an Kursachsen zurück. Seit 1524 hielt in Gotha durch den früheren Franziskaner Friedrich Myconius (gest. 07.04.1546) die Reformation in Gotha Einzug. Infolge der Schlacht am Mühlberg (1547) wurde der Grimmenstein zum Teil geschleift, 1552-54 aber wiederhergestellt. Der endgültigen Zerstörung der Burg Grimmenstein gehen die „Grumbach'schen Händel“ voraus.

Der ältere Sohn Johann Friedrichs I., Herzog Johann Friedrich II. „der Mittlere“ von Sachsen-Gotha, immer noch in der Vorstellung an die Kurwürde Sachsens zu gelangen, schloss sich aus diesem Grunde mit dem fränkischen Reichsritter Wilhelm von Grumbach zusammen. Von Grumbach, seit 1557 in den Diensten Johann Friedrichs II., hatte sich gegen die Bischöfe von Würzburg verschworen und suchte in der Mehrung seines Besitzes gegen diese mobil zu machen. Der Entführungsversuch Bischof Melchiors (15.04.1558) und der Überfall auf die Stadt Würzburg (04.10.1563) sowie die Aussichten auf die sächsische Kur ließen Johann Friedrich II. nicht mehr zur Ruhe kommen. Unter Kursachsens Einfluss verhängte Kaiser Maximilian II. die Reichsacht über Grumbach und Johann Friedrich II. und beauftragte Kurfürst August mit der Ausführung. Letzterer rückte noch Weihnachten 1566 vor Gotha und nahm die Stadt nach einer harten Belagerung 13.04.1567 durch Kapitulation ein. Während man den gefangenen Herzog nach Wien abführte, wurde Wilhelm von Grumbach nach einem Urteil des Kurfürsten am 18.04.1567 lebendig gevierteilt, die übrigen Hauptteilnehmer enthauptet und der Grimmenstein gesprengt.

Gotha war danach bis 1572 im Besitz des zweiten Bruders Johann Friedrichs, Johann Wilhelm, dem Weimar gehörte, und fiel 1638 an letzteren zurück, als die in ihr Erbe wieder eingesetzten Söhne Johann Friedrichs „des Mittleren“ kinderlos starben. Seit Herzog Ernst „dem Frommen“ (1640) war Gotha Residenz des Herzogs von Sachsen-Gotha, mit dem 1672 Sachsen-Altenburg vereinigt wurde; seit 1826 neben Coburg (während der Wintermonate von Januar bis April) Residenz des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha.

1643/44 entstand auf dem Schlossberg das neue Schloss Friedenstein als erster Barockschlossbau Deutschlands. Die Schloss- und Stadtbefestigung wurde 1772/1811 abgetragen und das Gelände für Parkanlagen und fürstliche Bauten genutzt. Das 1567/74 erbaute Kaufhaus am Markt wurde 1665 zum Rathaus umgebaut. Die fürstliche Bibliothek (1650) und die Münzsammlung (1712) im Schloss , Musikpflege und Oper waren von hohem Rang. 1683 entstand im Westturm des Schlosses ein Hoftheater.