Über das Trekkingforum habe ich Christian kennengelernt. Gemeinsam wollen wir in den nächsten Tagen eine Watzmannüberschreitung versuchen. Christian hat vorgeschlagen, dass wir uns bei ihm treffen und am nächsten Tag gemeinsam das letzte Reststück bis zum Watzmann fahren. Das passt mir gut. Nach der Arbeit fahre ich gegen 15:00 Uhr in Leipzig los. Kurz nach 21:00 Uhr bin ich in Ach. Christian empfängt mich. Bei ein, zwei Weizen schwatzen wir noch bis gegen Mitternacht, bevor ich mich im Gästezimmer schlafen lege.
9:30 Uhr fahren wir los. Mein Auto parken wir auf dem Hauptparkplatz in Königsee. Von da fahren wir gemeinsam mit Christians Auto zum Parkplatz Wimbachbrücke bei Ramsau. 11:30 Uhr marschieren wir hier bei 620 m.ü.d.M. los in Richtung Watzmannhaus. Auf der Mitterkaseralm (1365 m.ü.d.M.), die wir 13:20 Uhr erreichen, machen wir 20 min Pause bei Buttermilch und kühlem Radler. Am Watzmannhaus (1.930 m.ü.d.M.) bin ich gegen 15:15 Uhr. (3:45h/1.310hm - Christian war eine halbe Stunde schneller)
Ich hab auf dem Watzmannhaus Betten reserviert. Es ist zwar angenehm wenig los, aber die Betten sind ausgebucht. Bei Speis und Trank genießen wir die Aussicht von hier oben und den wunderbaren Sonnenuntergang.
4:15 Uhr stehen wir auf. Am Vorabend haben wir uns bereits Frühstücksbrote geben lassen. 4:35 Uhr gehen wir los. Die Meisten schlafen noch und werden erst nach dem Frühstück ab 7:00 Uhr hier losgehen. Deshalb haben wir den Berg noch fast für uns allein. Außerdem nutzen wir so die wenigen kühlen Stunden bis zum Sonnenaufgang.
6:50 Uhr stehen wir am Gipfelkreutz des Hochecks auf 2.651 m.ü.d.M. (2:15h ab Watzmannhaus). Mittlerweile ist die Sonne aufgegangen und entwickelt schnell wieder ihre ganze Kraft. Nach kurzer Pause begeben wir uns auf den Steig zur Mittelspitze.
8:00 Uhr erreichen wir den höchsten Punkt des Watzmanns - die 2.713 m hohe Mittelspitze (3:25 h ab Watzmannhaus). Der Weg hierher ist gut markiert und zwar nicht durchgängig, aber an den meisten kritischeren Stellen versichert. Ich bin der erste, der heute den Gipfel erreicht hat.
Nach angemessener Pause machen wir uns an das schwierigste Stück der Überschreitung - den Steig von der Mittelspitze zur Südspitze. Anstrengend ist dieser Teil, weil man hier den tiefsten Punkt zwischen den Gipfeln erreicht und natürlich auf der anderen Seite fast genausoweit wieder hinaufsteigen muß. Dazu sind auf diesem Teilstück nun nur noch wenige Sicherungen vorhanden. Aber die atemberaubenden Tiefblicke in die mächtige Ostwand und auf der anderen Seite ins Wimbachgrieß entschädigen für alle Mühen.
9:45 Uhr stehen wir auf der 2.712 m hohen Südspitze (5:10 h ab Watzmannhaus) und genießen den Blick hinunter zu König- und Obersee und in die Ferne bis zum Großglockner. Da es wie auch schon in den vergangen Tagen sehr heiß ist, ist die Luft aber leider sehr dießig.
Wie sich nun zeigt, steht der härteste Teil der Überschreitung noch vor uns. Zwar geht es nun nur noch abwärts, aber die 1.400 hm bis hinab ins Wimbachgries ziehen sich ewig hin. Der Weg ist gut markiert und zu finden, aber durch Geröll und Schotter bei teilweise starker Steilheit unangenehm zu überwinden. Mit 1,5 l hatte ich meinen Getränkebedarf - insbesondere auch wegen der unheimlichen Hitze - deutlich unterschätzt. Zum Glück finde ich weiter unten ein kleines Schmelzwasserrinnsal, wo ich meine Flasche auffüllen kann.
14:10 Uhr erreiche ich die Wimbachgrieshütte auf 1.327 m.ü.d.M. (9:35 h ab Watzmannhaus) Christian ist wieder etwas eher da - ich muß wohl etwas mehr für meine Kondition tun. Mir tut alles weh, vor allem die Oberschenkel und Zehen.
Nach einer kleinen Mahlzeit verabschiede ich mich von Christian. Er muß heut noch nach Haus. Aber er sieht auch noch wie das frische Leben aus und wird die restlichen 10 km auf einfachem Weg durchs Wimbachgries bis zum Parkplatz in 1:35 h zurücklegen.
Ich bleibe in der Wimbachgrieshütte. Reserviert hatte ich nicht, aber Lager sind noch frei. Ich nehme eine leckere Goulaschsuppe und fülle meinen Flüssigkeitsbedarf mit einigen Maß leckeren Gerstensafts wieder nach. Leider gehört die Hütte nicht dem Alpenverein, so dass die Übernachtung hier ein etwas teures Vergnügen ist.
Heute muß ich zunächst zurück zu meinem Auto. Das steht in Königsee auf dem Parkplatz. Den Weg durchs Wimbachgries kenne ich schon. Deshalb werde ich nach St. Bartholomä gehen. 5:30 Uhr stehe ich auf. Ich hab sowieso nicht gut geschlafen weil es im Lager sehr warm war und mir alle Muskeln schmerzten. Frühstück gibt's in der Wimbachgrieshütte ab 8:00 Uhr. Deshalb hab ich mir gestern Abend ein Thermofrühstück hinstellen lassen, das ich jetzt zu mir nehme.
6:00 Uhr gehe ich los. Zunächst führt der Weg flach bergan durchs Wimbachgrieß, später etwas steiler hinauf zum Trischübel-Pass auf etwas über 1.800 m.ü.d.M.. Bergauf tat mir nichts weh, aber ab jetzt geht's bergab bis zum Königsee auf 603 m.ü.d.M.. Der Weg ist sehr idyllisch. Ich beobachte Gamsböcke und Murmeltiere.
Nach 5:24 h erreiche ich gegen 11:00 Uhr St. Bartholomä. Hier stärke ich mich mit einer Buttermilch und einer alkoholfreien Radlermaß. Anschließend kaufe ich mir ein Ticket und fahre mit dem Boot nach Königsee. Der Parkplatz ist nur wenige hundert Meter von der Anlegestelle entfernt. Am Auto ziehe ich mich um und kann endlich aus den Schuhen raus - die Zehennägel sind blau.
Ich mach mich auf die Heimfahrt über A8, Müchen, A9 nach Leipzig, wo ich gegen 20:00 Uhr wieder ankomme.