Beiträge zur Schul- und
Musikgeschichte einer Provinzstadt: |
"Posten, Leichen- und Brautstücke" / "Alt-Bielefelder Chormusik" / Autor - Veröffentlichungen - Kontakt |
Schülerchöre an Lateinschulen und frühen Gymnasien sind facettenreiche Beispiele für die Wechselwirkungen zwischen Schul-, Musik- und Sozialgeschichte. Gleichwohl gerieten bisher nur prominente, z. B. die Thomaner, in das Blickfeld der Forschung, dagegen blieben die "normalen" Chöre in den kleineren Städten bedauerlicherweise im Dunkeln. Zu den letzten "Singechören" in Deutschland, die mit Umgängen, Chorgesang in den Kirchen, Leichenbegleitungen, Hochzeits- und andere Ständchen noch alle ihre traditionellen Aufgaben versahen, gehört die erst 1870 aufgelöste "Kurrende" am alten Bielefelder Gymnasium, dem heutigen Ratsgymnasium, an dem ich von 1960 bis 1990 Musik unterrichtete.
Im Archiv des Ratsgymnasiums heute Teil des Stadtarchivs befindet sich neben anderen Chorakten das "Korbuch" mit genauen Aufzeichnungen über Auftritte und Erträge der Chorschüler von 1780 bis 1870. Diese detaillierte Quelle gab den Anstoß zu einer Fallstudie über deren schulische und soziale Bedingungen unter dem Titel "Posten, Leichen- und Brautstücke Chorschüler im alten Bielefeld". Auszüge erschienen als Aufsatz "Kellerkinder und gemischtes Gymnasium" im 90. Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg. Was gesungen wurde, zeigt der originale Partiturband des Chores von 1772, der in einer Auswahl als "Alt-Bielefelder Chormusik" vorliegt (s. Liste der Veröffentlichungen).
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Detail aus
dem Gemälde des ehemaligen Chorschülers Theobald Kade: "Kurrende" um 1860 beim Singeumgang auf der Niedernstraße in Bielefeld |
| people.freenet.de/kurrende.ratsgymnasium.bielefeld | Ulrich Haase 2006 |