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Rissen in Zahlen und Fakten:
Fläche: 16,6 qkm
Einwohner (2003): 14.492
Ausländeranteil: 6,5%
Wahlergebnis 2004: Beteiligung: 77,3%, CDU: 57,3%, SPD: 24,4%, GAL: 9,6%
Wohngebäude: (2003): 3.286
Kindergärten (2004): 7, Grundschulen: 2, Gymnasium
Zugelassene Pkw (01.2004): 6.492
Niedergelassene Ärzte (2004): 23
Apotheken (2004): 4
Handwerksbetriebe: 58
Supermärkte: 5
Kneipen + Restaurants: ca. 15
Mit der S-Bahn zum Hauptsbahnhof: 36 Minuten
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| Rissens Ladenzeile in Frühlingsblütenpracht |
750 Jahre Rissen
1255 wurde der Ort "Rysne" zum ersten Mal urkundlich erwähnt.
In der vom Lenkungsausschuss herausgegebenen Jubiläums-Festschrift des Rissener Bürgervereins erschien im April 2005 nachfolgender interessanter Text zur Geschichte des Stadtteils:
750 Jahre
Rissen von der Frühzeit bis zur Gegenwart
Vorwort
Die
Absicht dieser Einführung ist es, Rissen vielseitig aus
historischer Sicht darzustellen. Ausgewertet wurde die
vorhandene Literatur, darunter besonders wichtig die Schriften
des 1963 verstorbenen Heimatforschers Johannes Heidorn. Zur Ur-
und Frühgeschichte stellte Wulf Thieme, Oberkustos in der
Bodendenkmalpflege, Helms-Museum, seinen für diese Schrift
verfassten Artikel zur Verfügung. Von beträchtlichem Wert waren
die benutzten Archivbestände und die Auskünfte sachkundiger
Personen. Wollte ich diese alle nennen, so wären zu viele Namen
aufzuführen. So sei ihnen an dieser Stelle für ihre wertvolle
Hilfe gedankt.
Gerhard
Meyer
1. Natürliche Grundlagen
Das
Gebiet von Rissen wird zur Geest gerechnet, welche während der
vorletzten Kaltzeit, der Saale-Kaltzeit, ausgebildet worden ist. Während
dieser Zeit entstanden in deren WartheStadium die Endmoränen,
welche von den Blankeneser Höhen nach Süden in die Harburger
Berge und weiter reichten. Sie wurden noch nicht durch das
Elbtal unterbrochen, da es dieses noch nicht gab.
In
der letzten Kaltzeit, der Weichset-Kaltzeit, reichten die
Gletscher nur bis in den Bereich der hamburgischen Walddörfer,
so dass unser Gebiet eisfrei war. Doch wurden die hier
ursprünglich in bewegten Formen ausgebildeten Moränen der
Saale-Kaltzeit insbesondere durch die Fließbodenwirkung
abgeflacht. Die in dieser Zeit infolge Abschmelzens der
Gletscher im Sommer anfallenden großen Schmelzwassermengen
rissen das Urstromtal der Elbe ein, in welchem diese der
Ur-Nordsee zuflossen. So finden sich an den Hängen zum
Elbtal für norddeutsche Verhältnisse ziemlich steile
Gefälle. In der kalten Jahreszeit bildeten sich im
Urstromtal Flugsande, welche von den vorherrschenden Westwinden
auf die Höhen des Nordufers geweht wurden, wo sie als
Flugsanddecken und Dünen weite Verbreitung fanden. Im
Gebiet von Rissen finden wir diese zwischen Elbe und
Klövensteen. Nach Sülldorf zu gibt es dagegen auch
lehmige Böden.
Als
mit dem Zurückweichen des Inlandeises eine langsame Erwärmung
eintrat, bildete sich zunächst die Pflanzenwelt der Tundra,
schließlich ein lockerer Waldbestand. An tiefen Stellen
entstanden Moore durch Verlandung aus Seen. Das ist
insbesondere das große, nach Schlangen und anderen
Kriechtieren benannte Schnaakenmoor. Der Südteil desselben
wurde wegen der Sandüberwehungen Sandmoor genannt. Kleinere
Moore sind das Tinsdaler Moor, das Lüttmoor und nördlich vom
Krankenhaus das RövkampsMoor.
Am
Steilufer von Wittenbergen liegen verschiedenartige,
unterschiedlich alte Bodenschichten übereinander. Wenn
höher gelegene Sandschichten durch Regen oder Schnee
durchfeuchtet wurden, rutschten diese nicht selten auf dem
darunter liegenden Geschiebemergel ab und bildeten dann am Hang
die Wittenbergener Sande. Hohe Fluten der Elbe spülten
diese fort, so dass das Steilufer immer mehr zurücktrat. Infolge
Anstiegs des Meeresspiegels gelangte das Unterelbetal allmählich
in den Gezeitenbereich. Marschenschlick wurde nicht nur
gegenüber im Alten Land, sondern auch in Wittenbergen vor dem
Steilhang östlich von der Landungsbrücke bis nach Blankenese
hin abgelagert.
Wulf Thieme:
Ur- und Frühgeschichte
Das Gebiet nördlich des Elbufers zwischen Altona und Wedel ist reich an Funden aus ur- und frühgeschichtlichen Zeiten, das gilt besonders für das Gebiet Rissen. Hier wurden Funde aus der Steinzeit, der Bronzezeit und der Eisenzeit entdeckt und ausgegraben. Manche dieser Funde sind von besonderer Bedeute für die Menschheitsgeschichte Norddeutschland. Es beginnt altsteinzeitlichen Feuersteingeräten, die im Elbsteilufer östlich von Schulau südlich des Leuchtfeuerstieges in der Schicht Lauenburger Tons unter einer Torflage aus der Zwischeneiszeit zwischen Elster- und Saaleeiszeit von Gustav Steens entdeckt wurden. Der Fundplatz wird durch Lehm- und Sandablagerungen der Saale-Gletscher überdeckt. Wesentlich jünger sind die Stationen der Rentierjäger, die in den Rissener Dünen entdeckt und teilweise ausgegraben wurden. Die Rentierjäger unterschiedlicher Kulturgruppen hatten hier Rande des damals noch einen See bildenden Schnaakenmooores gezeltet, gejagt und ihre eigenen Geräte aus Feuerstein hergestellt.
Von
besonderer Bedeutung sind die Stationen 52 und 53, die Karl
Stülcken entdeckt hatte (südlich der Pony-Waldschänke, wo der
Feldweg 83 in den Babenwischenweg einmündet). Auf beiden
Plätzen konnten Feuersteingeräte ausgegraben werden, die sich
durch grobe Klingen, Schaber, Stichel und gestielte Spitzen, aber
auch durch kleine fein bearbeitete Flintgeräte, darunter schmale
Dreiecke mit bearbeiteter langer Seite, so genannten
Federmessern, auszeichnen. Diese Funde werden von den
Vorgeschichtlern Rentierjägern zugeschrieben, die als Rissener
Gruppe bezeichnet wird. Hermann Schwabedissen gelang es, an der
Station 52 das Alter dieser Kulturgruppe zu ermitteln und damit
ihre Stellung zwischen der deutlich älteren Hamburger Kultur (um
12 000 vor Chr.) und der jüngeren Ahrensburger Kultur (um 8000
vor Chr.) festzulegen. Zum einen gelang es nachzuweisen,
dass die Rissener Gruppe in dem AllerödInterstadial, einer
kurzen wärmeren Phase während der Weichset-Eiszeit gelebt
hatte. Weiterhin wurde an der Station 52 über der Schicht mit
den Funden der Rissener Gruppe im Dünensand eine Schicht der
nachfolgenden kalten jüngeren Dryaszeit erkannt, die
Feuersteingeräte der Ahrensburger Gruppe enthielt. Schwabedissen
nannte die Ausgrabung dieser Fundstelle einen Markstein
in der Erforschung der frühen Menschheitsgeschichte".
Die Hamburger und die Ahrensburger Gruppe sind durch die
Ausgrabungen von Alfred Rust im Ahrensburger Tunneltal berühmt
geworden.
Menschen
aus der deutlich wärmeren Mittelsteinzeit (8000-3000 vor Chr.)
sind durch ihre sehr kleinen Geräte aus Feuerstein, so genannten
Mikrolithen, die als Pfeilspitzen und Harpuneneinsätze gedient
haben, in Rissen nachgewiesen. Im Laufe der Jungsteinzeit
(2500 bis 1700 v.Chr.) begannen die Menschen auch nördlich der
Elbe, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Sie bauten jetzt feste
Häuser. Für ihre Vorräte und den täglichen Gebrauch
töpferten sie Tongefäße. Die Bäume wurden mit geschliffenen
Beilen aus Feuerstein gefällt und bearbeitet. Ihre Anführer
bestatteten sie in Großsteingräbern. Über ein solches wurde
auch in Rissen berichtet; es ist aber nicht erhalten. Die
kulturelle Darstellung dieser Menschen wird von den Archäologen
nach ihrer Grabform Megalithgräberkultur bzw. nach einem
typischen Tongefäß, das in diesen Großsteingräbern den Toten
mitgegeben wurde, als Trichterbecherkultur bezeichnet. Die
nachfolgende Einzelgrabkultur zeichnet sich durch kleine
Grabhügel, besondere Äxte aus Felsgestein und geschweifte
Tonbecher aus. Sie ist in Rissen bisher nur vereinzelt
festgestellt worden. Die Bronzezeit (1700 bis 600 v.Chr.) wird in
Rissen mit einem einzigartigen Fund eingeleitet. Es handelt sich
um einen Opferfund, der aus mehreren bronzenen Gegenständen
besteht, die in einem schlichten Tongefäß am Luusbarg vergraben
worden waren. Vier Armringe, vier Armbänder aus verzierten
Blechstreifen, eine Kette mit Bernsteinperlen, vier Nadeln und
ein Halsschmuck aus sieben großen Ringen haben einer Frau
gehört, während das Beil und die Lanzenspitze aus dem Besitz
eines Mannes stammten. Der Fund befindet sich im Archäologischen
Landesmuseum in Schleswig. Viele der großen Grabhügel
sind schon im 19. Jahrhundert aus Neugierde ausgegraben worden;
man hoffte, Gold zu finden. Deshalb sind die bronzenen
Schmuckstücke und Waffen, die in den Baumsärgen unter den
Grabhügeln lagen, fast alle verschollen.
In
der mittleren Bronzezeit (13. bis 11. Jh. v. Chr) vollzog sich
ein Wandel in der Bestattungssitte; dem muss durch äußeren
Einfluss ein Wandel in der religiösen Vorstellung über den
Tod und das Jenseits vorangegangen sein. Die Toten wurden nun
verbrannt, die Knochen bestattete man in Tongefäßen. Diese
wurden zunächst noch in den Grabhügeln der Ahnen
vergraben. Später bildete man Friedhöfe wie in der
Gemarkung Steenbargen bei der Brünschentwiete.
Urnenbestattungen erfolgten in allen nachfolgenden Jahrhunderten
bis zur Einführung des Christentums im 8. Jahrhundert n. Chr.
Über die zufällige Entdeckung eines großen Urnenfriedhofes
in den Tinsdaler Dünen berichtete der Sülldorfer Lehrer Casper
Hinrich Fuhlendorf, der dann den ganzen Friedhof sorgfältig
ausgrub. Ein Drittel der Grabgefäße war von kleinen
Grabhügeln überdeckt. Daran schloss sich die Mehrzahl der
Urnen an, die in drei Gruppen ohne Steinschutz in der Erde
standen. Die kleinen Grabhügel datieren in die frühe
Eisenzeit (7./ 6. Jh. v.Chr.), während die hügellosen Urnen in
der anschließenden älteren vorrömischen Eisenzeit
(500-200 v.Chr.) vergraben worden waren. Außer den
gebrannten Knochen enthielten nur wenige Tongefäße
Mitgaben für die Toten. Dabei handelt es sich um Schmucknadeln,
Gürtelhaken und einzelne Broschen; eine Brosche mit bronzenen
Schmuckscheiben wird als Tinsdaler Fibel benannt. Ein
ähnlicher Friedhof befand sich am Sülldorfer Bahnhof. Weitere
sind aus Osdorf und Groß Flottbek bekannt.
Das
für die Eisenzeit namengebende Metall wurde aus Raseneisenerz
oder Sumpferz gewonnen, das in den feuchten Niederungen
abgebaut wurde. Einen Verhüttungsofen entdeckte man in der
Wittenbergener Heide. Für die nachfolgenden Jahrhunderte
bis zur ersten urkundlichen Nennung des Dorfes Rissen im Jahre
1255 fehlen ebenso wie für das benachbarte Sülldorf bisher
jegliche archäologischen Funde. Eine Siedlungskontinuität
aus vor- und frühgeschichtlichen Perioden bis in das Mittelalter
hat es in Rissen nicht gegeben. Dies gilt aber auch für die
Dörfer Osdorf und Groß Flottbek, die noch für das 5.
Jahrhundert n. Chr. Besiedlungsspuren aufweisen.
3. Gründung, Ältere Geschichte
Der
Platz des Dorfes Rissen ist noch heute an den Strassen
erkennbar. Es lag entlang der Rissener Dorfstrasse und an
einigen von dort abzweigenden Nebenwegen.
Zuerst
erwähnt wurde der Ort 1255 im Zehntregister des Hamburger
Domkapitels unter dem Namen Risne" 5. 1537
findet sich die Namensform Ryssenn". Der zweite
Teil des Namens -sen" ist eine Verkürzung von
husen / hausen", der erste Teil Ries" ist
im Sinne von Strauch / Buschwerk" zu deuten. Es
sind also die Häuser im Birkenwald. Die erste Erwähnung
sagt nun aber nicht, dass unser Dorf im Jahre 1255 begründet
wurde. Diese Nennung ist eher zufällig, das Dorf ist viel
älter.
Orte
mit der Endung -husen / -hausen" werden von den
Ortsnamen-Forschern in die Zeit vom 7. bis 9. Jahrhundert
datiert, und so mag auch Rissen in dieser Zeit entstanden sein.
Zum Dorf gehörten im Südwesten einige Hofstellen in Tinsdal. Dieses,
ebenfalls 1255 genannt, wird von tins" = jenseits und
dal" = hinab gedeutet als Zum Ende des
Tales". Aus den älteren Zeiten ist kaum etwas
überliefert. Wir wissen, dass Rissen Jahrhunderte lang zur
Herrschaft Pinneberg gehört hat. Es wird die Entwicklung
der anderen Orte der Landschaft genommen haben. So wird es
wie diese mitunter unter Hungersnöten, Seuchen und Durchzügen
von Kriegern gelitten haben.
Johann
Rist, Pastor im benachbarten Wedel und gefeierter Dichter, gibt
aus dem Dreißigjährigen Krieg eine anschauliche Schilderung:
Das vormals volle Land ist völlig ausgezehret, das Vieh
hinweggebracht, die Dörfer stehn verheeret, die Flecken ohn
Gebäu, die Acker voller Dornen, die Wiesen sonder Heu, die
Scheunen ohne Korn, die Städte sind verbrannt, die Männer sind
erschlagen, nur arme Weiblein sind noch übrig, die da klagen mit
Tränen für und für der liebsten Eltern Todt." Truppendurchzüge
der dänischschwedischen Kriege 1658 und 1713 werden erneut
Plünderungen und Bedrückungen mit sich gebracht haben.
4. Ältere ländliche Zustände
Besitzer
des Landes waren die Grundherren, meist die Landesherren.
Aber auch das Hamburger Domkapitel und das Kloster Harvestehude
hatten Besitzungen im Dorf. Die Bewohner hatten - wie
allgemein üblich - nur das Nutzungsrecht an ihrem Land, wofür
sie ihren Herren Abgaben und Dienste leisten mussten.
Über
die früheren landwirtschaftlichen Verhältnisse erfahren wir
besonders aus den Verkoppelungsakten von 1790. Namen der
damaligen Bewohner wie Ladiges, Nagel, Behrmann, Eckhoff,
Fredeland, Ramcke, Timm und andere finden sich auch heute noch.
Charakteristisch für die Rissener Gemarkung waren weite Flächen
von Heideland, Flugsand und Moor. Die Heide wurde
weitgehend als Schafweide genutzt, Torf diente als
Brennmaterial. Auch die zu Ackerland genutzten Flächen
waren meist sandig. Allein nach Sülldorf zu gab es bessere
Lehmböden. Die Felder waren in zahlreiche schmale
Landstreifen aufgeteilt, die von den Hofbesitzern jeweils zu
gleicher Zeit mit den gleichen Früchten bebaut wurden. Die
Erträge aus Roggen, Hafer und Buchweizen waren gering. Auf
ein ausgesätes Korn konnte man mit 3-4 geernteten Körnern
rechnen. Bei Missernten gab es Hungersnöte. Kühe,
Schweine und Schafe wurden von den Hirten auf den Gemeinheiten
(Allmend) geweidet. Das Vieh war kleinwüchsig und mager,
die Fleisch- und Milcherträge gering. Die Wiesen an der
Wedeler Au waren versumpft und gaben nur hartes Gras. Gut
dagegen war das kräftige Heu der Elbwiesen. Auch die
Sülldorfer nutzten diese und fuhren auf dem Sülldorfer
Brooksweg, dann Wittenbergener Weg, dorthin. Rissen
hatte für ein Dorf zahlreiche Bewohner. 1803 zählte man
264 Einwohner, die jedoch vergleichsweise recht arm waren - siehe
Einwohneraufstellung in Kapitel. Der missverständliche
Spruch In Rissen könnt se nix missen" soll denn auch
bedeuten, dass es fast an allem fehlte, so dass man nichts
abzugeben hatte.
Die
unregelmäßig gelegenen Häuser vom Typ des niedersächsischen
Fachhallenhauses waren Zweiständerhäuser mit Reetdach, Wänden
aus Geflecht mit Lehmbewurf, mit der Diele (Grot Däl) aus
Lehmboden, Viehställen an den Seiten und dem Herdfeuer (Flett),
dessen Rauch zum Uhlenloch herauszog. In der Döns dienten
Butzen als Schlafstätten. Notwendig war der Brunnen, der
Backofen und der Garten. Die Früchte der Eichen, die um
das Gehöft herumstanden, dienten den Schweinen zur Nahrung.
5. Veränderung in der Landwirtschaft im 19. und 20.
Jahrhundert
Wesentliche
Veränderungen erfolgten durch die von der Landesherrschaft
betriebene Verkoppelung.
Nach
den Gesetzen von 1768 und 1771 für Holstein verordnet, wurde
diese in Rissen 1780-1793 durch Major Bruyn und den Feldmesser
Kalund vorgenommen. Die Neuverteilung des Ackerlandes und
die Aufteilung der Gemeinen Weide (Allmend) haben eine
rationellere Wirtschaftsführung und daher eine Besserung der
Lebensverhältnisse der Bewohner mit sich gebracht. Die
Abgaben an die Landesherrschalt wurden neu berechnet und brachten
für diese eine Erhöhung der Steuern mit sich. Anstelle
der zahlreichen schmalen Landstreifen traten nun die neu
vermessenen, größeren, durch Knicks voneinander getrennten
Koppeln, die der Bauer nach eigenem Gutdünken bewirtschaftete. Ein
tüchtiger Landwirt konnte dabei jetzt wesentlich mehr aus dem
Boden herausholen als vorher, wo der Langsamste das Tempo angab. Auch
wurde die Gemeine Weide, die vorher von den Hirten und ihren
Herden beweidet wurde, nun auf die einzelnen Bauern aufgeteilt. An
größeren Teilen von Heide und Flugsandgebieten bestand
allerdings kein Interesse. Sie wurden weiterhin in alter
Weise beweidet. Es war dies vor allem der Fall im Gebiet
der Wittenbergener Heide, im Bereich zwischen Wedeler Landstraße
und Babenwischenweg und im Nordteil der Gemarkung, den niemand
haben wollte. Diesen nahm daher die Landesherrschaft in
Besitz und forstete ihn auf. Dazu kamen auch Teile der
Nachbargemeinden Sülldorf und Waldenau-Datum. Dieses
Gebiet erhielt den Namen Klövensteengehege, offenbar, weil
hier gefundene Steine gespalten wurden, um sie zu Bauzwecken zu
verwenden. Hier wurden vor allem Nadelhölzer angebaut,
welche es in dieser Landschaft von Natur aus nicht gegeben hat. Von
dem großen Schnaakenmoor wurden Teile der Gemeinde Wedel,
Schulau und Spitzerdorf überlassen. Das ehemals zu Rissen
gehörende Falkenstein-Gebiet wurde an Blankenese abgetreten. Da
der Mist des eigenen Viehs wenig brachte und noch kein
Kunstdünger zur Verfügung stand, fand eine besondere Art von
Düngerbeschaffung statt in den so genannten
Dreckfuhren". In der Nacht fuhr man dazu mit
geeigneten Wagen nach Altona, leerte dort die Latrinen aus und
brachte den Inhalt, um Geruchsbelästigungen möglichst zu
vermeiden, in der Morgenfrühe nach Hause.
Da
Altona und Hamburg in der preußischen Zeit vor dem 1888
erfolgten Zollanschluss außerhalb des deutschen Zollgebiets
lagen, ergab sich dabei mitunter auch Gelegenheit zum Schmuggeln.
Mit
Hilfe dieses zusätzlichen Düngers und daher besserer Heuernten
konnten die Milcherträge, die in Altona und Hamburg guten
Absatz fanden, wesentlich erhöht werden. Auch verkaufte
man aus den Mooren, vor allem aus dem großen Schnaakenmoor, Torf
dorthin. Schließlich baute man auf Heideböden auch
Eichenkratt an, kleinwüchsige, ausschlagende Eichen, deren Rinde
als Lohe zur Lederherstellung nach Altona und Uetersen verkauft
wurde. Solcher Eichenkrattbestand ist heute noch auf der
Höhe oberhalb des Leuchtturms Wittenbergen zu sehen.
Man
baute Kartoffeln, Rüben und Klee an und verwendete gegen Ende
des 19. und im Jahrhundert Kunstdünger.
In
der Zeit des Nationalsozialismus regulierte der
Reichsarbeitsdienst die Wedeler Au und kultivierte ihre
Ufergebiete. Seit Mitte des 19. Jahrhundert waren die
Käufe der reichen Kaufleute für die Dorfbewohner von großer
Bedeutung. Die erwarben von der Landesherrschaft nicht nur
die den Bauern unerwünschten Heide- und Flugsandgebiete, sie
kauften von den Bewohnern auch Ländereien und ganze Hofstellen.
Sie brachten damit einige Instabilität das Dorf.
Hierdurch
sowie durch das Anwachsen der Bewohner und immer neue
Ansiedlungen ist es denn kein Wunder, wenn Zahl der Höfe immer
mehr zurückging. Waren es 1950 noch zwölf, so 1979 nur
noch vier Betriebe. Wenn man von den Reiterhöfen absieht, gibt
heute nur noch einen landwirtschaftlichen Betrieb, den von
Ladiges, der aus dem früheren Dorf ausgesiedelt ist, sich weit
im Norden am Babenwischenweg niedergelassen hat und dort
Milchwirtschaft betreibt. Die Vererbung der Höfe geschah
nach dem Anerbenrecht auf den ältesten Sohn. Die Heirat
erfolgte nach Rang und Stand. Über die Verhältnisse im
Dorf während des 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts
berichtet Johannes Heidorn, der Sülldorfer Schulrektor, der in
Rissen seine Pensionszeit verlebte. Er beschrieb die Arbeit
mit dem Dreschflegel, das Dengeln der Sensen, das Backen im
Backoff und vieles andere mehr. Durch Heidorn erfahren wir
auch über die Feste wie Kindergrün, Osterfeuer, Erntefest,
Schlachtfest und andere Feiern.
6. Obrigkeit, Kirche, Schule
Rissen gehörte zur Herrschaft Pinneberg. Landesherren waren bis zu ihrem Aussterben 1640 die Schauenburger Grafen, die ihren Stammsitz an der Weser hatten. Danach fiel Herrschaft an die dänischen Könige bis zur Besitzergreif durch Preußen als Folge des Sieges von 1864. Im Auftrag Landesherrn übte der Landdrost die Leitung der Verwaltung aus. Sein Sitz war die Drostei zu Pinneberg, deren aufwändiges Gebäude aus dem 18. Jahrhundert heute noch vorhanden ist. Unterteilt war diese in Kirchspielvogteien. Rissen gehörte zur Vogtei in Nienstedten, später Blankenese. In der preußischen Zeit trat an seine Stelle der Landrat des Kreises Pinneberg. Dieser wurde unterteilt in Amtsvogteien mit Amtsvorstehern .
Eine große Rolle spielte im Leben der Bewohner die Kirche. Rissen gehörte zu der sieben Kilometer und
damit etwa zwei Stunden Fußweg entfernten Kirche von
Nienstedten. Es ist diese ein reizvoller Bau aus der Mitte
des 18. Jahrhunderts vom Charakter einer Dorfkirche, die heute
noch gern zu Trauungen herangezogen wird. Die Tinsdaler
benutzten als Richtweg den Tinsdaler Kirchenweg. Sonntags
nahm man von seinen festen Kirchenplätzen aus am Gottesdienst
teil. Hier fand auch der Konfirmandenunterricht statt. Auf
dem dortigen Kirchhof wurden die Verstorbenen begraben; seit 1814
befand sich dieser im Westteil von Nienstedten. In den
Kirchenbüchern wurden Taufe, Heirat und Begräbnis verzeichnet. Erst
die auf Veranlassung Bismarcks eingerichteten Standesämter
übernahmen diese Funktion von Staats wegen. Als 1896 die
Kirchengemeinde Blankenese gegründet wurde, kam Rissen zu
dieser. Man benutzte seither auch den in Sülldorf
gelegenen gemeinsamen Friedhof mit. Nach einem Jahrzehnt
mit Übergangslösungen wurde 1936 die evangelisch-lutherische Johanneskirche an der alten Dorfstraße errichtet mit dem äußeren
Aussehen einer Dorfkirche.
Bei
dem Anwachsen der Gemeindemitglieder hat die Kirchengemeinde
heute zwei Pastoren und eine Reihe weiterer Mitarbeiter. Mit
ihren Kirchenkonzerten, Vorträgen und weiteren Veranstaltungen
trägt die Kirche zum Kulturprogramm des Stadtteils bei. Nicht
weniger wichtig sind ihre sozialen
Aufgaben. - Siehe auch weiter unten den Bericht über die Johannes-Kirchengemeinde."
Wann
in Rissen eine Schule begründet wurde, ließ sich nicht
ermitteln. 1711 ist ein solche nachgewiesen. Jürgen Beuche
beschrieb aufgrund alter Schuldokumente die Geschichte der
Rissener Schule von 1820 bis 1914. Die Schulkinder besuchten ihre
Schule vom siebten Lebensjahr bis zur Konfirmation. Religion
spielte in der früheren Zeit die Hauptrolle, dazu kam einiges
Lesen, Schreiben und Rechnen. Im Sommer waren viele Kinder
vom Unterricht befreit, weil sie im Haus, auf Feld und Weide
mithelfen mussten. Die Lehrer hatten bis ins frühe 19.
Jahrhundert noch kaum eine Ausbildung, übten vielmehr daneben
häufig ein Handwerk aus. Sie hatten sehr geringe
Einkünfte und waren entsprechend gering angesehen. Ihr
Vorgesetzter war der Pastor von Nienstedten. Im 19.
Jahrhundert, insbesondere in der preußischen Zeit, besserten
sich die Verhältnisse. Die Lehrer bekamen eine
Seminarausbildung und wurden allmählich besser bezahlt.
1875
wurde die Steinschule erbaut, die 1908 aufgestockt
wurde, heute Kindertagesheim und Unterkunft des Rissener
Bürgervereins. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die
Bevölkerung stark anwuchs, wurden stattdessen nach Provisorien
1952 die Schule am Iserbarg, 1965 die am Marschweg und 1971 das
Gymnasium am Vosshagen in Benutzung genommen.
7. Erwerbungen reicher Kaufleute
Wesentliche
Einflüsse auf die Gestaltung der Rissener Gemarkung gingen seit
Mitte des 19. Jahrhunderts dann von ganz anderer Seite aus. Das
dauernde Klagen der Bauern über die Sandverwehungen führte
dazu, dass der Drost zu Pinneberg sich bemühte, diese Flächen
gegen geringes Entgelt zu verkaufen, mit der Verpflichtung, sie
aufzuforsten. Dazu fand sich bereit der Hamburger Kaufmann
und Reeder Johann Cesar VI. Godeffroy. In Rissen war
man damit gar nicht einverstanden, bemühte sich vielmehr selbst
um den Erwerb. Da dazu aber die nötigen Finanzen gänzlich
fehlten, wurde Godeffroy ausgewählt. Es handelte sich vor
allem um Gebiete zwischen Wedeler Landstraße und
Babenwischenweg. Zusätzlich kaufte der reiche Reeder auch
Ländereien von sieben Besitzern im Dorf auf. Ein Förster
wurde von ihm beauftragt und die Aufforstung, überwiegend mit
Nadelholz, ging zügig voran. Auch wurden Moorlöcher in
die reizvollen Fischteiche an der Rüdiger Au umgestaltet. Im
Ganzen handelte es sich um mehr als 115 Hektar. Viele
Rissener fanden dabei gut bezahlte Arbeit. So wurde denn
Rissen hierdurch und durch die schon vorher begonnenen
staatlichen Aufforstungen im Klövensteen zum Walddorf.
Die
Godeffroys waren Kaufleute in La Rochelle gewesen, als
Reformierte aber nach dem 1685 erfolgten Widerruf des Ediktes von
Nantes durch Ludwig XIV. als Hugenotten nach Preußen emigriert. Nachkommen
dieser hatten sich auch in Hamburg niedergelassen. Johann
Cesar IV. war durch Handel mit sächsischem und schlesischem
Leinen mit Spanien reich geworden. Er hatte sich in
Blankenese durch den berühmten Baumeister des Klassizismus
Christian Frederik Hansen ein Sommerhaus bauen und dazu den
Hirschpark anlegen lassen. Sein Enkel Johann Cesar Vl. (1813-1885) besaß um die Mitte
des 19. Jahrhunderts die größte Reederei in Hamburg
und brachte es im Südseegeschäft zu großer
Bedeutung. Er kaufte zwischen Nienstedten und Holm ca.
825 Hektar Land, darunter die Erwerbungen in Rissen und ließ sie
aufforsten. Dazu gehörte auch der zu Blankenese gehörende
Falkenstein, der nach dem Falken im Familienwappen benannt wurde.
Welches waren dabei seine Absichten? Er war Naturfreund und
Jäger, seine Besitzungen dienten ihm aber auch als
Kapitalanlage. Dies war kein Sonderfall. Großen
Landbesitz erwarben sich in Hamburgs Umland auch die Baur,
Voght, Donner und andere in den Elbvororten, die Schimmelmann
in Wandsbek und Ahrensburg, die Berenberg-Gossler in Niendorf,
die Ohlendorff in Volksdorf, die Sieveking in Hamm, die Bismarck
im Sachsenwald und andere mehr. Nachdem Godeffroy 1879 den
Zusammenbruch seiner Firma erleben musste, verkaufte er seine
Besitzungen`. Einen großen Teil davon erwarb 1887 der
Kaffeegroßkaufmann Georg Friedrich Stucken mit seinem Teilhaber
Andresen. Dieser setzte die Aufforstungen fort. Zwischen
Sülldorfer und Rissener Landstraße ließ er Kiesgruben anlegen.
Kies war in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg, als in
Hamburg viel gebaut wurde, sehr gefragt. Zum Abtransport
wurden Gleise zum Anschluss an die Bahnstrecke Blankenese-Wedel
gelegt, ferner eine Feldbahn durch das Gelände des späteren
Golfplatzes zum Platz vor dem heutigen Puppenmuseum mit einer
anschließenden Drahtseilbahn bis zur Verladestelle an der
Elbe. Von seinem Besitz am Falkenstein verkaufte Stucken
Gelände zur Anlage von Villen. Da während des ersten
Weltkrieges und danach das Kaffee- und Kiesgeschäft zum Erliegen
kamen, ging auch diese Firma allmählich unter. Kies wurde nach
dem Zweiten Weltkrieg nur noch in geringem Umfang abgebaut.
Heute sind in dem Gelände Spazierwege und ein großer
Kinderspielplatz angelegt. Eine weitere Kaufmanns- und
Bankiersfamilie erwarb in Rissen größere Besitzungen, in
welchen sie ihre Sommerhäuser errichten ließ, es sind die
Münchmeyers. Hermann Münchmeyer kaufte 1906 das östlich des
Wittenbergener Weges gelegene Gebiet des Luusbarg und sein Bruder
Albert das gegenüber, westlich des Wittenbergener Weges
befindliche Gelände. Das letztere wurde während des
Zweiten Weltkriegs an die Stadt Hamburg verkauft, welche hier die
Freiluftschule Wittenbergen errichtete.
8. Entwicklung zum Großstadtvorort
Ein
früher Schritt auf diesem Wege war der Bau der Eisenbahnstrecke
von Blankenese nach Wedel 1883 im Anschluss an die schon 1867
angelegte Bahnlinie von Altona nach Blankenese. Rissen bekam
seinen Bahnhof. Allerdings verkehrten in den frühen Jahren
täglich nur je vier Züge in beiden Richtungen. Dazu kamen vor
der Jahrhundertwende mit der Anlegebrücke von Wittenbergen
auch regelmäßig von Hamburg nach Wedel verkehrende Dampfer.
Diese Verkehrsmittel waren nicht nur von Bedeutung für das
Berufsleben, sondern auch für Ausflügler. Diese suchten
gern das Elbufer von Wittenbergen auf, die Heide zur Zeit ihrer
Blüte, die Fischteiche und das Klövensteengehege. Es
entstanden somit eine Anzahl von Ausflugslokalen, wie z.B. das
Rissener Landhaus (Wedeler Landstr. 55), das Garten
Etablissement Heidehaus" (Wedeler Landstr. 31) und der
Rissener Hof" (Am Rissener Bahnhof 23).
Eine weitere Aufschließung bewirkte die 1927 erfolgte Angliederung an die Stadt Altona . Dort erhoffte man sich in den Elbvororten Spielraum für die räumlich beengte Stadt. Stark engagiert war dabei Max Brauer (1887-1973), Oberbürgermeister von Altona, 1946 Erster Bürgermeister von Hamburg. Dagegen gab es erheblichen, wenn auch letzten Endes unwirksamen Widerspruch von Seiten des Kreises Pinneberg. In Rissen wurden im Verlauf der Wochenendbewegung Grundstücke verkauft, besonders nördlich der Bahn im Bereich Gudrunstraße, Melkerstieg, Hobökentwiete, Hexentwiete und südlich davon zwischen Wittenbergener Weg, Tinsdaler Heideweg, Tinsdaler Kirchenweg sowie an der Flerrentwiete.
Die Hobökentwiete führt in die Rissener Feldmark, ein Gebiet, das Radfahrern und Skatern Entspannung verspricht |
Dort
legte man Wochenendlauben an. Diese wurden nach den
Bombenangriffen auf Hamburg im Zweiten Weltkrieg ständig bezogen
und an ihrer Stelle danach feste Wohnhäuser gebaut. In dem
Viertel nördlich der Bahnlinie befinden sich aber auch eine
Anzahl aufwendiger Villen. 1937 wurde Rissen dann als Teil
Altonas durch das Groß-Hamburg Gesetz an Hamburg angeschlossen,
wodurch die Entwicklung zum Großstadtvorort noch weiter
gefördert wurde. Schon 1936 war die Johannes-Kirche gebaut
worden. 1937 errichtete man die Luftwaffenkaserne, welche 1946 in
das Krankenhaus Rissen umgewandelt wurde. Die als Folge der
Eingliederung in Altona vergebenen offiziellen Straßennamen
wurden, wenn der Name in Hamburg schon vorhanden war, nach 1937
umgewandelt. So wurde z. B. aus der Waldstraße jetzt die
Gudrunstraße, anstelle der Kohdrift trat der Klövensteenweg,
die Simon-BolivarStraße wurde wieder Wittenbergener Weg
genannt und aus dem Redder wurde der Herwigredder.
Eine
eigenartige Einrichtung in der Zeit des Nationalsozialismus war
im Bereich des heutigen Tronjeweges ein sozialistischer Kibbuz,
in welchem einige Dutzend jüdische Jugendliche durch Erlernen
des Hebräischen und der Landwirtschaft auf die Auswanderung nach
Palästina vorbereitet wurden. Im Zweiten Weltkrieg wurde in
Rissen am 3. März 1943 eine Anzahl von Häusern durch Bomben
zerstört, die eigentlich Wedel bzw. Hamburg gegolten hatten. Im
Waldgebiet hinter dem Leuchtturm Wittenbergen kann man noch
Bombentrichter bemerken. Glücklicherweise wurde dabei nur ein
Mensch getötet. Während des Krieges wurden am Wittenbergener
Weg Baracken für Ausgebombte gebaut.
Nach
dem Krieg entstanden immer mehr neue Wohnviertel, wo sich vorher
Felder und Wiesen befunden hatten. Im Bereich des früheren
Dorfes wurden Geschäfte, Gewerbebetriebe und Banken errichtet.
Die
Elektrifizierung der nach wie vor eingleisigen Bahnstrecke 1954
und die Zunahme des Autoverkehrs förderten diese Entwicklung. Es
entstanden bis zu neunstöckige Wohnhäuser. Die Geschäfte
konzentrierten sich immer mehr in der Wedeler Landstraße und
Nebenstraßen. Bemerkenswert ist der schnelle Wechsel. Rissen
macht heute einen uneinheitlichen Eindruck. Die
Strohdachhäuser sind weitgehend verschwunden. Wie in
anderen Elbvororten fehlen nennenswerte Industrien. In
der Alten Sülldorfer Landstraße 400 befand sich die Firma
Impulsphysik, seit 1968 an ihrer Stelle die Verwaltung der
Werbeartikel-Firma Berendsohn. Heute befinden sich in
Rissen viele Altersheime. Zur Verkehrsentlastung wurde 1985
in ein getiefter Lage die sehr verbreiterte B 431 - der
Rissener Canyon - gebaut, daneben die neu verlegte
Bahnlinie mit einer neuen Haltestelle.
Die
Ortsdienststelle, welche sich zuletzt in der Rissener Dorfstraße
befand, wo einmal der Dorfteich gelegen war, wurde 1975
aufgegeben und ihre Funktionen vom Ortsamt Blankenese
übernommen. Heute befindet sich dort noch eine Polizeiwache. Ein
gewisses Eigenbewusstsein zeigt sich in der seit 1983 bestehenden
Freiwilligen Feuerwehr, im Rissener Sportverein von 1949 und in
der Volksspielbühne Rissen von 1955. Auch gibt es den zweimal
wöchentlich stattfindenden Straßenmarkt. In der Rissener
Rundschau ist ein lokales, durch Anzeigen finanziertes,
Nachrichtenblatt entstanden, 1953 von Werner und Gisela Heydorn
begründet und seit 1984 von Claus Grötzschel
weitergeführt. 1969 entstand der Rissener Bürgerverein,
in welchem die Verbundenheit mit dem Stadtteil durch Vorträge,
Ausflüge, Ausstellungen und Kurse gefördert wird. Mit
1665 Hektar ist Rissen der flächengrößte Stadtteil der
Elbgemeinden. Zum Unterschied von den übrigen wurden hier die
Gemarkungsgrenzen kaum verändert. An Hand der
Einwohnerzahlen kann man die Entwicklung Rissens im 19. und
20. Jahrhundert gut verfolgen:
1803-
264 Einwohner
1856-
330 Einwohner
1880-
425 Einwohner
1900-
592 Einwohner
1908-
807 Einwohner
1913-
1.030 Einwohner
1928-
1.646 Einwohner
1938-
3.650 Einwohner
1946-
6.900 Einwohner
1950-
8.546 Einwohner
1954-
9.204 Einwohner
1964-
10.660 Einwohner
1975-
13.108 Einwohner
1987-
14.047 Einwohner
1997-
14.351 Einwohner
2003-
14.492 Einwohner
9. Besondere Einrichtungen
Eine
wichtige Institution unseres Stadtteils ist das Haus
Rissen, Internationales Institut für Politik und
Wirtschaft (Rissener Landstr. 193), getragen von der Gesellschaft
für Politik und Wirtschaft e.V. Hamburg und 1954 von Gerhard
Merzyn gegründet. Es bietet Raum für nationale
Konferenzen, Seminare, Kolloquien und Workshops und ist bemüht
um die Förderung der Marktwirtschaft und Demokratie.
Die Bundesanstalt für Wasserbau, Außenstelle Küste, wurde 1958 von Wedel nach Rissen (Wedeler Landstr. 157) verlegt. Hier wurde ein naturgetreues Modell von der Elbe zwischen Bleckede und Scharhörn angelegt, ferner solche von der Weser-, Ems-, Eidermündung und weitere. An ihnen konnten Messungen von Wasserständen, Stromgeschwindigkeiten u.a.m. vorgenommen werden. An ihrer Stelle ist man seit zwei Jahrzehnten als Folge der Computerentwicklung zu Berechnungen mit Hilfe der zentralen Datenverarbeitung übergegangen.
Das Rissener Krankenhaus (Suurheid 20) ist aus der
Luftwaffenkaserne hervorgegangen. Nach dem Kriege diente
sie als Militärhospital der britischen Besatzungsmacht. 1946
wurde hier ein allgemeines städtisches Krankenhaus mit einer
Kapazität von 350 Betten eingerichtet. 1980 wurden die
DRKSchwesternschaft und die Freimaurer (diese bis 1992)
Träger. Inzwischen ist es privatisiert und firmiert unter dem
Namen Asklepios-Westklinikum
Hamburg. Bekannt ist die Klinik für ihre Palliativstation
zur Betreuung Schwerkranker Menschen in der letzten Phase ihres
Lebens, die Abteilung für anthroposophisch erweiterte Medizin,
mikroinvasive Chirurgie, Gastroenterologie, Psychosomatik, auch
als Tagesklinik, und die Psychiatrie. Seit April 2005
verfügt die Klinik mit einem neu errichteten zentralen
Funktionsbau über eine Einrichtung, die medizinisch und
organisatorisch Maßstäbe setzt.
Das
Asklepios Westklinikum
Hamburg in Rissen ist ein Haus der Regelversorgung und nimmt
an der Not- und Unfallversorgung teil.
Stand
der Zahlen im April 2005:
462
Betten
78
tagesklinische Behandlungsplätze
17
Stationen
4
Operationssäle
13
interdisziplinäre Intensivbetten
100
Ärzte
350
Krankenpfleger/innen
80
Therapeuten, Physiotherapeuten und Psychologen
Kooperation
mit externen Spezialisten
Innere
Medizin Kardiologie (mit Schlaflabor)
Innere
Medizin Gastroenterologie
Innere
Medizin - Anthroposophische Medizin
Chirurgie
/ Allgemein-, Visceral-, Gefäß-, Unfallchirurgie
Neurochirurgie
/ Wirbelsäulenchirurgie
Anästhesiologie
und Palliativmedizin
Psychosomatische
Medizin und Psychotherapie / Schmerztherapie mit 2 Tageskliniken
Psychiatrie
/ Psychotherapie mit 2 Tageskliniken
Urologie
(Belegarzt)
HNO
(Belegarzt)
Kooperation
mit Radiologie Pinneberg
Kooperation
mit Reha Pinneberg / Schenefeld
Ambulante
Operationen / Augen-, Plastische Chirurgie
Überleitungspflege
Seit Frühjahr 2003 wird durch den Förderverein Kinderhospiz Sternenbrücke" e.V. in Rissen am Sandmoorweg ein Kinderhospiz mit zwölf Plätzen geführt. Dieses bietet für Eltern und Geschwister der schwerstkranken Kinder die Möglichkeit einer Kurzzeitpflege ebenso wie die Betreuung und Begleitung in der Sterbephase.
Der Hamburger Golfclub pachtete 1928dasweiträumigeGelände des Golfplatzes Falkenstein. Die englische Firma Frank Harries legte hier mit dem 18-Loch-Platz ein Meisterwerk der Golfarchitektur an, das Clubhaus errichteten die Architekten Schramm und Elingius. Eröffnet 1930, wurde der Golfclub Falkenstein Anfang 1999 von der Golf Sport Top Ten als zweitbester Golfplatz Deutschlands ausgewählt. Hier werden häufig nationale und internationale Meisterschaften ausgetragen.
Das 1960 als Jugend- und Freizeitheim der Kirchenkreise
Blankenese und Niendorf gegründete Evangelische Zentrum Rissen
(Iserbarg 1), entwickelte sich im Laufe der letzten Jahrzehnte
über einen eigenen Bildungsbereich zu einem Tagungshotel mit
attraktiven Räumlichkeiten, die zwischenzeitlich auch von
namhaften Firmen aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur und Politik
genutzt wurden. Diese Einrichtung ist im Jahr 2002 aus
wirtschaftlichen Gründen geschlossen worden. Ebenso befand
sich hier die Verwaltung der Kirchenkreise Blankenese, Niendorf
und Altona.
Eine
der vier Hamburger Freiluftschulen ist die Freiluftschule
Wittenbergen (Wittenbergener Weg 110). Das weiträumige,
bewaldete Gelände und die älteren Gebäude befanden sich
vorher im Besitz der Familie Münchmeyer. Bemerkenswert ist das
ehemalige Sommerhaus von 1920, von Bensel & Kamps unter dem
Einfluss von Frank Lloyd Wright entworfen. Während des
Zweiten Weltkriegs kaufte die Freie und Hansestadt Hamburg das
Anwesen. Es wurde dort die Freiluftschule
eingerichtet. Diese nimmt an Wochentagen tagsüber oder
zur Übernachtung Grundschulklassen auf und in den Schulferien
Hamburger Schulkinder, vor allem von sozial schwachen Eltern. In
den Jahren 1962-1964 war dort aushilfsweise das Hansa-Kolleg
untergebracht.
10. Landschaft- und Naturschutz
Seit mehr als hundert Jahren werden die Schönheiten der Rissener Landschaften erkannt und diese daher gern aufgesucht. Als Rissen 1927 nach Altona eingemeindet wurde, sah man darauf, dass die Gemarkung nicht völlig zersiedelt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg bemühte man sich sehr um den Schutz erhaltenswerter Gebiete.
So steht die Rissener Gemarkung außerhalb des dichter
besiedelten Bereichs unter Landschaftsschutz. Unter
Naturschutz gestellt mit seinen strengeren Anforderungen wurden
1952 die Elbinseln Neßsand und Schweinesand, 1979 das
Schnaakenmoor, 1986 die Wittenbergener Heide und die
Elbwiesen. Die Bemühungen gehen heute teilweise über die
Erhaltung des Naturzustandes hinaus, indem man Teile der
Landschaft wieder in den früheren Naturzustand
zurückzuversetzen sucht. Die Erhaltung der Heide wurde
einst durch Heidschnucken und Plaggenhieb bewirkt, heute bemühen
sich die Naturschützer darum. Im Schnaakenmoor
wurden Teile der Wiesen wieder zugunsten des Moores umgestaltet.
Man bemüht sich um die Erhaltung des Bestandes anderer
Pflanzen. Der Wildbestand an Rehen und Kaninchen ist im
Südteil stark zurückgegangen; Kreuzottern und die selten
gewordene Zauneidechse gibt es im Schnaakenmoor. Gern
aufgesucht zu Wanderungen wird auch das Klövensteengehege. 1972
wurden, vor allem durch die Bemühungen von Andreas Hansen,
östlich vom Sandmoorweg und nördlich der Fischteiche das
Wildgehege von 25 Hektar angelegt. Hier können Interessierte
innerhalb von Schutzgittern die heimischen Tiere des Waldes
beobachten.
11. Wittenbergen
Zweifellos
zählt Wittenbergen zu den schönsten Landschaften Hamburgs. Die
hier etwa 25 m hohe Geest tritt unmittelbar an die Elbe heran,
welche unterhalb Wedels auf den letzten achtzig Kilometern ihres
Laufs nur noch von Marschen begleitet wird. Da der Strom
seit jeher an seinen Ufern nagte und der weiße Sand von den
Hängen ständig abrutschte, erschienen diese als Witte
Berge".
Seit
der Bepflanzung des Hanges mit Bäumen und Büschen einerseits,
dem Bau von Leitdämmen und Buhnen andererseits, ist dieser nun
festgelegt, so dass der bloße Sand nur hier und da noch in
Erscheinung tritt. Östlich von der Landungsbrücke ist ein
Streifen Marschland vorgelagert, der einst den Rissener Bauern
zur Heuanlieferung sehr erwünscht war, wo man heute im Frühling
die selten gewordenen Schachblumen bewundern kann. Kein Wunder,
dass Hamburger Maler wie Jacob Gensler, Johann Georg Haeselich,
Wilhelm Heuer u. a. dieses Elbufer gern gemalt haben.
Einzelne
Häuser hat es dort schon früher gegeben. 1703 kaufte der
irische Graf Clancarty ein solches, um von hier aus dunkle
Geschäfte mit Strandraub zu betreiben. Im 19. Jahrhundert
wurde dort eine Bootswerft betrieben. Schließlich kamen auch
immer mehr Menschen hierher, um die reizvolle Landschaft zu
genießen. Schon vor dem Ersten Weltkrieg kamen sie mit den
an der Landungsbrücke anlegenden Schiffen, rasteten am Ufer und
badeten hier, solange die Wasserqualität der Elbe es
erlaubte. Vor dem Kurhaus gab es Badekabinen und
Strandkörbe, einen Musikpavillon, Karussels, Schießbuden usw.
Gaststätten wie die von Heuer und das Fährhaus Wittenbergen
boten sich den Besuchern an, die als Folge der Sturmfluten von
1962 und 1976 dann weichen mussten. Der Weg am Ufer und
Spazierwege am und auf dem Hang mit ihren Bänken werden gern und
viel angenommen. So ist der westlich vom Leuchtturm
angelegte, nach dem früheren Leiter des Altonaer Gartenbauamtes
Otto Schokoll, benannte Höhenweg besonders beliebt.
Gewissermaßen das Symbol Wittenbergens ist sein Leuchtturm. Er
zeigt zusammen mit dem oberen Leuchtturm von Tinsdal seit ihrer
Inbetriebnahme am 1. Januar 1900 den von Hamburg kommenden
Schiffen den Weg, indem diese die beiden Richtfeuer in Deckung
halten müssen. Nachts tun das die Richtstrahlen, im
Gleichtakt vier Sekunden Licht und vier Sekunden Dunkelheit. Als
Folge einer Fahrwasserverlegung 1905 wurde der untere Leuchtturm
um neun Meter elbwärts versetzt. Nur bei Nacht und Nebel
mussten die Schiffe früher ankern und die Schiffsglocke läuten.
Seit ca. 1960 ermöglicht das Bord-Radar-Gerät auch dann
eine Weiterfahrt. Eine zusätzlich angelegte Kette von
Radarstationen, zu der auch der Turm von Neßsand gehört,
ermöglicht die Zusammenfassung der Ergebnisse in der
Verkehrszentrale Brunsbüttel, von der aus die Schiffer über
Sprechfunk vor möglichen Gefahren gewarnt werden.
Vom
Höhenweg am oberen Leuchtturm hat man einen
weiten Blick auf die zwei Kilometer breite Elbe, auf die durch
Rufspülung von Baggersand entstandene acht Kilometer lange
Insel, auf die Marschgebiete des Alten Lands bis zu den Schwarzen
Bergen und der Stader Geest.
Ein
bemerkenswerter Fund wurde 1976 von einem Bagger bei der grünen
Fahrwassertonne Nr. 127 querab vom Leuchtturm Wittenbergen
gemacht. Man fand Teile eines Wracks und seiner Ladung,
bestehend aus Kupfer- und Zinnbarren, Kanonen, Musketen u. a. m. Es
muss sich um ein im Krieg zwischen den Niederländern und
Spaniern versenktes (ca. 1600) spanisches oder in spanischen
Diensten fahrendes Schiff handeln. Die Elbe befand sich bis zur
Mitte des 19. Jahrhunderts im Naturzustand. Bei
Niedrigwasser wies sie stellenweise weniger als drei Meter
Wassertiefe auf. Dann begann man in immer stärkerem Maße
mit dem Ausbaggern der Fahrrinne, heute 14,5 Meter tief, welches
einen wichtigen Aspekt für die Nutzung des Hamburger Hafens
darstellt, der sich so im internationalen Markt führend
behaupten kann. Gut beobachten kann man die immer größer
werdenden Schiffe (bis zu 9.000
Container), da ihr Weg dicht am Ufer entlang führt. Man
bemerkt, dass man sich an einer der Schlagadern des Weltverkehrs
befindet und spürt einerseits mit der Tide von ca. 3,5 Metern
den Atem des Meeres.
12. Schlussbetrachtung
Wie
steht Rissen im Vergleich zu seinen Nachbarorten Blankenese und
Wedel da? Blankenese hatte seine Fähre, im 18. und 19.
Jahrhundert bedeutenden Fischfang und schließlich eine
beachtliche Handelsflotte. Reiche Kaufleute hatten hier und in
Dockenhuden ihre von Parks umgebenen Sommerhäuser anlegen
lassen. Auch Wedel hatte seine Fähren, welche in der Zeit
der Ochsentriften und -märkte eine große Rolle spielten. Hier
entstanden im 19. und besonders im 20. Jahrhundert bedeutende
Industriewerke.
Rissen
war dagegen ein armes Dorf. Erst im 20. Jahrhundert holte
es auf und entwickelte sich zum Großstadtvorort. Auch in
Rissen spielten einige reiche Kaufleute eine gewisse Rolle. Vor
allem aber zog es Menschen an, welche die Nähe der Natur
suchten. Es ist zu einem sehr beliebten Stadtteil geworden
und man kann nur hoffen, dass die enge Verbindung zur Natur
erhalten bleibt.
Rissen, der westlichste Vorort Hamburgs in der Nachbarschaft zu Wedel hat den Vorzug einer landschaftlich herrlichen Lage zwischen dem Forst Klövensteen und dem Elbufer.
An Hamburgs westlichem Stadtrand in
Rissen dicht vor der Grenze nach Wedel-Schulau steht am Elbhöhenweg
eine Bank, von der aus ich oft den Blick
über die Elbe genieße und manch einem Schiff
nachschaue, das Hamburg verlässt, um seine kostbare
Fracht über die Meere zu befördern . Andere
Schiffe kommen aus den Häfen dieser Welt mit
Importgütern zu uns nach Hamburg. - Leider hat die
Weltfinanzkrise die noch vor einem Jahr boomende
Seeschifffahrt besonders stark erwischt, so dass viele
Schiffe aufliegen und die noch fahrenden Schiffe nur noch
teilweise beladen sind und der Hafen Hamburg über große
Ausfälle zu klagen hat. |
Leuchttürme sind Wegweiser für die Schifffahrt am Elbufer in Wittenbergen / Rissen |
Von dem aus einem Dorf erwachsenen privilegierten Wohngebiet hat man zwar eine längere Anfahrt in Hamburgs Stadtmitte, aber andererseits Erholungsgebiete direkt vor der Tür. Die Wittenbergener Heide, der Forst Klövensteen, die Holmer Sandberge, die Wedeler und Haseldorfer Marsch, sind gut wandernd oder mit dem Fahrrad erreichbar.
|
Rapsfeld im Mai am Klövensteen |
In der Umgebung von Hamburg-Rissen bin ich fast täglich zusammen mit meinem Mann per Tandem unterwegs. |
Gut erreicht man von Rissen aus per Fahrrad auch die Haseldorfer Marsch und die Holmer Sandberge.
| Ein beliebtes Ausflugslokal im Raum Wedel-Rissen auf dem Weg per Fahrrad in die Haseldorfer Marsch: Das Landhaus an den Karpfenteichen mit guter Küche und einem ordentlichen Preis-Leistungs-Verhältnis. |
| Von Rissen aus mit dem Fahrrad gut erreichbar findet man etliche sehr gute Einkehrmöglichkeiten, etwa das zu Schenefeld gehörende Restaurant im Reitstall Klövensteen mit einer hervorragenden Küche und einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. |
1255 Der Ort "Rysne" zum ersten Mal urkundlich erwähnt - in Rissen gab es: 1880: 425 Einwohner 1934: 2.500 Einwohner 1937: 3.000 Einwohner 1944: 6.000 Einwohner 1957: 11.000 Einwohner heute: ca. 15.000 Einwohner |
Mit der S-Bahn oder dem Auto benötigt man eine gute halbe Stunde, mit dem Fahrrad weite Strecken autofrei (etwa über Blankenese und Övelgönne am Elbwanderweg entlang oder auf Nebenstraßen über Sülldorf, Iserbrook, Osdorfer Born, Bahrenfelder Volks- und Lutherpark) für die ca. 20 km gut eine Stunde bis zur Innenstadt.
|
In Rissen gibt es viele Alterspflegeheime und Seniorenwohnanlagen, wie z.B. die Wilhelm-Dähn-Stiftung an der Hobökentwiete. Die Wilhelm-Dähn-Stiftung unterhält an der Hobökentwiete in Hamburg-Rissen eine zwischen 1958 bis 1961 errichtete aus 6 Häusern mit 112 Wohnungen bestehende Seniorenwohnanlage, in der - bevorzugt minderbemittelte - ältere Menschen ab 58 Jahren, die sich noch selber versorgen können, eine preiswerte, ruhig gelegene Wohnung finden. Es sind fast immer ruhige preisgünstige Wohnungen frei. Besonders geeignet für noch mobile (Radfahrer) Senioren. Fragen Sie beim Hausmeister nach: 040-826506 oder im Büro 040-811484. |
Über den Stifter:
Wilhelm Dähn wurde am 8. Mai 1886 in Schwerin geboren. Nach Besuch des dortigen Realgymnasiums erhielt er seine kaufmännische Ausbildung in der Getreide-, Futter- und Düngemittelgroßhandlung Josef Löwenthal & Co. Anschließend ging er nach Frankreich, wo er zwei Jahre in Rouen und Marseille in den Häusern der Firma Goldstück, Hainze & Co. verbrachte, einer Firma, die sich in der Hauptsache mit der Durchführung von Abladekontrollen beschäftigte. Ein kurzer Aufenthalt in England diente gleichfalls seiner weiteren Ausbildung. Nachdem er seiner Militärpflicht beim Inf.-Reg. "Königin" in Flensburg genügt hatte, trat Wilhelm Dähn am 1. April 1908 bei der Getreidegroßhandelsfirma Louis Dreyfus & Co., Hamburg, ein.
Bei seinen häufigen Kontrollfahrten im Hamburger Hafen im Auftrage des Kontrollbüros dieser Firma erkannte er bald, dass auf dem Gebiete der Empfängerinteressen bei der Abnahme von Ölsaaten und Ölfrüchten wichtige Aufgaben zu erfüllen seien. Er entschloss sich daher am 1. Juli 1908 zur Gründung einer eigenen Firma unter seinem Namen als Kontrollbüro der Harburger Oelwerke Brinckmann & Mergell. Das erste Büro befand sich im Hause Rödingsmarkt 82 in Hamburgs Innenstadt.
1912 fusionierte der Dähnsche Betrieb mit einer in Stettin für gleiche Aufgaben gegründeten Firma unter der Firmenbezeichnung Dähn & Hamann. Die Ölmühlen an Elbe und Oder sowie in Böhmen gehörten vor dem ersten Weltkrieg zu den Kunden des Betriebes. Wilhelm Dähn war auch an der Hamburger Explosivstoff-Werke G.m.b.H. und in den 50er Jahren an der Norddeutschen Reederei G.m.b.H. beteiligt.
1914 wurde Wilhelm Dähn gleich nach der Mobilmachung zum Militär eingezogen. Der Geschäftspartner Hamann verstarb 1919 plötzlich. 1922 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von einer Million Mark umgewandelt. Wilhelm Dähn wurde alleiniger Vorstand. 1932 wurde die AG in eine G.m.b.H. umgewandelt.
1933 konnte die Firma auf ihr 25jähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlass wurde die Wilhelm-Dähn-Stiftung mit einem Betrage von 25.000,- RM errichtet. Dieser Fonds diente in erster Linie zur Gewährung von niedrig verzinslichen zweiten Hypotheken an langjährige Mitarbeiter für die Errichtung von Eigenheimen, darüber hinaus auch zur Unterstützung unverschuldet in Not Geratener.
In einem Bericht aus Anlass des 50jährigen Bestehens der Dähn & Hamann G.m.b.H. am 1. Juli 1959 heißt es:
"Die Wilhelm-Dähn-Stiftung konnte aus steuerlichen Gründen nicht für die Finanzierung des Hausbaues in der Nachkriegszeit herangezogen werden. Die Satzung der Stiftung wurde daher abgeändert. Außer der Unterstützung von in Not geratenen Betriebsangehörigen ist ihr Hauptzweck die Errichtung eines Altersheims. Es ist beabsichtigt, auf einem Wilhelm Dähn gehörenden Grundstück in Rissen ein Heim zu errichten. Mit dem Bau wird voraussichtlich in Kürze begonnen."
»Sterben ist noch immer ein Tabu-Thema«
Kinder-Hospiz in Hamburg-Rissen |
Die "Sternenbrücke" für
aufgegebene Kinder
Am Waldrand im Nordwesten von Rissen liegt die ehemalige Reeder-Villa mit dem Kinder-Hospiz. Die meisten Kinder sind nur für wenige Wochen in der "Sternenbrücke".
"Wir möchten Familien und auch den zahlreichen Spendern die Chance geben, die Hemmschwelle zu überwinden, hierher zu kommen und unser Haus von innen zu sehen", sagt die gelernte Kinderkrankenschwester Ute Nerge. Dass auch Kinder sterben, wenn sie unheilbar krank sind, wird meistens verdrängt. Die betroffenen Familien sind in dieser Situation meist ganz allein, weil Sterben immer noch ein Tabu-Thema ist. Kinder-Hospize wie die "Sternenbrücke" in Hamburg-Rissen helfen aktiv: Seit dem Jahr 2003 werden dort unheilbar kranke Kinder und ihre Familien begleitet. Die meisten der todkranken Kinder leiden an seltenen Muskel- und Stoffwechselerkrankungen, einige haben Krebs.
»Bundesweit gibt es nur vier
Kinder-Hospize«
Bundesweit gibt es mit der
"Sternenbrücke" vier Kinder-Hospize, die auch die
Angehörigen mit aufnehmen. Das besondere in Rissen ist, dass
hier die Familien nicht nur Betreuung in der letzten Lebensphase
der Kinder erhalten, sondern auch selbst für maximal vier Wochen
eine Art Urlaub in der "Sternenbrücke" machen können.
"Weihnachten waren wir als einziges Kinder-Hospiz
ausgebucht, weil die Familien sich bei uns so geborgen
fühlen", sagt Ute Nerge glücklich. Für die Familien wird
hier das Alleinsein und die Isolation gelindert. Bisher sind in
der Sternenbrücke vier Kinder gestorben, aber insgesamt wurden
153 Kinder und ihre Angehörigen betreut.
Die "Sternenbrücke" fühlt sich nicht an wie ein
Krankenhaus. Im Gegenteil, auf dem 40 000 Quadratmeter großen
Parkgrundstück herrscht eine offene, freundliche Atmosphäre.
Die Räume sind gelb gestrichen, es gibt viele Kuscheltiere und
einen großen Spielplatz. Ute Nerge ist eines besonders wichtig:
"Die Familien können unabhängig von ihren finanziellen
Möglichkeiten kommen. Unser Haus ist für alle da, die unsere
Unterstützung in dieser schweren Zeit brauchen." 340,- Euro
pro Tag kosten Betreuung, Unterkunft und Pflege im Kinder-Hospiz.
Etwa 70 Prozent davon werden von den Kranken- und Pflegekassen
bezahlt, der Rest wird über Spenden finanziert. Insgesamt zwölf
Kinder und deren Familien können gleichzeitig im Hospiz leben.
"Die Familien lernen sich kennen und unterstützen sich
gegenseitig", sagt Nerge. In der "Sternenbrücke"
gibt es viele Orte der Kommunikation: ein Spielzimmer, einen
Kaminraum, eine Gemeinschaftsküche und einen besonderen Raum zur
Entspannung mit Wasserbett, Musik und Sternenhimmel. 17
Kinderkrankenschwestern, ein Schmerztherapeut, eine
Sozialpädagogin, ein Psychologe und ein Trauerbegleiter stehen
Kinder und Eltern Tag und Nacht zur Seite.
nach Nicola Korte, DPA
http://www.johannesgemeinde.de/
Die Rissener
Johannes-Kirchengemeinde
Angesichts
der 750 Jahre Rissener Dorfgeschichte sind die Jahrzehnte der
Rissener Kirchengemeinde gewiss kein
hohes Alter. Seit fast 70 Jahren gibt es die
Johannes-Kirche in Rissen. Vor der Jahrhundertwende mussten
die Rissener und Tinsdaler Bürger nach Nienstedten gehen, wenn
sie den Gottesdienst besuchen wollten; denn zu diesem Kirchspiel
gehörten damals die Ortsteile Tinsdal und Rissen. Zum
Glück wurde der Weg zum Gottesdienst 1896 kürzer, weil unser
Nachbarstadtteil Blankenese eine eigene Kirche bekam, und so
wurden die Ortsteile Tinsdal und Rissen der Kirchengemeinde
Blankenese zugeschrieben. Die Zahl der Einwohnerschaft in
den Elbdörfern wuchs ständig, so dass 1924 eine gemeinsame
Pfarrstelle für die Dörfer Schenefeld, Sülldorf und Rissen mit
Tinsdal eingerichtet wurde. Bis zu einem eigenen
Kirchengebäude in Rissen sollte jedoch noch einige Zeit
vergehen, und bis dahin wurden zunächst die Gottesdienste im
Hause Sandmoorweg 21 gefeiert und anschließend in Räumen der
Alten Steinschule. 1936 bekam Rissen endlich eine eigene
Kirche. In der Nachbarschaft zu alten
Bauernhäusern - damals noch in der Mitte des Ortes - stand sie
bescheiden, ohne einen großen Turm, und wurde schnell zum
Mittelpunkt des dörflichen Geschehens. Inzwischen hat sich
in Rissen viel verändert, und so sind fast alle der zahlreichen
ursprünglichen Sommer- und Wochenendhäuser höheren Neubauten
gewichen. Veränderungen hat auch unsere Kirche seit ihrer
Einweihung erfahren. Sie ist umgestaltet und zweimal
renoviert worden. Nach der ersten Umbau- und
Renovierungsphase wurde sie im Dezember 1961 wieder der Gemeinde
übergeben.
Mit
der Fertigstellung des Gemeindehauses 1956 hatte die
Johannesgemeinde nun geeignete Räume für das stets wachsende
Gemeindeleben. Und mit der Errichtung des Kindergartens am
Rissener Busch wurde die bauliche Tätigkeit der Gemeinde
zunächst beendet.
Seit
Gründung der Rissener Johanneskirche hat sich trotz mancherlei
Veränderungen in der Gesellschaft viel kirchliches Gemeindeleben
im Ort bewahrt, ohne sich dabei Neuem zu verschließen: Es gibt
Gottesdienste in traditioneller Form und auch in erneuerter Weise
für große und kleine Leute und auch für Schüler, für
Jugendliche. Im Kindergarten, in den Kinder- und Jugendgruppen
wachsen Menschen in den christlichen Glauben hinein. Fahrten,
Freizeiten, Feste und Kinder Bibel Wochen setzen besondere
Highlights. Die Jugendlichen haben einen offenen Treffpunkt
im T-House. Viel wird bei uns musiziert und gesungen: im
Kinder- und Jugendchor, in der Kantorei und im Seniorenchor, im
Orchester und im Bläserensemble. Es gibt Bibel- und
Gesprächskreise, Seminare und Vorträge. Diakonisches
Engagement zeigt der Besuchsdienstkreis, der sich um einsame und
alte Menschen kümmert und die Diakoniestation, die kranke und
pflegebedürftige Menschen zu Hause versorgt. Gerechtigkeit
in der Welt ist das Thema der Eine-Welt-Gruppe, die ehrenamtlich
einen Laden am Durchgang zum Vosshagen betreibt und den
Weihnachtsmarkt organisiert. Partnerschaft pflegen wir mit
den Kirchengemeinden Maliwa, Ilungu und Ikete in Tanzania und mit
der LutherKirchengemeinde in Stralsund. All dies wäre
nicht möglich ohne eine sehr große Zahl von ehrenamtlich
engagierten Christen bei uns in Rissen. Und dies alles ist für
uns Ausdruck des Segens und der Güte Gottes. So sind wir
dankbar für die Möglichkeiten der Verkündigung des
Evangeliums von Jesus Christus inmitten aller Veränderungen
in unserem Lande - zwischen Natur und Technologie, zwischen
Großstadt und Landschaft; zwischen Krieg und Frieden und
zwischen Geburt und Tod.
|
Die evangelisch-lutherische Johanneskirche in Rissen |
Alter Altar in der evangelisch-lutherische Johanneskirche in Rissen |
Otto Flath Pietro Angelo Benedetti - eine mögliche Begegnung
veröffentlicht in der Rissener Rundschau
Gedanken über
den Altar in der Johanneskirche
in Rissen
Otto Flath kannte
ich nicht. In Bad Segeberg konnte ich mich über das Werk dieses
Künstlers informieren. Und als ich erfuhr, dass in der
Johanneskirche in Rissen ein Altar von ihm zu linden sei, ging
ich sofort dorthin, um ihn mir anzusehen. Erstaunlicherweise
fand ich ihn nicht im Altarraum, sondern fast erdrückt unter
der Orgelempore. Da begann für mich ein intensives Studium des
Werks. Mir gefiel sofort die gelungene Komposition. der Aufbau
der verschiedenen Figuren sowie die grobere Art des Schnitzers
und die Farbe des Holzes. Die Struktur dieses Altars ist deutlich
in zwei Hälften geteilt, die sich aber völlig integrieren. Der
erste Teil stellt die Anbetung der Hirten" dar und ist
in vielen Hinsichten ein Meisterstück.
Der zweite Teil ist seiner Schaffenszeit weit
voraus, schwingt in einer besonderen Atmosphäre.
Zum Detail: In der Anbetung der Hirten finde ich
mittelalterliche Strukturen und Parallelen mit italienischen
Meisterwerken, also eine Verschmelzung von nördlichen und
südlichen Stil-Merkmalen. Die Hirten grob geschnitzt, der Engel
verträumt, der heilige Josef versinkt in seiner Verantwortung.
Aber das Berührende ist die Komposition der Mutter mit dem Kind.
Die Züge der Mutter sind außerordentlich
strahlend, in sich ruhend, weich. Das Kind. thronend, ja
majestätisch, aus der Nähe betrachtet nur ein Kind. dessen
zukünftige Mission doch lesbar ist. Was das Ganze berührt ist
eine besondere Interaktion von allen Figuren, die intim an
einer Verheißung beteiligt sind. Die Botschaft, die aus dem Werk
hervorgeht, finde ich in unserer Zeit besonders wichtig. Alles
spricht von liebevoller Achtung.
Der zweite Teil, wie gesagt, versetzt den
Betrachter in eine andere Dimension. Die Christusfigur, die sich
über alle anderen erhebt, spricht ebenfalls eine Sprache für
sich. Ja, in unserer Zeit, New Age oder 3. Milenium, passt es
ganz gut zusammen. Es ist fast eine Botschaft des Guten, die
transzendente Züge in sich hält und strahlt. Die Figur des
Christus ist verträumt, man würde sagen irreal. Aus dem Kind
links ist etwas Astrates, Universelles geworden.
Es
ist klar, das Werk hat mich
Pietro Angelo
Benedetti Künstler aus Italien
Wildgehege
Rissen
Für
Kinder ein ganz besonderes Erlebnis: Wildtiere, die ganz nahe
kommen und sich füttern lassen.
Die
Stars im Wildgehege: Wildschweine - immer hungrig und laut
grunzend sorgen sie für Unterhaltung.
Das
Wildgehege ist zwar kein Streichelzoo - das eine oder andere Tier
lässt sich aber trotzdem anfassen.
Den
Wald vor lauter Bäumen nicht sehen - ähnlich verhält es sich
mit manchen Ausflugszielen. Sie liegen so nah vor der
eigenen Haustür, dass man Gefahr läuft, sie zu vergessen. Das
Rissener Wildgehege am Klövensteen gehört dazu. Ein Ausflug
hierher lohnt sich immer - an schönen Herbsttagen aber ist der
Wildpark ein besonderes Naturerlebnis. Vor allem Kinder
kommen auf ihre Kosten. Neben dem Toben auf dem Spielplatz
am Eingang des Geheges kann der Nachwuchs hier nach Herzenslust
das tun, was vielerorts verboten ist: Tiere streicheln und
füttern. Natürlich darf nicht alles verfüttert werden,
was zu Hause übrig ist. Unbedenkliches Futter kann man zum
Beispiel am Kiosk der "Kleinen Waldschänke", direkt am
Parkplatz vor dem Wildgehege kaufen. Besonders aktiv und
gut zu beobachten sind die Tiere morgens gegen 9 Uhr zur
Fütterungszeit. Hilfreich ist ein Fernglas auf dem
weitläufigen Gelände. Nicht umsonst heißt das 24 Hektar
große Areal Wildgehege und nicht Zoo - die Tiere haben die
Möglichkeit, sich dorthin zurückzuziehen, wo man sie nicht
sehen und anfassen kann. Auch das ist eine Lektion, die
Kinder hier lernen können. Im ersten Gehege finden sich
Frettchen. Um sie zu Gesicht zu bekommen, ist manchmal
einige Geduld gefragt, da sie sich gern in den Strohballen und
Höhlen ihres Käfigs verstecken. Frettchen fangen unter
anderem Ratten und Mäuse, weshalb davon abgeraten wird, die
Nager durch das Gitter zu streicheln - so niedlich sie sind, es
handelt sich eben doch um kleine Raubtiere, die ordentlich
zubeißen können. Besser zu sehen und faszinierend: Die
Uhus im neu errichteten riesigen Freiluftgehege. Mit einer
Körperlänge von bis zu 70 Zentimetern und einer Spannweite von
bis zu 1,80 Meter sind sie beeindruckend groß. Faszinierend
zu sehen, wenn sie sich durch den Käfig schwingen. Uhus
sind die größten Eulen und orientieren sich mit ihrem
vorzüglichen Gehör und ihren lichtempfindlichen Augen. Toll
zu beobachten, wie die Uhus ihren Kopf um bis zu 270 Grad
wenden. Das machen sie, weil sie - anders als Menschen -
ihre Augen nicht verdrehen können. Um zur Seite zu
schauen, müssen Sie also den ganzen Kopf drehen. Als
nächstes kommen die unangefochtenen Stars des Wildgeheges - die
Wildschweine. Sie sind alles andere als scheu und
wohlerzogen - stinken, wälzen sich im Schlamm, streiten sich
lautstark um jeden Bissen, wobei es manchmal ganz schön ruppig
zugeht. Die schlauen Schweine sind eigentlich immer dort,
wo auch die Besucher des Wildgeheges sind - denn dort gibt es in
der Regel Futter. Im Herbst gibt es allerdings keine
niedlich gestreiften Frischlinge zu sehen, die kommen erst wieder
im Frühjahr zur Welt. Auf den großen umzäunten Wald- und
Wiesenflächen im hinteren Bereich des Wildgeheges gibt es
verschiedene Paarhufer zu sehen: Damwild, das im Mittelalter als
Jagdwild aus dem Mittelmeerraum eingeführt wurde. Oder
Mufflons - Wildschafe aus Sardinien, Korsika und Zypern, deren
Paarungszeit im Herbst beginnt. Auch das Sikawild, eine
Hirschart aus Südostasien, ist dann in der Brunft und lässt
sich ebenso beobachten und füttern wie das heimische Rotwild. Überall
im Wildgehege gibt es lehrreiche Schautafeln, die den Wald und
seine Tiere und Pflanzen erklären. Das Tolle für die
Eltern: Nach wie vor kostet der Besuch des Wildgeheges keinen
Eintritt. Gesponsert wird das Wildgehege von der
Irmgard-Greve-Stiftung. Am 29. September 2005 erst wurde -
nach einjähriger Planungsphase - der Grundstein für das neue
Informations- und Schulungshaus gelegt. Mit großzügigen
100.000.- Euro fördert die Irmgard-Greve-Stiftung dieses
Bauvorhaben. Der Bau dieses 80 Quadratmeter großen
achteckigen Holzhauses steht ganz im Fokus der hamburgischen
Naturressourcen. Ein Großteil des verbauten Holzes stammt
aus der Revierförsterei Klövensteen. Zukünftig soll
durch die Nutzung des Hauses insbesondere über die natürlichen
Ressourcen der Land- und Forstwirtschaft sowie über die
heimische Tierwelt und den Naturschutz informiert werden. Aber
auch kulturelle und waldpädagogische Veranstaltungen werden im
Informationshaus Klövensteen stattfinden. Damit werden
genau die Ziele des Fördervereins Klövensteen getroffen, der
mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald zu den weiteren
Unterstützern gehört. Der Förderverein machte mit
Maßnahmen wie dem Bau des Informations- und Schulungshauses oder
der bereits erfolgten Vergrößerung des Uhugeheges das
Wildgehege für die Naherholung erhalten und ausbauen und zu
einem Ort der Natur- und Umweltbildung entwickeln.
Aus
Rissener Rundschau Oktober 2005
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