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Reiseberichte aus Italien



Auto fahren in Neapel - ein Abenteuerbericht
- von Dr. Waltraud Meyer-Kriechbaum -
Es gibt sie noch - die letzten Abenteuer auch mitten in Europa. Dazu zählt zweifellos, sich in den Verkehr von Neapel zu stürzen.

Das Erste, das Besuchern aus dem Norden auffällt, ist die Anzahl kleiner und kleinster Gefährte, die sich in den oft sehr engen Gassen Neapels tummeln - auf  2, 3 oder 4 Rädern, Hauptsache, es bewegt sich vorwärts, möglichst laut und rasch. Fast alle Autos haben Beulen und Schrammen, auf alle Fälle kaputte oder aus Vorsicht eingeklappte Außenspiegel. Größere Autos sieht man selten und man fragt sich auch, wie solche Fahrzeuge in den engen Gassen der Stadt überhaupt durchkommen. Viele dieser Gassen sind Einbahnen, in denen neben einem Kleinwagen nur noch ein Fußgänger Platz hat, wenn er den Bauch einzieht. 

Man hat das Gefühl, alle Neapolitaner sind gleichzeitig auf einem motorisierten Untersatz unterwegs - einschließlich Greise und Kinder. Ein für unsere Verhältnisse unübersichtliches Gewühl drängt sich durch die Straßen und folgt Regeln, die nur schwer nachvollziehbar sind.
Verkehrsregeln, Schilder oder Ampeln dienen lediglich dazu, nach der jeweiligen Situation interpretiert zu werden. Kommt also kein Auto, ist es durchaus üblich bei rot zu fahren. Kurz bevor es grün wird, stehen sowieso bereits die Autos und Mopeds halb auf der Kreuzung, um sofort loszuspurten. 

Geschwindigkeitsbeschränkungen, Überholverbot oder Vorfahrtsschilder verwirren den Ausländer, der Neapolitaner sieht sie einfach nicht. So wird in Tunnels überholt, obwohl dies natürlich verboten ist und viele Tunnels nicht beleuchtet sind. In Vorfahrtsstraßen fahren die Autos mit Schwung

 hinein und der Autofahrer auf der Vorfahrtsstraße hat nur die Möglichkeit rasch auf die Gegenfahrbahn auszuweichen oder Vorfahrt zu gewähren. Reaktionsschnelligkeit ist also eine der wichtigsten Eigenschaften süditalienischer Autofahrer! 

Die Hauptbestandteile der Autos sind die Hupe und das Gaspedal, beides wird häufig und gerne benutzt. Vor einer roten Ampel wird so lange gehupt, bis sie tatsächlich auf grün umspringt, dann stürmt eine Meute von Autos los. 

Dazwischen drängeln sich Mofas und Roller in einer Vielzahl, die links und rechts gleichzeitig überholen, auch mal auf der Gegenspur fahren oder am rechten Fahrbahnrand in einer beliebigen Richtung unterwegs sind. Die Freunde auf 2 Rädern gehen mit großer Sicherheit davon aus, dass für sie gebremst wird, wenn sie ein Auto schneiden, sich dazwischen drängeln. Mit viel Gottvertrauen fahren sie nach wie vor häufig ohne Helm - das ist inzwischen auch in Italien verboten - dafür aber mit der Freundin hinten drauf, einem Kleinkind zwischen den Knien und einer Gardinenstange oder einem Stuhl in der rechten Hand, schließlich will der Einkauf nach Hause transportiert werden. 

Das Valle Merula  - ein nicht mehr ganz geheimer Geheimtipp für hochgeschwindigkeitsfeindliche Genießer   lesen
von Peter Freitag
mehr von der Kirche
Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
Und auf den Fluren laß die Winde los. 
Rilkes stimmungsreiche Einsicht in die Notwendigkeit des Jahreszeitenwechsels wollen wir jetzt noch nicht teilen. Auf der Suche nach den letzten Sonnenstrahlen geht es noch einmal nach Italien, genauer in das Merulatal, ins Hinterland des ligurischen Städtchens Alassio an der riviera ponente Die endlosen Ströme des Tourismus sind versiegt, vorbei das dolce vita am lärmerfüllten Strand und doch läd das Meer mit 18 Grad Wassertemperatur noch zum Baden ein. Ein Bummel am fast menschenleeren Strand lässt langsam Ruhe und Frieden ins Herz einziehen: anche io in Arcadia.
 
 
 
 
Mit dem Verschwinden der Touristenströme kehren langsam und bedächtig die ursprünglichen Bewohner zurück und erobern wieder ihr angestammtes Territorium. Schlangen- und Krötenfeinde haben jetzt keine Chance.
Nicht allen bekommt die Nähe zum Menschen. Von den Bauern als Nahrungskonkurrenten bei der Herbsternte nicht gerne gesehen, werden diese zwei Kameraden in einer Hinterland-Trattoria für Gaumenfreuden sorgen. Der Dicke wagte sich im letzten Jahr bis ins Dorf , wo er sich an den Feigen von Nachbars Baum labte. Diesem Treiben wurde mit einem gut gezielten Schuss aus dem Badezimmerfenster ein Ende bereitet
La Baita

Die beiden Wildschweine haben ihren Weg in die viel gerühmten Kochtöpfe des Restaurants La Baita im Nachbartal gefunden (Borghetto d`Arroscia, Frazione Gazzo, im Tal hinter Albenga). Juniorchef Ferrari wird sie zusammen mit Mama Assunta mit Bergen von Steinpilzen zubereiten.
La Baita
 

Etwas weniger martialisch, dafür genauso schmackhaft, geht es zu, wenn der padrone seine Wachtelpfanne zelebriert
 Jetzt stellt der Garten Eden seine Früchte in verschwenderischer Fülle vor, alles strotzt vor Vollendung und platzt aus seinen Hüllen. Die maroni, auch in Deutschland früher weit verbreitete Gaumenfreude auf den Weihnachtsmärkten, prägen hier eine ganze Vegetationszone

 

Am besten schmeckt's bei guten Freunden wie Angela und Emanuele. Wenn nur nicht das ewige pronto wäre. 

 
Ruhige Zeiten brechen an im Hinterland. Entroterra sind bereits die Netze gespannt, um die Früchte der jahrhundertealten, knorrigen Gesellen aufzufangen: die Oliven . Minerva geweiht, der Göttin der Künste, bringen sie jenes goldene Öl hervor, das von Kennern für das beste der Welt gehalten wird. 


Und noch einmal Rilke:

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben.

Obgleich: Dem echten Heimwerker lacht das Herz beim Anblick dieser Ruinen. Hör` mal, wer da hämmert !


Ferienhaus?

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