Chevrolet Corvette

Intro
Als der zweite Weltkrieg vorbei war, stellte sich die amerikanische Automobilindustrie wieder vermehrt auf die Produktion ziviler Fahrzeuge ein. Diese unterschieden sich jedoch kaum von den Vorkriegsmodellen. Viele der heimkehrenden Soldaten führten zudem europäische Roadster, wie MGs, Austin-Healeys oder Jaguars mit sich. Diese Tatsachen veranlassten den amerikanischen GM Chef-Designer Harley Earl, sich Gedanken über eine amerikanische Antwort auf diese Sportwagen zu machen. Das geschah unter dem Namen project opel und endete im Januar 1953 mit der Vorstellung eines zweisitzigen Showcars bei der Motorama-Ausstellung im New Yorker Hotel Waldorf-Astoria. Das Auto bekommt später den Namen Corvette, den zuvor ein erfolgreiches Kriegsschiff trug.
Die erste Serie blieb relativ erfolglos, da man sich unter einem Sportwagen etwas Flotteres als ein mit Starrachse und 150PS Sechszylinder anno 1929 bestücktem Cabrio vorstellte. Der erst im Mai 1953 eingestellte russische Forschungsingenieur Zora Arkus Duntov nahm sich, nicht nur dank seiner Begeisterung für Rennsport, der Sache an. Dies nicht zuletzt um die Beschäftigungslage im Werk Flint, Michigan zu sichern. Das Ergebnis war ein, unter anderem von Ed Cole mitentwickelter 265 cui-V8, der erste von Chevrolet hervorgebrachte V8 nach über 30 Jahren. Trotz dieser Maßnahmen wollte das Geschäft mit dem amerikanischen Sportwagen nicht in Gang kommen. Man hätte an sich die Produktion einstellen müssen wäre da nicht der Ford Thunderbird gewesen! Um der Konkurrenz das Feld nicht einfach zu überlassen wurde die Corvette, mit leicht steigenden Verkaufszahlen, weiter gebaut.
Es kamen neue Motoren hinzu, und viele Details wurden verbessert. Dann kam das Jahr 1957, in dem die AMA einen Beschluss formulierte, der den Verzicht aller amerikanischen Autohersteller auf die Teilnahme an Motorsportveranstaltungen enthielt. Dieser wurde auch von den "Großen Drei" aus Detroit unterzeichnet. Jedoch hielt sich kaum einer daran. Und so kam es, dass Chevrolet, insbesondere Duntov, eine Reaktion auf Shelbys Aktivitäten einfiel. Schließlich wurde 1962 die Operation Mongoose ins Leben gerufen, die auf dem Papier eine Corvette "Grand Sport" mit 329 cui-flathead-V8 mit ca. 600PS zum Ergebnis gehabt hatte. Zu mehr sollte es nicht kommen, da Frederic Donner, stellvertretend für das GM-Management, derartige Aktivitäten verbot und auf die AMA-Resolution verwies.
Die GM-Ingenieure konnten jedoch Fahrzeuge aus dem Werk "schmuggeln" und an verschiedenen Rennen teilnehmen lassen. Motorisiert waren sie mit 485PS starken, 377 cui großen Achtzylinder Maschinen. Ende 1963 gelang dann das große Vorhaben und die "Grand Sport" schlug die "Shelby Cobra". Dieser Erfolg konnte natürlich nicht verborgen bleiben, und das Chevrolet Management verlieh seiner ursprünglichen Forderung Nachdruck, und verbannte alle Rennwagen aus dem Werk. Einige fanden inoffiziell ein gutes Zuhause und fuhren später noch erfolgreiche Rennen.
Insgesamt war die Renngeschichte der Corvette damit vorerst beerdigt. Es sind allerdings noch sehr viele grandiose "zivile" Modelle gebaut worden, und werden es auch noch weiterhin. Mit Recht kann man behaupten, dass kein anderes Fahrzeug soviel amerikanischen Sportwagengeist verkörpert wie eine Corvette.

1953-1962
Die ersten Corvettes waren mit einem 235 cui großen R6 ausgestattet. Sie besaßen ein 2 Gang Automatikgetriebe und eine Starrachse hinten. Es gab weder Türgriffe noch Seitenfenster zum Kurbeln. 1955 wurde ein 265 cui-V8 und ein 3-Gang Schaltgetriebe als optionale Ausstattung eingeführt. Ein Hardtop wurde ab 1956 angeboten. Ebenso bekam sie nun neben Türschlössern und Kurbelfenstern eingefasste Scheinwerfer und neue Kotflügel. Ab dem 57er Modelljahr gab es den 283 cui großen V8 mit einem PS pro cubic inch, übrigens ein Einspritzmotor. Außerdem wurde ein 4-Gang Schaltgetriebe ins Programm mit aufgenommen. 1958 wuchs die Vette um 25cm in der Länge und 5cm in der Breite und bekam Doppelscheinwerfer. Auch schlug sie in diesem Jahr den Thunderbird und schrieb erstmals schwarze Zahlen. 1961 gab es eine weitere Designänderung. Verantwortlich hierfür war William L. Mitchell, der Nachfolger von Harley Earl. Er wollte nicht in die Fußstapfen seines Vorgängers treten, und somit entstand ein neues Heckdesign, der sogenannte Ducktail - was zu Deutsch wohl soviel wie Entenarsch bedeutet. Auch verschwand sehr viel Chrom und die Endrohre der Auspuffanlage wurden aus der Stosstange verbannt.
1953: 300 | 1954: 3.640 | 1955: 700 | 1956: 3.467 | 1957: 6.339 | 1958: 9.168 | 1959: 9.670 | 1960: 10.261 | 1961: 10.939 | 1962: 14.531

1963-1967
Hier beginnt die Ära der legendären Sting Ray, der wohl begehrtesten Corvette. Ein stingray ist übersetzt nichts anderes als ein Stachelrochen. Diese Vettes zeichneten sich durch versenkbare Scheinwerfer, Einzelradaufhängung und geteilte Heckscheibe aus. Ab dem 64er Modell wurde eine, für amerikanische Verhältnisse sehr gut verzögernde, Vierrad-Scheibenbremse eingeführt. Der 283 cui Einspritzer wurde auf 327 cui vergrößert und leistete nun 375PS, bis er 1965 durch einen herkömmlichen 396 cui Motor ersetzt wurde. In diesem Jahr wurde auch der 350 cui V8 erstmals angeboten. Dieser wurde, nicht nur in der Corvette, zum meist verkauften Standardmotor schlechthin. Ab 1966 konnte man optional einen 427 cui Big Block mit bis zu etwa 600PS ordern. Ins Gespräch kam auch eine Mittelmotor Corvette, welche jedoch wahrscheinlich aus wirtschaftlichen Gründen nie vom Band lief.

1968-1982
Dies war die bisher längste und stabilste Phase in der Corvette-Geschichte. Designverantwortlich war Larry Shinoda, der den Wagen vor allem etwas schnittiger aussehen lassen wollte. Die Corvette bekam weiterhin ein komplett neues Fahrwerk. Ab dem 69er Modell hießen sie Stingray und bekamen ab 1971 einen 454 cui Big Block zur Motorenfamilie hinzu. Ab 1973 gab es integrierte Stossfänger und ab 1976 verschwanden die Convertibles auf Grund gesunkener Nachfrage aus den Showrooms der Händler. Die Motoren bekamen auf Grund der strengen Abgasgesetze deutliche Veränderungen und auch ein geplanter Wankelmotor viel diesen zum Opfer. Ab 1978 wurde der Name Stingray endgültig abgeschafft. Im Jahr 1983 wurde keine Corvette produziert.

1984-heute
Die Fahrzeuge bekamen 1984 unter Jerry Palmer ein komplett neues Design. Sie wirkten jetzt sehr sportlich und blieben im Laufe der folgenden Jahre Ihrem Ruf gerecht, Amerikas einzig wahrer Sportwagen zu sein. Aktuell wird die Corvette unter der internen Bezeichnung C5 gebaut und ein Ende ist nicht abzusehen.

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