Freitod und Theater
Studie über ungelebtes Leben
"Nacht Mutter" von Masha Norman am
Volkstheater Rostock
Umbringen werde sie sich. Heute noch. In der Inszenierung "'Nacht Mutter"
von Masha Norman am Volkstheater Rostock braucht die Mutter einige Zeit,
um diese Ankündigung ihrer Tochter zu erfassen. Und obgleich Tochter
Jessie betont, dies sei kein Witz, genießt sie nun die Wartezeit, wirft
der reaktionslosen alten Frau die spitzbübisch-erwartungsvollen
Seitenblicke eines garstigen unmündigen Kindes zu, das hofft, die Mutter
zu überraschen – ihr gar eins auszuwischen.
Im Verlauf des folgenden verbalen Ringens um Leben und Tod, Lebenssinn und
-leere, Ursachenforschung und Schuldverdrängung stellt sich heraus, dass
die Selbstmörderin in spe eine reife Frau ist: mit der Erinnerung an eine
missglückte Ehe und der Sorge um einen erwachsenen und bereits
vorbestraften Sohn. Noch später gewinnt der Zuschauer Gewissheit über das
zuvor nur vage Angedeutete, dass Jessie Epileptikerin ist.
Die Mutter hatte diese Krankheit seit der Kindheit der Tochter vertuscht
und unbehandelt gelassen, hatte Jessies Leben quasi in mütterlicher
Vormundschaft dirigiert und so ein eigenes Leben der Tochter verhindert.
Nun im Alter lässt sie sich diese Fürsorge von der Tochter in Form der
Haushaltsführung zurückzahlen. Es ist die Schicksalsgemeinschaft zweier
Frauen, die irgendwie füreinander da sind – jede für die andere, aber
keine für sich. Die Tochter sieht im Freitod die einzige Möglichkeit, ihr
Leben selbst zu bestimmen (wenigstens das Ende); als Frau ohne
Eigenschaften findet sie keinen Grund, es fortzusetzen.
Freitod scheint im Moment das bestimmende Thema im Schauspiel des
Volkstheaters Rostock. Am kommenden Sonntag erzählt die Premiere
"norway.today" im Ateliertheater die Geschichte zweier Menschen, die sich
per Internet zum gemeinsamen Freitod verabreden. Und mit "'Nacht Mutter"
hat das Theater im Stadthafen seit dem Wochenende eine Verhaltensstudie in
der Tradition des amerikanischen Psychodramas im Programm. Regisseur
Daniel Call (auch Bühnenbild und Kostüme) nahm dem bereits verfilmten Text
seine mitleidige Sentimentalität, indem er der Selbstmörderin Jessie eine
eigentümlich selbstverständliche Entschlossenheit verlieh. Simone Mendes
Jessie pendelt zwischen dieser zuweilen sogar gewitzten Leichtigkeit des
längst getroffenen Entschlusses und Augenblicken einer – gewohnten –
Verzweiflung. Dazu passt, wie sie – darin der Mutter sehr ähnlich – deren
Lebensalltag über ihren eigenen Tod hinaus organisiert, für Wäsche und
Lebensmittelnachschub sorgt.
Die Mutter, gespielt von Katrin Stephan, hat gegen diese Entschlusskraft
keine Chance. Ihr bleiben hilflose Versuche, zuweilen monoton gedehnte
Schreie oder Ausflüchte. Zuweilen scheinen beide Frauen darum zu ringen,
welche von beiden wohl das unglücklichste, am wenigsten lebendige Leben
geführt habe. Ein Hauch von Langeweile sei nicht verschwiegen, den die
zwar unsentimental, aber doch recht einschichtig gebotene Resignation dem
Abend verleiht.
Weiteres zum Thema Freitod im
Internet:
Informationen für Menschen mit
Freitodgedanken:
http://members.aol.com/suicidepsy/suizinfo.htm
Freitod und Theater:
http://www.abgang.net
Website von "norway.today":
http://www.norwaytoday.de
Forum über Suizid, Selbstmord und
Freitod:
http://suizid.h3.to
Weitere Diskussionsplattform über
Freitod:
http://de.clubs.yahoo.com/clubs/freitod
Mailingliste zum Thema Freitod:
http://groups.yahoo.com/group/Freitod/
Freitod im Internet:
http://suizid.net
Homepage über Freitod und Tod:
http://mitglied.lycos.de/suicider/
Ein Text über Freitod-Methoden:
http://www.geocities.com/semjasa777/selbstmord_methoden_1.htm
Weitere Anleitungen zum Freitod:
http://www.geocities.com/semjasa777/
Illegale Beihilfe zum Freitod per
Internet:
http://people.freenet.de/suizid.freitod.selbstmord/
Legale Beihilfe zum Freitod in den
Niederlanden:
http://www.minjust.nl:8080/c_actual/persber/pb0670.htm
Der niederländische Gesetzentwurf:
http://www.wernerschell.de/Rechtsalmanach/Heilkunde/ueberpruefungsverfahren.htm
Humanistischer Verband über
Freitod-Begleitung:
http://www.humanismus.de/hvd/trauer/freitod.htm
Die "Praxisphilosophen" und der Freitod:
http://www.philosophia-online.de/mafo/heft2001-04/blinder_fleck.htm
Der Freitod aus
christlich-philosophischer Sicht:
http://www.moesgen.de/pmoefrei.htm
Der Freitod Heinrich von Kleists:
http://people.freenet.de/hvkleist/
Der "Freitod" als Verzweiflungstat:
http://www.humanrights.de/s/s_lanka/suizide/freitod.htm
Rechtliches zum Thema Freitod:
http://people.freenet.de/freitod.recht/
Armin Strohmeyrs literarische Anthologie
über den Freitod:
http://www.literaturkritik.de/txt/1999-11-13.html
Kulturgeschichte Freitod:
http://www.hotel.wineasy.se/werbeka/bibliote/freitod.htm
Die Probleme der Katholiken mit dem
Freitod:
http://www.stern.de/politik/news/tagesthema/artikel_26734.html
Gedanken zum Freitod Hannelore Kohls:
http://www.hoeherewelten.de/freitod.htm
Homepage über einen Freitod-Fall:
http://www.meyer-spelbrink.de/vaeterszene/schaller.htm
Hausarbeit: "Freitod" oder "Selbstmord"?:
http://hausarbeiten.de/rd/archiv/sop/sop-text69.shtml |