Krisenintervention
immer mehr gefragt


Viele nennen ihn nur KID - als Abkürzung für den Kriseninterventionsdienst des Deutschen Roten Kreuzes im Bodenseekreis. Nach drei Jahren Aufbauarbeit präsentierten Alexander Nikendei und Siegfried Wehrle nun die Frucht ihrer Arbeit. 78 Einsätze haben die 16 Ehrenamtlichen 2001 geleistet - 25 Prozent mehr als im Vorjahr, dabei haben sie 206 Personen betreut.

"Wir sind da, wenn Menschen plötzlich von schlimmen Lebensereignissen überrascht werden" - so umschreibt der Leiter des KID, Alexander Nikendei, das Einsatzgebiet. Intervention heiße in dem Zusammenhang unmittelbare Hilfe am Ort eines kisenhaften Geschehens. Das könne in der Zuwendung von Mensch zu Mensch bestehen, in der vorsichtigen Unterstützung beim Gewahrwerden des Unglücks, in der Begeleitung beim Abschiednehmen von verstorbenen Angehörigen, aber auch in der Hilfe bei der Aktivierung des eigenen sozialen Umfeldes. "Unsere Klientel sind Menschen, die momentan nicht in der Lage sind, traumatische Ereignisse zu verkraften, weil sie unter Schock stehen, weil sie keine Angehörigen und Freunde haben, die ihnen beistehen können oder kurzfristig niemand erreichbar ist", sagt Nikendei zur Zielgruppe.

Dass es immer mehr Menschen gibt, die diese Notfallnachsorge in Anspruch nehmen, machen die Zahlen deutlich. 78 Mal sind ehrenamtliche Mitarbeiter des KID im Vorjahr gerufen worden: 25 Mal zu Todesfällen nach erfolgloser Wiederbelebung, 14 Mal zu Verkehrsunfällen, zwölf Mal zu Suiziden bzw. Suizidandrohungen und zehn Mal, um eine Todesnachricht zu überbringen. Besonders belastend seien zwei Selbsttötungen von Kindern (unter 16 Jahren) gewesen. "Das geht auch an uns nicht spurlos vorüber", sagt Nikendei. Deshalb gilt beim DRK im Bodenseekreis die Devise: zu einem Einsatz geht es immer zu zweit.

Ohne Ausbildung geht beim KID nichts. Voraussetzung ist ein Kurs als Sanitätshelfer, ein Praktikum beim Rettungsdienst sowie die Teilnahme an monatlichen Gruppentreffen, an Fortbildungen und Supervision. Wer diesen "Dienst im Zeichen der Mitmenschlichkeit" übernehmen will, sollte sich auf die Reflexion über Sterben und Tod einlassen, sagt Alexander Nikendei.


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