| Book reviews in German language (index) |
Buchbesprechungen (1)
zu verschiedenen Themen und Regionen:
Übersicht
|
Buchbesprechungen: Übersicht über alle von mir verfassten, im Internet verfügbaren Rezensionen . |
|
|
Interessanter, zumindest für den Rezensenten, sind kleinen Einzelporträts beispielsweise über den von der Atacama-Wüste geprägten Norden, die Osterinsel oder die Nationalparks im klimatisch abwechslungsreichen Süden, wo Eis und Schnee mit sommerlich warmen und feuchten Tagen abwechseln. Appetitanregend ist das Kastenthema über die chilenische Küche, und jenes über deutsche Siedler, die „Robinson-Crusoe-Insel" u.a. ergänzen den Band gut. Insgesamt liegt hier ein sehr gelungenes und empfehlenswertes Buch vor, das man immer wieder gern zur Hand nimmt, wenn man Reisefieber bekommen möchte oder schon welches hat...
© Andreas Gruschke
|
|
In der Art einer regionalen Länderkunde, aber beschränkt auf
das Wesentliche und die spannendsten Momente der Geschichte, will der Text
über Geographie, Naturraum, die Menschen und ihr Wirken informieren.
Wenn auch gelegentlich ein wenig gewagt in seinen wenig wahrscheinlichen
Mutmaßungen, in denen Chenevière beispielsweise spekuliert,
daß die Menschen in fruchtbaren Gegenden weder Zeit noch Interesse
hatten, Monumente zu errichten, bietet er in seinem Text doch einen guten
Überblick über die geschichtlichen und modernen Entwicklungen
in einem Land, das wegen seines Erdölmangels zu den wirtschaftlich
Ärmeren der arabischen Welt gehört.
Ausführliche Bildlegenden und zusammenfassende Kapiteltexte geben
ebenso einen repräsentativen Eindruck von der Welt der Beduinen, der
palästinischen Bauern und der wenigen Städte Jordaniens wieder,
wie die große Motive-Vielfalt in der ausgezeichneten Auswahl
sorgfältig reproduzierter Farbbilder. So werden in Bild und Text alle
wesentlichen Großregionen des mit nur 4,6 Millionen Einwohnern bevölkerten
Wüstenstaates vorgestellt: vom Jordantal über den Westabbruch
des Jordanischen Hochplateaus, die großen Wüstenregionen, die
berühmte Königsstraße östlich des Toten Meeres bis
hinab in die farbenprächtige Unterwasserwelt an den Korallenriffen
im Golf von Aqaba. Ein Buch, das man immer wieder durchblättern wird,
wenn man neue Reisepläne schmieden will.
© Andreas Gruschke
![]() |
«Syrien. Wiege der Kultur» (München 1996) | ![]() |
![]() |
«Auf den Spuren Marco Polos. Von Venedig in den Fernen Osten» (München 1996) | ![]() |
![]() |
«Inselwelten im Pazifik» (München 1996) | ![]() |
|
|
Harro von Senger: Strategeme. Lebens- und Überlebenslisten aus drei Jahrtausenden. Band 2: Strategme 19-36. Bern: Scherz Verlag 2000, 816 S., DM 89,-
Harro von Senger (Hg.): Die List. Edition
suhrkamp 1999, 500 S., DM 29,80
Mehr als ein Jahrzehnt nach der Veröffentlichung seiner Erläuterung
über die ersten 18 der 36 Strategeme hat er nun seine Ausführungen
über die zweite Hälfte des Katalogs von „Lebens- und Überlebenslisten"
der Chinesen vorgelegt. Mit über 800 Seiten handelt dieser zweite
Band zwar die gleiche Zahl von Strategemen ab, ist aber auf fast den doppelten
Umfang des ersten Bands angewachsen, ohne dass der Autor uns den Grund
hierfür erläutern würde. Liegt es daran, dass er die zweite
Hälfte des Kataloges für sehr viel bedeutender oder aussagekräftiger
hält, dass die Sammlung durch die andauernde Forschung deshalb einfach
umfangreicher geworden ist? Oder hat sich hier das Strategem Nr.7 verselbständigt
und „aus dem Nichts [noch] etwas [mehr] erzeugt"?
Ein Gewinn ist sicher die 70 Seiten lange Einführung, in dem von
Senger den im ersten Band noch knappen theoretischen Rahmen seiner Arbeit
vertieft, der einer ethisch begründeten „Sehnsucht nach einer Welt
ohne List" das strategemische Verhalten z.B. in der Kindererziehung gegenüberstellt.
Wie der Kampf mit „Kopf statt mit Kraft", also mit List und Weisheit (und
eben nicht mit Tücke), zum menschlichen Verhalten gehört, und
wie dies wahrgenommen wird, list sich in den 24 Absätzen der Vorrede
durchaus interessant. Darüber, ob es wirklich nötig ist, auf
einer Seite darzulegen, in wievielter Auflage und in wie vielen Sprachen
auf welche Weise das vormals noch unvollständige Werk wo erschienen
ist, lässt sich jedoch streiten. Dem Autor würde die Bewunderung
der Leserschaft auch ohne diese Selbst-Akklamation zuteil.
In vielen herrlichen Legenden und Anekdoten berichtet uns von Senger
aus der gesamten chinesischen Geschichte vom Altertum bis in die moderne
Volksrepublik. Dabei wird deutlich, wie groß trotz aller revolutionärer
Bewegungen die Kontinuität der kulturellen Prägungen in China
ist. Mit einer gleichfalls großen Zahl von Geschichten und Ereignissen
aus dem (insbesondere westlichen) Rest der Welt legt uns der Autor dar,
wie viel auch bei uns im Sinne der chinesischen Strategeme gedeutet werden
kann. Dabei macht er zum einen den universellen Charakter dieser Lebens-
und Überlebenslisten deutlich, und zeigt, welches schier unerschöpfliche
Potential für die unterschiedlichsten kulturellen Kontexte und Konfliktsituationen
sie besitzen. Nach Meinung des Rezensenten übersieht er dabei aber,
dass diese auch Anwendung finden, ohne sich nach dem Katalog aus China
zu richten. Dennoch sollte betont werden, dass von Senger mit Recht darauf
verweist, dass die durch Strategeme (aber nicht nur durch sie) geprägten
Verhaltensweisen der Chinesen mit Blick auf diesen Katalog bestimmt häufiger
besser verstanden würden. Dieser Umstand gilt freilich noch für
eine Anzahl weiterer kultureller Komponenten - allen voran jener der Wahrung
oder des Verlustes von „Gesicht" (lian), der im täglichen Umgang vom
Einzelnen bis zum Gesamtstaat eine ungeheure, im Westen nicht nur unterschätzte,
sondern oft sogar übergangene Rolle spielt.
Auf der technischen Seite ist wie beim ersten Strategeme-Band das Fehlen
einer Bibliographie heftig zu bemängeln. Der Personen-Index kann den
erheblichen Nachteil der unsäglichen Zitierweise des Autors (voller
Textnachweis im laufenden Text) nicht ausgleichen. Zum einen stören
die bis zu vier Zeilen langen bibliographischen Hinweise im Lauftext den
Lesefluss erheblich; zum andern müssen bei der Suche nach einem Literaturhinweis
u. U. sämtliche Textstellen eines häufig zitierten Autors nachgeblättert
werden. Außerdem umfasst der Index nicht nur Autoren, sondern auch
Protagonisten, weshalb zu hoffen bleibt, dass Autor und Verlag sich irgendwann
doch noch mit Fußnoten anfreunden. Statt von interessierten Lesern
zu erwarten, hier das Strategem Nr. 20 - „im getrübten Wasser fischen"
- anzuwenden, wäre eine klar gegliederte Bibliographie sicher hilfreicher.
Von eben diesem Problem ist der interessierte Leser bei dem vom selben
Autor herausgegebenen Suhrkamp-Band über „Die List" nicht betroffen
(außer beim Herausgeber von Senger selbst). Im Zuge seines dankenswerten
Bestrebens, die Wertigkeit der List im chinesischen und abendländischen
Denken zueinander ins Verhältnis zu setzen, hat von Senger 20 Wissenschaftler-Kollegen
dafür gewonnen, teilweise überraschend spannende und durchweg
ergiebige Beiträge abzufassen. Dem Phänomen der List auch in
anderen Fachgebieten nachzuspüren, hat ein Buch ergeben, das ein großes
Spektrum umfasst - von der List im alten Orient, bei den alten Ägyptern
und Griechen, in Indien und bei den Germanen, im lateinischen Mittelalter,
der islamischen Rechtsentwicklung, der theologischen, christlichen und
juristischen Tradition bis hin zur Biologie, Psychologie Ethologie und
Philosophie. Besonders fruchtbar und zuweilen unterhaltsam wird die Lektüre
dieser empfehlenswerten Texte nicht allein durch die Beschäftigung
mit bekannten Themen unter einem völlig neuen Aspekt - der List -,
sondern auch durch teilweise völlig neue und überraschende Erkenntnisse.
Sie bieten Blickwinkel, die alle Denkmuster überdenken lassen, die
von der Vorstellung ausgehen, es gebe besonders listenreiche Völker
(hier: Chinesen), bis hin zu der, dass „Manipulation, und das heißt
Liststrategie, die zunächst Individuen ‘Vorteile’ verschafft, der
kommunikative Normalfall" sein könnte - wie Hugo Steger in seinem
Beitrag zu von Sengers Sammelband (1999, S. 339) meint.
Letztlich wird bei alledem deutlich, dass die Kenntnis des Kataloges
dieser Listen in erster Linie davor schützt, denselben nicht auf den
Leim zu gehen. Bei einer allgemeineren Verbreitung desselben wird die Anwendung
solcher Listen natürlich schwieriger - und fördert die Schöpfung
neuer Listen - solcher, die nicht in den konventionellen Strategeme-Katalog
passen. Nach Meinung des Rezensenten wird hier die viel zu wenig angesprochene
Unterscheidung von Form und Inhalt vernachlässigt. Die Form der List
ist leicht eruierbar, sie mithin klassifizierbar, ihr Inhalt um so weniger,
je aussichtsreicher - und damit Erfolg versprechender - sie ist. D.h. inhaltlich
ist sie oft erst nach ihrer Anwendung in ein solches Schema zu pressen.
Beim Blick auf die zahllosen Beispiele solcher Listanwendung im chinesischen
und westlichen Kulturkreis wird zudem deutlich, dass die Grenzen der Einordnung
sehr weit gesteckt werden - was in Anbetracht der poetischen Formulierung
ohnehin leicht fällt. Vielleicht lag es ja gerade auch hieran, dass
andere Kulturen weniger Wert auf die Ausarbeitung von Listen-Katalogen
legten, zumal sich im Westen das Alternativ-Modell der Rhetorik entwickelt
hat. Es ist letzthin gut vorstellbar, dass die konsequente Anwendung beider
innerhalb einer Gesellschaft eher ausgeschlossen, weil unnötig ist.
Der Rezensent postuliert dies nicht, aber stellt dies in einer Strategeme-Diskussion
zur Debatte, in welcher von Sengers These, die chinesische Weisheit sei
um die Dimension der Strategemkundigkeit reicher als die westliche Intelligenz,
durchaus nicht unwidersprochen bleiben wird. Die seiner Meinung nach zwischen
China und dem Westen bestehende „Intelligenzkluft", ergibt sich ja nicht
aus der Formulierung und Klassifizierung, sondern der erfolgreichen Anwendung
- oder Abwehr - derselben.
Im Übrigen sei betont, dass sich im Katalog der Strategeme nach
Meinung des Rezensenten weniger der chinesische Wille zur listenreichen
Manipulation der Welt ausdrückt, als vielmehr der über weite
Strecken der chinesischen Überlieferung merkliche Hang zur archivierenden
Katalogisierung, Klassifizierung und vor allen Dingen der Zitierfreude.
Schließlich zeichnet sich die chinesische Sprache ja durch ihre Vorliebe
für andeutende Zitate aus. In knapper Form weist man auf bestimmte
Sachverhalte hin, hier nach Art der Startegeme, dort in Tausenden von chengyu,
den in oft poetischer Form, zumindest aber häufig auf literarische
und historische Inhalte verweisend, mit unseren sprichwörtlichen Redensarten
vergleichbaren Formeln. Demzufolge überrascht es nicht, dass es einen
allgemein anerkannten Katalog von exakt 36 immer gleichen Strategemen nicht
eigentlich gibt. Das mindert gewiss nicht den Wert dieses Kataloges, doch
dürfen wir ihn vielleicht ebenso wenig überbewerten.
Insgesamt sind beide - im Gegensatz zu vielen anderen von Wissenschaftlern
verfaßten Werken - gut lesbaren Bücher wärmstens zu empfehlen
und lohnen den zeitraubenden Aufwand der Lektüre. Noch dauerhafter
wäre der Nutzen der Bücher von Harro von Senger allerdings, wenn
er sich - aufgrund der Tragweite muss ich dies hier noch einmal betonen
- endlich entschließen könnte, wenigstens bei seinen umfangreicheren
Werken eine Literaturverzeichnis zu erstellen. Ein solcher Standard wird
zu Recht jedem wissenschaftlichen Werk, das ernst genommen werden will,
abverlangt.
© Andreas Gruschke
![]() |
«Strategeme,
Lebens- und Überlebenslisten aus drei
Jahrtausenden, Bd.1, Strategeme 1-18» (Scherz Verlag, München 2000) |
![]() |
![]() |
«Strategeme 1/2. Strategeme 1 - 18 / 19 - 36» (München 2000) | ![]() |
![]() |
«Die List» (Suhrkamp, Frankfurt 1999) | ![]() |
![]() |
«Einführung in das chinesische Recht» (C.H. Beck 1994) | ![]() |
|
|
Umfassend will uns der Text durch die
spannende und wechselvolle Geschichte des Schneelandes führen, in
hohem Maße differenzierend von den nur in Mythen überlieferten
Ursprüngen über die frühe Geschichtlichkeit bis in die Gegenwart.
Dies geschieht sachkundig, wenn auch ganz im Sinne der tibetisch-buddhistischen
Geschichtsschreibung (und damit nicht quellenkritisch). Damit leisten die
Autoren auch ein wenig westlichen Idealisierungen Vorschub (S. 21: „ein
Volk kriegerischer Nomaden ... in eine religiös geprägte Hochkultur
geführt") und schwanken dabei zuweilen zwischen Romantisieren („Nomadens
eit undenklichen Zeiten"), Simplifizieren (Darstellung der Ereignisse von
1959 und danach auf S. 30) und Differenzieren insbesondere in den Kapiteln
über Religion und Kunst. Gerade letztere gefallen ganz ausgezeichnet,
da sie korrekterweise die Volksreligion betonen und den weltanschaulichen
Hintergrund des Lamaismus besser als sonst üblich ausführen.
Der Mythos Tibet allerdings wirkt auch
hier ungebrochen fort, wenn auf S. 32 wieder das Bild einer ökologisch
orientierten, gewaltfreien und überaus spirituellen Bevölkerung
gezeichnet wird. Dennoch werfen die Autoren auch öfters einen kritischen
Blick auf die alte Gesellschaft und die politischen Ereignisse vor und
nach dem chinesischen einmarch. Allerdings muss gesagt werden, dass auch
der vorliegende Band nicht dazu verhilft, bei größerem Interesse
an den Hintergründen der modernen Geschichte Tibets auf englischsprachige
Literatur zurückgreifen zu müssen - leider fehlen in der Bibliographie
die dazu wichtigen Werke von Melvyn Goldstein, Geoffrey Samuel, Tsering
Shakya.
Das ist aber ohnehin nicht das eigentlich
Anliegen eines Bildbandes. Das Kunstverständnis der Autoren lässt
einen beträchtlichen Teil des Bildmaterials zum Anschauungsmaterial
für einen langen und lohnenden Ausflug in die Welt der Stile und Formen
tibetischen Kunstschaffens werden, mit prägnanten Bilderklärungen
und von ergänzenden Artikeln untermauert: über die „Erforschung"
Tibets, Tibet im Exil, über tibetische Medizin, den typischen Aufbau
eines Klosters sowie zentrale Motive des tibetischen Buddhismus. Dies alles
gelingt in hohem Maße.
Der Anspruch der Autoren, in einem
reich bebilderten Band eine Landeskunde von Tibet zu präsentieren,
bleibt allerdings unerfüllt. Zwar ist der Einblick in die Kultur-
und Religionsgeschichte, den die Binder und Rode vermitteln, sowohl anschaulich
als auch umfassend, aber die tibetischen Regionen jenseits Zentral- und
Westtibets und ihre Bewohner werden kaum mit einbezogen. Der Ostteil des
Tibetischen Hochlandes, der mit den Kulturprovinzen Amdo und Kham etwa
die Hälfte des gesamten tibetischen Kulturraumes ausmacht (!), ist
mit ganzen drei (von über 260) Fotos repräsentiert - während
dem kleineren (aber touristisch besser erschlossene Westtibet zehnmal so
viele Bilder gewidmet sind. Im Text findet der Osten allenfalls als Herkunftsgebiet
von hohen Lamas und Thangkas Erwähnung - von einer Darstellung des
Lebensraumes, der kulturellen Besonderheiten und vielfach eigenen Geschichte,
die nicht nur von jener Innerchinas, sondern auch von der Zentraltibets
verschieden sein konnte, wollen wir hier gar nicht reden. Dies sollten
wir auch weniger Binder und Rode selbst vorwerfen, denn die Aufarbeitung
der kulturellen Eigenarten und geographischen wie geschichtlichen Besonderheiten
von Amdo und Kham ist ja selbst in der Wissenschaft noch ein großes
Desiderat. Aber den Anspruch einer umfassenden Landeskunde Tibets im Raum
des ganzen Hochlandes, also dem (auch im Text in keiner Weise ernsthaft
diskutierten) exiltibetischen Anspruchgebiet, das auch in der Karte
im Anhang wiedergegeben ist, erfüllt das ansonsten sehr schöne
und lohnende Buch natürlich nicht. Um diese Rezension nicht mit diesen
sehr kritischen Anmerkungen enden zu lassen, soll abschließend betont
werden, dass dieser Bildband aus den meisten anderen Bildbänden dieser
Art und dieses Umgfangs auf jeden Fall als ein sehr empfehlenswerter herausragt.
© Andreas Gruschke
|
|
Victor und Victoria Trimondi, Der Schatten
des Dalai-Lama - Sexualität, Magie und Politik im tibetischen Buddhismus.
Düsseldorf: Patmos-Ver[ag 1999, 816 Seiten m. 48 SW-Abbildungen, DM
58,-
Das zusammengetragene Material über
das Leben des Dalai Lama samt Exkursen (bei Goldner) über politische,
gesellschaftliche Verhältnisse im alten und heutigen Tibet, vor allem
auch in den Klöstern, ist beachtlich und in einem umfangreichen Anmerkungsteil
dokumentiert. Ein Wermutstropfen ist hier das fehlende Literaturverzeichnis
bei Goldner, während es im Trimondi-Band unvollständig ist. Manches
zitierte Werk scheint dort nicht auf. Goldsteins Werk über „Tibet,
China and the Dalai Lama", das Goldner in seinem Verständnis noch
einmal deutlich hätte weiterbringen können, fehlte dort ebenso
wie das m.E. unverzichtbare Werk von Gerald Schmitz über „Tibet und
das Selbstbestimmungsrecht der Völker". Für den rezensenten ist
dies ein deutlicher Hinweis darauf, daß eminent wichtige wissenschaftlich
fundierte Studien zu verschiedenen Aspekten der Tibetfrage in Deutschland
leider noch immer nicht ausreichend zur Kenntnis genommen und verarbeitet
werden. Auch nicht von den hier vorgestellten Autoren.
Leichte Kost ist natürlich auch
Trimondis „Schatten des Dalai Lamas„ nicht. Bei einem wohlwollenden Blick
auf die gute Darstellung der Geschichte Tibets unter einem weniger verklärten
Blickwinkel, der kritischen Betrachtung der Aktivitäten der exiltibetischen
regierung und der ihnen leider oft nach dem Munde redenden Tibet Support
Groups sowie eine seit langem dringend nötige Zusammenfassung der
verklärten westlichen Tibetbilder, wie sie auf den Seiten 300 bis
etwa 460 bei Trimondis gegeben wird, bleibt als vehementer Kritikpunkt
die fragwürdige Interpretation einer esoterischen Schrift. Einmal
davon abgesehen, daß den Autoren der unmittelbare Zugang - infolge
Nichtbeherrschen des Tibetischen - zu den Originaltexten fehlt, und davon,
daß sie sich bei Ihrer Auslegung ausgerechnet auf die umstrittenste
aller Übersetzungen - jene von Grünwedel - stützten, muß
noch einmal betont werden, daß Nichteingeweihten das Verständnis
der Tantras - die als Geheimlehren abgefaßt wurden - selbst bei Kenntnis
der Sprache vorenthalten wird. Interpretationen dieser Texte aber, so interessant,
spannend und hilfreich sie sein mögen, müssen aus diesem Grunde
dennoch mit aller Deutlichkeit hinterfragt werden. Das hätten die
Autoren selbst tun sollen - wahrscheinlich hätten sie ihren Thesen
somit sogar mehr Nachdenklichkeit beschert.
Die kritiklose Übernahme scheinbarer
tibetisch-buddhistischer Werte, wie es Goldner zu recht immer wieder beklagt,
erinnert an das Aufsaugen westlicher Werte und Ideen in der chinesischen
Gesellschaft, nachdem die Wechselbäder der Kulturrevolution sie ohne
ideelle Werte hinterlassen hatte. Ähnliches gilt wohl auch für
(viele von) uns im Westen, wo zwar einerseits Werte propagiert werden,
die jedoch im geschäftsmäßigen, kapitalistisch orientierten
Alltag zumeist keine Rolle mehr spielen. Von daher kommt Goldner dem Erfolg
des Dalai Lama schon auf die Spur, wenn er ihm unterstellt, daß er
die Gelegenheit nutze, „einen Plan für die Lösung der tibetischen
Frage vorzulegen, mit dem sich die Verfechter der Gerechtigkeit auf der
ganzen Welt identifizieren könnten (...). Den Forderungen des Dalai
Lama läßt sich leicht beifall klatschen: es kostet nichts, verändert
nichts und vermittelt doch das gute Gefühl, auf der politisch und
moralisch korrekten Seite zu stehen." (S.239)
Von daher wäre es auch einmal
wünschenswert, die Rolle des Dalai Lama, und all dessen, was er tut
und - vermeintlich alleine - verantwortet, auch zu unserer Gesellschaft
in Beziehung zusetzen. Es ist mit Sicherheit sehr lobenswert, daraf hinzuweisen,
daß auch die Ideologien des tibetischen Buddhismus ihre Schattenseiten
haben, daß auch die Tibeter Menschen mit Schwächen und Machtstreben
sind, und vor allem, daß ein furchtbarer Prozeß der Dämonisierung
Chinas seit langem sehr erfolgreich ist; aber die ganze Verantwortung dem
Dalai Lama allein zu überantworten, ist dabei ebenso einfach wie falsch.
Zum einen wird die Rolle und Bedeutung der Mitherrschenden und -entscheidenden
dabei zu sehr heruntergespielt (Exilregierung, weitere bedeutende Lama-Inkarnationen);
und zum anderen werden die nach Erachten des rezensenten wichtigen und
sehr subtil wirkenden Ursachen und Motivationen in unseren Gesellschaften
völlig unter den Tisch gekehrt.
Es reicht nämlich nicht, den Tibet-Unterstützern
- von denen es solche mit sehr unterschiedlichen Motivationen gibt, die
sich mit, zugegebenermaßen allerdings nur geringügig, verschieden
lauten Tönen zu Wort melden. Beim Komplex der Schattenseiten des Dalai
Lama oder des tibetischen Buddhismus sollte nun einmal auch zentral die
Frage gestellt werden, wieso diese Art von „Propaganda" im Westen so erfolgreich
ist; nach Gründen und Ursachen gesucht werden. Ich bin mir sicher,
daß dabei ebenso viele „Leichen aus dem Keller" gehlt werden, wie
die Trimondis in den in den Klöstern gefunden haben wollen.
Zur Tibet-Rezeption im Westen gehört als wesentliche Grundlage nun
einmal auch die Konstitution, gehören die Befindlichkeiten: wie verlorengegangene
Utopien, politisches Machtstreben, das sich in einer Welt, die gerade einige
ihrer zentralen Feindbilder verloren hat, das vorhandene Bild eines Dämons
gern zu nutze macht; aber auch wirkliche Ideale und Hilfsbereitschaft bis
hin zur Benutzung des Themas für Ego-Trips und „Politische Selbstverwirklicher".
Ohne solche Betrachtungen kommt man dem Phnomen der Dalai Lama-Rezeption
bei uns wohl kaum auf den Grund.
Nichtsdestotrotz möchte ich noch
einmal betonen: das Anliegen aller Autoren ist verständlich. Auch
wer sich in Tibets Geschichte, der modrenen wie der alten, gut auskennt,
muß anerkennen, daß die Materialsammlung, die in beiden Büchern
zusammengetragen wurde, beachtlich ist und dem deutschen Lesepublikum eine
Fülle von wichtigen und auch nötigen Interpretationsmöglichkeiten
bietet, die es ind er gängigen Tibet-Literatur meist vergeblich suchen
wird. Daß sich die Autoren jedoch auf das selbe Niveau begeben haben,
wie die lautesten aus der Tibet-Unterstützer-Szene, die undiffernziert
den Dämon China zeichenen, ist mehr als fragwürdig. Es geht nicht
an, den einen Dämon durch einen anderen erstezen zu wollen.
Selbst wenn wir die heftigsten Interpretationen,
die ja wirklich meist nicht von ungefähr kommen, gelten lassen wollen,
so macht es uns spätestens der heftige Polemik, die beide Bücher
oft in einem unerträglichen Maße durchzieht, schwer, die Bücher
ernst zu nehmen. Und gerade das ist das Traurige: daß sich Autoren
offensichtlich sehr viel Mühe gemacht haben, die wesentlichen Grundlagen
für ihre Studien breit gefächert zusammenzutragen, und es dann
aber durch die Art und Weise ihrer Präsentation wahrscheinlich machen,
daß die, die es erreichen soll, sehr schnell wütend aus der
Hand legen. Solche Autoren sollten bedenken, daß die, die schon Ahnung
haben und ihre Gedanken nachvollziehen - wenn auch nicht immer ihnen zustimmen
- können, weniger zum Nachdenken angeregt werden müssen, als
jene, die dem auf dem Leim gehen, was sie zu recht beklagen.
Es bleibt zu hoffen, daß das
nächste Mal, wenn diese oder andere Autoren, diese Thematik erneut
aufnehmen und zu Recht problematiesieren, dies mit gleicher Sorgfalt, aber
mehr Sachlichkeit tun. Sie machen den selben Fehler wie viele der sogenannten
Tibet-Unterstützer: sie wollen dem Leser bereits sagen, was er zu
denken und zu glauben hat, anstatt ihm die Grundlagen zu liefern, mit deren
Hilfe er selbst entscheiden kann... daher: nicht weiter so, sondern: noch
einmal von vorne.
© Andreas Gruschke
|
|
Michael von Brück: Religion und Politik im Tibetischen Buddhismus. München: Kösel Verlag 1999, 240 S., DM 36,-
Noch nie ist der Buddhismus im Westen
so en vogue gewesen wie heute, und nach Informationen von Fachleuten soll
die Zahl der Anhänger der tibetischen Formen des Buddhismus im Westen
größer sein als die jeder anderen. Kein Wunder, daß die
Zahl buddhistischer Einführungen unüberschaubar groß geworden
ist, und fast schon muß man sich fragen, ob es noch Bedarf gibt für
neue Veröffentlichungen. Eine konzise Darstellung dessen, was der
Mensch im Buddhismus will und wie er dies umsetzt, stellt jedoch noch immer
eine Herausforderung dar. Immerhin unterscheiden sich nicht nur im Hinayana-,
sondern auch im Mahayana- und tantrischen Buddhismus eine Vielzahl von
Orden nach Lehrinhalten, deren Betonung sowie deren Deutung, nach Meditationspraktiken
und monastischer Organisation. Über den tantrischen Buddhismus in
seiner Ausformung als tibetischer Buddhismus haben die beiden Religionswissenschaftler
Regina und Michael von Brück ihre Einführung vorgelegt.
Da im tibetischen Buddhismus die meditative
Praxis eine zentrale Rolle spielt, räumen die Autoren ihr einen entsprechenden
Platz ein. Einen großen Teil nehmen in ihrem Buch daher die Beschreibung
der bzw. die Hinführung zur spirituellen Praxis, den damit zusammenhängenden
geistigen Prozessen sowie deren Erläuterung ein. Nicht nur weltanschauliche
Grundlagen, sondern auch wichtige Definitionen der wirksamen Bewußtseinskräfte
und -ebenen, die zugrunde liegenden mentalen Faktoren und in Frage kommende
Meditationsmethoden werden knapp, aber klar beschrieben. Lobenswert ist,
daß die Autoren kritische Anmerkungen nicht vergessen: „Westlichen
Meditationsbegeisterten ist oft nicht klar, daß hier eine Aufgabe
angesprochen ist, die man nicht im Vorübergehen lösen kann. Wer
den buddhistischen Weg des Geistestrainings gehen will, braucht Hingabe,
Geduld und Beistand in einem Maße, wie wir es uns kaum vorstellen
können."
Um den Einblick in den tibetischen
Buddhismus abzurunden, werden am Ende die für das System des Lamaismus
typischen Medienerscheinungen (Schamanen, Trance, Orakel) angesprochen.
Eigentlich unmöglich erscheint das Unterfangen, Nichteingeweihte in
einem solchen vergleichsweise dünnen Band nicht nur an die Oberfläche,
sondern wirklich näher an die Inhalte des tibetischen Buddhismus heranführen
zu wollen - und doch gelingt es in einem erstaunlichen Ausmaß. Mit
Blick auf den gelungenen Entwurf der religiösen Inhalte sind die generalisierenden
Skizzen zur Geschichte Tibets - die immer noch ausgewogener als manch umfangreichere
Abhandlung sind - verzeihlich. ...
Solches erkannt, beschäftigt sich von Brück im zweiten Teil
des Bandes im wesentlichen mit der modernen Zeit. Ein Kapitel, das die
Grundlagen und Problembereiche des Tantrayana in Tibet umreißt, ist
in beträchtlichen Teilen eine Reaktion auf die in ihrem Anliegen zwar
sehr wichtige, in ihrer inhaltlichen Durchführung oft aber phantastisch
über die Stränge schlagende Studie von Victor und Victoria Trimondi
(alias Roettgen: "Der Schatten des Dalai-Lama - Sexualität,
Magie und Politik im tibetischen Buddhismus". Düsseldorf: Patmos-Verlag
1999, 816 S, , DM 58,-). Einig sind sich beide Seiten wohl in ihrer Auffassung,
daß der Westen die Chancen und Gefahren von Deutungen und Fehleinschätzungen
der tantrischen Systeme nicht in angemessener Weise würdigt. Sind
jedoch die Trimondis überzeugt davon, daß der Tantrismus den
Lamas - insbesondere dem Dalai Lama - im Kern dazu diene, die Weltherrschaft
zu erlangen, führt von Brück mit seinen Deutungen wieder zu den
eigentlichen Anliegen des Buddhismus zurück - und vertritt dabei,
daß die Exzesse des tantrischen Systems aus der Schwäche der
Menschen resultierende Entgleisungen und daher nicht systemimmanent seien.
Ein umfangreiches Kapitel ist der Kontroverse um Dorje Shugden gewidmet,
einer Schutzgottheit, deren Kultus in der tibetischen Exilgemeinde und
der westlichen Gelugpa-Anhängerschaft viel Unruhe gestiftet hat. Zwar
rechtfertigt die Bedeutung dieser Schutzgottheit im Gesamtzusammenhang
der Religionsgeschichte Tibets einen solchen Umfang nicht, doch ist dieses
Kapitel bislang die einzige für eine breitere Öffentlichkeit
bestimmte Publikation, in der sich ein interessierter Leserkreis über
die Shugden-Kontroverse und ihre Hintergründe informieren kann. Als
einer der größten doktrinären Konflikte in der Geschichte
des modernen Lamaismus wird deren Kenntnis künftig wohl noch mehr
von Bedeutung sein.
Das abschließende Kapitel gibt Interviews mit dem Dalai Lama
wieder, in denen er zu Gewalt und Gewaltlosigkeit befragt wird, wie auch
zu Themen, die ökumenische Fragen betreffen sowie solche der Gedanken
des Dalai Lamas darüber, wie religiöse Anliegen weltweit politische
Kultur oder die Menschheit per se voranbringen könnten. Es stellt
sozusagen die tibetisch-buddhistische Synthese aus Theorie und Wirklichkeit
des Lamaismus dar. So interessant diese Ausführungen auch sein mögen,
ist doch zu bedenken, daß die Vorstellungen des Dalai Lamas allein
nicht den tibetischen Buddhismus - und schon gar nicht die daraus abgeleitete
politische Marschrichtung der Exilregierung - repräsentieren können.
Nicht nur ist der Dalai Lama lediglich eine - wenn auch für viele
die wichtigste - der höchsten Inkarnationen, sondern er ist ein Vertreter
einer einzigen der tibetischen Schulrichtungen, unter denen sich innerhalb
der vier Hauptschulen eine Fülle ihm nicht unterstehender, in der
Auslegung und Betonung der Inhalte sehr unterschiedlicher Orden finden.
Jenseits der zentraltibetischen Grenzen haben die von Gelugpa-Traditionen
unabhängigen Schulrichtungen durchaus ihre Eigenständigkeit bewahrt
und bemühen sich auf andere Weise, die Sektengrenzen überwinden
(wie z.B. in der osttibetischen Rime-Bewegung), als er dies zu tun wünscht.
Das wird bei der Publizität des heutigen Dalai Lamas gerne vergessen.
So ist als ein wesentliches Verdienst dieses Buches anzuführen,
daß es mit der Verklärung der buddhistischen Tibeter aufräumt,
daß es deutlich macht, daß auch in Tibet - wie andernorts auf
der Welt - die Verquickung von Religion und Politik regelmäßig
dazu geführt hat, daß religiöse Kerngedanken vergessen
oder ihnen zumindest zuwidergehandelt wurde. Ein wenig schmerzlich ist,
daß die Qualität der Darstellung, die insgesamt wenig vom Mythos
Tibet getrübt ist, durch eine starke Zentriertheit auf den Dalai Lama
andere Aspekte Tibets vernachlässigt und die modernen Tibeter in vieler
Hinsicht auf ihre bekannteste Führungspersönlichkeit reduziert.
Mit diesem Kritikpunkt im Hinterkopf kann dem vorliegenden Buch jedoch
überaus viel abgewonnen werden.
© Andreas Gruschke
|
|
Der Bucher Verlag bietet uns mit einem
Bildband an, eine solche Reise zunächst zu Hause auf dem Sofa zu machen,
geführt von der landeskundigen Autorin Bettina Winterfeld. Nicht nur
aus Sätzen wie „Ohne Zweifel machen die Begegnungen mit den Menschen
einen großen Teil des Charmes von Burma aus" macht sie uns deutlich,
dass sie sehr viel Zuneigung zu den Bewohnern des Landes hegt. Mit ebenso
liebevollem Blick dokumentiert der Fotograf Gerard Saitner die Vielfalt
der Region in farbigen, ruhigen Bildern, die etwas von der Ruhe und Verschlafenheit
vermitteln, die es in Burma noch gibt. Sachkundige Texte über Geschichte,
Gebräuche, Lebensart und Gesellschaft ergänzen die „Führung"
durch das Land. Einzig die Inhalte des Buddhismus sind - vor allem in Anbetracht
seiner enormen Bedeutung in Burma - etwas rudimentär erläutert.
Trotz malerischer Eindrücke fehlt
jedoch der kritische Blick auf das Regime des Landes nicht. Aber gemäß
dem Anspruch des Bandes, der ein touristischer ist und nicht politisch,
sind es nur wenige deutliche Worte. Alles wird idyllisch beschrieben -
was es für den Reisenden über große Strecken wohl auch
ist - und insgesamt wird nur wenig Problematisches angesprochen. Aber so
wie man in einer Liebeserklärung wohl kaum Dinge zu problematisieren
wünschte, muss man auch diese Liebeserklärung an das südostasiatische
Land sehen. Wer sich über heikle Hintergründe genauer informieren
will, wird ja kaum zu diesem herrlichen Bildband greifen, dessen qualifizierte
Texte, schöne Fotos und dazugehörige genaue Bildunterschriften
entweder auf eine Reise einstimmen oder eine solche nachvollziehen lassen
wollen. In einem solchen Rahmen lässt sich kaum vermitteln, welche
menschlichen Härten es in Burma gibt.
Nebenbei bemerkt muss darauf hingewiesen
werden, dass der interessierte Leser für solche Informationen - also
politische Hintergründe - zur Zeit eigentlich nur auf englischsprachige
Werke verwiesen werden sollte. Die einzige umfassend angelegte deutschsprachige
politische Landeskunde [Klemens
Ludwig: Birma. München: Verlag C.H. Beck 1997, 188 Seiten, DM
19,80,-] zeichnet sich zwar durch deutlicher - ja vehemente - kritische
Äußerungen aus. Es ist aber verfasst von einem Autor dessen
Landeskenntnis sich bei der Lektüre als oberflächlich erweist
und der keinerlei Liebe zum Land und/oder seinen Menschen auszudrücken
imstande ist. Aus diesem Grund hätte man sich hier vielleicht doch
ein etwas umfangreicheres Kapitel über die gesellschaftspolitische
Dimension gewünscht. In Ansätzen wäre auch eine Diskussion
darüber erfreulich gewesen, inwiefern der burmesische Traditionalismus
wie auch die ausgeprägte buddhistische Lebensform die Autokratie der
Militärs sogar begünstigt. Immerhin kann man aus Winterfelds
Texten herauslesen, dass Zwangsverpflichtungen zum Pagodenbau, wie die
Militärs es in heutiger Zeit tun, in der Geschichte des Landes nichts
Neues darstellen.
Wer also wachen Verstandes die in die
schönen Stimmungsbilder eingestreuten Hinweise auf das Regime wahrzunehmen
vermag, wird sich seine kritischen Fragen durchaus selbst formulieren können.
Wer solche Fragen selbst formuliert, kann sich zudem die Antworten darauf
bei einer hier angeregten Burma-Reise leichter selbst suchen. Dies ist
ohnehin besser, als dem Leser von vornherein zu sagen, was er zu denken
und zu glauben hat - wie es manche Autoren tun (wie in der oben genannten
Länderkunde). Was den Verfassern des vorliegenden Burma-Bildbandes
ein Anliegen ist, nämlich ihre Liebe zur Kulturnation Burma und ihren
Menschen zu vermitteln, kann daher als gelungen angesehen werden.
© Andreas Gruschke
|
|
Ganz anders geht daher Axel Michaels
in seiner umfangreichen Einführung an den Hinduismus heran. Bei über
700 Millionen Menschen, die verschiedene Formen hinduistischen Glaubens
praktizieren, kann es nicht bei einer Betrachtung der „heiligen Schriften"
und der Ritualistik und der Beschreibung der „Millionen von Göttern"
bleiben. Hier muß die Alltagspraxis einer Weltreligion geschildert
werden.
Schon zu Beginn des Buches wird klar,
daß es höchste Zeit für neue Herangehensweisen war - vor
allem, wenn bei der versuchten Beantwortung der Frage ‘Was ist Hinduismus?’
deutlich wird, dass dieser als zusammenhängende Religion von manchen
als ein Konstrukt des Westens in Frage gestellt wird. Ein solches Hinterfragen
muss auch erlaubt sein, wenn man erfährt, nach dem 1955 erlassenen
indischen Gesetz Hindu Marriage Act sei „ein Inder dann ein Hindu, wenn
er nicht einer anderen Religion angehört". Inder hatten sich selbst
bis in die jüngste Vergangenheit nicht als Hindus bezeichnet - es
ist eine Fremdbezeichnung, welche die Briten von den persischen Muslimen
übernahmen, um die nicht-muslimische Bevölkerung des indischen
Subkontinents zu bezeichnen.
Wie also beschreibt man eine Religion,
die wir zunächst durch Abgrenzung von anderen Religionen definiert
haben? Eine Religion, in der es weder den einen Religionsstifter, noch
nur eine kirchliche Institution oder ein religiöses Oberhaupt gibt?
nicht nur ein heiliges Buch oder eine Lehre oder ein religiöses Zentrum?
und damit keine einzige für alle verbindliche religiöse Autorität.
Schon diese Fragen machen deutlich, dass die sonst übliche Herangehensweise
bei der Betrachtung von Religionen beim Hinduismus so nicht fruchten kann.
Axel Michaels hält es für
geboten, „alte Zöpfe in Darstellungen des Hinduismus abzuschneiden".
Mit Recht verweist er darauf, dass die Indologie mit ihrer Selbstauffassung
als reine Philologie und der ausschließlichen Beschäftigung
mit alten Texten große Lücken bei der Bearbeitung kulturgeschichtlicher
Komplexe Indiens offen gelassen hat. Michaels möchte diese Lücke
zu schließen versuchen, indem er ethnologische Forschungsergebnisse
mit indologischen Erkenntnissen verknüpft. Das heißt, er rückt
den lebendigen religiösen Komplex des Hinduismus in den Vordergrund
und entgeht so dem Fehler, ihn mehr oder weniger ausschließlich über
seinen Schriften allein zu definieren: „Bei Ritualen wird zu oft von normativen
Texten statt der Praxis ausgegangen."
Dem interessierten Leser bietet Michaels
daher verschiedene Zugänge zum Hinduismus an. Diese gliedert er in
drei Teile, die sich 1. mit den theoretischen und historischen Grundlegungen,
2. der Bedeutung der Religion in der indischen Gesellschaft und 3. schließlich
mit den weltanschaulich-philosophischen Gedankengebäuden dieser Religionskomplexes
auseinandersetzen.
Sehr anschaulich und an vielen vor
Ort beobachteten Beispielen fängt der Autor die traditionell geprägte,
noch lebendige Alltagspraxis des Hinduismus und dessen Einfluß auf
die moderne indische Gesellschaft ein: Michaels beschreibt die Lebensstadien
der Kindheit und Sozialisation, die Initiationsriten, das Hochzeitsritual
und die religiösen Feste; er untersucht den Ursprung und die Auswirkungen
des Kastensystems, die Vorstellung von Raum und Zeit, von Tod, Wiedergeburt
und Erlosung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten.
Damit wird Michaels Buch über
den Hinduismus zugleich zu einer Studie über Rituale und sozio-religiöse
Identitätsbildung, das nicht nur in den Stoff einführen, sondern
auch mit einem bestimmten habituellen Denken und Fühlen vertraut machen
will. Damit haben wir über den gesellschaftlichen und religiösen
Komplex Hinduismus endlich einmal ein anspruchsvolles und spannendes Werk,
das uns nach der Lektüre nicht nur mit dem Befremden zurück lässt,
dass Indien eben wirklich anders sei, und das nicht - wie häufig die
üblichen Pressemeldungen - einen Exotismus des Schauderns bedient.
Hier eröffnet sich die Chance, das Fühlen und Denken der Menschen
in größerem Maße nachzuvollziehen und damit natürlich
auch einen besseren Zugang zu der zugegebenermaßen schwierigen Lebenswelt
der Inder zu finden.
© Andreas Gruschke
|
|
Nomadismus als eines der weltweit im
Rückzug, wenn nicht gar Verschwinden begriffenen Wirtschafts- und
Kulturphänomene erfreut sich in der heutigen Zeit mehr romantischer
Vorstellungen als wissenschaftlicher Bearbeitung, zumal in deutscher Sprache.
Überaus erfreulich ist daher die Abhandlung von Angela Manderscheid
über Nomaden in Osttibet.
Wie vielerorts haben die tibetischen
Nomaden gerade nach Gründung der sozialistischen Volksrepublik China
teif greifende Umwälzungen erlebt. Eines der wenigen Beispiele wissenschaftlicher
Aufarbeitung solcher Transformationsprozesse unter tibetischen Nomaden
sind die Arbeiten von M. Goldstein und C. Beall in Westtibet. Inzwischen
legte Angela Manderscheid nach mehrmaligen Forschungsaufenthalten in der
osttibetischen Präfektur Ngawa (Aba) in den Jahren 1989 bis 1992,
insbesondere dem bis heute schwer zugängliochen Kreis Dzamthang, eine
überaus interessante sozialgeographische Arbeit vor.
Ausgehend von einem Überblick
über den Forschungsstand und einer ausführlichen Betrachtung
des Untersuchungsgebietes setzt die Autorin die traditionelle Wirtschaftsweise
vor 1949 zu den mehrfachen Veränderungen seit der Einflussnahme Pekings
zueinander in Beziehung. Die nötige Differenzierung in den Tierhaltungssystemen
wird dabei ebenso geleistet wie auch die sukzessive Analyse der Folgen
von Kollektivierung und zentralistischer Verwaltung während des „Großen
Sprungs" und der Kulturrevolution, der Rückgabe der Herden in Familienbesitz
zu Beginn der 80er Jahre und neuerdings auch der stärkeren Marktorientierung.
Interessant ist in dieser Hinsicht der Versuch einer Modernisierung der
mobilen Tierhaltung, die den Nomaden eine wirtschaftliche Perspektive entwickeln
soll. Probleme der Überweidung, Winterfütterung etc. kommen dabei
gleichfalls zur Sprache.
Manderscheids pessimistisch anmutendes
Fazit, dass die bewährten Formen des nomadischen Wirtschaftens langfristig
verschwinden werden, ist weniger allein mit Blick uf die innerchinesische
Politik als vielmehr im Kontext der Globalisierung verständlich -
ist doch, wie die Autorin schon zu Beginn ihrer Abhandlung feststellte,
die nomadische Lebens- und Wirtschaftsweise in vielen Regionen der Welt
im Niedergang. Das wird dennoch viele Kulturromantiker nicht hindern, die
Veränderungen bei den Nomaden Osttibets als ein spezifisch chinesisches
Problem zu sehen, anstatt mit Staunen und Achtung auf die Anpassungsleistungen
der wirtschaftenden Tibeter an die moderne Welt zu schauen. Denn, auch
das schreibt Manderscheid, gerade auch durch die Veränderungen in
der „staatlichen Agrarpolitik, die nomadische Tierhaltung in China unter
der Leitidee einer marktorientierten Produktion zu verändern" (S.
XI) bietet sich für die nomadische Produktionsweise in Dzamthang überhaupt
erst die mittelfristige Überlebenschance. Die Autorin glaubt, „dass
die nomadische Lebens- und Wirtschaftsweise auf dem tibetischen Hochplateau
zunächst nicht, wie in anderen Regionen der Welt, völlig verdrängt
wird." (Zit. S. 191)
Das ist kulturkonservativ gesehen natürlich
nicht genug, doch können auch tibetische Viehzüchter nicht für
uns in einem überdimensionalen Freiluftmuseum ihre Kultur zu 100 Prozent
konservieren. Als langfristige Entwicklung hält Manderscheid daher
für möglich, dass aus den nomadischen Tierhaltern in (Ost-) Tibet
marktorientierte mobile Tierzüchter werden - möglichweise, aber
nicht zwangsläufig. Diese Prognose dort erscheint mir nicht pessimistischer
als andere hier, die den Umgang mit Umwelt, Natur und Kultur andernorts,
insbesondere bei bzw. durch uns im Westen, einer kritischen Betrachtung
unterziehen. Erfreulich ist in diesem Kontext, dass die Autorin sachlich
und unvoreingenommen an das schwierige Thema herangegangen ist: so wird
es zu einer interessanten, lohnenden Abhandlung, die über ihr wirtschafsgeographisches
Anliegen hinaus eine Fülle interessanter, ja spannender Details zum
Leben, Denken und Verhalten tibetischer Viehzüchterfamilien liefert.
© Andreas Gruschke
|
|
Über alle Zweifel erhaben jedoch
ist die ausgezeichnete Bilddokumentation der Wandmalereien im Oberstock
des Lükhang, eines den örtlichen „Wassergeistern" gewidmeten
Tempels, der unter dem 6. Dalai Lama zur Sühne für die beim Bau
des Potala erfolgte Zerstörung des Lebensraumes der Nagas errichtet
worden war. Der Tempel als solcher war gewiss nicht geheim, doch dürfte
sich dieser Begriff letztlich auf die in den Malereien vermittelten „Geheimlehren"
tantrischer Lehren beziehen, wie sie esoterische Lehrsysteme auszeichnen.
Wichtigstes Anliegen des Buches ist
wohl, den Leser und Betrachter zu den spirituellen Inhalten hinzuführen,
die auf den Wandmalereien im Oberstock des Lükhang ausgedrückt
wurden. Daher rührt auch sicher der instruktive Charakter der Bildauswahl,
die durch Bildwiederholungen in Form von Ausschnitten und vergrößerten
Details immer wieder die zentralen Motive und Inhalte repetiert. Zusammen
mit den übersetzten Texten gibt das sowohl Stimmung als auch Eigenheiten
tibetischer Lehrmethoden wieder, die als bildlich umgesetzte praktische
Anweisungen für den nach spiritueller Erfüllung strebenden Menschen
gedacht sind. Jedoch sollte nicht vergessen werden, dass im Zentrum dieser
Methoden der Lehrer, der Lama, steht, ohne dessen Einweisung mit Blick
auf die charakterlichen Eigenheiten des Schüler-Individuums weder
Betrachtung von Bildern noch die Lektüre der Tantras ein Fortschritt
in der tantrischen Praxis nicht möglich ist. Auf diese Problematik
weist der Dalai Lama sinnigerweise in seinem Geleitwort hin. Traditionelle
durften daher nur jene, die sich durch jahrelange Studien und Meditationen
mit einem erfahrenen Lehrer ausgewiesen hatten, in die Geheimnisse der
auf den Bildern des Lükhang dargestellten tantrischen Praxis eingeweiht
werden. Die Malereien bieten demnach allenfalls Hilfen und sind keinesfalls
als Grundlage der Meditationspraxis gedacht. Für die einfachen Gläubigen
in Tibet bedeutet das Betrachten allein der Bilder schon ein Öffnen
des Geistes für verborgene spirituelle Wahrheiten - hohe Lamas und
gelehrte Mönche sehen dies gewiss kritischer.
Einführend umreißt Baker
die Geschichte des kleinen Tempels, wie auch jene der Dalai Lamas. In einem
knappen Kapitel wird die Bildersprache der buddhistischen Kunst erläutert,
bevor die Malereien in drei Kapitel ausführlichst beschrieben und
gedeutet werden. Die große Detailkenntnis dieses Parts machen kleiner
Fehler schnell vergessen - S. 27: Baker folgt dem weit verbreiteten Irrtum,
die Vorgänger des 5. Dalai Lamas als Manifestationen des Bodhisattvas
Avalokiteshvara anstatt solche Manjushris zu bezeichnen; Vajrasattva ist
über weder, wie auf S.90 bezeichnet, einen Bodhisattva noch einen
Sambhogakaya-Buddha, wie es im Glossar heißt, sondern gehört
als Adibuddha („Urbuddha") der Sphäre des Dharmakaya an.
Baker veranschaulicht die Ikonografie
mit ausführlichen Erklärungen, ohne das philosophische Abstraktionsvermögen
des Lesers zu überfordern; gerade dieses Abstraktionsvermögen
ist es allerdings, das den Adepten im tantrischen Buddhismus auszeichnet
und diese Lehren so überaus diffizil erscheinen lässt. So schön
der Bildband ist, wird er daher einen interessierten Adepten nicht endgültig
zu den komplexen Wahrheiten des tantrischen Buddhismus hinführen können,
und wir müssen ihn als das nehmen, was er ist: eine ausgezeichnete
kunstgeschichtliche Dokumentation über den Lükhang. Für
alle, die sich mit tibetischer Mystik und Visualisationsmethoden befassen,
ist das ausführliche Bildwerk natürlich eine gute Ergänzung
ihrer Studien, vielleicht auch, so wünscht es zumindest der Dalai
Lama in seinem Geleitwort auch zu diesem Buch - allen Betrachtern eine
Quelle der Inspiration.
© Andreas Gruschke
|
|
Michel Jan beschreibt auf sympathische Weise und sachkundig die Geschichte der Großen Mauer im Wandel der Zeiten. Mit Blick auf die chinesischen Dynastien, durch sinnvolle und qualifizierte Endnoten ergänzt, macht sein Text diesen prächtigen 270-Seiten-Bildband nicht einfach nur zu einem Buch über die „Zehntausend Li lange Mauer", wanli chang cheng, sondern schon zum Entwurf einer knapp gehaltenen Zivilisationsgeschichte des Reichs der Mitte. Es gelingt ihm dabei, von westlichen Denkkategorien wegzuführen und hin zum Verständnis dessen, was „China" ist und „chinesisch" ausmacht. Auch wenn Jan den (westlichen) Begriff ‘Barbar’ (für das chinesische hu, das die ‘unzivilisierten Völker im Norden und Westen des Reiches’ bezeichnete) etwas strapaziert, macht er gleichwohl auf wohltuende Art deutlich, dass China gerade auch durch das Spannungsverhältnis zwischen den Ackerbau treibenden Menschen des Reiches der Mitte (zhongguo ren) und den nomadischen Reiterkrieger-Völkern an seiner nördlichen und westlichen Peripherie das geworden ist, was es ist. Kein Wunder also, wenn sich dies auch innerhalb der heute als Han bezeichneten chinesischen Bevölkerungsmehrheit widerspiegelt:
„In solchen spröden, asketischen Landschaften wie im Norden Chinas findet man zu allen Zeiten Menschen, die sich der strengen Natur angepaßt haben. Der Nordchinese hat sich an das einfache Leben und die rauhe Existenz gewöhnt. Groß, lebensvoll, herzlich und jovial, ein gutmütiger Zwiebelesser, ist er in jeglicher Hinsicht mehr Mongole, mehr Traditionalist als der Abkömmling jenes Bevölkerungsgewimmels um Shanghai mit den Hügeln und den Flußmündungen des Südens." (Zit. S. 20)Selten nur hat ein westlicher Autor die innere Verbundenheit der Chinesen mit ihren Minderheitenvölkern so gut ausgedrückt. Dieses Kosmopolitische der chinesischen Kultur schließt dennoch die ständigen äußeren Spannungen, Kriege, Gewaltakte und Verletzungen nicht aus, deren großartigstes Symbol die Große Mauer ist: Trennlinie der Lebensweisen und Kulturen wie auch ihre Nahtstelle: „Trotz aller Opfer war die Mauer immer nur eine ungefähre Grenze." (Zit. S. 39)
„Deine Mauer trennt nicht zwei Welten. Sie ist die Achse, an der sich unsere Einflußsphären begegnen und verbinden. Sie umfaßt einen am Rande liegenden Landstrich, wo sich unsere Leben in ihrer Unverletzlichkeit vereinen, ohne dass wir uns gegenseitig zerstören. In Dein Reich wie in mein Reich strahlt die Wirkung der Mischung unserer Kulturen in unser tägliches Leben hinein..." (Zit. S. 57)Solches einmal erfaßt, ist es nur konsequent, bei der Bildauswahl für einen Bildband über die Trenn- und Verbindungslinie Große Mauer nicht unmittelbar an den Grenzen Chinas halt zu machen. Qualitativ hochwertige Farbaufnahmen beschwören durch einfühlsam fotografierte Kunstwerke aus mehr als zwei Jahrtausenden - darunter Grabfiguren, Malereien und buddhistische Kunst - die Vergangenheit und lassen sie lebendig werden. Eingestreute Zeichnungen, kalligraphische Feinheiten und Gedichte runden diese in jeder Hinsicht gelungene bibliophile Kostbarkeit ab. Beeindruckende Fotos der Mauer der zu Recht berühmten Fotografen Roland und Sabrina Michaud wechseln sich so ab mit wie Gemälde wirkenden Landschaftsimpressionen der Steppe und des nordchinesischen Lösslandes wie auch aussagestarken Porträts von Han-Chinesen, Mongolen, Kasachen und Kirgisen und ihrer Lebenswelt. Dadurch fällt kaum auf, dass kaum Bilder der Mauer von außerhalb der Großregion Beijing-Datong aufscheinen, die Autoren dem Leser keine Einblicke in technisch-architektonische Details des gewaltigen Verteidigungswalls gewähren. Vielmehr porträtieren sie ihn als einen ruhigen und schönen Drachen, wie er sich in herrlichen Panoramen durch die Berge windet. Dabei finden einige sehr schöne Bilder Eingang - wie der so genannte „Hängende Palast am Grünen Felsen", bei dem es sich um einen buddhistischen Tempel im Taihang-Gebirge handelt - die ohne Kontext als schöne Motive eingefügt sind. Vielleicht hätte man sich überhaupt die wirklich vorzüglichen, ausführlich-inhaltsreichen Bilderläuterungen in die Nähe der betreffenden Fotos gewünscht. Doch hier scheint dem Rezensenten, das seine Ansprüche um sehr steigen, je besser das vorliegende Werk ist. Dies aber ist keine Frage: Dem Prachtband über die Große Mauer des Hirmer Verlages lässt sich wirklich nur widerstehen, wenn man die für diese Qualität nun einmal aufzubringenden 148,- DM nicht in seinem Geldbeutel findet. Er bietet alles, was man von einem anspruchsvollen Bildband dieser Preisklasse erwarten kann: traumhafte Bilder und Illustrationen, kennerhafte Hintergrundinformationen und Poesie gleichermaßen - kurz: ein Werk, das man immer wieder zur Hand nimmt, um sich von ihm in eine längst vergangene fremde Welt entführen zu lassen.
© Andreas Gruschke
|
|
Gerhard W. Schuster: Das Alte Tibet.
Geheimnisse und Mysterien. St. Pölten, Wien, Linz: NP Buchverlag 2000,
304 S., mit 25 Farb- und 20 SW-Fotos, kleinere SW-Illustrationen, DM 39,80
ISBN 3-85326-137-X
Eine Rezension, die von einem etwas anderen Standpunkt ausgeht, ist die Buchbesprechung des Schuster-Buches "Das Alte Tibet. Geheimnisse und Mysterien" vonè Victor und Victoria Trimondi.
Eine eigene Rezension des meines Erachtens
durchaus empfehlenswerten Buches erfolgt voraussichtlich nicht.
Andreas Gruschke
|
|
|
. Hoffmann, Carl-Heinz und Franz Aberham: Zanskar im Himalaya. Reise in die Gegenwart . Übersicht über alle von mir verfassten, im Internet verfügbaren Rezensionen |
|
|||||||
|
|
|
|
Laut
sind
Sie seit April des Jahres
2001
auf meiner Homepage der
Besucher Nr.:
|
|||||||
Mit einem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, daß man durch die Anbringung eines Links die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Für alle Links gilt: Ich möchte ausdrücklich betonen, daß ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe. Deshalb distanziere ich mich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. -DISCLAIMER-