Der Weg zur Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer:
Um als Kriegsdienstverweigerer anerkannt zu werden, muß der Wehrpflichtige folgende Dokumente bei dem zuständigen Kreiswehrersatzamt einreichen. (Zur Beweisfunktion: am besten als Einschreiben mit Rückschein)
Der Antrag auf Anerkennung als KDV kann jederzeit, d.h. auch nach der Musterung bzw. im Extremfall auch noch, wenn man seinen Grundwehrdienst angetreten hat, gestellt werden. Wichtig ist hierbei, gewisse Formvorschriften zu beachten:
Beispiel:
| An das Kreiswehrersatzamt...
Betr.: Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer
Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit verweigere ich den Kriegsdienst unter Berufung
auf das Grundrecht der Kriegsdienstverweigerung nach Art. 4 Abs. 3 Satz
1 des Grundgesetzes. Ich kann mich aus Gewissensgründen an keinerlei
Waffenanwendung zwischen den Staaten beteiligen.
Meinem Antrag füge ich bei:
|
Kernstück der Verweigerung ist die Begründung, weshalb man niemals Kriegsdienst leisten könnte. Ich gebe Euch hier als Beispiel meine Kriegsdienstverweigerung an, die als Orientierungshilfe dienen kann.
Zudem findet Ihr dann unten noch Links zu weiteren Seiten im Netz zu diesem Thema.
Die Beweggründe für meine Entscheidung möchte ich hier aufführen. Sie basieren auf meiner Lebenserfahrung, meinen persönlichen Auffassungen, und meinem Weltbild.
Bereits bei meiner Erziehung legten meine Eltern
großen Wert darauf, mich zu rücksichtsvollem und tolerantem
Verhalten gegenüber meinen Mitmenschen zu erziehen. Sie brachten mir
bei, daß Gewalt niemals ein geeignetes Mittel zur Beseitigung von
Konflikten ist. Mit zunehmendem Alter begann ich, selbst die mir vermittelten,
christlichen Werte zu vertreten. Das menschliche Leben ist für mich
das höchste Gut auf unserer Welt, und es sollte geachtet und in keinster
Weise absichtlich angegriffen oder gar zerstört werden.
Krieg bringt Leid und Trauer mit sich; von den
Schrecken und Greueltaten des Krieges im ehemaligen Jugoslawien habe ich
durch Kriegsflüchtlinge, die ein befreundeter Theologe bei sich aufgenommen
hatte, erfahren. Ich hatte die Möglichkeit, mit ihnen über die
Ursachen und Folgen des Krieges zu diskutieren. Ich war schockiert, als
ich von den brutalen Angriffen gegen das menschliche Leben erfuhr, denn
bislang hatte ich Informationen nur durch die Medien erhalten. Die Kriegserlebnisse
dieser Flüchtlinge waren grausam und fast unglaublich, aber sie vermittelten
die Wahrheit über das Leid der Bevölkerung. Diese Leute hatten
nichts mehr, sie hatten oftmals sogar ihre gesamte Familie verloren. Ich
könnte es niemals verantworten, jemandem so etwas anzutun, weder physisch
noch psychisch.
Meine Großmutter und die ältere Schwester meines Vaters erzählten mir oft vom Leben während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie berichteten mir von der Angst, die sie hatten, als sie und andere Landarbeiterinnen bei der Arbeit auf dem freiem Feld von den Bombern überrascht wurden, die Luftangriffe auf Städte und Verkehrsverbindungen flogen. Mein Großvater ist zudem im Zweiten Weltkrieg im Rußlandfeldzug gefallen. Für meine Oma begann damit eine ungewisse Zukunft. Plötzlich mußte sie allein die vier Kinder großziehen und sämtliche anderen Aufgaben selbst meistern. Durch den schrecklichen Krieg wurde ein glückliches Familienleben zerstört, ich selbst bin durch die Folgen des Krieges ohne Großvater aufgewachsen.
Ein weiterer prägender Lebensabschnitt begann
für mich mit dem Besuch des Gymnasiums. Ich interessierte mich besonders
für die Fächer Geschichte und Politik. Somit konnte ich einen
tieferen Einblick in die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe
während der Zeit des Zweiten Weltkrieges erlangen. Im Sommer 1994
reichte ich bei dem Schülerwettbewerb „Denk-Mal – ein Mensch im Widerstand“
der vom „Haus der Geschichte Baden-Württemberg“ veranstaltet wurde,
eine prämierte Arbeit ein. Im Zuge dieser Aktion hatte ich auch die
Möglichkeit, mit Zeitzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg über die
damalige Situation zu sprechen. Auch ihre Darstellung der grausamen Verbrechen
gegen das Leben haben mich bestärkt, niemals Gewalt gegen andere Menschen
einzusetzen.
Auch meine Lehrer legten großen Wert darauf,
uns zu sozialem und tolerantem Handeln zu erziehen. Sie brachten uns bei,
verantwortungsbewußt für Frieden und Menschenwürde einzutreten.
Außerhalb der Schule wurde ebenfalls mein Interesse für Geschichte und Politik geweckt. Seit Jahren lese ich regelmäßig die Zeitung und erhalte Zeitschriften von der Bundeszentrale für politische Bildung. Ich befaßte mich mit literarischen Werken über den Zweiten Weltkrieg, wobei besonders „Schindlers Liste“ von Thomas Keneally tiefgreifende Spuren bei mir hinterlassen hat. Besonders auch die Verfilmung von „Schindlers Liste“ zeigte auf, was für schreckliche Folgen Intoleranz und die Diskriminierung von Minderheiten haben können.
Der Besuch des Konzentrationslagers Buchenwald war ein weiteres prägendes Ereignis, das mich zum Verweigern des Kriegsdienstes bewegte. Diese Überlieferungen der schlimmsten Vergangenheit des deutschen Volkes machten mich zutiefst betroffen, denn hierbei erkannte ich, zu welchen Grausamkeiten Menschen fähig sein können. Ich fragte mich, wie die SS-Offiziere, die für den Tod von Tausenden von Menschen verantwortlich waren, ihre schrecklichen Taten mit ihrem Gewissen vereinbaren konnten. Von diesem Zeitpunkt an wußte ich, daß ich alles daran setzten muß, daß so etwas Unmenschlichen in Zukunft niemals mehr geschehen kann.
Aufgrund all dieser Erfahrungen sehe ich keinen Sinn in kriegerischen Handlungen. Meiner Meinung nach gibt es im Krieg keine Sieger, sondern nur Verlierer, denn jede gewaltsame Auseinandersetzung hat Leid und Opfer auf beiden Seiten zur Folge. Außerdem bewirkt der Krieg, daß der einzelne Mensch, das Individuum, seine Identität verliert, da er sich einem System von Befehl und Gehorsam unterwerfen muß. Ich könnte niemals Befehle ausführen, hinter denen ich weder mit vollem Gewissen noch mit voller Überzeugung stehe, da ich ein Mensch bin, der nicht einfach die mir aufgetragene Arbeit ausführt, sondern immer darüber nachdenkt, sie bestmöglich zu bewerkstelligen. Wenn ich etwas erledige, dann möchte ich selbst mit dem Resultat zufrieden sein. Ich könnte es jedoch niemals mit meinem Gewissen vereinbaren, anderen Menschen Leid und Schmerz zuzufügen, und sie in eine Stimmung zu versetzen, die das Leben nicht mehr lebenswert macht.
Meine persönlich Lebensauffassung ist von vielen verschiedenen Elementen geprägt. Großen Wert legten meine Eltern auf eine christliche Erziehung. Sie machten mich mit den christlichen Werten vertraut, die ich auch heute noch besonders achte. Mehrere Jahre lang war ich aktiv in unserer Gemeinde in einer christlichen Musikgruppe tätig. Dort, sowie im Religionsunterricht in der Schule, lernte ich die Grundlagen für das christliche Miteinander kennen. Inbezug auf meine Kriegsdienstverweigerung scheint mir das Doppelgebot (Mt 22, 34-40) die deutlichste religiöse Antwort zu geben: „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken, und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Jesus fordert also, seinen Nächsten zu lieben; er geht in diesem Gebot sogar noch über das Fünfte Gebot („Du sollst nicht töten“) hinaus, da man seinen Nächsten nicht nur unversehrt lassen soll, sondern man soll ihn sogar lieben. Jesu Botschaft, seine Forderung nach Nächstenliebe, wird auch durch den gewaltfreien Widerstand geprägt, der bis zum Tod am Kreuz führt, da er bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben zu opfern. Durch diese Tat bestätigt er seine Aussagen in der Bergpredigt: „Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sei werden das Land erben. Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.“ (Mt 5, 5;9).
Auch Persönlichkeiten wie Mahatma Gandhi oder
Martin Luther King haben in der jüngeren Zeitgeschichte den hindernisreichen
Weg des gewaltlosen Widerstandes gewählt, um ihre Forderungen umzusetzen
und so ihrer Wertevorstellung treu zu bleiben.
Meiner Ansicht nach ist der gewaltlose Widerstand
die beste Möglichkeit, Konflikte zu lösen, da jegliche Gewaltanwendung
nicht dem Frieden dient, sondern nur das Böse verstärkt. Auch
wenn es im ersten Moment gelingt, den Gegner durch Gewalt zu schlagen,
so ruft jede Gewaltanwendung immer eine Gegenreaktion hervor. Der Haß
desanderen wird verstärkt und eines Tages wird er mit geballter Kraft
zurückschlagen und wiederum neues Elend auslösen. Es entsteht
ein Teufelskreis, der zur Folge hat, daß ein Konflikt niemals gelöst
wird sondern im Gegenteil regelmäßig neue Verluste und Opfer
fordert. Ein dauerhafter Frieden kann nur dann erreicht werden, wenn Konflikte
rücksichtsvoll im gegenseitigen Dialog behoben werden.
Ich bin der Meinung, daß jeder Mensch für
sich persönlich die Gewissensentscheidung treffen muß, ob er
den Dienst an der Waffe leisten kann oder nicht. Dauerhafter Frieden kann
nur durch gewaltfreie Verständigung erreicht werden. Für mich
bedeutet der Dienst an der Waffe zwangsläufig die Anwendung von Gewalt.
Gewalt ist jedoch das falsche Mittel, um dauerhaften Frieden herzustellen.
Ich könnte mich niemals gegen das Leben eines anderen Menschen gewaltsam
erheben, da das Leben für jeden Menschen genauso wertvoll ist wie
für mich selbst. Da das Leben das höchste Gut des Menschen ist,
muß er dies auch so gestalten können, wie er es für richtig
hält. Dies bedeutet, daß jeder Mensch die Freiheit seiner Mitmenschen
achten muß und seine eigene Freiheit nicht mißbrauchen darf.
Für mich ist der Mensch das höchste
Gut der Schöpfung, dessen Würde bzw. dessen Leben es zu schützen
gilt. Im Kriegsfall wäre ich gezwungen einem Mitmenschen diese Würde
und das Leben nehmen zu müssen. Doch ich habe nicht das Recht, ein
Menschenleben zu zerstören; dies sagen mir mein Gewissen und meine
Wertevorstellungen.
Ich hoffe, die Gründe für meine Verweigerung des Kriegsdienstes überzeugend dargelegt zu haben. Ich bitte Sie, meinen Antrag auf Verweigerung des Kriegsdienstes aus Gewissensgründen anzuerkennen.
Mit freundlichen Grüßen
Diese Verweigerung sollte nur als Orientierung
gelten, also keinesfalls wörtlich übernehmen!
Viel Erfolg für Eure
Verweigerung!