Olaf Oelstrom
Nachrichtensprecher, Moderator und Programmbegleitung im
bundesweiten und werbefreien Kulturprogramm aus Berlin

Bevor ich meine Liebe zum Radio
entdeckte, wollte ich im zarten Alter von fünf Jahren unbedingt Pfarrer werden.
Ich muss es faszinierend gefunden haben, dass das - damals noch zahlreiche -
Kirchenpublikum mucksmäuschenstill 'dem Einen da vorn' zuhörte, obwohl er (für
mich ohnehin) oftmals unverständlich seine nicht enden wollenden Vorträge in
lateinischer Sprache hielt. Später in der Schule erfreute ich nicht nur Lehrer,
sondern brachte die meist immer etwas unruhige Klasse für Minuten zum Schweigen,
wenn ich Literatur vermittelte. Mein Berufswunsch war damals 'Tonmeister . Doch
Ende der Siebziger Jahre war es mit einem Tonmeister-Studium aussichtslos, einen
entsprechenden Arbeitsplatz beim Rundfunk zu bekommen. Genau darauf wollte ich
aber hinaus. Ich entschied mich daher für eine Ausbildung in der Filmwirtschaft
und arbeitete einige Jahre - in der Filmsynchronisation und Werbung für
unterschiedliche Produktionsfirmen - bundesweit. Eine sprechtechnische
Ausbildung schien beizeiten sinnvoll, da sich oft künstlerische Einsätze auch
für den Produktionsleiter ergaben. Privat komponierte ich ein bisschen, und mein
Hang zur Wortspielerei und zum Glossieren führte immer wieder zu
kabarettistischen Texten, die ich irgendwann auszugsweise der
RIAS-Unterhaltungsabteilung für Hörfunk-Kabarett-Sendungen anbot. Von nun an
gehörte ich regelmäßig zum Produktionsstab einer Kabarett-Reihe. Schließlich
warb mich in den Achtzigern der damalige Live-Regisseur als Nachrichtensprecher
an. In den folgenden Jahren wirkte ich vorwiegend als Leiter vom Dienst/Sendung
und Sprecher bei RIAS Berlin, der 1994 neben Deutschlandfunk und
Deutschlandsender Kultur im DeutschlandRadio Berlin aufging, seit März 2005 ein
bundesweit werbefreies Kulturprogramm aus Berlin sendet und nun
bezeichnenderweise den Namen Deutschlandradio Kultur trägt. Hier nun arbeite ich
ausschließlich als Nachrichtensprecher und Programm-Moderator. Als musikalischer
und damit vor allem hörender Mensch wuchs in mir schon früh die Liebe zu den
klangvollen und malerischen Nuancen unserer Muttersprache, die immer noch
existieren, wenn auch die alltägliche deutsche Umgangssprache durch Lust- und
Phantasielosigkeit slogangeprägt und kraftmeierisch pointiert wirkt. Die Kraft
des Wortes entfaltet sich doch erst mit der Würdigung des und dem Respekt vor
dem Angesprochenen. Dieses 'Sendungsbewusstsein' sollte nicht nur dem
Berufsstand des Pfarrers vorbehalten sein.