Familiennamen
Entstehung der deutschen Familiennamen
Im frühen Mittelalter wurden nur Personennamen und Ersatznamen (oder Übernamen) an Stelle der Familiennamen verwendet. Die Adligen vererbten gewöhnlich die Namen ihrer Vorfahren, den Ortsnamen, wo sie lebten, oder den Übernamen, eine Tatsache, die später auch von den Bauern angenommen wurde 1). So wird vermutet, daß die deutschen Einwanderer die germanischen und christlichen Personennamen sowie einen Teil der Eigenschafts- und Berufsnamen aus der alten Heimat mitbrachten. Fritz Keintzel-Schön behauptet, daß nach der Einwanderung "sich der Beruf oft durch viele Geschlechterfolgen vererbte und gerade damit das Festwerden solcher Familiennamen veranlaßte" 2). Er setzt die Zeit dieses Festwerdens der siebenbürgisch-sächsischen Familiennamen zwischen 1373 und 1536; die amtliche Aufzeichnung der Familiennamen, also das Verbot der Namensänderung, wurde erst Ende des 18. Jhs. Durchgeführt 2).
Die Zeitspanne von der Einwanderung bis zum 15. Jh. ist also jene in der sich die einzelnen Ortsmundarten herausgebildet haben, und in dieser Zeitspanne hat sich auch die nderung mancher germ. Personennamen vollzogen, nach der die Familiennamen in einer ähnlichen Form wie heute entstanden sind.
In dem vorliegenden Kapitel werden außer den bekannten Meeburger Familiennamen des 20. Jhs. auch jene in Betracht gezogen, die im 15. und 16. Jh. urkundlich erwähnt sind und vom Historiker Gernot Nussbächer mit den Urkunden veröffentlicht wurden, jene die im 17. und 18. Jahrhundert nach Schäßburg auswanderten (aus Gustav Schotsch, Schäßburger Gymnasial Programm 1908-1909; Gustav Arz, Series Pastorum, 1955), sowie jene, die 1836 der Meeburger Gemeindehann im Steuerregister eintrug. Die Bildung der Namen haben sind vor allem dem etymologischen Wörterbuch von Friedrich Kluge, dem kleinen Vornamenbuch von Karl Paul und der bekannten wissenschaftlichen Arbeit von Fritz Keintzel-Schön über die siebenbürgisch-sächsischen Familiennamen entnommen - Arbeiten, die umstandshalber in den Anmerkungen nicht immer wieder aufgeführt werden.
Es ist fast sicher, daß in den vorigen Jahrhunderten das Bild der Meeburger Familiennamen anders aussah, als wir es uns heute vorstellen; denn manche Namen sind wahrscheinlich schon damals ausgestorben und uns also nicht bekannt, andere hinzugekommen und wenn sich auch manche die Jahrhunderte hindurch erhalten haben, war ihre Form nicht immer dieselbe. Das bezeugen auch die Familiennamen, die 1836 in Welters Steuerregister verschiedenartig aufgezeichnet sind: Veinholdt/Weinholdt, Helvig/Hellvig, Miller/Miler, Seiler/Seiller, Kraft/Krafft u. a. Heute wird der Familienname Broos nicht mehr mit ß (Broß) geschrieben, der Familienname Sift kommt 1836 nur mit doppel-f (Sifft) vor und Welter ist ohne h verzeichnet, im Gegensatz zu dem anderer siebenbürgischen Gemeinden.
Nach ihrem Ursprung werden die Meeburger Familiennamen in sechs Gruppen eingeteilt:
a) Familiennamen aus germanischen Personennamen
b) Familiennamen aus christlichen Personennamen
c) Familiennamen aus Berufsnamen
d) Familiennamen aus Herkunfts- und Wohnstättennamen
e) Familiennamen aus Eigenschaftsnamen
f) andere Familiennamen
Zur Lautschrift:
é = wie in den Endungen der Wörter gehen, laufen,
y = wie in myna (rumänisch Hand),
sh stimmhaftes sch
a) Familiennamen aus germanischen Personennamen
Wie schon erwähnt, sind die deutschen Personennamen vorwiegend aus der deutschen Urheimat mitgebracht worden, und im Laufe der Zeit entwickelten sich daraus die Meeburger Familiennamen, von denen uns heute zwölf bekannt sind.
Berthliff (Thomas Berthliff) und Berthleff (Anthonius Berthleff - Ortshann) wurden in einer Urkunde von 1476 verzeichnet, kommen jedoch später nicht mehr vor. Beide entstammen dem germanischen "berth" = "hervorragend" und "hliff" oder "hleff" = "Hilfe".
Folberth (Folbért) ist ein alter Meeburger Familienname. Er stammt wahrscheinlich aus dem germanischen Personennamen Olberthus also von Albert; germ."adal" = "Edelmann, Adliger", germ."berth" = "hervorragend".
Frietsch wird 1836 zu den "Extraneorum" gezählt, also zu den Auswärtigen, die nicht im Dorfkern wohnten und wahrscheinlich zugewandert waren. Bis vor Kurzem kam er in der Nachbargemeinde Arkeden vor und entstammt wahrscheinlich dem Personennamen Fritz.
Hain: Ein Vorfahre der Familie Hain ist im 18. Jh. als Schumacher aus Schäßburg nach Meeburg eingewandert. Er stammt von dem Personennamen Heinrich (vgl. althochdeutsch "heim" = "Heimat", ahd."richi" = "mächtig").
Hermann wird in Meeburg 1836 verzeichnet ("Extraneorum"), doch der heute bekannte wandert erst nach dem II. Weltkrieg aus Arkeden ein. Er entstammt dem PN Hermann; ahd."heri" = "Heer", "man" = Mann. Im Jahre 1223 wird "villa Hermani" - Hermannstadt - erwähnt.
Hellwig (Healwich), ist angeblich wie auch Folberth ein alter Meeburger Familienname. Zuerst wird er in einer Sage vom Anfang des 18. Jahrhundert erwähnt (ein Meeburger Hellwig war Richter in Reps). Er entstammt dem Personennamen Hiltwig; ahd."hilt" = "Kampf", "wig" = "Streit".
Hietsch (Hyitsch) wird in Meeburg auch verzeichnet, doch stammt er angeblich aus der Nachbargemeinde Radeln, von wo er 1623 auch nach Schäßburg einwandert, wie aus dem Schäßburger Gymnasial Programm bekannt. Er entstammt wahrscheinlich ebenfalls dem Personennamen Hiltwig.
Krafft (Kroaft) ist ein alter Meeburger Familienname, der aus dem alten PN "Kraft" = "Kraft, Macht" hervorgegangen ist.
Lamprecht wird 1836 nicht verzeichnet, ist also wahrscheinlich später eingewandert. In der Gemeinde wurden für ihn die Ersatznamen Hansen (Hantsén) und Merten (Méetén) verwendet, bis er nach dem II. Weltkrieg nach Schäßburg auswanderte. Lamprecht stammt von Lampertus; ahd."lant" = "Land, Gut, Gegend", germ."berth" = "hervorragend".
Sifft/Sift: Auch Sifft ist ein älterer Familienname, der 1836 öfter vorkommt. Er ist ein Beweis dafür, daß die Vorfahren Siebenbürgens aus einer Gegend kamen, wo das "Nibelungenlied" - der Held Siegfried - noch wach in ihrem Gedächtnis war. (Burgund ist heute eine französische Provinz.) Heute da auch der Meeburger Familienname Sift (mit einem f) verbreitet ist, wird für Sifft der Ersatznamen Möllnersch (Möéllnérsch) verwendet. Sifft, Sift ist aus Siegfried entstanden; ahd."sigi, sigu" = "Sieg, Macht", "fridu" = "Schutz, Friede".
Weinhold: Für den Familiennamen Weinhold (1836 auch Veinholdt) wird der EN Thumes (Thumés) verwendet. Weinhold stammt vom germanischen PN Vinevold; ahd."vini" = "Freund", germ. "walden" = "besitzen".
Welter war, wie erwähnt, der Hann Meeburgs im Jahre 1836, der das wertvolle Steuerregister angelegt hat, wo alle Steuerzahler der Ortschaft (auch Rumänen, Sekler und Zigeuner) von 1836 und 1837 verzeichnet sind. Der Familienname ist in Meeburg aber noch im vorigen Jh. ausgestorben. Welter stammt vom germanischen Waldharus; germ."walden" = "besitzen", ahd."heri" = "Heer".
b) Familiennamen aus christlichen Personennamen
Aus christlichen Personennamen sind nur folgende Familiennamen in Meeburg bekannt:
Andreae war der Name des Meeburger Predigers um 1630. Er entstammt dem Personennamen Andreas (siehe weiter unten).
Broos (Bréus) ist der einzig ältere Meeburger Familienname, der aus einem christlichen Personennamen gebildet und heute noch erhalten ist. Er ist nicht von dem Ortsnamen Broos - zu dem Meeburg früher anscheinend keine Verbindung hatte - abzuleiten, sondern vom lat. PN Ambrosius; grch."ambrosios" = "unsterblich".
Kleisch: Im Jahre 1476 werden zwei geschworene "Burger", Michael und Petrus Cloy aus Meeburg, erwähnt. 1536 wird der Meeburger "Borger" Petrus Klösch in einer Urkunde verzeichnet. 1836 wird jedoch kein ähnlicher Name vermerkt. Heute gibt es allerdings den Flurnamen Klosberg. Vor dem I. Weltkrieg wanderte der Seilmacher Wilhelm Kleisch nach Meeburg ein, und zwar aus Schäßburg, wo der Name schon 1620 vorkommt. 1941 stirbt dieser Seilmacher und mit ihm auch der Familienname, jedoch bleibt der Ersatzname Willen (Wilén) erhalten. Alle obengenannten Familiennamen deuten auf den Personennamen Nikolaus hin; grch. Nike = "Sieg" (auch die grch. Siegesgöttin), "laos" = "Volk".
Steffendt: 1836 wird der Familienname Steffendt zu den "Extraneorum" gezählt. Wahrscheinlich war er aus der Schäßburger Gegend eingewandert, weil er noch vor kurzem in Wolkendorf und Neithausen vorkam. Heute ist er als Meeburger Familienname nicht mehr anzutreffen, doch es gibt noch den Ersatznamen Steves (Stéiwés), der sich wahrscheinlich aus der mundartlichen Aussprache des Familiennamens gebildet hat. Steffendt stammt vom lat. Stephanus; grch."staphanos" = "Krone".
Zerwes: 1927 ist der Familienname Zerwes aus Zeiden nach Meeburg eingewandert. Da im Burzenland ist er schon 1536 als Czyrwis anzutreffen. Im allgemeinen war Zerwes im Burzenland verbreitet (1549 Cerwes in Großau; Cyrwes in Tartlau und Honigberg). Der Familienname Zerwes entstammt dem lat. Personennamen Servatius.
c) Familiennamen aus Berufsnamen
Aus den Berufsnamen sind ebenfalls zwölf Familiennamen entstanden, doch im Gegensatz zu denen aus germ. Personennamen sind mehrere erst in 20. Jh. nach Meeburg eingewandert.
Binder (in der Ortsmundart auch als Böéner -in der starken Genitivform: Böénérsch - bekannt) ist ein alter, früher häufig vorkommender, Meeburger Familienname. Mit ihm wurde in Siebenbürgen der Faßbinder bezeichnet. Früher entstand aus dem Berufsnamen in Meeburg auch der FN Bedner.
Deppner ist 1961 aus Arkeden nach Meeburg eingewandert und ist die siebenbürgische Mundartform für Töpfer.
1982 war aus Stein der FN Graef nach Meeburg zugewandert. So wurde früher der Ortsrichter in Nordsiebenbürgen genannt.
Köchler: Ein Köchler ist gemäß des Schäßburger Kirchenbuches im Jahre 1782 aus Meeburg ("Bene"), nach Schäßburg eingewandert. In Meeburg wird er allerdings nicht verzeichnet, jedoch ist heute noch der Ersatzname Kochen (Kéuchén) anzutreffen.
Kramer: Nach dem I. Weltkrieg ist der Familienname Kramer (Kleinhändler) aus Marienburg bei Kronstadt nach Meeburg gekommen. Dieselbe Frau führte auch den Familiennamen Weber ein (den Namen ihres ersten Mannes, von dem sie noch nicht geschieden war). Die späteren Namensträger, die beiden Söhne, wanderten nach dem II. Weltkrieg aus Meeburg nach Hermannstadt aus.
Müller: Der Familienname Müller ist früher in Meeburg häufig vorgekommen und wird schon 1467 erwähnt (Jacobus Müller, Michael Müller); 1952 ist er ausgestorben. In der Mundart wurde er durch Palén ersetzt.
Miller: Auch Miller wird 1836 erwähnt, ist jedoch vor dem II. Weltkrieg ausgestorben. Er ist die nordsiebenbürgische Form von Müller.
Schuller ist ein alter, früher sehr häufiger Meeburger Familienname. Deshalb hatte er verschiedene ma. Formen und früher auch mehrere Ersatznamen. Im allgemeinen war der Familienname Schuller - seine latinisierten Formen Schullerus und Schulleri eingerechnet - in Siebenbürgen sehr verbreitet, was auf das Bestehen des siebenbürgisch-sächsischen Schulwesens im Mittelalter hindeutet; Schuller < Schullehrer.
Schuster: Auch Schuster ist ein alter Meeburger Familienname, der in Siebenbürgen den Schuhmacher bezeichnete. Er ist 1981 nach Deutschland ausgewandert.
Seiler, ebenfalls ein alter Meeburger Familienname, der uns zum Beruf des Seilermeisters zurückführt, ist 1908 ausgestorben. Heute ist nur der Ersatzname Seiler erhalten.
Wagner: Der Familienname, der in den letzten Jahren am häufigsten vorkam, ist Wagner (in der Mundart auch als Wéuhnér bekannt). Er wurde von dem Wagenmacher abgeleitet und hat viele Ersatznamen.
d) Familiennamen aus Herkunfts- und Wohnstättennamen
Sechs Meeburger Familiennamen sind aus Herkunfts- und Wohnstättennamen entstanden.
Amort ist der einzige Familienname aus einem Wohnstättennamen, der im 19. Jh. nach Meeburg einwanderte. Nach dem I. Weltkrieg ist er jedoch wieder ausgewandert; Amort < an der Ecke.
Dutsch: 1536 wird ein Thomas Dutsch aus Meeburg erwähnt, doch wird der Familienname später nicht mehr verzeichnet. Dieser Familienname Dutsch deutet auf die einstige (deutsche) Urheimat der Siebenbürger Sachsen hin, denn gewöhnlich wurden diese nach der Einwanderung auch als Deutsche oder Teutonen bezeichnet.
Katzendörfer: 1682 soll ein Georgi Katzendörfer aus Meeburg nach Schweischer durch Einheirat zugewandert sein. Sein Familienname deutet auf die benachbarte Gemeinde Katzendorf hin.
Meburger: 1836 wird ein Lukas Meburger, "cantor", in Welters Steuerregister verzeichnet. Um die letzte Jahrhundertwende war noch ein Tischler aus Schäßburg in die Gemeinde eingewandert, der ebenfalls den Familiennamen Meburger führte. Der heute erhaltene Familienname Meburger (Méibrijér) ist in der 2. Hälfte des 19. Jhs. aus Draas nach Meeburg eingewandert (sein Besitzer war der Predigerlehrer Johann Meburger). Er deutet darauf hin, daß der erste Namensträger früher mal aus Meeburg auswanderte. Zwischen 1615 und 1668 waren in Schäßburg, gemäß dem "Schäßburger Gymnasial Programm" von 1908, die Familiennamen Meburger, Meiburger, Mehebürger, Mehberger und Mebriger vorhanden. 1717 soll ein Michael Meeburger aus Meeburg nach Schweischer eingewandert sein.
Tortler ist, laut dem Schäßburger Kirchenbuch, 1666 aus Meeburg nach Schäßburg eingewandert und wird danach auch nicht mehr erwähnt. Tortler entstammt dem siebenbürgisch-sächsischen Ortsnamen Tartlau oder Tarteln.
Zultner wanderte Ende des 19. Jhs. aus der Nachbargemeinde Radeln nach Meeburg ein. 1536 ist der FN Zoltend ebenfalls aus Radeln nach Schäßburg eingewandert. Am Anfang des 20. Jhs. ist Zultner in Meeburg dann ausgestorben. Zultner stammt von Zoltendorf, eine Ortschaft neben Schäßburg.
e) Familiennamen aus Eigenschaftsnamen
Aus verschiedenen Eigenschaftsnamen sind ebenfalls zwölf Familiennamen entstanden.
Duffner: 1476 wird ein Meeburger Jakobus Duffner in einer Urkunde erwähnt. Man kann heute nicht genau sagen, wie der Familienname entstanden ist, er könnte allerdings der ma. Form taub ("dyuf") entstammen. Später wurde er nicht mehr verzeichnet.
Ehrlich ist 1962 aus Arkeden nach Meeburg eingewandert. Er kommt in Siebenbürgen selten vor.
Grennert: 1476 ist ein Michael Gremmer oder Grenner Ortshann in Meeburg. 1836 wird der Familienname Grennerth (Greanért) verzeichnet; also war er wahrscheinlich ein alter Meeburger Familienname, der 1946 ausgestorben ist. Der Name deutet auf das Verhalten oder auf die Redensart seines ursprünglichen Besitzers hin; mhd. "grennen" = "weinen".
Klein kam 1836 am häufigsten vor und war unter anderem für die Organisten-Verwandtschaft kennzeichnend (siehe > Ersatznamen).
Kraus: Der Familienname Kraus wird 1836 mit "ß" geschrieben. Kraus ist vom gewellten oder auch zerzausten Haar abgeleitet.
Risch (Rüsch) war in Meeburg im 20. Jh. ebenfalls ein häufig vorhandener Name. 1836 wird er erwähnt und soll früher aus Radeln eingewandert sein. 1480 wird in Hermannstadt der Familienname Rwsch verzeichnet. Wahrscheinlich wurde der Name ursprünglich für einen Menschen gebraucht, der viel und laut sprach oder viel Lärm machte; (Risch < rauschen).
Roth: Der Familienname Roth (Ruét) ist in ganz Siebenbürgen häufig anzutreffen. Seine ältere Form, Ruffus, wird in der Meeburger Urkunde von 1476 erwähnt. In der Meeburger Mundart wird "Ruét" nur vor dem Personennamen ausgesprochen, während in Meeburg "Réut" nur als alleinstehender Familienname, oder vor dem Ersatznamen gebraucht wird ("Ruét Hoénnes" und "Réut eam Wanjtchél"). Er wurde früher wahrscheinlich von der roten Haut- oder Haarfarbe abgeleitet.
Schell: 1536 ist ein Georg Schellem Ortshann in Meeburg. 1689 wandert ein Schelem aus "Bene (Meburg)" nach Schäßburg aus. 1836 wird der Familienname Schell mehrmals verzeichnet. Heute ist auch der Flurname Schelmesgraben ("Schalmésgréuwén") in Meeburg bekannt. In der Mundart wird die alte Form, "Schalmés", oder "Scheal" für Schell verwendet. Die Familiennamen Schellem und Schell entstammen dem mhd. schelme = "Verführer, durchtriebener Mensch".
Schwartz: 1836 wird auch der Familienname Schwartz erwähnt, doch ist er später ausgestorben. Ursprünglich wurde er wahrscheinlich für einen Menschen mit dunkler Hautfarbe verwendet.
Stall: Der einstige Familienname Stall ist auf das Verhalten seines ursprünglichen Trägers zurückzuführen. Gemäß dem Schäßburger Kirchenbuch wanderte der Name 1617 von Meeburg nach Schäßburg ein. Auf einer Hermannstädter Namensliste von 1722 ist der Familienname Staller verzeichnet; ma. stal = "still, ruhig".
Tusch/Toscha: 1476 wird in einer Urkunde ein Georgius Toscha und 1536 ein Meeburger Einwohner Benedictus Toscha erwähnt (G. Nussbächer). 1661 soll von Meeburg der Familienname Tusch nach Schäßburg eingewandert sein (Schäßburger Kirchenbuch). Alle Formen deuten wahrscheinlich auf den Charakter des ursprünglichen Trägers hin. Später wurden die Familiennamen nicht mehr verzeichnet. Toscha, Tusch entstammen dem mhd. tuschen = "unwahr reden, lügnerisch versichern".
West: Ein alter Meeburger Familienname war auch West (Weuöst), der 1836 als Vest eingetragen ist und in der Mundart auch in seiner schwachen Genitivform ausgesprochen wurde (Weuöstén). Ursprünglich wurde er den Leuten gegeben, die sich an einer leeren, wüsten Hofstelle ansiedelten. Er ist in der Nachkriegszeit im 20. Jh. ausgestorben.
f) Andere Familiennamen
sind jene, die von deutschen Bewohnern getragen wurden, jedoch gewöhnlich Übersetzungen sind, oder die sich schwer in eine der genannten Gruppen eingliedern lassen, weil ihre Herkunft unbekannt ist.
Czill: Der in Meeburg geborene Thomas Czill war nach seiner Tätigkeit als Katzendorfer Prediger zwischen 1605-1611 Meeburger Pfarrer. Von wo der Name abstammt, ist ungewiss; heute kann man jedoch diesbezüglich auf den Meeburger Flurnamen "Zwill" aufmerksam machen.
Grith: Zu einer der erwähnten Gruppen von Familiennamen aus Personennamen könnte auch der Meeburger Familienname Grith gezählt werden. 1476 wird in einer Urkunde ein Meeburger Martin Grith erwähnt. Wahrscheinlich ist er aus dem Personennamen Grete, also Margarethe, entstanden. Er könnte aber auch vom PN Gertrud (Giérd) abstammen.
Kovacs ist am Anfang des 20. Jhs. aus dem seklerischen Nachbardorf Musna nach Meeburg eingewandert und durch Einheirat im Jahre 1923 in die sächsische Gemeinschaft eingetreten; magy. kovacs = Schmied.
Thott: 1476 wurde der Meeburger Bürger Johannes Thott verzeichnet, ein Name, der später jedoch nicht mehr vorkommt. Der Familienname stammt jedoch nicht von dem deutschen Wort "tot" ab, sondern von der einstigen Benennung der Slovaken die in Ungarn lebten.
Tsonta: 1836 und 1837 werden die Familienname Tsonta und Csonta verzeichnet. Beide entstammen dem magy. csont = Knochen und konnten ursprünglich für einen mageren, "knochigen" Menschen, oder auch einen Knochensammler gebraucht werden.
Es sind noch mehrere Familiennamen mit den Meeburger Pfarrern und Predigern in die Gemeinde eingewandert, allerdings meist nur für eine kurze Zeit, so daß diese Familiennamen da sozusagen nicht ansässig wurden (siehe das Verzeichnis der deutschen Pfarrer und jenes der Prediger und Lehrer unter dem Menüpunkt > Kirche).
Ein Vergleich zwischen den Familiennamen, die aus germ. Personennamen und jenen, die aus christlichen entstanden sind, widerspiegelt den viel größeren Anteil der germ. Personennamen bei der Entstehung der Meeburger Familiennamen. Wenn man den FN Grith wegen seines unsicheren Ursprungs ausschließt und bedenkt, daß Kleisch, Steffendt und Zerwes nur im 19. und 20. Jh. zugewandert sind, bleiben nur noch Andreae und Broos übrig, woraus man schließt, daß sich in der früher abgelegenen Ortschaft Meeburg die Familiennamen aus alten germ. Personennamen über Jahrhunderte hinweg erhalten haben (wie auch andere Wörter) und daß der Einfluß der Reformation bei der Entstehung der Familiennamen gering war.
Aus den alten Handwerken, die anscheinend früher in Meeburg betrieben wurden, sind mehrere Familiennamen entstanden. Manche könnten aber auch aus der deutschen Urheimat mitgebracht worden sein. Da Meeburg früher nur ein kleines Dorf im Haferland war, sind da keine Familiennamen entstanden, die, wie in anderen siebenbürgisch-sächsischen Gemeinden, auf Lederherstellung, Kriegshandwerk, Handel und Verkehr, Jagd und Fischerei oder Weinbau zurückführen. Früher war ein guter Bürger meist auch Fleischer und Imker, Kürschner und Tischler, Tierarzt und Soldat zugleich. Auf dem Jahrmarkt war er auch Händler, sein tägliches Brot buk er selbst und nur für das Vieh stellte die Gemeinde Hirten ein.
Die meisten Meeburger Familiennamen sind auch in den anderen siebenbürgisch-sächsischen Gemeinden anzutreffen, da sie im allgemeinen für das Leben der Siebenbürger Sachsen kennzeichnend sind. Sicher ist, daß manche Familiennamen in Meeburg oder in seiner nächsten Umgebung entstanden sind, und am besten bezeugt das der FN Meburger.
Dynamik und Statistik der Familiennamen
Wie schon erwähnt, war Meeburg früher eine abgelegene Ortschaft, aber trotzdem sind schon damals mehrere Familiennamen ein- oder ausgewandert. Die größte Verbindung hatten die Bewohner mit Schäßburg und seiner Umgebung. Nachdem im 19. Jh. die Eisenbahnlinie durch Meeburg in Betrieb genommen wurde, fing die Ein- und Auswanderung erst recht an.
Folgende Liste* ermöglicht einen tieferen Einblick in diese Dynamik:
Familienname
Ort/Zeit-eingewandert/urk.erwähnt
Ort/Zeit-ausgewandert/ausgest.
__________________________________________________________________
Amort
Schäßburg -vor 1914 Rm.Vîlcea-nach 1918
Andrae um 1630 ?
Bedner 1751 ?
Berthleff 1476 ?
Berthliff 1476 ?
Binder 1770 D-1990
Broos 1778 D-1991
Cloy 1476 ?
Czill 1605 ?
Deppner Arkeden-1961 ausgest. 1979
Duffner 1476 ?
Dutsch 1536 ?
Ehrlich Arkeden-1962 D-1990
Folberth 1769 ausgest. 1978
Frietsch 1836 Neudorf-19.Jh.
Graef Stein-1982 Stein
Grennerth 1476 ausgest. 1946
Grith 1476 ?
Hain Schäßburg-18.Jh. D-1990
Hellwig 18.Jh. D-1990
Hermann Arkeden-? 18.Jh.
Hietsch 1774 D-1990
Katzendörfer Schweischer-1682 ?
Klein 1766 D-1991
Kleisch Schäßburg-vor 1914 ausgest. 1941
Klösch 1536 ?
Kovacs Musna-1923 D-1978
Köchler Schäßburg-1782 ?
Krafft 1780 Schweden-II.Weltkg.
Kramer Marienburg-vor 1940 Hermannst.-nach 1945
Kraus 1822 D-1990
Lamprecht 1847 Schäßburg-nach 1945
Meburger Draas-19.Jh. D-1987
Miller 1824 ausgest.-II.Weltkg.
Müller 1467 ausgest. 1952
Risch Radeln D-1990
Roth 1476
Schell 1536 D-1991
Schuller 1793 D-1990
Schuster 1767 D-1981
Schwartz 1836 ?-19.Jh
Seiler 1755 ausgest. 1908
Sifft 1660 D-1990
Sift 1811 D-1990
Stall Schäßburg 1617 ?
Steffendt 1836 ?-19.Jh.
Thott 1476 ?
Tortler Tartlau/Tarteln-? Schäßburg-1666
Toscha 1476 ?
Tsonta 1836 ?
Tusch Schäßburg-1661 ?
Wagner 1790
Weber Marienburg-vor 1940 Hermannst.-nach 1945
Weinhold 1796
Welter 1836 ausgest. 19.Jh.
West 1834 ausgest. 1964
Zerwes Zeiden-1927 D-1990
Zultner Radeln-Ende 19.Jh. ausgest. vor 1914
Nach dem Umsturz der Ceausescu-Diktatur 1989 erfolgte die große Auswanderungswelle der Siebenbürger Sachsen in die B.R.Deutschland. Heute, 2002, sind in Meeburg also noch die deutschen Familiennamen Roth, Weinholdt und Wagner vorhanden.
Früher waren in Meeburg nach Welters Steuerregister folgende sächsischen Familien(namen) am meisten verbreitet:
1836: Klein - 26, Schuller - 20, Müller - 10,
1936: Schuller - 24, Wagner - 20, Binder - 17.
1982: Wagner - 8, Binder - 7, Klein - 7 (die Witwen dazugerechnet).
Verzeichnis der nichtdeutschen Steuerzahler von 1836/37
(genau aufgezeichnet aus dem Steuerregister des Gemeindehanns Johann Welter)
1. Gyorgye Oppre, 2. Lazar Muschenoy, 3. Juon Muschenoy, 4. Todor Szimjon ,
5. Todor Dragomir, 6. Szötz Jaroschy, 7. Josif Oppre, 8. Gyorgye Dragomir,
9. Gyorgye Many, 10. Juri Muschenoy, 11. Vaszil Meschendorf, 12. Stan Vasil,
13. Bukur Muschenoy, 14. Bukur Bukur, 15. Gytza Ceonta, 16. Szöts Jakob,
17. Szöts Dumitru, 18. Szimjon Ceonta sen. 19. Szimjon Ceonta jun. 20. Gyorgye Szöts,
21. Gyorgye Ceonta, 22. Nikulay Muschenoi, 23. Szöts Naeye Dozem, 24. Andrea Ceonta,
25. Nikulay Ceonta, 26. Nikulay Nitzu Ceonta, 27. Juon Jeremie, 28. Nikulay Jeremie,
29. Marye Ceonta, 30. Nika Drats, 31. Koztandin Muschenoi, 32. Juon Stantsul,
33. Gyorgye Stantsul, 34. Gytza Stantsul, 35. Szöts Todor, 36. Dumitru Muschenoi,
37. Anna Drats, 38. Stoika Todorin, 39. Jakob Opprein, 40. Nitza Ceontain
41. Karzy Rotz, 42. Janko Koztandin, 43. Gytza Ferikoz, 44. Szami Fanko,
45. Adam Vonno, 46. Adam Greschel, 47. Gyitza Greschel, 48. Gyorgyi Fanko,
49. Thott Nistor, 50. Dersi Martzi, 51. Gyorgyi Latzi, 52. Feri Latzi,
53. David Radul, 54. Karky Vontz, 55. Gyitza Latzi, 56. Karze Fagfi,
57. Szandor Ignanz, 58. Török Lajos, 59. Máthé Lajos, 60. Demeter Ellek,
61. Demeter István
Anmerkungen:
1) Graur, Alexandru: Nume de persoane, Bukarest 1965
2) Keintzel-Schön, Fritz: Die siebenbürgisch-sächsischen Familiennamen, Köln-Wien 1976
* Die urkundliche Erwähnung der deutschen Familiennamen in der obenaufgeführten Liste wurde den alten Meeburger Kirchenbüchern, dem heute erhaltenen kirchl. Familienbuch (angelegt 1900), dem Meeburger Steuerregister (1836/37), dem Schäßburger Gymnasialprogramm (1908) sowie weiteren o.g. Arbeiten entnommen.
Nach Michael Schuller: Toponymie und Onomastik der Gemeinde Meeburg, 1983