Der Religionswissenschaftler Alfonso di Nola meint: »Betrachtet man den Teufel ganz nüchtern, so ist er ein Nichts.«

Shakespeare lässt seinen Hamlet bemerken: »Der Teufel hat Gewalt, sich zu verkleiden in lockende Gestalt.«

Dafür, dass sie, nüchtern betrachtet, ein Nichts sind, treten die Erscheinungsformen des Bösen, des Widrigen und Bedrohlichen in der Tat in erstaunlicher Vielfalt auf: ob als teuflische Widersacher eines guten Schöpfergottes, dessen Ordnung sie systematisch zu zerstören suchen oder als ursprünglich mit ihm verbundene "gefallene Engel"; ob als Verführer und Verblender oder als Krankheit, Katastrophen und Tod bringende Dämonenschar; ob als Ankläger, Kritiker, Zweifler oder gar "lustige Figur"... Die Aufzählung ist keineswegs vollständig.

Paradoxerweise kann man leichter über Gott sprechen als über den Teufel. Wer Gott ist, meinen wir zu wissen: er hat sich offenbart, hat ein Gesicht, einen Namen. Der Teufel enthüllt sich seiner Natur nach eben nicht: er versteckt sich und gilt als "Meister der Illusion".

In den von mir an der Universität Bremen im Sommersemester 2001 und im Wintersemester 2001/2002 im Studiengang Religionswissenschaft/-pädagogik abgehaltenen Lehrveranstaltungen wollten sich Lehrender und Lernende gemeinsam auf die Suche begeben nach den Personifikationen des Bösen, wie sie in Gestalt von Teufeln und Dämonen durch die Jahrhunderte und bei vielen Völkern zu beobachten sind. Da diese Erscheinungsformen jedoch vielfältig sind - ein Bischof aus Tuscolo errechnete allein für das Christentum 133.306.688 - und die Zeit (wie immer) knapp bemessen war, sollte  es - so die Planung - in erster Linie den Teilnehmern der Veranstaltung obliegen, je nach Interesse und Absprache, eigene Schwerpunkte zu setzen, indem etwa die Teufelsvorstellung in einer bestimmten Religion thematisiert, gewisse Formen des sogenannten Volksglaubens erörtert, besondere Dämonen in den Mittelpunkt der Untersuchung gerückt oder unterschiedliche Reflexionen des Teufels etwa in Literatur, Kunst oder Musik behandelt wurden.

Dieser Vorschlag stieß auf große Resonanz, und nachdem im ersten Semester der Lehrende dominierte und vorrangig die Frage nach den historischen und kulturellen Wurzeln, Strukturen und Wandlungen der Vorstellung vom Teufel und des Bösen und dessen Ausprägung im abendländisch-christlich geprägten Kulturkreis im Vordergrund gestanden hatte, sollten in der Fortsetzungsveranstaltung die avisierten Beiträge der Teilnehmer im Mittelpunkt stehen. Ihren Bemühungen und ihren ganz unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen und den daraus resultierenden Diskussionen und Anregungen ist es zu verdanken, dass aus diesen zahlreichen und durchaus bunten Mosaiksteinen ein Bild zusammengesetzt werden konnte, welches nicht nur die Vielfalt der "Verkleidungen" der Teufels reflektierte, sondern auch geeignet war, der "Nüchternheit" der Betrachtungsweise entgegenzuwirken.

Dieses "Mosaik" soll nun auch hier präsentiert werden. Sowohl als ein Dank an die Teilnehmer der Veranstaltung für ihr Engagement und ihre Bemühungen, als auch als Form der Möglichkeit, die gemeinsam von Lehrendem und Lernenden gemachten Erfahrungen und Erkenntnisse, wie es heute so schön heißt, ein Stück weit zu teilen.

Mein Wunsch ist es darüber hinaus, dass diese Seite viele Leser finden möge, die nicht nur Informationen und Anregungen suchen, sondern auch Hinweise zur Ausbildungsvielfalt im Studiengang Religionswissenschaft/-pädagogik der Universität Bremen gewinnen wollen.

Dr. Manuel Kellner