SelbstmordSeltsame Häufung der Selbstmorde in Aargau (Schweiz) seit Jahresbeginn.Allein im Januar und Februar haben im
Aargau 18 Männer und 5 Frauen Selbstmord verübt. Diese Zahlen geben
selbst im Aargauer Polizeikommando zu denken. Im ganzen Jahr 2001 werden
in der Jahresstatistik für den Kanton Aargau 95 vollendete Selbstmorde
und 49 Selbstmordversuche verzeichnet.
Es sind traurige neue Daten: An einem
einzigen Tag, am 20. Februar, mussten im Aargau Ärzte und Polizei gleich
vier Mal wegen ausgeführten Selbsttötungen ausrücken. Eine Frau und drei
Männer hatten Selbstmord begangen. Beim jüngsten Opfer handelte es sich
um einen 19-jährigen Burschen, das älteste war ein 86-jähriger Mann.
Josef Sachs, Leitender Arzt im Internen Psychiatrischen Dienst in Königsfelden, mahnt trotz der zahlreichen Fälle zur Zurückhaltung in der Beurteilung. «Es stimmt, dass die Anzahl hoch ist, man sollte sie jedoch wegen des relativ kurzen Zeitraumes nicht überbewerten», sagt er. Es gebe immer in gewissen Zeitabständen Häufungen von Suiziden, die dann wiederum abnähmen. «Jetzt eine Art Hochrechnung für das ganze Jahr vornehmen zu wollen, wäre wirklich falsch», ergänzt er. Auf Jahre zurück ist die Zahl der Männer, die Selbstmord verüben, um ein Vielfaches höher jene der Frauen. Auch dafür hat der Psychiater eine Erklärung. «Beim Entscheid, Selbstmord zu begehen, gehen Männer entschlossener vor als Frauen. Sie gehen auf sicher und wählen meistens eine brutalere Methode, die dann eben zum sicheren Tod führt, zum Beispiel sich umbringen durch Erschießen. Frauen dagegen bevorzugen sanftere Methoden, eine Überdosis Tabletten einnehmen oder Pulsadern anritzen», erklärt Sachs. Er ist überzeugt, dass fast alle Betroffenen vor dem letzten Schritt Signale an Angehörige oder Bekannte aussenden, die aber oft nicht gehört oder zu wenig ernst genommen würden. «Man kann deswegen aber niemandem einen Vorwurf machen, im Nachhinein ist man ja bekanntlich immer gescheiter», sagt er. Äußerungen über Selbstmordabsichten, ob von jungen oder alten Personen, solle man stets ernst nehmen: «Wir müssen wach bleiben bei solchen Hinweisen und entsprechend reagieren, Arzt, Pfarrer oder psychiatrische Hilfe anfordern.»
Prozentual zur Bevölkerung hat die
Schweiz, hinter Finnland, in Europa die zweithöchste Selbstmordrate zu
verzeichnen, «dafür liegt die Zahl der Gewaltakte nach außen in unserem
Land wiederum unter dem europäischen Durchschnitt». Zu denken geben dem
Facharzt aber die gehäuften, zum Teil «versteckten» Suizide von
Jugendlichen. «Das können beispielsweise Autounfälle sein, bei denen
völlig ungeklärt bleibt, wieso der Fahrer in den Baum oder die Hausmauer
gerast war. Oder der Tod bei Drogenabhängigen. Diese Vorkommnisse sind
dann schwer als Unfall oder Suizid nachzuweisen.»
Nicht der Realität entspricht die landläufige Ansicht, speziell in der Adventszeit oder an trüben und nebligen Tagen oder bei Vollmond würden vermehrt Selbsttötungen begangen - dies haben Studien mehrfach bewiesen. Die Untersuchungen zeigen gar im Gegenteil vielmehr, dass Personen für diesen letzten Schritt sonnige und warme Tage auswählen.
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