Während der letzten 20 Jahre wurde eine steigende Anzahl von Suizidfällen in den
meisten europäischen Ländern registriert. Fast jeder Mensch hegt im Leben einmal
Selbstmordgedanken. In den Jahren 1995 bis 1997 erfasste das Statistische
Bundesamt jährlich über 12 000 Selbstmorde im Bundesgebiet. Es sterben also 50
Prozent mehr Menschen durch Selbsttötung als durch Verkehrsunfälle. Die
Dunkelziffer der Suizidversuche liegt aber 15- bis 30mal höher als die Zahl der
Suizide.
Häufig stehen Suizidgedanken und Todeswünsche in Zusammenhang mit einer
Depression. Der depressive Mensch leidet vor allem unter Verzweiflung und
Hoffnungslosigkeit. In Zusammenhang mit einer Depression und Suizidgedanken
stehen aber auch Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie die Erkrankung an
Schizophrenie.
Wie erkennen Sie einen suizidgefährdeten Menschen?
Nehmen Sie jede Äußerung ernst, die eine Suizidankündigung zum Inhalt hat!
Weitere Faktoren, auf die auf Sie achten müssen:
- Ordnen der persönlichen Dinge (wird oftmals von Angehörigen fälschlicherweise
als positives Zeichen interpretiert)
- Soziale Isolation und Vereinsamung
- Chronische körperliche Krankheiten
- Hohes Alter
Emotionale Krisen können einen Selbstmord auslösen. Der Verlust nahe stehender
Verwandter und Freunde, die Gefahr einer auseinander gehenden Ehe, schwer
wiegende Probleme und Enttäuschungen am Arbeitsplatz oder in der Schule sowie
eine ernsthafte Krankheit sind Beispiele.
Wie können Sie helfen?
Sprechen Sie den selbstmordgefährdeten Menschen direkt auf die Thematik an. Sie
verhindern keinen Suizid, indem Sie das Thema vermeiden. Depressive und
gefährdete Menschen sind dankbar, über Selbstmordgedanken und die zu Grunde
liegenden Probleme reden zu können und sich damit zu entlasten.
Das heißt nun aber nicht, dass Sie die Stelle eines Psychotherapeuten übernehmen
müssen. Sie sollten versuchen, den Betroffenen dazu zu bewegen, professionelle
Hilfe in Anspruch zu nehmen. Begleiten Sie die Person zum Arzt, zum
psychiatrischen Notfalldienst oder in ein Krankenhaus. Sie können die Person
auch vor sich selbst schützen, indem Sie die Polizei verständigen, die
gegebenenfalls die Einweisung in ein psychiatrische Klinik veranlasst.
Wie ist die Verteilung der Suizidrate in der Bevölkerung?
Männer begehen zwei- bis dreimal häufiger Selbstmord als Frauen. Letztere
unternehmen dagegen mehr Selbstmordversuche. Suizid kommt in allen Altersstufen
vor, jedoch selten bei Kindern. Frauen begehen meistens im Alter zwischen 40 und
50 Jahren Suizid, Männer in einem etwas höheren Alter.
Warum begehen ältere Menschen Selbstmord?
Verhältnismäßig viele ältere Menschen nehmen sich das Leben. Die Ursache hierfür
mag sein, dass viele ihren Lebensmut verlieren, sobald sie älter werden. Sie
verfallen in Depressionen und verlieren gleichzeitig an Widerstandskraft
gegenüber den Einflüssen des täglichen Lebens.
Das Alter ist leider eine Lebensperiode, die in vielen Fällen von Isolation,
Verlust des Ehepartners, Freunden oder der Familie geprägt ist. Es kann schwer
sein, ein Dasein zu akzeptieren, das sowohl von gesundheitlichem, physischem als
auch psychischem Rückgang geprägt ist.
Warum begehen junge Menschen Selbstmord?
Eine steigende Anzahl junger Menschen wählt Suizid als Lösung ihrer Probleme.
Die Ursache hierfür mag einerseits in den ständig steigenden gesellschaftlichen
Ansprüchen liegen, andererseits in der fehlenden Geborgenheit während der
Kindheit. Arbeitslosigkeit, Alkohol und Drogen kommen hinzu.
Besonders gefährdet sind Alkohol- und Drogenabhängige, die sich durch ihren
Missbrauch bereits in einer hoffnungslosen Situation befinden.
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(c) Katharina Geissler 2002