Sven Ekdahl, Die „Banderia Prutenorum“ des Jan Dlugosz – eine Quelle zur Schlacht bei Tannenberg 1410. Untersuchungen zu Aufbau, Entstehung und Quellenwert der Handschrift. Mit einem Anhang: Farbige Abbildungen der 56 Banner, Transkription und Erläuterungen des Textes (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Philologisch-historische Klasse, Dritte Folge, 104), Göttingen 1976, S. 172:

Fol. 3v Abb. 3

[DURINK:] [Latitudo.] a) Longitudo.

Nota: banderium 1 hoc continet in longitudine tres ulnas cum quartali, in latitudine vero tres ulnas minus quartali.

[DLUGOSZ und HAND II:]  2 Banderium b) ordinis cruciferorum 3, quod Fridericus Vallerod c) 4 , magnus marsalcus Prussie, ducebat, nacione Francus et nobilitate insignis, qui pro armis cum sua familia defert fluvium cruce signatum et in galea gallum cristatum 5 ; qui in eodem prelio fuit occisus et in Mariemburk d) 6  reductus; patruus germanus Christoferi 7 episcopi Lubuczensis; sub quo erant milites de Franconia.


a)  von Hand II radiert und weiter nach links über das Fahnenfeld geschrieben; vgl. Anm. d.
b)  von Dlugosz später vorangestellt?
c)  e nachträglich übergeschrieben.
d)  zwischen Mariem und burk latitudo radiert; vgl. Anm. a.

1   Es handelt sich um einen Ganfalon, s. S. 132 ff. u. 139.
2   Vgl. DLUGOSZ, Hist. Pol. IV, S. 42: Item tertius Ordinis totius, cuius in campo albo lata crux nigra erat insigne; cuius ductor erat Fridericus de Wallerod Marsalcus Prussiae. [Übersetzung von Marie-Luise Heckmann: “Dasselbe gilt für das dritte Banner des gesamten Ordens, dessen Zeichen ein schwarzes Kreuz in einem weißen Feld war. Sein Träger war Friedrich Wallenrode, der Marschall von Preußen.“]
3   Vgl. das Wandbild in Lochstedt, wiedergegeben auf Abb. X im Haupttext.
4   Friedrich von Wallenrode, Oberster Marschallund zugleich Komtur von Königsberg (polnisch: Królewiec) 1407-1410. Gefallen bei Tannenberg.
5   Diese Angabe ist falsch, denn das aus Oberfranken stammende Geschlecht Wallenrode führte ein anderes Wappen, eine silberne, viereckige Schnalle im roten Feld; s. STREHLKE [Scriptores rerum Prussicarum IV], S. 14 Anm. 3, sowie B. JÄHNIG, Johann von Wallenrode [O.T. Erzbischof von Riga, königlicher Rat, Deutschordensdiplomat und Bischof von Lüttich im Zeitalter des Schismas und des Konstanzer Konzils (um 1370-1419), Bonn-Bad Godesberg 1970], S. Abb. 1 u. 15. Eine Verwechslung mit dem polnischen Wappen Srzeniawa (Fluß mit Kreuz) und dem der fränkischen Familie Rotenhan (Fluß mit Stern, auf dem Helm ein hahn) liegt vor. Zur Familie Rotenhan gehörte der weiter unten erwähnte Christopher, 1424-1436 Bischof von Lebus (polnisch: Lubusz).
Marienburg (polnisch: Malbork), Hauptburg des Deutschen Ordens in Preußen und Sitz des Hochmeisters von 1309 bis 1459.
Siehe Anm. 5.


Übersetzung: Marie-Luise Heckmann

“[Durink:] [Breite.] Länge.

Bemerke: Dieses Banner umfasst in der Länge drei Ellen mit einem Viertel, in der Breite aber drei Ellen weniger ein Viertel.

[DLugosz und Hand II:] Das Banner des Ordens der Kreuzträger, das der Oberste Marschall in Preußen, Friedrich Wallenrode, führte, welcher der Nation nach ein Franke und durch Adel ausgezeichnet war. Er trug mit seiner Familie als Wappen den mit einem Kreuz bezeichneten Fluss und auf dem Helm einen Hahn. Er wurde in jener Schlacht getötet und auf die Marienburg zurückgebracht. Der Oheim war ein leiblicher Bruder des Bischofs Christoph von Lebus. Unter ihm traten die Ritter aus Franken auf.“