Selbstmord in der Polizeiarbeit

Mit dem sogenannten Suizid, dem "Selbstmord", umzugehen, ist nicht angenehm - auch für Polizeibeamte und Kriminalisten nicht, zu deren täglicher Arbeit auch der Umgang mit dem Tod gehört. Ein Suizid oder eine Suizidandrohung ist etwas, was erschreckt und was verarbeitet werden muss.

1000 Menschen nehmen sich deutschlandweit nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention Monat für Monat selbst das Leben. Das sind mehr "Selbstmordtote" als Verkehrsopfer. Von Januar bis Dezember 2001 bearbeiteten beispielsweise die Beamten der Kripo Waldshut 90 Todesfälle. 90 kriminalpolizeiliche Untersuchungen, deren Ursache häusliche- oder sonstige Unfälle, Kindstod, Tötungsdelikte oder Suizid waren. Bei insgesamt 42 Todesfällen lag nach abschließenden Untersuchung der Kriminalpolizei ein natürlicher Tod vor. Zahlen, die menschliche Tragödien zum Inhalt haben und nachdenklich machen. Statistisch betrachtet geben sie aber auch Auskunft darüber, dass die Region am Hochrhein keine Auffälligkeiten aufweist.

Auch die wenigen Tage im neuen Jahr sind hier keine Ausnahme. Vom 1. Januar bis zum heutigen Tag wurden der Kriminalpolizei 18 Todesfälle gemeldet. Allein am 14. Februar 02 waren es derer drei. Handelte es sich nach Abschluss der kriminalpolizeilichen Untersuchungen in den meisten Fällen um einen natürlichen Tod oder war ein Unfall Ursache für das Ableben eines Menschen, so zählen zu den Zahlen im neuen Jahr 4 vollendete Suizide. In weiteren 9 Fällen gab es vom Jahresbeginn bis zur Mitte des Monats Februar 9 Suizidversuche. Statistisch gesehen gehen in Deutschland täglich 35 Menschen in den Freitod und dabei geht man bei der Suizidforschung von einem Dunkelzifferverhältnis von 1 : 10 bis 20 ( Suizid/Suizidversuch ) aus. Vorrangig Männer gehören zu dem Personenkreis, die sich auf spektakuläre Art (Erhängen, Erschießen, Springen) das Leben nehmen. Frauen suchen in aller Regel den sanfteren Tod in Form von Tabletten oder Gift, wobei Ausnahmen aber auch vorkommen können.

Allgemein kann gesagt werden, dass es im Landkreis Waldshut keine Schwerpunkte gibt, die ein erhöhtes Aufkommen an depressiven Menschen erkennen lassen. Die Altersgruppe derer, die sich selbst nach dem Leben trachteten, liegt nach den bei der Kripo gemachten Feststellungen mit wenigen Ausnahmen um die 50 Jahre bzw. älter.

Grundsätzlich gilt: Der bewusste Entschluss sich das Leben zu nehmen, hat nicht nur für den Betroffenen, sondern auch für seine Bezugspersonen Konsequenzen, für Eltern, Kinder, Ehepartner, Verwandte, Nachbarn, Kollegen, Ärzte und Polizeibeamte. Oft finden die Kriminalbeamten am Tatort oder im früheren Umfeld des Toten Abschiedsbriefe oder andere Hinweise, die den Freitod erklärbar machen. Es war in aller Regel eine Krisensituation, die lebensbedrohliche Ausmaße angenommen hatte und in der der Betroffene geradezu unfähig war, die aktuelle Krise selbst zu bewältigen. Er brauchte in dieser Situation die Hilfe von anderen, doch entweder gab es keine Signale oder man hatte sie nicht verstanden - einfach missgedeutet. Depressionen, hervorgerufen durch Ehe bzw. Partnerprobleme, z.B. nach einer Scheidung, in Verbindung mit einem sozialen Abstieg und ungesicherter finanzieller Zukunft, dies sind oft Gründe für den "Selbstmord". Nach Ansicht von Kriminologen und Experten der Gesellschaft für Suizidprävention wollen die meisten Suizidgefährdeten im Grunde weiterleben, allerdings nicht so wie bisher, gefangen in einem für sie sinn- und ausweglosen Leben, von dem sie sich nur mit Gewalt befreien zu können glauben. Sie brauchen deshalb fremde Hilfe, notfalls auch gegen ihren Willen.

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