GRIPS-THEATER BERLIN

SELBSTMORD

Franziska Steiof macht aus dem Erfolgsstück "norway.today" von Igor Bauersima eine Komödie, die zu Herzen geht.
Mit knappen Worten umreißt die Regisseurin Franziska Steiof, worum es ihr in der neuen Inszenierung geht: "Ein tolles Paradoxon: eine Komödie über Sinn und Unsinn des Lebens, eine Selbstmordstory, die Lebensmut vermittelt, ein Egotrip, der zum Anderen hinführt." Franziska Steiof steckt mitten in den Proben von "norway.today", dem Erfolgsstück des Schweizer Autors Igor Bauersima. Premiere ist am 13. März, 19.30 Uhr, in der Schiller-Theater-Werkstatt in der Bismarckstraße, der Studio- und Experimentierbühne des GRIPS Theaters.

Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit: Zwei Menschen verabreden sich im Internet zum Selbstmord. Das ist kein schlechter Witz, sondern weltweit Realität: Soziologen sehen in Chatrooms, in denen auch praktische Tipps zur gelungenen Selbsttötung gegeben werden, mittlerweile eine ernsthafte Bedrohung - vor allem für Jugendliche. Franziska Steiof macht daraus eine tragikomische "boy-meets-girl-Geschichte".

Das Mädchen Julie (20 Jahre) ergreift die Initiative. Via Internet (<noway.2die>) sucht sie jemanden, der bereit ist, sie in den Selbstmord zu begleiten. Im Chatroom lernt sie ihn kennen: August, 19 Jahre jung und (fast) so lebensmüde wie sie selbst. Beide haben eigentlich keinen rechten Grund, sterben zu wollen. Sie finden nur keinen guten Grund, weiter zu leben. Und so machen sie sich an die Ausführung ihres wohl durchdachten Planes. Ausgerüstet mit einem Zelt, einer Videokamera und etwas zu essen, begeben sie sich auf die Reise zu einer schneeverwehten Klippe in Norwegen, 600 Meter über dem Meeresspiegel. Dort angekommen, richten sie sich auf ihrer Endstation ein.

Aber ihre vermeintlich letzten Stunden verlaufen so gar nicht nach Plan. Ein wunderschönes Polarlicht flackert über den Nachthimmel, unvorhergesehene erotische Anziehungskräfte bringen die Gefühle der beiden gehörig durcheinander, und die Video-Aufzeichnung ihrer Abschiedsreden ist eine einzige Katastrophe. Das alles bleibt natürlich nicht ohne Folgen.

Alles geht schief, und dennoch - oder gerade deshalb - finden Julie, August und sicher auch viele Zuschauer ein Glück, von dem sie sich so schnell nicht erholen werden. Denn auf der Grenze zwischen Leben und Tod wird die Sehnsucht nach dem Leben selbst zum Thema: Die Lust auf Rausch, der "thrill des Extrems", die Frage, was "echt" ist und was "fake", die Krankheit der Hoffnung - und wie zwei Menschen von dieser Krankheit genesen und aneinander reifen. Sie sind, wie Heinrich von Kleist sagte, durch "diese schöne Anstrengung mit sich selbst bekannt geworden".

Im Internet:

Forum zum Thema Selbstmord: http://www.voy.com/15477/
Selbstmord im Internet: http://suizid.net
Todespillen im Internet: http://people.freenet.de/suizid.freitod.selbstmord/
Selbstmord im Islam: http://people.freenet.de/selbstmord_im_islam
Selbstmord in der Polizeiarbeit: http://people.freenet.de/suizide
Selbstmord ... aber richtig!: http://zyn.de/selbstmord