Bergtouren Jürgen Brenneis: ADULAGRUPPE / ALPEN (Schweiz)
Rückblick nach dem Abstieg vom Torent Alto auf den langen Gipfelgrat und die Nordwand.
| TORENT ALTO 2952 m 9. September 2000 |
Aufstiegshöhe: 1800 m
Aufstiegstage: 1
Aufstiegsstunden: 5:45
Schwierigkeit: G 3-4, Fels III-
Gefahren: Steinschlag
Verhältnisse: gut
Route:
Ausgangspunkt Ponte di Sceng 1216 m, Alpe
di Sceng 1548 m, Büion,
Nordwestgrat vom Nordgipfel 2919 m (bis etwa 2700 m); Rinne
und
Scharte zwischen
Nordgipfel und den südwestlicheren Gipfeln. Über-
schreitung bis zum
Hauptgipfel und zurück.
| TORENT BASSO 2820 m 9. Juli 2000 |
Aufstiegshöhe: 2240 m
Aufstiegstage: 1
Aufstiegsstunden: 5:25
Schwierigkeit: G 2-3, Fels II, markiert und 3 Sicherungsketten
Gefahren: bei Nässe und Neuschnee Rutschgefahr auf steilen Grasschrofen
Verhältnisse: gut
Route:
Ausgangspunkt Ponte di Sceng 1216
m, Capanna Cava 2066 m,
Forcella di
Cava 2090 m, Mottone 2371 m über Nordostrücken;
Abstieg in
Forcella di Lago 2256 m über Südrücken (bis hierher
BW 2). Cima
di Biasca 2574 m über Nordgrat (BW 3). Abstieg
zurück
zur Capanna Cava über Ostrücken und Nordflanke.
Torent
Basso über Cima di Müscioi - Nordflanke (weiss - rot
mar-
kierter Pfad).
Querung in die Südwand des Torent Basso, Südwand
(blau - weiss
markierter Klettersteig).
Tour Torent Alto
Der Bergstock des Torent Alto erreicht zwar nicht mehr 3000 m, ist aber in
der südlichen Adulagruppe das höchste
Gebirgsmassiv. Thront es doch fast 2700 m über dem Leventina - Riviera
- Tal und noch 2000 m über dem Val
Calanca. Der Gipfelgrat des Torent Alto scheint nur sehr selten erklettert
zu werden.
Ausgangspunkt ist Ponte di Sceng, 1216 m. Dies erreicht man
von Malvaglia, 381 m (Valle di Blenio). Von
Biasca kommend, zweigt man im Ort rechts vor der Brücke nach
Pontirone, 867 m, ab (schmale Asphaltstraße).
Dann in Serpentinen weiter nach Fontana und Biborgh, 1313 m.
In Biborgh zweigt ein Fahrweg rechts absteigend ins
oberste Val Pontirone ab; die zweite Brücke ist der Ausgangspunkt
Ponte di Sceng.
Aufstieg: auf markiertem Weg zur Alpe di Sceng, 1548 m. Am
großen Bauernhaus mit Wegweiser nicht rechts dem
Wanderweg folgen, sondern geradeaus (südlich) am Haus vorbei und auf
einem Steg über den Bach. Dann östlich in die
große Karmulde. Unter dem östlichen Hang auf einem guten Pfad
über eine Steilstufe zur verfallenen Alm, 1731 m.
Rechts (östlich) über den Pfad, welcher stellenweise aussetzt,
weiter zur Almhütte 2007 m. Hier endet der Pfad endgül-
tig. Über begraste Schrofen und Geröll steigt man
südöstlich zur Terasse Büion, etwa 2350 m. Wo ein
Wasserfall eine
Wandstufe schwarz färbt, geht man südsüdwestlich auf einer
gerölligen, ansteigenden Rampe auf unterbrochenen Pfad-
spuren am Rande des Steilabbruches aufwärts, bis an den Anfang des Grates,
welcher vom Nordgipfel, 2919 m, herab-
zieht. Diesen betritt man auf gut 2500 m. Den Nordwestgrat des Nordgipfels
erklettert man in meist festem Fels, alle
Schwierigkeiten in der Nordseite umgehend (maximal II-). Auf einem Gratabsatz
auf fast 2700 m wechselt man auf das
breite Geröllband Richtung Süden. Später auf leicht
begehbare Felsplatten wechselnd, bis zum Rand der schluchtar-
tigen Rinne, welche den Nordgipfel durch eine 50 m tiefe Scharte vom
südwestlichen Teil des Kammes abtrennt.
Am oberen Ende des Bandes leitet ein schmales Band bequem in die hier nur
rund 20 m tiefe Schlucht. Diese Schlucht ist
zunächst über größere Blöcke und Stufen in
mäßiger Steilheit leicht ersteigbar. Weiter oben wird diese deutlich
steiler,
brüchiger und heikler. Man bedenke, daß diese Rinne bei einsetzendem
Regen oder eventuell Voransteigenden zu einem
lebensgefährlichem Kanonenrohr werden kann!
Auf der Scharte, 2870 m, begeht man rechts ein leichtes, schmales
Felsband einige Meter Richtung Osten, bis man auf
der leicht begehbaren, begrasten Südostseite der Flanke rechts
(südlich) unschwierig über Felsplatten und Grasschrofen
ansteigen kann. So gelangt man bis unter die schon von weitem sichtbaren,
senkrechten Felsen des ersten Gipfelteiles süd-
lich dieser Scharte. Diese Felsen können in der Nordwestwand, zuletzt
über eine aufsteigende Rampe aus großen,
lockeren Blöcken und Steilgeröll, umgangen werden (II-). Vom ersten
Gipfel südlich der Scharte steigt man auf der
Nordwestseite zuerst auf Blockschutt, später direkt auf dem festen Felsgrat
auf einem eindrucksvollen, exponierten 30 bis
50 cm breiten Felssteg, unter den nächsten Gipfel. Aus einer Niesche
in der Nordwestwand klettert man zuoberst über
die ausgesetzte Kante auf diesen Gipfel (III-). Laut Höhenmesser ist
dieser so hoch wie der in der Schweizer Landeskarte
eingetragene Punkt 2952 m. Zum nächsten Gipfel gelangt man zunächst
über den kurz sehr luftigen, scharfen Felsgrat ab-
steigend (II) (oder man steigt vom Gipfel östlich eine flache Rinne
ab,I, um auf einem grasigen Band durch die steile
Flanke wieder auf den Grat zu gelangen).
Vor der markanten Scharte zum Gipfelpunkt 2952 m muß noch eine plattige
Kante (II+) 5 m tief abgeklettert weden.
Jenseits im Zickzack unschwierig ansteigen. An der Kante, am Fuße eines
senkrechten Kamines, quert man ein sehr aus-
gesetztes, schmales, plattiges Felsband (I+) nach links. Danach unschwierig
über den schmalen Grat. Die letzten knappen
zwei Höhenmeter zum Gipfel sind schwieriger und sehr exponiert: Der
Gratkamm bildet hier eine beidseitig etwa 50 m
hohe Mauer, beidseitig völlig senkrecht (II-III).
Tour Torent Basso
Dieser Gipfel setzt sich mit einer 155 m tiefen Scharte doch ziemlich deutlich
vom Torent Alto ab. Auch scheint die Über-
schreitung vom Torent Basso zum Torent Alto und umgekehrt schwieriger zu
sein als die zuvor beschriebene Tour.
Besonders interessant ist, daß die schöne Berghütte Capanna
Cava FAT, 2066 m, als Rast oder Übernachtung genutzt
werden kann. Landschaftlich besonders schön ist das weite, begraste
Hochkar um diese Hütte. Zur Zeit meiner Tour
blühten hier rote und gelbe Alpenpflanzen (Steinröserl;
Seidelbastgewächse). Ein guter Kontrast zu dem westseitig steilen
Felshorn des Torent Basso.
Der Aufstieg auf den Torent Basso führt von der Hütte erst
auf markiertem Pfad südlich in das erwähnte Hochkar. Spä-
ter durch die Nordflanke der Cima di Müsciói, 2503
m. Von einem Sattel östlich dieser quert man die immer steiler
und ausgesetztere Südflanke des Torent Basso auf einem stellenweise
äußerst schmalen Pfad.
Dieser Pfad ist blau weiß markiert und an drei Stellen mit Metallketten
gesichert. Trotzdem muß stellenweise bis zum
II. Grad geklettert werden. Nach der Route auf die Parseierspitze ist dies
der schwierigste markierte Anstieg den ich je
gegangen bin.