11.4.2002
| Familientragödie in Graz:
Kranke Tochter tötete die pflegebedürftige, schwerkranke Mutter und sprang
Stunden später aus dem Fenster. Über Jahre hat sie ihre an Alzheimer leidende Mutter aufopfernd und liebevoll gepflegt, vor einer Woche hat sie erfahren, dass sie selbst an Krebs erkrankt ist: aus Angst davor, ihre Mutter in Zukunft nicht mehr ausreichend betreuen zu können, beging eine 59-jährige Grazerin eine Verzweiflungstat. Vermutlich bereits Dienstag abend verabreichte sie der 88-jährigen Mutter eine Überdosis Tabletten, am Mittwoch stürzte sich die Frau aus einem Fenster im sechsten Stockwerk eines Mehrparteienhauses und war sofort tot. Herbert Mattersdorfer von der Grazer Kriminalpolizei sagt über die Hintergründe der Tat: "Nachdem die Tochter von ihrer Krebserkrankung erfuhr, hatte sie große Bedenken, wie es in Zukunft mit ihrer Mutter weitergehen soll." In mehreren Abschiedsbriefen gab die Tochter an, sie habe ihre geliebte Mutter erlösen und ihr danach in den Tod folgen wollen. Brandhofgasse, kurz vor 14 Uhr: Passanten fanden auf dem Gehsteig eine Frauenleiche und schlugen Alarm. Als Rettung und Polizei eintreffen, finden sie in dem mehrstöckigen Wohnhaus eine zweite tote Frau. Die Mutter der Selbstmörderin lag regungslos im Bett, neben ihr wurden zahlreiche leere Medikamenten-Packungen gefunden. Ob die schwer kranke Mutter in die Verzweiflungstat eingeweiht war, wird von Herbert Mattersdorfer bezweifelt: "Wir gehen eher davon aus, dass die Tochter eigenmächtig gehandelt hat." Die 59-Jährige dürfte ihre Mutter bereits am Dienstagabend getötet haben. Die definitive Todesursache der betagten Frau wird zwar erst nach der Obduktion feststehen, an der Tabletten-Überdosis wird aber nicht gezweifelt. Jahrlang hatten die beiden Frauen in zwei getrennten Wohnungen im gleichen Haus gelebt. In den erschütternden Abschiedsbriefen ist immer wieder von "Zukunftsängsten" und Sorge um die "arme, liebe Mutter" die Rede. -> Hintergrund:
Selbstmord |