deutschenglish

Bremer-Flagge (Speckflagge)

 

Zunächst besaßen nur die Erzbischöfe als Landesherren das vom Kaiser verliehene Recht, Münzen zu schlagen oder zu prägen, die sogenannte Münzhoheit. Anfangs wurden nur Pfennige in Silberwährung geprägt, von denen rechnerisch 12 auf einen Schilling (solidus), 20 Schillinge auf ein Pfund Silber gingen.

Aus dem frühen Mittelalter sind Denare - doppelseitig geprägte Pfennige - und im Wert geringere, nur einseitig geprägte Hohlpfennige (Brakteaten) erhalten.


Denar aus Bremen aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts (Jungk-Nr. 1) - Silber                    Brakteat aus Bremen zwischen 1148-1208 (Jungk-Nr. 7) - Silber


Im 14. Jahrhundert veränderte sich mit dem Einströmen fremder Sorten auch das bremische Münzwesen. Die französische und niederländische Münze, gros tournois, wird in den Münzwert aufgenommen. Der Groten (Mehrzahl Grote), der Groschen aus Tours, wird in Bremen heimisch. 32 Grote bilden den Rechnungsbegriff "Mark". Die "Schwaren" gehen auf die aus Westfalen stammenden "Dickpfennige" zurück. Sie erhielten im 14. Jahrhundert zum Unterschied von den heimischen leichten Hohlpfennigen den Namen "sware Pennige", schwere Pfennige. 3 Hohlpfennige gingen auf einen Schwaren, 5 Schwaren auf einen Groten. Die Erzbischöfe verpfändeten mehrfach ihre Münzhoheit an die Stadt Bremen, die schon im 14. Jahrhundert Grote, Witten (Vier-Pfennig-Münzen aus Silber) und Schwaren prägen ließ.


Witte aus Bremen zwischen 1369-1454 (Jungk-Nr. 378) - Silber

Schwaren aus Bremen zwischen 1369-1454 (Jungk-Nr. 390) - Silber

Groten aus Bremen zwischen 1369-1454 (Jungk-Nr. 398) - Silber


Nach Verleihung des eigenen Münzrechts an die Stadt, 1541 durch Kaiser Karl V., wurden Goldgulden, Taler, Grote in verschiedenen Werten und andere Sorten nach der Reichsmünzordnung geprägt.


Goldgulden aus Bremen von 1613 (Jungk-Nr. 402) - Gold
Taler aus Bremen von 1542 (Jungk-Nr. 433) - Silber
Groten aus Bremen von 1543 (Jungk-Nr. 863) - Silber


Nach dem 30jährigen Krieg (1618 - 1648) galt in Bremen 1 Reichstaler = 72 Grote, 1 Groten = 5 Schwaren. Grote und Schwaren blieben trotz vereinzelter späterer Goldprägungen bis zum 1. Juli 1872 die gängigen bremischen Münzsorten. Die Rechnung mit "1 Thaler Gold" (= 72 Grote) stellte nur eine ideelle Währung dar.

 

1/16 Reichstaler aus Bremen von 1642 (Jungk-Nr. 367) - Silber
2 Grote aus Bremen von 1646 (Jungk-Nr. 835) - Silber 24 Grote aus Bremen von 1666 (Jungk-Nr. 583) - Silber
1 Groten aus Bremen von 1743 (Jungk-Nr. 960) - Silber 1/2 Grot aus Bremen von 1781 (Jungk-Nr. 1103) - Silber
1 Schwaren aus Bremen von 1781 (Jungk-Nr. 1181) - Kupfer 2 1/2 Schwaren aus Bremen von 1820 (Jungk-Nr. 1107) - Kupfer
12 Grote aus Bremen von 1846 (Jungk-Nr. 1194) - Silber 6 Grote aus Bremen von 1857 (Jungk-Nr. 1196) - Silber


Rückseite: 1 Thaler Gold aus Bremen von 1863-1871 (Jungk-Nr. 1204,1206,1207) - Silber
Vorderseite: 1 Thaler Gold aus Bremen von 1863 (Jungk-Nr. 1204) - SilberVorderseite: 1 Thaler Gold aus Bremen von 1865 (Jungk-Nr. 1206) - SilberVorderseite: 1 Thaler Gold aus Bremen von 1871 (Jungk-Nr. 1207) - Silber

 

Im Jahre 1864 wurde zur Eröffnung der Börse in Bremen eine Silber-Medaille verausgabt, die den Thaler-Münzen sehr ähnlich sieht und heute oft als Münze bewertet wird. Es handelt sich aber meiner Ansicht nach eindeutig um eine Medaille, da die Wertangabe "EinThaler Gold" fehlt und stattdessen von "Gedenkthaler" die Rede ist. Zudem wurde Sie von Hermann Jungk, der alle bremischen Münzen und Medaillen 1875 katalogisiert hat, als Medaille deklariert.

 

Medaille: Junk-Nr. 54 - Silber; oft als 1 Thaler-Münze bewertet

 

Zu Beginn war es den einzelnen Ländern im Deutschen Reich noch gestattet zusätzlich zu den gemeinsamen Reichsmünzen eigene Münzen in der Reichswährung (1 Mark = 100 Pfennig) zu prägen. Die Rückseiten der Münzen mussten jedoch einheitlich sein und die Inschrift "Deutsches Reich" aufweisen. Von diesem Recht hat auch Bremen gebrauch gemacht. So wurden 1904 eine Silbermünze zu 2 Mark, 1906 eine Silbermünze zu 5 Mark und eine Goldmünze zu 20 Mark, sowie 1907 eine Goldmünze zu 10 Mark geprägt.

 

2 Mark aus Bremen von 1904 (Battenberg-Nr. 1) - Silber
5 Mark aus Bremen von 1906 (Battenberg-Nr. 2) - Silber
20 Mark aus Bremen von 1906 (Battenberg-Nr. 4) - Gold

 

Im August 1922 begann eine Wirtschaftskrise, die durch vermehrten Geldumlauf zur Inflation führte. Im Januar 1923 war 1 US-$ 1800 Mark und im Oktober 1923 sogar schon 40.000.000.000 Mark (= 40 Milliarden Mark) wert.

Mit der Währungsreform am 15. November 1923 wurde die Rentenmark eingeführt. 1 Rentenmark entsprach dabei 1.000.000.000.000 Mark (= 1 Billion Mark). Es galt nun 1 Rentenmark = 100 Rentenpfennig.

Am 1. März 1924 wurde Notgeld, das auf dem amerikanischen Dollar basierte, in Verbindung mit der Bremischen Schatzkammer ausgegeben. Dadurch sollte ein wertbeständiges Zahlungsmittel für Bremen geschaffen werden. Es handelte sich dabei um ein 5%-Dollar-Bündnis. Es gab Münzen zu 2, 5, 10, 20 und 50 Verrechnungspfenning sowie 1 Verrechnungsmark. Dabei galt 1 Verrechnungsmark = 100 Verrechnungspfennig (= 5 US-Cents). Das Notgeld wurde kaum verwendet und am 30. September 1924 wieder ungültig.

 

2 Verrechnungspfennige

 

Am 1. September 1924 wurde die Währungsbezeichnung Rentenmark und Rentenpfennig in Reichsmark und Reichspfennig umgewandelt. Es galt nun 1 Reichsmark = 100 Reichspfennige.

1927 fand die 100-Jahrfeier der Stadt Bremerhaven statt. Zu diesem Anlass wurden 2 Gedenkmünzen geprägt. Eine Silbermünze zu 3 und eine weitere zu 5 Reichsmark. Unten ist die Vorder- und Rückseite der 3-Reichsmark-Münze zu sehen. Die 5-Reichsmark-Münze ist bildgleich.

 

3 Reichsmark des Deutschen Reiches von 1927 (Battenberg-Nr. 49) - Silber

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg und noch vor der Gründung der Bundesrepublik Deutschland fand eine erneute Währungsreform in der Amerikanischen, Britischen und Französischen Besatzungszone statt. Bremen gehörte zur Amerikanischen Zone. Am 20. Juni 1948 wurden 10 Reichsmark gegen 1 Deutsche Mark eingewechselt. Es galt nun 1 Deutsche Mark = 100 Pfennig.

Im Jahre 1989 wurde zur 40-Jahr-Feier der Bundesrepublik Deutschland eine Münze verausgabt, die alle Wappen der damaligen 11 Bundesländer zeigte, darunter auch das bremische Wappen.

 

Deutschland 10 DM (1989) - Silber



Am 1. Januar 2002 wurde die Euro-Währung eingeführt. Man tauschte 1,95583 Deutsche Mark gegen 1 Euro. Seitdem gilt 1 Euro = 100 Eurocent (Cent).

 

Literatur

Die Bremischen Münzen - Münzen und Medaillen des Erzbisthums und der Stadt Bremen (deutsch)
(keine Abbildung)

Autor: Hermann Jungk
Jahr der Veröffentlichung: 1875
Inhalt: Alle 1218 Münzen von Bremen, die bis 1875 (1903) erschienen sind, werden in diesem Buch detailliert beschrieben und viele sind als Zeichnungen abgebildet. Einige dieser Zeichnungen sind auf meiner Homepage zu sehen (Münzen mit weißem Hintergrund). Auch alle bremischen Medaillen bis 1875 sind in diesem Buch enthalten.

 

Standard Catalog of German Coins - 1601 to Present, 2. Edition (englisch)

Buch: Standard Catalog of German Coins - 1601 to present, including colonial issues Autoren: N. Douglas Nicol & Colin R. Bruce II
Verlag: Krause Publications, Iola, USA, 1999
ISBN: 87341-644-9
Seitenzahl: 1064
Format: 215 x 276 mm
Inhalt: Alle deutschen Münzen von 1601 bis 1998 sind hier aufgelistet und viele davon abgebildet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Münzen-Seiten findest Du hier.

 

© Jörg Feldhusen
e-mail:  joerg.feldhusengmx.de

30.08.2003
08/30/2003

Für Inhalt und Richtigkeit der angegebenen Links übernehme ich keine Verantwortung. Dies gilt auch für eventuell entstandene Schäden.
I don't take the responsibility for contents and correctness of all links. This also applies to possible damages.