Bernd Rabehl

 

Die Provokationselite: Aufbruch und Scheitern der subversiven Rebellion in den sechziger Jahren

 

 

2. Die Revolte in der Revolte - die Kommune I

 

2.1 Zur Dialektik der Provokation in West-Berlin

 

Furore in der Öffentlichkeit machte die antiautoritäre Fraktion im SDS, als sie am 10. Dezember 1966 eine Demonstration gegen den amerikanischen Krieg in Vietnam in ein Happening gegen den Polizeiaufmarsch in West-Berlin umfunktionierte. Nach dem Vorbild der "Provos" in Amsterdam wurde ein Gaudi auf dem Kurfürstendamm im Gewimmel der Weihnachtseinkäufer geprobt. In Sprechchören wie "Weihnachtswünsche werden wahr, Bomben made in USA" und "Am toten Vietnamesen soll die freie Welt genesen" demonstrierten ungefähr 200 Studenten auf dem Prachtboulevard. Kurz vorher hatten sie einen  etwa 2000 Teilnehmer starken Demonstrationszug verlassen, der den polizeilichen Auflagen gefolgt war und durch menschenleere Nebenstraßen zog und so die Macht- und Hilflosigkeit linker Gruppen vorführte. Nach der Tschombé-Demonstration vom Dezember 1964 war dies die erste große Konfrontation zwischen der Berliner Polizei und FU-Studenten. Die Berliner Presse begleitete diese Provokation mit gezielter Polemik gegen die Linksstudenten. Die Berliner Industrie- und Handelskammer legte Protest ein, da derartige Demonstrationen den friedlichen Handel und Verkauf im Zentrum der Stadt störten. Nach diesen politischen und publizistischen Erfolgen drängten die Subversiven im SDS darauf, das Spektakel zu wiederholen. Am 17. Dezember, einem weiteren verkaufsoffenen Sonnabend, sollte eine "Spaziergangsdemonstration" auf dem Kurfürstendamm ohne polizeiliches Genehmigungsverfahren durchgeführt werden[1] .

Es war geplant, keinerlei Formation zu bilden, sondern kurzfristig zusammenzuströmen und beim Auftauchen der Polizei wieder auseinanderzugehen. Dadurch sollte der Eindruck eines Polizeistaats vor allem bei den Straßenpassanten und Bummlern entstehen. Ungefähr 200 Studenten bildeten auf entsprechende Signale aus einer Kindertrompete hin mehrmals eine Ansammlung und verteilten Flugblätter mit Ratschlägen an die Demonstranten und Spaziergänger: "Um uns nicht zusammenschlagen zu lassen, um nicht die hilflosen Objekte der Aggressivität junger Leute in Polizeiuniform zu sein, demonstrieren wir nicht in der alten Form, sondern in Gruppen als Spaziergänger. Wir treffen uns an vorher bestimmten Punkten, um uns bei Nahen der Freunde von der Polizei zu zerstreuen und an einem anderen Ort wieder aufzutauchen." Der SDS gab folgende Parolen aus: "Keine Keilerei mit der Polizei" und "Kommt die Polizei vorbei / gehen wir an ihr vorbei / an der nächsten Ecke dann / fängt das Spiel von vorne an." Wie vorausgesehen reagierte die Polizei bierernst und z. T. hysterisiert: 74 Studenten, Schüler und Passanten wurden festgenommen. Vier Polizeibeamte in Zivil arretierten Rudi Dutschke, der in die Rolle eines Familienvaters geschlüpft war, welcher bepackt mit Einkaufstüten durch die Geschäfte hetzte. Diese Radikalisierungen innerhalb der Demonstrationsszene provozierten nach innen wachsende Auseinandersetzungen zwischen Antiautoritären und traditionellen Linken. Bereits Ende 1966 bildeten sich innerhalb der Westberliner Linksszene neue Organisationstypen heraus. Neue Leute tauchten auf, und die alte Linke sah sich in Frage gestellt. Die Repräsentanten des traditionellen Sozialismus, soweit sie nicht in der SEW oder der SPD organisiert waren, hatten sich außerhalb des SDS zusammengefunden und versuchten so, langfristig wieder auf den Verband Einfluß zu nehmen. Am Tage der Bildung der Großen Koalition, am 26. November 1966, gründeten sie in West-Berlin die "November-Gesellschaft". In der Diskussion wurde behauptet, daß sich die SPD nach der Bildung der Großen Koalition spalten würde und die Zeit gekommen sei, eine neue Linkspartei ins Leben zu rufen. Der SDS sei nicht mehr in der Lage, die Gegner der Großen Koalition außerhalb der Studentenschaft aufzunehmen. Vor allem Horst Mahler trat für die Gründung einer neuen Partei ein, zumal nach seiner Überzeugung der SDS zu einem anarchistischen Studentenverband verkommen würde, wenn sich die Antiautoritären dort endgültig durchsetzten. Die "November-Gesellschaft" könnte dann eine Auffangbasis für SDS-Mitglieder sein, die sich einer solchen Tendenz nicht anschließen wollten.

Die aktiven Mitglieder bildeten im SDS Aktionskerne, die jeweils bestimmte Ziele verfolgten und sich um bestimmte Persönlichkeiten gruppierten. Die Arbeitskreise Hochschulpolitik, Vietnam, Notstandsgesetze, Formierte Gesellschaft und Internationalismus waren eine Art Bündnis zwischen den Subversiven und den Hochschulpolitikern im SDS, die sich bewußt außerhalb der traditionellen Linkspolitik stellten. Die Abgrenzung zur "Novembergesellschaft" stand im Vordergrund. Dutschke, Lefevre, Blanke, Ströhle, Fichter, Rabehl, Semler, Neitzke, Horlemann waren die Impulsgeber der Arbeitskreise und des Bündnisses. Es bestanden zugleich Aversionen gegen die Gruppe um Kunzelmann, die sehr bald zur Kommune I zusammenfand. Im Vorstand versammelten sich Personen - darunter Jörg Schlotterer, Rainer Langhans, Eike Hemmer und Eberhard Schulz - die teils aus dem "Argument-Club" kamen oder teils noch Mitglieder der SPD waren. Ihre Absicht war es, das Bündnis der unterschiedlichen Linksfraktionen im SDS zu bewahren und die Aktions- und Gesprächsbereitschaft zwischen der Kommune I und der Novembergesellschaft immer wieder herzustellen. Vor allem Hemmer und Schulz favorisierten die Bildung einer "Kommune II", die Bewegungselement des SDS sein und die organisatorische Arbeit mit politischen Aktionen und neuen Formen des Zusammenlebens verbinden sollte. Dieser neue Landesverband hatte durchaus Vorbehalte gegen die Gruppe um Kunzelmann und Hameister, weil der Eindruck bestand, daß deren Provokationen und Kommuneinitiativen in Chaos mündeten. Erst Monate später lief Rainer Langhans zur Kommune I über.

In der Kommuneinitiative von Kunzelmann und Hameister blieben bestimmte Denkanstöße der Subversiven Aktion am ehesten bewahrt. Alle überkommenen Formen von Politik oder Politisierung waren Kunzelmann suspekt. Genauso mißtraute er theoretischen Ableitungen, die sich auf irgendeine Logik von Spätkapitalismus oder Klassenkampf beriefen. Als Situationist blieben ihm die Eruptionen der Gesellschaft, ihre Ungereimtheiten und Skandale, kurz: der Mechanismus der Paralyse, wichtig. Kunzelmann wollte junge Frauen und Männer um sich sammeln, die mit der Perspektive von Anpassung und Karriere gebrochen hatten und bereit waren, das Risiko der Rebellion zu tragen. Er stand den Revolutionären im SDS voller Mißtrauen gegenüber, weil er glaubte, sie wollten sich die Hintertür einer Universitäts- oder Berufskarriere offenhalten. Der Gegensatz zwischen den unterschiedlichen Gruppen, Initiativen, Ansätzen und Fraktionen innerhalb und außerhalb des SDS war in West-Berlin sehr produktiv. Zu diesem Zeitpunkt trug er keine zerstörerischen Sprengsätze, sondern kreiste um die Möglichkeit von Intervention außerhalb einer Stadtgesellschaft, die sich durch Parteien und Regierung geschlossen zeigte und für jede Form von Opposition und Widerspruch unzugänglich schien. Trotz aller Gegensätze gab es einen inneren Faden von Zusammenarbeit und Abstimmung innerhalb der Radikalopposition, von der Universität her und über die heranwachsenden Generationen Einbrüche in eine Nachkriegsgesellschaft zu erzielen, die sich gegen alle Ideen von Veränderung abgeschottet zu haben schien. Das innere Zusammenspiel zwischen der Novembergesellschaft, aus der sehr bald der Republikanische Club entstehen sollte, den unterschiedlichen SDS-Schwerpunkten und der Kommuneinitiative enthielt die unterschiedlichen Interventions- und Provokationsformen, mit legalen und illegalen Mitteln Stadt und Senat herauszufordern. Vorerst lag die heimliche Führung bei der Kommune I. Wenn dieser Aktionismus seine Grenzen erreicht haben sollte, würden die SDS-Gruppen oder die Novembergesellschaft ihre Möglichkeiten ausschöpfen. Die Radikalisierung der Verhältnisse lief über die unterschiedlichen Persönlichkeiten und Initiativen, die zu diesem Zeitpunkt noch eine Einheit bildeten und sich gegenseitig ergänzten. Erst später entstanden zwischen diesen Gruppen Widersprüche, die die Gesamtheit dieser neuartigen Opposition aufsprengten.

Im Januar 1967 fanden die Kommunarden zusammen: vier Männer, Dieter Kunzelmann, Hans-Joachim Hameister, Fritz Teufel, Volker Gebbert, und zwei Frauen, Dagmar Seehuber und Dorothea Ridder. Zu ihnen gesellten sich Detlef Michel, Ulrich Enzensberger und Dagrun Enzensberger, Bruder bzw. Gattin von Hans-Magnus Enzensberger. Sie fanden zuerst Unterschlupf in der Wielandstraße. Weil eine große Wohnung so schnell nicht  gefunden werden konnte, zogen die Akteure sehr bald in die Mansardenwohnungen von Uwe Johnson und Hans-Magnus Enzensberger in die Fregestraße bzw. Nied- und Stierstraße um. Die Annahmen, daß dieses Kommuneprojekt sich an den individuellen Problemen der einzelnen Frauen und Männer festbiß, schienen sich zu bewahrheiten. In diese vermeintliche Ruhe platzten die Schlagzeilen vom 5. April 1967, die der erschreckten Stadt mitteilten, daß gefährliche Attentäter Vorkehrungen für einen Bombenanschlag auf den amerikanischen Vizepräsidenten getroffen hätten. Beamte der Abteilung I (Politische Polizei) nahmen elf Studenten fest. Sie seien "unter verschwörerischen Umständen zusammengekommen und hätten hierbei Anschläge gegen das Leben oder die Gesundheit des amerikanischen Vizepräsidenten Hubert Horatio Humphrey mittels Bomben, mit unbekannten Chemikalien gefüllten Plastikbeuteln oder mit anderen gefährlichen Tatwerkzeugen wie Steinen usw. geplant". Diese Polizeimeldung war falsch: Nach einer Untersuchung der gefundenen Gegenstände stellte sich heraus, daß es sich um Rauchkerzen sowie Plastikbeutel mit Farbe, Pudding und Mehl handelte. Der SDS veranstaltete am Abend des 6. April 1967 eine Demonstration vor dem Schloß Charlottenburg und später vor dem Springer-Hochhaus gegen die Anwesenheit des US-Vizepräsidenten in West-Berlin. Trotz strömenden Regens nahmen ca. 2000 Studenten an der Demonstration teil und forderten die sofortige Freilassung der festgenommenen Studenten.

 

2.2 Ein Strafantrag wegen Kuppelei

 

Am 18. April 1967 erhob Kriminalkommissar Gutjahr Anklage gegen die Anhänger der Kommune I nach § 180 StGB wegen Kuppelei. Die Wochenzeitschrift "Stern" veröffentlichte unter dem Titel "Pack die Sahnetörtchen ein" einen Bericht über die Mitglieder einer "Lebensgemeinschaft", die sich selbst als "Kommune I" bezeichnete. Diese Gruppe wurde von der Politischen Polizei West-Berlins und von alliierten Dienststellen observiert. Beim Abhören der Telefone bestimmter Wohnungen in der Nied-, Stier- und Fregestraße war aufgefallen, daß hier Leute zusammenkamen, die ein Attentat gegen den amerikanischen Vizepräsidenten Humphrey planten. Am 5. April 1967 schlug die Staatsanwaltschaft zu und nahm fünf Personen in Berlin-Friedenau (Postbezirk 41) in der Atelierwohnung Niedstr. 14 fest. Sie wurden zur Abwehr einer unmittelbar bevorstehenden Gefahr gemäß §§ 14,15 PVG (Polizeiverwahrungsgesetz) in polizeilichen Gewahrsam genommen. Ihnen wurde vorgeworfen, "unter verschwörerischen Umständen Anschläge gegen das Leben oder die Gesundheit des amerikanischen Vizepräsidenten" vorbereitet zu haben. Bei den Verhafteten handelte es sich um Wulf Krause, Ulrich Enzensberger, Dieter Kunzelmann, Volker Gebbert und Rainer Langhans. Bereits 34 Stunden später bescheinigten die Richter den Verschwörern "Harmlosigkeit" und verfügten deren Entlassung. Die Berliner Presse, vor allem "BZ", "Berliner Morgenpost" und "Der Abend", stellte zwar die Sensation heraus, daß in West-Berlin eine Gruppe existierte, die den amerikanischen Repräsentanten mit Bomben in die Luft jagen wollte. Sie wurde jedoch kleinlaut, als sich herausstellte, daß die Substanz der Bombenmischung vor allem aus Puddingpulver und Zucker bestand. Zur Korrektur der Falschmeldungen konnten sich die genannten Blätter allerdings nicht durchringen. Die überregionalen Wochenzeitschriften, beispielsweise der "Stern", gingen auf den Fall ein, berichteten jetzt jedoch über die Hintergründe, Motivationen und Vorstellungen der jungen Frauen und Männer, die sich zu einer untypischen und neuartigen Lebensgemeinschaft zusammengefunden hatten.

Der Artikel im "Stern" wurde der Berliner Polizei fünf Tage vor der Veröffentlichung in der Zeitschrift zugespielt. Hier sprangen vor allem folgende Sätze und Charakterisierungen der jungen Leute ins Auge: "Sie verachten Arbeit als 'Schande' und das Arbeiterparadies DDR als 'bürgerlichen Idiotenhaufen'. Sie predigen Haß gegen die Bundesrepublik und freie Liebe auf der gemeinsamen Bude. ... Sie wollen potentielle Anhänger ihrer Idee, 'Schüler, Studenten, Lehrlinge, Jungen und Mädchen aus den Beatlokalen, zu Ladendiebstählen in Kaufhäusern und Supermärkten anhalten' und dabei mit eigenem Beispiel vorangehen und so 'an den neuralgischen Punkten des Systems des Privateigentums den verbrecherischen Irrsinn dieses Systems ... bloßlegen'. Sie wollten 'leerstehende Villen im Grunewald und andere Privathäuser in Berlin mit revolutionären Kommandoaktionen besetzen, ... um gegen das Privateigentum auf dem Wohnungsmarkt zu protestieren'." Kommissar Gutjahr, der die Strafanzeige formuliert hatte, war offenbar vor allem an folgender Passage in dem Artikel interessiert, die wohl seine Phantasie angeregt und die er dick unterstrichen hatte: "Dagmar und Dorothea sind theoretisch die Gefährtinnen sämtlicher männlicher Maoisten." "In der Praxis freilich ist es noch so", sagt Dagmar, "daß wir aus früherer Zeit bestehende Zweierverhältnisse überwinden müssen". Dem Lebenskollektiv künftig entspringende Kinder sollten als Nachwuchs der maoistischen Kampfgemeinschaft gemeinsam aufgezogen werden[2] .

Da der Verdacht der Geheimbündelei bzw. der Gründung krimineller Vereinigungen gemäß §§ 128, 129 StGB bestand, wurde die Wohnung in der Niedstraße 14 am 5. April 1967, am Tag der Verhaftung der "Attentäter", nach Beweismitteln durchsucht. Unter anderem wurden folgende Gegenstände polizeilich sichergestellt: "ein schwarzes Buch mit der Aufschrift Kassenbuch, begonnen im März 1967, ein Schnellhefter, rot ohne Aufschrift, ein Schnellhefter gelb mit der Aufschrift Kommune-Protokolle Dagmar."[3] Im schwarzen Buch fand die Polizei das Verzeichnis der Gruppenmitglieder und der Wohnungen, in denen diese lebten bzw. polizeilich gemeldet waren. Haus Fregestraße 19: "Dagrun und Tanaquil Enzensberger, Tanaquil, Dorothea Ridder, Volker Gebbert, Ulrich Enzensberger, Hans Joachim Hameister (Einzug 19.2.67 Auszug 6.3.67)"; Atelier Niedstraße 14: "Dagmar Seehuber, Detlef Michel, Fritz Teufel, Dieter Kunzelmann (Einzug 19.2.67 - Wechsel 6.3.67)"; Wohnung Stierstraße 3: "Detlef Michel, Dagrun Enzensberger, Volker Gebbert, Ulrich Enzensberger (Einzug 6.3.67)". Die Buchhaltung vermerkte außerdem, daß Dorothea Ridder am 19. März 1967 in die Stierstraße wechselte, daß Detlef Michel am 26. März 1967 aus der Gruppe ausschied und daß am 2. April 1967 Rainer Langhans einzog. Die anderen Seiten des Kassenbuchs enthielten Ein- und Ausgaben der Kommune, abgerechnet genau auf den Pfennig[4] . Die beiden Schnellhefter enthielten eine Vielzahl von Schreibmaschinenblättern im Format DIN A 4, einige mit handschriftlichen Aufzeichnungen und Notizen. Das polizeiliche Protokoll hob hervor, daß die Urheber dieser schriftlichen Anmerkungen bisher nicht einwandfrei festständen. Aus den Niederschriften gehe hervor, daß die Gruppenmitglieder in gewissen Abständen "Kommune-Sitzungen" durchführten, um Einschätzungen und Absichten im Hinblick auf politische Aktionen zu geben sowie die persönlichen Verhältnisse zu klären. Rückschlüsse auf das politische Bewußtsein der Kommuneleute wurden aus dem Vorhandensein von 25 Broschüren mit dem Impressum "Druck und Verlag der Volksrepublik China, Verlag für fremdsprachliche Literatur Peking" gezogen, die die Polizei in der Wohnung von Hameister sichergestellte. Am 5. April 1967 wurden nicht nur die drei angeführten Wohnungen von der Polizei durchsucht, sondern auch die Nebenwohnungen der Verdächtigten einer polizeilichen Kontrolle unterzogen. Hameister war zu diesem Zeitpunkt noch in der Pohlstraße 46 in Berlin 30 (Schöneberg) bei Koppe gemeldet. Das Polizeiprotokoll vermerkte: "Da Wesen und Zielsetzung der Kommune sowie Hinweise auf geplante bzw. durchgeführte strafbare Handlungen aus diesen Aufzeichnungen hervorgehen, wurden die Aufzeichnungen auf hiesiger Dienststelle wörtlich abgeschrieben und die Leseabschriften als Beweismittel zum anliegenden Vorgang in Fotokopie beigegeben. Das Original befindet sich als Asservat beim Hauptvorgang, Az. GenStA Bln. 1 P Js 236/67."[5]

 

2.3 Die Aufzeichnungen im roten Schnellhefter

 

Im roten Schnellhefter (ohne Aufschrift) wurde auf den ersten Seiten die Wohnungssuche der Kommune protokolliert. Ulrich Enzensberger wurde als Referent geführt. Dagrun Enzensberger agierte als Berichterstatterin über die Agenturen. Am 9. März 1967 wurde in der Giesebrechtstraße eine Wohnung gefunden, am 13. März ein Hausprojekt in Lichterfelde besichtigt, und am 15. März wurde ein Projekt in der Lietzenburgerstraße in Charlottenburg ausfindig gemacht. Sieben Zimmer standen zur Verfügung. Es wurden 725 DM Miete verlangt. Renovierungskosten von 5000 DM waren vorzuleisten, konnten jedoch abgewohnt werden, indem monatlich 100 DM weniger zu zahlen waren. Am Halleschen Tor wurde eine Privatwohnung aufgetan, die teilgewerblich berechnet wurde und 1225 DM Warmmiete kosten sollte. Aus den Anmerkungen geht hervor, daß die Kommunarden noch zögerten, daß ihnen die Mietpreise zu hoch erschienen und daß sie sich nicht entschließen konnten, die Wohnungssuche für das Kommuneprojekt systematisch zu betreiben[6] .

Die folgenden Seiten des Hefts befaßten sich mit der Drucklegung von Broschüren. Die Kommunarden wollten einen Mao-Katechismus herausgeben. Aufsätze von Malcolm X sollten übersetzt und publiziert werden. Es wurde auch daran gedacht, die Bibliographie, die Rudi Dutschke 1966 für die Schulungsarbeit im SDS zusammengestellt hatte, neu zu veröffentlichen. Hameister hatte den Auftrag, Broschüren von der chinesischen Botschaft in Ost-Berlin herbeizuschaffen[7] . Die Seiten des roten Hefters, auf denen die Verlags- und Druckpläne vermerkt waren, enthielten auch Notizen zur Wirtschaftsführung des Projekts Kommune. Fritz Teufel wurde als Hauptreferent aufgeführt. Es gab eine Haushaltskasse, die in der Niedstraße geführt wurde; für die Globalkasse war Dieter Kunzelmann zuständig, für die Rotaprintkasse Volker Gebbert und für die Repressionskasse Dagmar Seehuber. Aufgezeichnet wurden Einzahlungen von Dorothea Ridder am 9. März und von Dagrun Enzensberger am 15. März. Detlef Michel und Fritz Teufel konnten bei der Firma Rotaprint arbeiten. Diese Einnahmequelle sollte die Finanzlage der Kommune verbessern helfen. Am 17. März wurde auf ein Sparbuch von Hans-Magnus Enzensberger mit einem Guthaben von 5000 DM verwiesen, das als Grundlage für die Anmietung einer großen Wohnung verwendet werden sollte. Dagrun Enzensberger war bereit, die gesamte Summe für dieses Projekt zu verwenden. Am 19. März wurden Ausgaben für die Wohnung in der Niedstraße und für ein Tagesvisum nach Ost-Berlin verzeichnet. Der Kassenbericht ist ungenau und läßt ahnen, daß die einzelnen dem Projekt durchaus nicht ihr gesamtes Einkommen zukommen ließen. Die wichtigsten Reserven bildeten die Sparguthaben von Hans Magnus-Enzensberger, über die die ehemalige Ehefrau des Dichters verfügen könnte[8] .

Die folgenden Seiten waren den "Kontakten nach außen" gewidmet. So wurde von Telefongesprächen mit Nürnberg berichtet, wo bereits ein kommuneähnliches Projekt existierte. Es wurde ausdrücklich vermerkt: "Nürnberg-Kommune darf nicht hierherziehen." Vermutlich war die Kinderkommune in dieser Stadt gemeint, die zehn Jahre später, bei der Gründung der Grünen Partei, noch für Aufregung sorgen sollte. Dagmar Seehuber besuchte am 13. März Rudi Dutschke, um ihn doch noch für die Lebensgemeinschaft der Kommune zu gewinnen. Dieser zeigte jedoch kein Interesse. Er äußerte ihr gegenüber, daß es darauf ankäme, die politische Situation in West-Berlin zuzuspitzen. Die Justiz solle lahmgelegt werden, um eine Verfolgung der Radikalopposition unmöglich zu machen. Die Stichpunkte über das Gespräch mit Dutschke hielten fest: "Material in die Luft sprengen (Akten, Strafregister etc.)." Er machte außerdem Andeutungen, daß er und Ehefrau Carol Dutschke (Gretchen) mit anderen (Renate Scherer und Henner Querfurth) eine Wohngemeinschaft anstrebten, die jedoch keinerlei "Motor" nach außen sein, sondern eher die Regelung des privaten Alltagslebens erleichtern sollte. Am 17. März war ein Besuch im SDS-Zentrum geplant. Dorothea Ridder sollte am gleichen Tag mit Bernd Rabehl sprechen. Über Inhalt und Erfolg von Besuch und Gespräch wurde im roten Heft nichts berichtet[9] .

Einen ersten Eindruck von den internen Spannungen in der neuen Lebensgemeinschaft gaben die Eintragungen vom 15. März 1967. Dagmar Seehuber beschwerte sich darüber, daß Volker Gebbert bzw. Ulrich und Dagrun Enzensberger sich bemühten, mit ihr ein Viererverhältnis zu begründen. Sie wandte sich gegen ein derartiges Experiment, weil sie die Befürchtung hegte, daß die politische Zielsetzung der Gemeinschaft verloren gehen und die internen und persönlichen Probleme in den Vordergrund gedrängt werden könnten. Dadurch würde eine Selbstfindung im Kontext politischer Orientierung unterlaufen werden und es blieben nur die ganz persönlichen Schwierigkeiten, die jede oder jeder mit jedem hatte. Ulrich Enzensberger verteidigte diese ganz persönliche Ebene einer Gemeinschaft. Für ihn würde es immer einen Dritten in jeder Beziehung geben. Durch einen Vierten sollte gerade Klarheit geschaffen werden ("... es gibt immer einen Dritten und durch den Vierten werden die Positionen klar"). Sprache blieb nach seiner Überzeugung an der subjektiven Sprach- und Ausdrucksmöglichkeit gebunden. Vor allem Zuspitzungen und Konflikte würden Klarheit schaffen. Die folgenden Zeilen klären über die Ursache der Aufregungen auf: "Ulrich wußte nichts vom Beischlaf Volker und Dagrun." Der Staatsanwalt, der diese Sätze las, unterstrich diese Worte, denn sie schienen den Tatbestand der "Kuppelei" zu bestätigen. Dem Leser fällt auf, daß ein psychologischer bzw. psychoanalytischer Jargon die internen Spannungen der Lebensgemeinschaft und vor allem die unterschiedlichen Interessen und Emotionen verdeckt. Die Eintragungen am 17. März bestätigen, daß Eifersüchteleien bestanden und daß die Gruppe sich nach außen wenden mußte, weil intern nichts gelöst werden konnte: "Situation mit Dagmar (Seehuber) unerträglich." Zum ersten Mal taucht zwischen unleserlichen Schriftzügen der Name "Humphrey" auf[10] . Am 18. März machte sich der erste der Gruppe aus dem Staube. Detlef Michel fuhr zu seiner Mutter nach Braunschweig. Erika, eine Frau aus dem SDS, die von der Gruppe kontaktiert wurde und die Interesse an dem Kommuneexperiment gezeigt hatte, sagte ihre Teilnahme ab. Sie kritisierte den chaotischen Zustand und die hilflose Form der Gruppentherapie. Außerdem befürchtete sie, daß sich die individuellen Probleme in Zukunft noch weiter steigerten, und sie konnte sich nicht vorstellen, daß die Kommunarden ihre Beziehung zu zwei Männern akzeptieren würden. Ferner brauchte sie innere Ruhe, um ihre universitäre Abschlußarbeit zu Ende zu bringen. Jetzt wurde Dr. Ammon, ein Psychoanalytiker vom Kurfürstendamm, zitiert. Hans-Joachim Hameister, der Kontakte zu Dr. Ammon aufgenommen hatte und später ein berühmter Schüler von ihm werden sollte, hatte ihm von den internen Schwierigkeiten der Kommune berichtet. Der Polizeibericht zitierte die Stellungnahme von Dr. "Aman" aus den Aufzeichnungen der Kommune. (Der Name des Psychoanalytikers wurde falsch wiedergegeben.) Dr. Ammon hatte herausgestellt, daß "eine solche Spielart von Gruppentherapie nicht zur Lösung von Problemen und Konflikten führt wegen Kompensation der eigenen Probleme durch Wissen von Psychoanalyse und Marxismus". Außerdem habe er den Eindruck, daß die Gruppe ihre persönlichen Probleme nach außen, d.h. in Universität und Gesellschaft, projizierte. Dadurch, daß die Gruppe außerdem noch Ansprüche an den einzelnen stelle, die analytisch, politisch und aktionistisch aufgeladen würden, entständen Gewaltverhältnisse, die nicht mehr klärbar seien, die jedoch Angst oder Wut schürten und zur individuellen Verzweiflung führen könnten. Ulrich Enzensberger nahm diesen Gedanken in seinem Diskussionsbeitrag auf. Der Ausbruch aus der Normalität bzw. aus den herrschenden Lebens- und Karrieremustern sei für ihn notwendig gewesen, um daran nicht kaputt zu gehen. Die Kommune wertete er als Versuch, eine neue Identität zu finden. Deshalb müßten die Gruppensituation und die internen Macht- und Gewaltverhältnisse angesprochen und vielleicht auch gelöst werden, um nicht in die Vergangenheit der Normalität zurückzufallen und um so etwas wie Zukunft zu gewinnen. Für ihn seien die Widersprüche zwischen dem emanzipatorischen Projekt der Kommune und den bestehenden Macht- und Autoritätsverhältnissen durchaus lösbar. Die herausragende "Autorität Dieter" (Kunzelmann) mißfalle ihm. Der Staatsanwalt unterstrich diesen Zusammenhang, wohl weil er meinte, den Oberkuppler ausfindig gemacht zu haben. Ulrich Enzensberger fuhr fort: Die Kommune müsse unter das Ziel subsumiert werden, "Privatexistenz und politische Existenz miteinander zu vermitteln". Er wolle diese Vermittlung so gestalten, daß er sich weder auf ein enges Zweierverhältnis einlassen noch in eine politische Arbeit zurückkehren würde, die nur die abstrakte oder akademische Diskussion kannte. In der Gemeinsamkeit sollte die private Isolierung genauso aufgesprengt werden wie die eingeengte politische Arbeit. Damit hatte Ulrich Enzensberger wieder zum Ideal der Kommune zurückgefunden und die Ammonschen Bedenklichkeiten erfolgreich abgewehrt.

Die innere Unruhe der Gruppe war durch derartige Interpretationen nicht beseitigt. Dagmar Seehuber protokollierte: "Dorothea quasselt weiter, Erika solidarisiert sich mit ihr und ich werde aggressiv: was sucht Erika eigentlich noch hier? Hameister gibt sich als Schlaumeier: die Situation muß begriffen werden, bevor darüber geschwatzt wird. Ulrich, Dagrun, Detlev gehen." Eine innere Konsolidierung der Gemeinschaft war längst noch nicht erreicht. Der psychologisierende Jargon zwischen den einzelnen zersetzte die gemeinsame Sprache[11] . Am 19. März erfolgte die Eintragung: "Langhans war hier, über den mit Recht hinweggegangen wurde, da Erika-Abend etc. besprochen wurde." Am 22. März wurde ein Termin um 18 Uhr im SDS wahrgenommen. Ein Freund von Till Wilsdorf sollte angerufen werden (Wulf Krause). Er galt als Experte für die Herstellung von Rauch- und Stinkbomben. Es ging um den "Humphrey-Besuch". Am 27. März traf ein Brief von Hans-Magnus Enzensberger ein, der jeden Kontakt zu der Gruppe, dem Bruder und der ehemaligen Gattin abbrach. Am 5.April, dem Tage des "Attentats" gegen Humphrey, tauchte die Notiz auf: "... nach der Aktion mit der SDS-Kommune (unleserlich) zusammenzukommen, zusammenzuziehen." (Gemeint sind Eike und Agathe Hemmer, Klaus Gilgemann, Jan Carl Raspe, Dagmar von Doetinchem, Eberhardt Schulz, B.R.)[12]

Im roten Heft waren auch die Aktivitäten verzeichnet, die die Herausgabe von Broschüren oder den Druck betrafen. Hameister übersetzte Texte von Malcolm X. Bestimmte Mao-Artikel wurden zusammengestellt und sollten gedruckt werden. Über Ostern wurde ein Drucktermin vereinbart. Die Broschüre von Regius (Max Horkheimer, Dämmerung von 1934) wurde fotokopiert und auf Rotaprintmatritzen übertragen. "Fritz (Teufel) und Dorothea (Ridder) gehen drucken."[13] Auch die Wohnungssuche ging weiter. Eine Wohnung am Klausener Platz wurde am 18. März aufgesucht. Ferner standen noch andere große Wohnungen in Kreuzberg und Wedding zur Debatte. Rechtsanwalt Horst Mahler sollte eingeschaltet werden, um den Mietvertrag für die Wohnung am Klausener Platz unter Dach und Fach zu bringen. "Mahler anrufen, Clausener Platz zugreifen", verzeichnet das rote Heft am 4. März. Für den 5. April war sogar der Beginn der Renovierung geplant[14] . Am 19. März tauchte Rainer Langhans auf. Er hatte sich entschlossen, in die Kommune I zu wechseln. Liebeskummer, Einsamkeit und mangelhafte Beachtung veranlaßten ihn, eine Gemeinschaft zu suchen, die ihm mehr Aufmerksamkeit schenken würde. Er traf auf eine Gruppe, die jeglichen inneren Halt verloren zu haben schien und die auch sonst einen konfusen Eindruck hinterließ. Die Gruppe war dabei, sich entweder aufzulösen oder alle internen Probleme zu verdrängen bzw. nach außen zu verlegen. Von Fritz Teufel stammten folgende Überlegungen: "Beschränkung auf interne Diskussion bringt nur eine Kreisbewegung hervor", deshalb müßten die Aktionen nach außen die Konsolidierung nach innen leisten. Die "Vernichtung der Akten des Disziplinarausschusses" (der Freien Universität) könnte Wege für das Selbstverständnis der Gruppe eröffnen. Hans-Joachim Hameister warnte davor, zu schnell die Veränderung in das Blickfeld zu nehmen, bevor nicht die Situation geklärt sei. Volker Gebbert empfand die "Spannungssituation", in der jeder einzelne sich zwischen individuellen Ansprüchen und politischem Bewußtsein bewegte, als produktiv. Ulrich Enzensberger und Dorothea Ridder sprachen jeweils von ihren Trennungen und Zermürbungen.

Die Mitschrift wurde für den Polizeibeamten, der diese Notizen für den Staatsanwalt in Schreibmaschinenschrift übertragen sollte, immer unverständlicher und unleserlicher. Bei den protokollierten Aussagen von Fritz Teufel kam wieder Aufmerksamkeit auf. Für ihn basierte die Kommune bisher auf einem "freundlichen Desinteresse" der einzelnen. Jeder verwechsle das Zusammenleben immer noch mit einem Universitätsseminar oder mit einem kurzen Treffen im Café. Es gebe Gelegenheiten für einzelne Wortfechter, sich in den Vordergrund zu drängen: "Dieters Auf- und Abarbeitung, Ulrichs Lebensgeschichte und Hameisters Inquisitionsgespräche: dies war alles jedoch konkret und mir selbst ist nichts dazu eingefallen. Die Begriffe der Kommune sind endgültig zu Phrasen geworden, stattdessen Kritik und Selbstkritik. Zusammenbrüche produzieren eine Spannung, die nicht mehr zu ertragen war und die Zusammenbrüche waren nicht selbsttätig, sondern waren Pflichtübungen der Autoritäten sich selbst gegenüber. Diese Autorität war zugleich die Gruppenautorität. ... Für mich bedeutet es mehr, wenn Hameister z.B. das Frühstück macht."[15]

Am 24. März verzeichnet das Tagebuch eine Aussprache mit der SDS-Kommune, d. h. mit den Leuten um Hemmer, Raspe, Gilgemann, Schulz, Schlotterer u.a., die eine andere Perspektive des Zusammenlebens anstrebten und vor allem die Nabelschau einer Lebensgemeinschaft vermeiden und ihre Kollektivität als Grundlage politischer Gesinnung und Aktion sehen wollten. Im Zentrum der Aussprache stand die "Revolutionierung des Alltags". Über den Inhalt der Gespräche wurden kaum Angaben gemacht. Es wurde jedoch deutlich, daß die Kommune nach außen ihr Experiment verteidigte. Die Auflösung der Zweierverhältnisse und der gegenseitigen Besitzansprüche wurde als besonderes Markenzeichen herausgestellt. Die Kommune wollte den politischen Anspruch mit einer neuen Lebensform verbinden. Politik, Provokation, Aktion standen jetzt im Vordergrund. Intimität und Geschlossenheit des Experiments sollten überwunden werden. Trotzdem wurde sichtbar, daß die individuellen Kränkungen, aber auch Perspektivlosigkeit die Ursache dafür waren, daß die einzelnen Kommunarden zusammengefunden hatten. Die "Organisierung der Banalitäten war das Wichtigste" (Fritz Teufel). Der "Bruch mit der bürgerlichen Gesellschaft" wurde in den Vordergrund gerückt (Dagrun Enzensberger). "Aktionsformen" wurden eingeklagt (Eberhardt Schulz). "Politische Gründe beim Eintritt in die Kommune waren nicht da" (Detlef Michel). Immer wieder wurde auf die Problematik der inneren Autorität in der Kommune eingegangen. "Druck von oben wird jedesmal weitergegeben, Verbindung von Autorität und der Verteilung der Frauen, Ausbeutung seitens der Autorität", notiert das Stichwortprotokoll als Stellungnahme von Fritz Teufel. Dieser betonte sein zukünftiges Verhalten: "Zu keiner Frau mehr ein Verhältnis anfangen, völlig andere Sprechweise, andere Methode meiner Gesprächsform, nicht unterbrechen, keine kurzen aggressiven Bemerkungen mehr." Detlef Michel verließ die Runde. Ihm wurde die neue politische Wendung in der Kommunediskussion unheimlich. Jetzt stand die Entscheidung im Vordergrund, die Gruppe über politische Aktionen zu einen. Sein Weggang wurde umständlich kommentiert: "Ein Zweierverhältnis" müsse außerhalb der Kommune realisiert werden. Der einzelne dürfe sich nicht in "allen Entscheidungen" von der Gruppe "abhängig" machen. In der Kommune dürfe auch keine "Fabriksituation" entstehen, sich kein Zwang breitmachen, der die Verhaltensweisen festlegte. Stets aufs neue wurde der Bruch mit der Bürgerlichkeit beschworen. Offenbar empfanden alle Beteiligten die Kommune als Zwangsgemeinschaft, aber niemand wollte sich eingestehen, daß das Experiment bereits am Anfang gescheitert war bzw. die Ansprüche, Therapie mit politischer Aktion zu verbinden, nicht gelangen. Der Abgang von Detlef Michel hielt allen die Absurdität des Experiments vor Augen. Jeder versuchte sich als Analytiker, indem er die Motive des anderen interpretierte. Die Sprach- und Hilflosigkeit einer derartig fremden und gleichzeitig kuriosen Situation wurde durch einen analytischen Jargon überdeckt. Es mag an der sporadischen und schlechten Wiedergabe der Gespräche oder an den schlagwortartigen Notizen liegen, daß bei der Lektüre der Eindruck eines Disputs zwischen exaltierten und haltlosen Intellektuellen entsteht, die sich in einem rauschähnlichen Zustand befunden haben, obwohl alle Zeugenaussagen belegen, daß zu diesem Zeitpunkt weder Drogen noch Alkohol innerhalb der Kommune konsumiert wurden. Es kann aber auch sein, daß der Polizeibeamte, der später die Anmerkungen übersetzen und verstehen sollte, die Lust verlor und nur noch Kauderwelsch zu Papier brachte. Dagrun Enzensberger gab in ihrem Beitrag einen Eindruck von der Situation: "Warum Kommune? Unmöglichkeit der Ehen als Unmöglichkeit der Gesellschaft. Kommune als Utopie von neuer Gesellschaft, um der alten klar zu machen, was sie eigentlich ist. Diese Kommunevorstellung hat sich zerleppert und ist in den Hintergrund getreten durch persönliche Geschichten. ... Sexualität ist nicht öffentlich möglich und ist gebunden an Intimität und Privatheit. ... Das ist ein permanenter Widerspruch." Die Alternative lag nach ihrer Auffassung in der "Selbstzerfleischung" oder in einem "Arbeitsplan" bzw. in "politischen Aktivitäten"[16] .

 

2.4 Die Aufzeichnungen im roten Schnellhefter (Fortsetzung): Die neue Äußerlichkeit oder die Vision der direkten Aktion

 

Die Leseabschrift gibt als Datum für die nächste Diskussionsrunde den 22. März 1967 an, so daß davon ausgegangen werden kann, daß die Aufzeichnung einer Aussprache mit der SDS-Wohngemeinschaft nicht am 24., sondern am 21. März erfolgte und statt "21" "24" übertragen wurde. Es ist jedoch auch möglich, daß der Disput am 25. März stattfand und die Polizeiübersetzer die "25" mit "22" verwechselten. Da das Buch fortlaufend geführt wurde, ist anzunehmen, daß diese Diskussion am 25. März, also etwa 10 Tage vor dem "Humphrey-Attentat" stattfand. Sie wirkt insgesamt klarer und zielstrebiger und gab sich nicht den Schwankungen und Stimmungen der einzelnen hin. Die Runde beschloß, ein "Reihengespräch" zu führen, um alle Teilnehmer zu Wort kommen zu lassen.

Hameister begann mit der neuen Gestaltung der Aussprache. Der politische Anspruch wurde jetzt in den Vordergrund gestellt. "Lagebestimmung: Jeder muß seine individuelle Situation auf den allgemeinen Stand bringen. Schweiger müssen reden und warten nicht mehr darauf, daß ihr Problem verhandelt wird. (...) Diskussion heißt nicht mehr aufgesucht und aufgefunden zu werden wie in der bürgerlichen Kommunikation, sondern jeder muß entwickeln und sich wirklich aus den persönlichen Schwierigkeiten in den Gesamtzusammenhang bringen." Jeder sollte seine persönliche Problematik mit einem politischen Anspruch verbinden und deshalb zu möglichen Aktionsfeldern der Kommune Stellung beziehen, etwa zu Hausbesetzungen, Wandzeitungen und Aktionen auf dem Universitätsgelände, aber auch in der Stadt. Ulrich Enzensberger machte erste Vorschläge. Sie zielten darauf, den SDS als Rekrutierungsfeld für die Kommune zu sehen. Er nahm an, daß hier die Unzufriedenen ihren Orientierungspol hatten, auch wenn sie mit der Politik dieser Organisation nicht übereinstimmten. Er war überzeugt davon, daß viele mit der Kommune sympathisierten und ihre Aktionen gut finden würden. Deshalb müßte die Kommune nach außen treten. "Klaugeschichten", illegale Expropriationen in Kaufhäusern oder anderswo und ihre Publizierungen, Wandzeichnungen, die derartige Aktionen verherrlichten, wurden von ihm in den Vordergrund gestellt. Bei dieser Darstellung taucht ein Satz auf, der die Interpretation zuläßt, daß die Kommunarden intern über den Besuch des amerikanischen Vizepräsidenten gesprochen hatten. Der Satz hieß: "Humphrey ist zu weit entfernt." Das Private brach dann doch noch durch. Dagrun Enzensberger war in die Niedstraße umgezogen. Sie hatte sich endgültig vom Schwager Ulrich Enzensberger getrennt. Dieser behauptete nun: "Ich werde unangreifbar ohne das Verhältnis." Dorothea Ridder beschrieb die Rolle der Kommunefrauen. Sie waren nach ihrer Überzeugung primär "Liebesleider", weil sie die "ungleiche Situation" von Gesellschaft und Kommune nicht aushielten und die weiblichen und männlichen Rollen in der neuen Gemeinschaft subtil beibehalten wurden. Fritz Teufel reimte fröhlich: "Wird der Spießer nicht enteignet, bleibt er es, auch wenn er's leugnet." Hameister erkannte ein gemeinsames Interesse aller Kommunarden: das gemeinsame Wohnen. Deshalb müsse ein Haus besetzt und nach außen verteidigt werden. Volker Gebbert folgerte, daß hier auch die Initiative liegen könnte, über diese Aktion die Presse anzusprechen und sie als Multiplikator der Kommuneidee zu benutzen. Dieter Kunzelmann machte deutlich, daß der Bruch mit der bürgerlichen Gesellschaft keineswegs technisch verlaufen dürfe, sondern eine Entscheidung sein müsse, die für den einzelnen nicht rücknehmbar sei. Er machte Vorschläge der Kooperation und der Aktionseinheit mit anderen Gruppen innerhalb und außerhalb des SDS. Die Besetzung eines Hauses sah er als "Propaganda der Tat". Flugblätter der Kommune sollten vorerst die linke Öffentlichkeit erreichen[17] .

Hameister faßte alle Vorschläge noch einmal zusammen. Aktionen aus Verzweiflung oder als Notlösung kämen nicht in Frage. Die Besetzung eines Hauses oder eine Aktion gegen Humphrey dürfte nicht als Ausweg gesehen werden, um die Kommune nach innen zu stabilisieren. Den Aktionen müßte die Entscheidung vorangehen, wirkliche Distanz zum bisherigen Leben zu finden. "Jedes Mal, wenn der Bruch passieren soll, muß er vorher stattgefunden haben." Diese innere Entscheidung war für Hameister die Voraussetzung einer Revolutionierung der eigenen Person. "Wir würden uns verändern, wenn wir den Alltag als Aktionsfeld betrachten - die Privatheit wäre unmöglich." Die Polizeiabschrift dieses Zitats machte aus Privatheit "Privatheim", wodurch dieser Satz karikiert wird und die heimlichen Sehnsüchte des Beamten offenlegt[18] .

Am 27. März 1967 fand eine weitere Sitzung statt. Ulrich Enzensberger befand sich auf Reisen nach Hamburg und Bamberg, um dort Kommuneinitiativen zu ermuntern, den Schritt in die neue Lebensgemeinschaft zu wagen. Detlef Michel hatte sich vollständig von dem Kommuneexperiment abgewandt. Das Reihengespräch wurde fortgesetzt. Dagmar Seehuber erinnerte an die Eierwerfaktion vom 5. Februar 1966, als unbekannte Täter anläßlich einer Vietnamdemonstration sechs Frischeier an das Amerikahaus warfen und die gesamte Presse und politischen Parteien gegen diese politische Aktion Zeter und Mordio schrien. Sie trat eher für eine Hausbesetzung ein, statt einen Skandal um Humphrey zu inszenieren. Fritz Teufel wiederum zog Parallelen zum "Eierwurf auf das Amerikahaus" und zur "Humphrey-Geschichte" und erwartete eine ähnliche Presseresonanz. Hameister setzte noch einen drauf: "Wichtig: wir müßten uns etwas einfallen lassen über ein politisches oder nicht-politisches Happening Humphrey: die Lacher müßten auf unserer Seite sein." Eine solche Satire sei in der Öffentlichkeit wirksamer als Delikateßläden auszuräumen oder Villen zu besetzen. Ein Happening, das den amerikanischen Besucher und die Berliner Politiker lächerlich machte, würde allen Querulanten in der Stadt gefallen.

Auf der nächsten Runde am 28. März befaßten sich die Kommunarden mit dem Thema: "Wie stell ich mir die Revolutionierung des Alltags vor?"[19] Hameister schwieg erst einmal. Teufel wollte Gerichtsakten verbrennen oder Häuser besetzen. Schließlich gefiel ihm der Gedanke, anläßlich des Humphrey-Besuchs in West-Berlin ein Happening zu veranstalten. Volker Gebbert empfahl eine genaue Planung. Er dachte daran, Krähenfüße auf die Straße zu werfen, so daß die Reifen der Staatskarossen zerplatzten und schlug vor, für diese Aktion Gruppen aus dem SDS hinzuziehen. Hameister fragte nach der Route, auf der sich der amerikanische Gast bewegen würde. Plötzlich ließ sich auch Dieter Kunzelmann begeistern. Dagmar Seehuber wollte einen Feuerlöscher einsetzen, der die wartenden Berliner und die Polizisten an einem bestimmten Punkt der Strecke mit Schaum übersprühte. Es sollte ein Happening werden, das alle einbezog: den Staatsgast und seine Bodyguards, die Berliner Provinzpolitiker, die Schaulustigen, die Streckensteher der Polizei, die Presse, das Fernsehen und die Kommunarden. Hier brach das Protokoll für diesen Tag ab[20] .

Am 30. März 1967 fand eine weitere Runde der Kommunarden statt. Auf das Happening wurde vorerst nicht eingegangen. Einige Leute aus der Wohngemeinschaft des SDS-Zentrums waren vorbeigekommen (Lisbeth und Jörg Schlotterer, Klaus Gilgemann, Rainer Langhans, Agathe Hemmer und Eike Hemmer). Irgendwie hatte es allen die Sprache verschlagen. Hameister tat so, als würde er nicht wissen, warum dieses Treffen stattfand und worüber gesprochen werden sollte. Rainer Langhans gab seinen Entschluß bekannt, in die Kommune einziehen zu wollen. Er beklagte, daß er Schwierigkeiten hätte, sich zu verändern: "Meine Schwierigkeit kann eine Zeit lang nicht behandelt werden". Er wolle in eine Gemeinschaft, in der mehr passiere und wo mehr diskutiert würde als in der Wohnung im SDS-Zentrum. Hameister konnte seine Antipathie gegen ihn nicht verbergen. Er hegte die Befürchtung, daß Langhans ein stagnativer Faktor in der Kommune werden und die inneren Auseinandersetzungen eher behindern würde: Seine Unbeweglichkeit und Lethargie mochten bedeuten, "daß er Veränderung überhaupt nicht wahrnehmen" könnte und auch die übrigen Kommunarden auf sein Niveau zerren würde. Agathe Hemmer fragte nach und wollte wissen: "Wie kann man sich verändern?" Alle schwiegen  sich an. Eike Hemmer gab zu erkennen, daß er nur gekommen sei, um herauszufinden, "ob er dableibt oder weggeht". Als Gruppe oder "Fraktion" konnten die beiden Kommunerichtungen nichts miteinander anfangen. Die Kommunarden hüteten sich davor, die "Genossen" aus dem "Zentrum" in die Idee und die Vorbereitungen des bevorstehenden Happening einzuweihen. Die Sitzung wurde ohne Ergebnis abgebrochen[21] .

Die Kommunarden diskutierten auf einer internen Zusammenkunft darüber, ob Rainer Langhans als neuer Mitstreiter akzeptiert werden könnte oder nicht. In den Notizen wurden keinerlei Anmerkungen dazu gemacht, welche Haltung die einzelnen gegenüber dem neuen Kommunarden einnahmen. Es wurde jedoch herausgestellt, daß er in eine Kooperation mit den anderen eingebunden werden sollte. Später sollte darüber befunden werden, ob er noch länger an dem Kommuneexperiment teilhaben konnte. Dadurch wurden Prinzipien des Kommunelebens angesprochen und unbewußt Aufnahmebedingungen für den Kreis der Kommunarden formuliert. Eine Diskussion über Inhalt und Fertigstellung eines "Kommune-Katechismus" entbrannte. Hameister gestand in einer Art Selbstanalyse, daß er   nur deshalb immer als "Hochstapler" aufträte, weil das Verhältnis zu seiner Mutter völlig ungeklärt sei und er sich bemühe, ihren hohen Erwartungen zu entsprechen. So phantasiere er sich in eine Rolle hinein, die den Hoffnungen der Mutter Ausdruck geben könnte. Deshalb befände er sich immer in Spannung, um diesem Bild zu entsprechen. Das sei so anstrengend, wie er hervorhob, daß er nach der Zeit der Selbstinszenierung schnell in Apathie und Müdigkeit zurücksinke. Die anderen gingen auf diese Anregungen nicht ein und berichteten über ihre Rollenmuster nichts. Es wurde noch über die Wohngemeinschaft im SDS-Zentrum hergezogen und über die bevorstehenden Druckarbeiten gesprochen, um die geplanten Broschüren fertigzustellen. Über Planung und Durchführung des Happenings fiel kein Wort[22] . Am 1. April wurde erneut darüber geredet, was Kommune sein könne, wie sich das Private auflösen solle, ob Gemeinsamkeiten beständen bzw. hergestellt werden könnten, daß Kommune-Autoritäten die innere Dynamik der Gemeinschaft bestimmten und gleichzeitig jede Entwicklung verhinderten. Erneut wurden analytische Begriffe bemüht, interpretierten die Kommunarden sich gegenseitig, legten Geständnisse ab oder provozierten sie bei den anderen und bewegten sich in den Grenzbereichen einer Gruppentherapie, nur war niemand fähig, diese zu steuern und zu Lernprozessen zu führen. Alle Argumente und Einschätzungen waren gesagt, man bewegte sich im Kreise und wiederholte sich, was die einzelnen als Qual empfanden. Es mußte etwas passieren oder die Gruppe brach auseinander. Kunzelmann hatte sich offensichtlich absentiert und war zu den anderen auf Distanz gegangen. Fritz Teufel interpretierte diese Tatsache freudig: "Die Identifizierung von Dieter und Kommune wird unmöglich sein, weil er sich zurückgezogen hat auf eine Position des Privaten. (...) Wie sollen wir weiter diskutieren, wenn weiterhin die Position existiert, daß es kein Kommuneinteresse gibt und die Konsequenz dieser Einstellung wäre, auszuziehen und wenn das für alle stimmt, müssen wir uns auflösen als Kommune. Dieter wartet ab, bis die anderen so weit sind." Zum Schluß wurde doch noch die Humphrey-Aktion angesprochen. Sie erschien als Befreiungsaktion im doppelten Sinn: der Kommune doch noch ein Ziel zu geben und die eigenen Hemmungen und Verklemmtheiten zu überwinden. Dagrun Enzensberger sorgte sich um eine Ausweisung. Fritz Teufel beschwor die Tatkraft der Gemeinschaft: "Wir selbst müssen es machen und dürfen uns nicht auf die anderen verlassen." Dagmar Seehuber gestand: "Ich muß die Angst einer Verhaftung durchstehen." Hans-Joachim Hameister bemerkte dazu, man müsse die "Angst vor der Staatsautorität durchstehen". Ulrich Enzensberger gab zerknirscht zu Protokoll: "Abgetrennt von dem, was wir überhaupt wollen, mache ich mit, weil ich keine Eier geschmissen habe."[23]

Am 2. April, um 14 Uhr, stand das Happening im Mittelpunkt der Erörterungen. Inzwischen war bekannt, daß der amerikanische Vizepräsident durch die Martin-Luther-Straße fahren und am Schöneberger Rathaus eintreffen würde. Hier sollten die Interventionen stattfinden. Es wurde an Rauchbomben gedacht, die einen starken roten Qualm entwickelten und schnell alles einnebelten. Die Kommunarden wollten auf das Auto zurennen und mit Eiern, Schlagsahne, Pudding, Eis, Tutti Frutti werfen. Wenn die Staatskarosse stoppte, sollten Lieder angestimmt werden: "Hoch soll er leben, Backe backe Kuchen, Berlin ist eine Reise wert." Ein Lageplan wurde ausgebreitet, und die "Attentäter" stellten Überlegungen an, wo und an welcher Stelle der Zugriff erfolgen sollte.[24]

 

Emphatisch erklärte Ulrich Enzensberger, daß die Humphrey-Aktion den "Schlußpunkt" der "Beschäftigung mit uns selbst" setzen solle. In der Vietnam-Arbeit solle nicht mit dem SDS konkurriert werden; es müßten Aktivitäten gefunden werden, die sich von der Nabelschau der internen Gruppendynamik abgrenzten und sich zugleich von den traditionellen Vorstellungen linker Politik lösten. Als ein Stilmittel des Politischen wurde die Provokation entdeckt, die mit Elementen wie "Lächerlichkeit" und Ironie arbeitete und somit zur Selbstentlarvung gesellschaftlicher Autoritäten beitragen konnte. Die Selbstkriminalisierung wurde gezielt angestrebt und als Möglichkeit verstanden, die absurden Grundlagen des herrschenden Rechts aufzudecken. Vor allem der Klamauk eines Staatsbesuches, die Polizeidichte in der Stadt und primär an der Strecke zum Schöneberger Rathaus, die Rolle der Stadtpolitiker und Jubelberliner sollten vorgestellt werden. Schließlich trug Rainer Langhans seine Bedenken vor. Er weile zum ersten Mal in der Kommune und werde sofort auf die Probe gestellt. Erschreckt bemerkte er, daß das Happening eine Provokation sei, die zur Kriminalisierung der Kommunarden führe und die dem einzelnen die Rückkehr in das bürgerliche Leben verbaue. Charakter und Lebensart von Dieter Kunzelmann würden in der Kommune zum Beispiel erhoben, um gruppendynamisch eine psychologische und existentielle Radikalisierung der einzelnen vorzunehmen. Er habe nicht damit gerechnet, so schnell in den Strudel von Aktion und Veränderung zu geraten. Die anderen lachten. Hans-Joachim Hameister, Fritz Teufel und Ulrich Enzensberger stimmten ihm zu. Sie glaubten, daß mit den Methoden der Provokation neue Formen der Propaganda der Tat gefunden worden seien, die nach innen auf das Selbstverständnis der Gruppe wirken müßten, nach außen einen mobilisierenden Einfluß hätten und vor allem unpolitische Jugendliche und Studenten ansprächen, die sich schon gar nicht mehr um das politische Geschehen scherten. Politik war nach ihrer Überzeugung längst in die Buntheit von in Szene gesetzten Ereignissen entschwunden. Gerade deshalb müßten Aktionen Anerkennung finden, die auf die Lächerlichkeit derartiger Staatsbesuche hinwiesen: auf die tortenbekleckerten Staatsgäste, empörte Politiker, aufgeregte Polizisten, aufschreiende Zuschauer, erregte Reporter. Die Inszenierung des Politischen noch einmal zu inszenieren, würde die "Kunst" der Provokation beinhalten[25] .

Nervosität breitete sich aus. Ein Lokaltermin wurde anberaumt. Zwischen Kranzler-Eck und Bilka-Kaufhaus oder an der Ecke Kurfürstendamm/Uhlandstraße sollte das Attentat erfolgen. Eine Experimentiergruppe machte sich auf den Weg, die Rauchbomben im Grunewald auszuprobieren. Wulf Krause als Experte wurde eingeladen, das Experiment zu verfolgen und noch Tips zu geben, um alles noch wirkungsvoller zu gestalten. Über verschiedene Telefonanschlüsse wurden Verabredungen getroffen und Geheimnisse ausgetauscht. Alliierte Dienststellen hörten mit und machten sich ihren Reim: Auf den amerikanischen Vizepräsidenten sollte ein Attentat verübt werden. Die Politische Polizei von West-Berlin wurde verständigt. Sie beobachtete die Wohnungen und das Treiben und griff schließlich ein, um den Angriff auf den Staatsgast zu vereiteln. Die Realität übertraf die Phantasie der Kommunarden bei weitem, denn an die Tatsache, daß die Telefone von alliierten Dienststellen abgehört wurden und daß die Alliierten nicht nur die Oberhoheit in dieser Teilstadt hatten, sondern auch die Befehlsgewalt gegenüber Politik und Polizei, hatten sie nicht einmal im Traume gedacht.

 

2.5 Der gelbe Schnellhefter: Die Notizen von Dagmar Seehuber

 

Dieser Hefter beginnt mit der Berichterstattung am 27. März 1967. Warum Dagmar Seehuber jetzt die Kommentierung des roten Schnellhefters ergänzte, wird nicht deutlich. Möglicherweise wollte sie die andere Niederschrift vervollständigen. Das Happening war beschlossene Sache, und sie wollte die psychologische Situation der Gruppe festhalten. Vermutlich mißtraute sie den Stellungnahmen im roten Hefter, die wahrscheinlich von Dieter Kunzelmann oder von Hans-Joachim Hameister stammten. Ihre Kommentare und Überlegungen gaben eher Stimmungen wieder. Sie hütete sich davor, analytische Einschätzungen zu geben. Sie wollte die Situation der Gruppe festhalten. Die Aufzeichnungen verblieben in Attitüden des Augenblicks. Ein Frauenblick durchschaute die Intimität der Gruppe besser als die männliche, sich in Sprache und Bericht abbildende Kraftmeierei. Sie hielt fest, daß der erste Kommunarde sehr schnell die Gemeinschaft verließ. Detlef Michel sei ausgezogen bzw. habe die Flucht angetreten, um bei seiner Mutter in Braunschweig Unterschlupf zu finden. Dieter Kunzelmann sei über die Banalität des Auszuges verärgert, weil der Flüchtling keine Frau gefunden habe und mit dem Gruppenleben nicht zurechtgekommen sei. Die Beziehungen zwischen Mann und Frau sollten nicht das Hauptmotiv des Zusammenlebens in der Kommune sein. Deshalb müßten politische oder aktionistische Motive gefunden werden, die den Zusammenhalt der Gruppe bewirkten. Alles andere seien private Versuche, über persönliche Probleme hinwegzukommen. Hans-Joachim Hameister lenkte ein. Ein Auszug sei für ihn kein Beweis, daß Detlef Michel mit der Kommune gebrochen habe. Er sei nur im Augenblick nicht fähig, sich dem Kommuneexperiment zu stellen. Die Frauengeschichte sei nur ein Vorwand, sich zurückzuziehen. Unvermittelt tauchte der Satz auf: "Dorothea Ridder und Hameister haben wieder miteinander geschlafen. Hameister zieht in die Stierstraße."

Die Osterdemonstration im Rahmen der Ostermarschbewegung war für die Autorin dieser Notizen eine Enttäuschung. Sie spürte die Isolierung und die Distanz der anderen. Die Kommunarden wurden nicht ernstgenommen. Eine derartige Distanz flößte Angst ein. Dagmar Seehuber gab zu erkennen, daß sie die gruppeninternen Diskussionen für wenig produktiv hielt. Sie setzte auf eine neue Gestaltung des Aktionismus. "Für mich ist es wurst, was wir hier drin in der Kommune tun. Daß wir aber zukünftige Aktionen planen, schon jetzt (Humphrey). Wie wir agieren könnten. Wenn jeder vor sich hin hoppelt, wird nichts."[26] Über Hameisters Überlegungen hielt sie fest, daß dieser ähnlich wie sie die Isolierung der Gruppe gespürt habe. Auch über die Sinnlosigkeit derartiger Ostermärsche hegte er keinen Zweifel. Für ihn stand wohl fest, daß alle Beteiligten vom Rituellen derartiger Märsche enttäuscht waren und viele Teilnehmer neue Aktionsformen begrüßen würden. Sie zitierte ihn: "Wenn wir die Humphrey-Sache machen, müssen wir die Lacher auf unserer Seite haben." Er gab zugleich zu bedenken, daß Hausbesetzungen oder die Plünderung von Delikateßläden zu diesem Zeitpunkt von der Kommune nicht durchgeführt werden könnten. Dafür hätte die Allgemeinheit kein Verständnis, aber auch die Kommunarden seien dazu nicht fähig. Deshalb sollten sie sich auf Aktionsformen konzentrieren, die sie auch umsetzen könnten. Spaß und Ironie würden gerade bei denen ankommen, die die Frustration bisheriger Aufzüge und Märsche durchgestanden hätten und insgeheim wußten, daß neue Formen von Demonstration gefunden werden müßten. Wiederum konnten die Kommunarden viel besser mit den Methoden von Spaß und Ironie umgehen. Das läge ihnen näher und sei Ausdruck ihres Werdegangs. In den spaßhaften Provokationen lägen die Potenzen von Aufklärung für Leute, die längst von Politik angeekelt seien und die den offiziellen Stellungnahmen mißtrauten. Dieter Kunzelmann interpretierte Hameisters Diskussionsbeitrag als eine vorsichtige Distanzierung von Aktion überhaupt. "Wir hatten wirklich konkret was vor, unsere Sache zu machen." Hausbesetzung dürfe sich nicht in Sprüchen erschöpfen. Auch ein Restaurant zu besetzen, läge dann im Bereich des Möglichen, wenn die Gruppe an die Aktion glaube. Interne Probleme der Gemeinschaft hätten bisher jegliche Aktion unmöglich gemacht. Er ließ durchblicken, daß er der Kommune keinerlei Aktivität zutraute: "Wenn vom SDS was gemacht wird gegen Humphrey, werde ich mitmachen, aber werde nicht versuchen, es an der Kommune aufzuhängen." Der gelbe Schnellhefter gab auch die Stellungnahme von Fritz Teufel wieder. Für ihn löse sich jeweils im Verlauf der Debatten jede Konkretisierung von Aktion in nichts auf. Er sei unzufrieden mit den internen Diskussionen und enttäuscht darüber, daß bisher keinerlei Konzeption der geplanten Aktion vorläge[27] .

Die Sitzung des 28. März 1967 stand unter dem Motto: "Wie stelle ich mir die Revolutionierung des Alltags vor?" Hans-Joachim Hameister entschuldigte sich, daß er keine Zeit gefunden habe, sich etwas auszudenken. Fritz Teufel dachte an das Verbrennen von "Gerichtsakten". Er war jedoch überzeugt, daß eine derartige Aktion zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf wenig Verständnis stieße. Der Disziplinarausschuß an der Freien Universität könnte Objekt einer Aktion werden, falls das Rektorat weitere Disziplinarverfahren und Relegationen von Studenten einleiten würde. Das Humphrey-Attentat könne ihm gefallen. Dem stimmte Volker Gebbert zu: Er habe ein "Aktionsgefühl". Er wolle "eine völlig geplante und durchorganisierte Aktion. Jeder soll dabei eine ganz bestimmte Rolle übernehmen." Alle redeten plötzlich über Einzelheiten und die Kuriositäten eines derartigen Happenings[28] .

Am 3. April 1967 wurden die Notizen fortgesetzt. Das Happening, in dessen Mittelpunkt der amerikanische Vizepräsident stehen sollte, wurde durchgesprochen. Es wurde festgehalten, daß der amerikanische Staatsgast etwa um 13.15 Uhr in Tempelhof ankommen, sofort in das Schöneberger Rathaus fahren, dann eine Stadtrundfahrt unternehmen und um 20 Uhr am Charlottenburger Schloß einträfe. Um 21.30 Uhr würde er von Tempelhof aus  die Rückreise antreten. Mehl, Eier, Törtchen, Schlagsahne sollten besorgt werden. Die Rauchkerzen würden Erinnerungen an Krieg und Bombennächten wachrufen, an Vietnam erinnern und überhaupt die Szene verdüstern und die Menschen in Aufregung versetzen[29] . Dagmar Seehuber bemühte sich, einzelne Erklärungen der Kommunarden über ihre psychische Verfassung zu Papier zu bringen. Die Abschreiber der Polizei gaben auf und fanden primär "Unleserliches". Irgendwann tauchte ein Kommentar von Fritz Teufel auf: Kommune sei für ihn ein Angebot von Spaß. Warum sollte Angst vor Spaß bestehen? Lachen sei für ihn eine erprobte Therapie gegen die Langeweile oder gegen die Angst oder gegen die Isolation, oder? Die Polizisten fanden wieder alles unleserlich.[30] Am Ostersonntag zitierte Dagmar Seehuber Fritz Teufel. Er hatte das SDS-Zentrum am Kurfürstendamm aufgesucht und berichtete, die SDS-Genossen hätten die Idee vom Happening gestohlen und verfremdet: "Sie wollen die Leute in Richtung Kudamm hetzen und vorstoßen bis zum Amerikahaus. Rauchbomben, 20 Millimeter Durchmesser, Kanonenschläge, Mehlpakete, rote Fettstifte, Vietcong-Fahnen an der Spitze des Zuges, mit Ölfarbe gefüllte Ostereier." Er sei aufgeregt, weil andere das Spiel treiben wollten, auf das er sich so gefreut habe. Auf die Rückseite der Eintragung kritzelte Dagmar Seehuber das Rezept für Rauchbomben, das Teufel mitgebracht hatte: "50% Calciumchlorid, 33% Schwefel, 16% Salmiaksalz und eine kleine Prise Zucker, alles gut mischen, in eine Pappeinkaufstüte hineintun." Dagmar Seehuber beschrieb die Haltung von Ulrich Enzensberger, der sich von der Kommune in der Planung des Happenings überrumpelt fühlte, aber mitmachen wollte, um dabeibleiben zu können. Trotzdem sprach sie von einem neuen Selbstbewußtsein von "U. E.". Die Aktion sollte die Kommune nach innen festigen. Erst dann werde diese Lebensgemeinschaft "Motor" für andere Kommunen, Beispiel und Symbol für eine neuartige Opposition. Hameister bestätigte nach Seehubers Notizen, daß es wichtig sei, eine "Entscheidung" zu fällen, um gleichzeitig nach innen und nach außen zu wirken, innen Gemeinsamkeiten zu finden und nach außen Signale zu geben. Dagmar Seehuber zitierte Kunzelmann: "Wenn wir beginnen mit der Revolutionierung des Alltagslebens, muß der Bruch mit der bürgerlichen Gesellschaft bereits stattgefunden haben. Durch diese Aktion kann sich herausstellen, ob wir in der Lage sind, beides zu leisten."[31] Ulrich Enzensberger habe diesen Gedanken aufgenommen. Er wolle ereichen, daß die Kommune auf illegaler Grundlage leben könne und nicht in die legalen Lebensformen der Mehrheitsgesellschaft zurückfalle. Wenn die Kommune Kombination von Revolution und Alltag wäre, gewänne sie Einflußmöglichkeiten auf die studentische Jugend, aber auch auf Menschen, die nicht mehr in den bisherigen Mustern von Karriere und Leistung leben wollten. Er dränge auf Aktionen, um endlich aus den ewigen Diskussionen und Disputen herauszufinden. Es müsse praktisch etwas passieren und wenn nur ein Abbruchhaus besetzt werde, um Anregungen zu geben und Öffentlichkeit zu gewinnen. Für Hameister sei die Utopie der Kommune noch nicht klar umrissen. Die Utopie lasse sich erst dann umsetzen, wenn die einzelnen den Bruch mit ihrer Vergangenheit und der bürgerlichen Gesellschaft vollzogen hätten, denn erst dann eröffne sich für sie die Weite eines anderen Lebens. Eine langfristige Eskalation der Aktionen würde auf die Eigentumsform in der Gesellschaft und ihre politische Bürokratie in Staat und Wirtschaft zielen. In dieser Hinsicht nähme die Kommune anarchistische und sozialistische Traditionen auf, jetzt allerdings bezogen auf eine moderne Gesellschaft, weshalb auch eine Nähe zur Hippiebewegung bestehe. Die Kommune bringe allerdings etwas Neues ein: Happenings, Aktionen und Spaß, und sie verhielt sich offensiv, um die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen. Dadurch gewönne das Utopische im Denken der Kommunarden einen Realitätsbezug[32] .

An dieser Stelle brach das Tagebuch ab. Immerhin zeichneten alle drei Niederschriften über drei Wochen hinweg den inneren Zustand der Kommune und die Sinngebung ihrer Außendarstellung auf. Sie zeigten eine innere Entwicklung von jungen Leuten, die sich eher zufällig zum Experiment einer Lebens- und Aktionsgemeinschaft zusammengefunden hatten. Anfangs bewegten sie sich im Spektrum persönlicher Sympathien und Vorbehalte. Der politische Anspruch wurde durch individuelle Ansprüche und Probleme überlagert, die den Zusammenhalt der Gruppe immer wieder zu sprengen drohten. Erst die Zielsetzung und Vorbereitung des Happenings, in dessen Mittelpunkt der amerikanische Vizepräsident stehen sollte, verdeckten die persönlichen Spannungen und machten die Kommune zum Wegbereiter eines jugendlichen Aufstandes gegen die politischen und kulturellen Zustände in West-Berlin und an den Universitäten dieser Stadt. Die Methoden und Perspektiven von Provokation, Satire und Ironie waren bereits in der "Situationistischen Internationale", der Gruppe "Spur" und der "Subversiven Aktion" Gegenstand der Erörterungen gewesen. Sie waren dort   zu einem politischen Konzept gereift, ohne allerdings große Resonanz gefunden zu haben. Aber all diese Gruppen hatten bisher keine. Kunzelmann war der einzige der Kommunarden, der die Erfahrungen dieser drei Gruppierungen verkörperte. Innerhalb des neuen Gruppenexperiments der Kommune war er eine Art Antitherapeut. Er beeinflußte die einzelnen Kommunarden insofern, als er ihnen nicht ihre persönliche Geschichte aufzubereiten half und sie auch nicht für bestimmte Rollen und Verhaltensweisen trainierte. Er verstand sich als Zertrümmerer und Zerstörer bestimmter Lebenslügen. Er wollte die einzelnen aus der Selbstsicherheit der mittelständischen Sozialschicht herausreißen und ihnen das    Selbstmitleid und die Selbstgefälligkeit nehmen. Er war daran interessiert, die Karrieren und Erwartungen zu unterlaufen und die einzelnen in eine produktive "Asozialität" zu treiben, die keine reumütige Rückkehr mehr kannte. Die zukünftigen Lehrer, Ärzte, Psychoanalytiker und Sozialarbeiter waren ihm genauso suspekt wie ihr schlaues Gerede, das deutlich machte, daß sie vorerst nichts und niemanden an sich herankommen ließen. Gelang es, sie zu kriminalisieren bzw. aus den Umklammerungen von Familie und Milieu zu reißen, konnten aus ihnen subversive Antihelden werden, die sich den gesellschaftlichen Verlockungen und Angeboten verweigerten und selbstbewußt die Situation meisterten. Er selbst war diesen Weg gegangen und mutete nun seinen Weggefährten diese Veränderungen und Metamorphosen zu. In den Aufzeichnungen tauchte er als direkter Ideengeber kaum auf, aber als Autorität war er überall gegenwärtig. Seine Kommentare und bissigen Bemerkungen wirkten untergründig. Sollten die einzelnen sich blamieren oder die Lebenslügen offenlegen, je öfter, desto besser. Alle würden die Ungereimtheiten bemerken. Er wollte nicht interpretieren, sondern zuspitzen und den letzten Anstoß geben. Obwohl später Fritz Teufel, Rainer Langhans oder Hans Joachim Hameister die Kommune nach außen repräsentierten, blieb Dieter Kunzelmann die "graue Eminenz" dieser Gruppierung und der Antipode zu Rudi Dutschke und all den anderen pressewirksamen Namen der antiautoritären Revolte. Sein Handeln kreiste um einen Existentialismus, der die Lebensperspektiven von bürgerlicher Intelligenz aufgegeben hatte: Karriere, Familie, Integration, Opportunismus, Machtbesessenheit. Die subversive Sabotage all der Normen und Werte dieser Gesellschaft verlangte eine Persönlichkeit, die den Sonderangeboten von Aufstieg und Verdienst höhnisch und ablehnend gegenüberstand. Erst durch Kunzelmann erlangte die Kommune Gestalt und Profil. Sie wurde in dieser Aufmachung kurzfristig der Motor und Impulsgeber einer antiautoritären Revolte und Herausforderung der unterschiedlichen Gruppierungen im SDS. Ihre Provokationen lösten Reaktionen in Staatsapparat und Universität aus, die mithalfen, die politische Studentenbewegung zu radikalisieren. Im Schatten der Kommune fand    Rudi Dutschke seine Position, die es ihm sehr schnell erlaubte, aus diesem Einfluß herauszutreten. Erst jetzt gewann der antiautoritäre SDS sein politisches Format[33] .

Die Staatsanwaltschaft und die Kommissare des Polizeipräsidenten, die die Notizen und Aufzeichnungen auszuwerten hatten, waren an diesem politischen Zusammenhang desinteressiert. Ihnen wurde auch nicht deutlich, daß sich in der Person Kunzelmann ein "Rädelsführer" besonderer Art verbarg. Immerhin dämmerte es ihnen, daß sich die Kommune nicht als eine pornographische Vereinigung aburteilen ließ, die gegen die guten Sitten verstoßen hatte. Sie wollten politische Tatbestände nicht über einen Kuppelparagraphen verhandeln. "Die vorstehend aufgeführten Personen sind einschlägig oder sonst in sittenpolizeilicher Hinsicht bisher nicht bekanntgeworden. Weder aus den Ausführungen der Zeitschrift 'Stern' noch aus den schriftlichen Aufzeichnungen der Kommune sind konkrete Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten der Beteiligten im Sinne des § 180 StGB ersichtlich. ... In allen Fällen handelt es sich um Beziehungen zwischen erwachsenen Personen, die weder in einem Verwandtschaftsverhältnis stehen noch andersweitig Bindungen, ausgenommen ihre gemeinsame politische Überzeugung, haben, so daß der Tatbestand des § 181 StGB nicht vorliegt. ... Hinsichtlich der einfachen Kuppelei fehlen auch nach Ansicht der hiesigen Fachdienststelle die Tatbestandsmerkmale der Gewohnheitsmäßigkeit oder des Eigennutzes. ... Die dem Vorgang beigefügten Aufzeichnungen der Kommune I sind nicht geeignet, den Beschuldigten Vorbehalte zu machen oder als Ausgangspunkt weiterer Ermittlungen zu dienen. Da weiterhin bekannt ist, daß die Mitglieder der Maoistenbewegung vor der Polizei bisher jede Aussage verweigert haben, wurde von einem Herangehen an sie abgesehen."[34]

 

2.6 Der Ausschluß der Kommune I

 

Am 19. April 1967 fand das zweite große Sit-in an der FU als Parallelveranstaltung zu einer Sitzung des Akademischen Senats statt. Die "Förderungswürdigkeit des SDS" war erneut auf die Tagesordnung gesetzt worden. Diesmal rief der Rektor nach vorheriger Warnung an die Versammelten die Polizei, die von den noch verbliebenen ungefähr 1000 Studenten um Mitternacht in 20 Minuten ca. 100 hinaustrug. Nachdem die durch die Seitenausgänge Hinausgetragenen durch den Haupteingang wieder hereingekommen waren, sah der leitende Polizeioffizier das Sinnlose dieses Tuns ein und brach nach telefonischer Rücksprache mit dem Polizeipräsidenten die Aktion ab. Rektor und Akademischer Senat sahen sich in dieser Situation vom bürgerlichen Staat schmählich im Stich gelassen. Rektor Lieber, der während des Sit-ins am 22./23. Juni 1966 die Studenten noch aufgefordert hatte, die Autonomie der Universität nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen, lieferte diese nun, seiner Autorität als Rektor wegen, an die Berliner Exekutive aus und war verstimmt, als sie ihn praktisch aufforderte, für seinen Laden selber zu sorgen. Als Reaktion auf das Sit-in sperrte er die Bezüge der beiden AStA-Vorsitzenden Hartmut Häußermann und Bernhard Wilhelmer sowie des Konventsvorsitzenden Wolfgang Lefèvre und leitete gegen sie und darüber hinaus gegen den Ältesten des Konvents, Knut Nevermann, sowie gegen Rudi Dutschke Disziplinarverfahren ein. Am 26. April 1967 sprach der Konvent der FU den beiden AStA-Vorsitzenden und dem Konventsvorsitzenden das Vertrauen aus und protestierte gegen die eingeleiteten Disziplinarverfahren. Über diesen Beschluß setzte er für Anfang Mai eine Urabstimmung der Studentenschaft fest. An dem folgenden Wahlkampf beteiligten sich fast alle Mitglieder des SDS, einschließlich der "Karteileichen"[35] .

In dieser Situation, in der es indirekt auch um die satzungsmäßig abgesicherten Arbeitsmöglichkeiten des SDS an der Freien Universität ging, sah die Kommune I die Gelegenheit, an ihren Medienerfolg des "Humphrey-Attentats" anzuknüpfen, um jetzt die Universität und den SDS aufzumischen. Da sie noch immer Mitglieder des Verbandes waren, gaben sie fünf Flugblätter heraus, die sie ironisch mit "SDS" unterzeichneten. In einem ersten Flugblatt kreidete die Kommune dem SHB-AStA Geheimgespräche mit Rektor Lieber an. Sie mutmaßte Intrigen und daß ein Konflikt mit dem AStA nur vorgeschoben wurde, um in Wirklichkeit gegen den SDS vorzugehen. "Während die Studentenschaft über den AStA diskutiert, wird der SDS verboten, das Geld entzogen und jede demokratische Meinungsäußerung endgültig untersagt." Die Studenten fordeten sie dazu auf, Prof. Lieber von der Universität zu jagen und das Komplott zwischen Senat, Rektorat und SHB-AStA aufzudecken[36] . Im zweiten Flugblatt wurden die demokratischen Illusionen der Studenten verspottet; es stand unter dem Titel: "Studenten, Lahmärsche und Karrieremacher". Das dritte Flugblatt berichtete von einem Brand auf dem Campus, in dem viele amtliche Dokumente verglühen und verkohlen würden. Die Kommunarden spielten zum ersten Male mit dem "Feuer", das als Metapher und Symbol von nun an ihre Aktionen begleiten würde. Im vierten Flugblatt wurde Rektor Lieber als Vorsteher einer "Walt-Disney-Universität" vorgestellt. Die Studenten feixten über die "Micky-Mouse-Figuren", die die Realität der Universität karikierten und zugleich widerspiegelten. Im fünften Flugblatt wurde an diese Comic-Helden angeknüpft und ihre Sprechblasen formulierten Ziele wie: ..."ob man dem Lieber mal Pudding .... oder ob man mal sein Rektorat abbrennen müßte? Oder vielleicht Beleidigungen! Alle mitmachen .... probieren wir es einmal: Der Lieber ist ein vollkommen wissenschaftlicher Versager .... oder der akademische Senat besteht aus alten autoritären Scheißern ... oder Albertz und Duensing sind Homos ..."[37]

Der SDS-Landesverband zeigte sich beunruhigt. Die Kommunarden hatten offenbar das politische Niveau von Auseinandersetzung aufgegeben. Am 3. Mai 1967 wurden sie von ihren aktiven und passiven Mitgliederrechten im SDS suspendiert. Der Bundesvorstand gab seine Zustimmung. Die Pressemitteilung war unterzeichnet von Hackelberg, Bergmann und Lefèvre. Rainer Langhans stimmte als Mitglied des Landesvorstandes noch dafür. Keine Woche später war er selbst der K I beigetreten. Am 12. Mai 1967 schloß eine außerordentliche Landesvollversammlung des Berliner SDS die Kommune I aus dem Verband aus[38] . Wolfgang Lefèvre übernahm die Aufgabe, den Ausschluß der Kommune I zu erläutern. Er war bemüht, den Rausschmiß nicht im Namen abstrakter Prinzipien zu begründen, sondern argumentierte vor dem Hintergrund eines SDS-internen Bündnisses, das zwischen dem antiautoritären Flügel um Dutschke und Rabehl, der hochschulpolitischen Gruppe und Persönlichkeiten einer neuen Linken bestand, die dem Argumentclub den Rücken gekehrt hatten und jetzt im SDS wirkten (Bernhard Blanke, Dirk Müller u.a.). Lefèvre bezog sich auf die Perspektive, über den SDS eine neue linke Opposition in West-Berlin und der Bundesrepublik zu formen, die Abstand zu der traditionellen Linken und den DDR-Einflüssen halten und die "Unabhängigkeit" als neue Qualität des Widerstands und der Opposition bewahren sollte. Nicht mehr die Orientierung auf ökonomische Krisen oder eine Weltspaltung in Ost und West oder eine ausschließliche Identifizierung mit der Arbeiterklasse und ihrer "Gewerkschaft" sollte diese neue Linke bestimmen, sondern sie selbst sei gefordert, an den Universitäten oder in der Stadt aktiv gegen die Zwangsmaßnahmen der Administration oder der Politiker aufzubegehren. Über Aktion und Reaktion sollte ein Spannungsfeld des Politischen gefunden werden, aus dem sich die Bemühungen der Demokratisierung von Schule, Universität und Stadt, aber auch des Kampfes gegen die Tendenzen einer aufkeimenden Notstands- und Besatzerdiktatur herleiteten. Das wollte sicherlich auch die Kommune. Ihre Protestformen setzte Lefèvre jedoch mit "Attitüden" gleich. Ihr ginge es letztlich nicht um Opposition, Widerstand oder gesellschaftliche Veränderung, sondern primär um Spektakel, Medienöffentlichkeit, Provokationen, die jedoch vornehmlich die Linke beträfen und ihren legalen Status als SDS aufs Spiel setzten. Lefèvre skizzierte ein Bewegungsmilieu an den unterschiedlichen sozialen Schwerpunkten wie Universität, Schule, "Jugend" allgemein, im Dunstkreis der etablierten Parteien und Verbände und im Zusammenhang der traditionellen Linken. Der SDS stehe im Schnittpunkt all dieser Milieus und Gruppen und habe durch seine Aktivitäten an den Universitäten und im Protest gegen die Notstandsgesetze und den amerikanischen Krieg in Vietnam eine Vorreiterposition oder Avantgardefunktion errungen. Seine Aktivitäten und auch die Diskussionen im Verband legten eine neue Linke momentan fest, die sich aus unterschiedlichen Ursprüngen, Initiativen, Haltungen und Konfliktfeldern zusammensetzte. In einer Situation, in der eine neue Linke als Organisation und politische Kraft im Entstehen begriffen sei, den Motor, d.h. den SDS, zu diskreditieren, sei kontraproduktiv und setze den Keim der Spaltung und Entsolidarisierung in die Reihen dieser Linken. Durch die Angriffe der Kommune sei immer auch die Spannbreite der Politik des SDS in Frage gestellt, einerseits gesellschaftliche, ja sogar revolutionäre Aufgaben anzupeilen, andererseits in partikularer Hochschul- oder Reformpolitik aufzugehen. Aber beide - Reform und Revolution - seien notwendig, um den Zugang zur gesellschaftlichen Realität zu behalten. Der Existentialismus der Kommune besäße künstlerische, avantgardistische, radikale Aspekte, verlöre jedoch den Bezug zu Politik und Gesellschaft und werde immer mehr Ausdruck eines exaltierten Individualismus. Die Kommune werde Opfer der eigenen Provokationen, wenn sie nun vollständig der Inszenierung der Medien verfalle. Sie habe sicherlich Platz in den sozialen Milieus der Jugend, der Künstler, der Bohème, der Aussteiger, junger Frauen und Männer, die den gesellschaftlichen Aufbruch als Musik, Tanz, Theater, Happening und Spaß verständen, sie könne jedoch nicht als permanente Provokation im SDS agieren und ihn nach innen und außen zersetzen und in die Illegalität treiben: "Die zur Debatte stehenden Flugblätter 1 bis 5 zeigen deutlich das Schwanken zwischen grenzenloser Überschätzung der 'revolutionären Reife' des studentischen Bewußtseins und der völligen Hoffnungslosigkeit, sich überhaupt irgendjemand verständlich machen zu können. Bemerkungen wie 'Was geht mich Vietnam an - ich habe Orgasmusschwierigkeiten' zeigen, daß an die Stelle von Subjektivität Insistenz auf eine Unmittelbarkeit getreten ist, auf die sich auch ein am Vietnam-Krieg verdienender Rüstungsfabrikant berufen kann. Ein 'Anarchismus', dessen Fundament diese falsche Unmittelbarkeit ist, in der sich das Bezugssystem der herrschenden Gesellschaftsstruktur ungebrochen reproduziert, dieser falsche 'Anarchismus' ist keine Kampfansage, sondern ist der Verzicht, etwas zu verändern."[39]      Lefèvre setzte sich in seiner Skizzierung der Kommune von den Gruppierungen der traditionellen Sozialisten im SDS ab, denn diese waren im Sinne der Marxschen Polemik gegen Bakunin und der Leninschen Attacken gegen den Linksradikalismus generell gegen die neue Linke eingestellt, und die Kritik an der Kommune war nur der Vorwand, alle neuen Ansätze im SDS zu denunzieren. Für Lefèvre verkörperte diese traditionelle Linke ein Stück Kalten Krieg, Ordnungsdenken und Konservatismus, der die Prinzipien des Klassenkampfs, des Bürgerkriegs und der Weltspaltung festschreiben wollte und auf die Revolutionsbilder der russischen Oktoberrevolution fixiert war. Der Ausschluß der Kommune sollte diesen Gruppierungen auf keinen Fall Recht geben oder gar "Spontaneität" und "Subjektivität" im Sinne der Traditionalisten anfeinden. Der Ausschluß der Kommune I sollte deshalb kein "administrativer Akt" sein, der von einem "Zentrum" erhoben wurde; es war Verpflichtung für den SDS, den Verband organisatorisch an die Bewegungsform der neuen Linken anzupassen, an die unterschiedlichen sozialen Schwerpunkte von Widerstand und Opposition und an die differenten sozialen Milieus und Initiativen. Aber diese "Umsetzung" von Politik in ein neuartiges Organisationsnetz sollte sich nicht in Inszenierungen erschöpfen, nicht nur Spiel und Spaß sein und auch nicht den Eindruck hinterlassen, daß die neue Linke nichts anderes als eine neuartige Therapiegemeinschaft der Neurotiker und Gestörten war[40] .

Lefèvre hatte den Ausschlußantrag genau abgewogen. Er hatte ihn vorher mit Dutschke und Rabehl abgestimmt und ihn innerhalb der Hochschulgruppe des SDS diskutiert. Er war am Abend des 11. Mai sogar in die Kommune am Stuttgarter Platz gegangen, um die einzelnen Argumente zu überprüfen und mit den Kommunarden zu erörtern, barg doch ein Ausschluß der Kommune brisante Probleme für den SDS. Denn er konnte auch bedeuten, daß der Verband sich von den spontanen Impulsen einer Jugendrevolte löste und sektiererische Züge annahm. Kunzelmann, Hameister, Enzensberger, Langhans, Teufel, Gebbert u.a. empfanden diese Geste als Unsicherheit und als faulen Kompromiß. Sie wollten weiterhin die Lage an der Universität und im SDS zuspitzen, denn sie waren davon überzeugt, daß sich im Verband studentische Karrieristen und Opportunisten befanden, die nichts anderes im Sinn hatten, als sich der herrschenden Ordnung anzudienen. Sie wollten die Rebellen zur Kommune herüberziehen bzw. die Aufmüpfigen provozieren, den SDS zu radikalisieren und umzugestalten. Vor allem aber wollten sie ihre alten Mitstreiter, Dutschke und Rabehl, aus dem Bündnis mit den "Realpolitikern" herausreißen. Tatsächlich hatten diese große Bedenken gegen einen Kommuneausschluß, war ihnen doch bewußt, daß die Aktionen der Kommune die Situation zuspitzten und eine Art "Dialektik" der Radikalisierung einleiteten: die konträren Gruppen beeinflußten sich gegenseitig, wetteiferten miteinander um Einfluß und Publizität und übernahmen jeweils kurzfristig die Initiative und sorgten dafür, daß die Revolte in Schwung blieb und der Gegner die Übersicht verlor und keine Gegenstrategie entwickeln konnte. Im Staatsapparat standen Reformer gegen Konservative, ohne zu Absprachen zu kommen, und im Lager der Opposition sorgten die Revolten in der Revolte für Aufregung. Dadurch geriet "alles" in Fluß und Bewegung. In diesem Durcheinander verlor die etablierte Politik ihre Grenzziehung und vieles wurde möglich. Allerdings durfte in diesem "Spiel" die Radikalopposition selbst nicht in den Strudel von Zersetzung und Zerfall geraten. Deshalb war immer wieder auch eine Phase der inneren Konsolidierung angesagt. Diese stand nun bevor[41] .

Mit den Kommunarden bestand durchaus eine Übereinstimmung darin, daß der SDS und die anderen Linksgruppierungen primär Organisationen von studentischen Aufsteigern waren, die sich über kurz oder lang gegen eine Revolutionierung der Gesellschaft stellen würden. Außerdem war die gemeinsame Überzeugung vorhanden, daß alle politischen Schattierungen der Traditionalisten in letzter Konsequenz Reaktionäre waren, die sozialistischen Ordnungsprinzipien und Machthierarchien nachtrauerten und bewußt oder unbewußt die Zwangssysteme von DDR und UdSSR als Vorbild ansahen. Karrieristen und Traditionalisten mußten langfristig aus der Linksopposition herausgedrängt werden. Allerdings bestand nun bei der Kommune die Gefahr, daß das Kommuneexperiment letztlich die politische Zielsetzung verfehlen würde und primär Prozesse gruppendynamischer "Selbstfindung" in Gang setzte. Dadurch wurden gemeinsame politische Ziele aufgegeben. Der Ausschluß sollte die Kommune "politisieren" oder ihren Ausstieg in die Kulturszene erleichtern. Dutschke und Rabehl wollten dadurch die Zersetzungserscheinungen der Kommune vom SDS fernhalten. Im Augenblick war für sie der SDS der "Fokus" einer neuen Linken. Aus diesem Grund hatten beide in dieser Organisation Funktionen übernommen.    Dutschke war im Bundesvorstand des SDS integriert. Rabehl arbeitete aktiv in den einzelnen Projektgruppen des Berliner SDS. Sie kooperierten über den Arbeitskreis "Formierte Gesellschaft" mit Semler, Horlemann, Neitzke und mit der Hochschulgruppe um Dammerow, Lefèvre, Fronius. Außerdem leitete Rabehl noch den Arbeitskreis "Geschichte der Arbeiterbewegung - Rätetheorie", Dutschke diskutierte weiterhin im "Internationalismus-Arbeitskreis". Über diese Zirkel bestanden Verbindungen zur SPD, den "Falken", der "Gewerkschaftsjugend" und zur "Jugendszene". Der SDS war für Dutschke und Rabehl aktuell durch nichts ersetzbar. Trotzdem war das Gefühl vorhanden, daß der Ausschluß der Kommune ein Fehler war und die Auflösung der Radikalopposition einleitete. Später gestand deshalb Dutschke: "Der Ausschluß der Kommune aus dem SDS war ein weiterer verkrampfter Versuch, eine politische Glaubwürdigkeit als Sozialisten durchzuhalten."[42]

Die Kommune reagierte auf den Ausschluß erleichtert. "Jetzt können wir uns weniger leicht beruhigen, das kann nicht schaden." Der SDS hatte nach ihrer Überzeugung weniger den Bewegungselementen einer neuen Opposition genügt, er war eher Mittel, mit den etablierten Organisationen wie SHB/SPD oder AStA oder Akademischem Senat Kompromisse zu schließen, um den spontanen Widerstand wieder einzufangen und zu disziplinieren. Nach den Vorstellungen der Kommune war der SDS im Zusammenhang einer Studenten- und Jugendrevolte kontraproduktiv[43] .

Wie die Kommune sich eine Radikalisierung vorstellte, geht aus den folgenden Flugblättern hervor, deren Reihenfolge an die ersten beanstandeten fünf Pamphlete anschloß und die bis zur Zahl 26 durchnumeriert waren. Das Flugblatt "6" trug die Überschrift: "Neue Demonstrationsformen in Brüssel erstmals erprobt." In Brüssel hatten Demonstranten nach Auskunft der Kommunarden eine neue Demonstrationsform in Gestalt eines Happenings ausprobiert. Im Kaufhaus "Al Innovation" (die Erneuerung) waren neue Produkte amerikanischer Produktion ausgestellt worden. Dagegen hatten Demonstranten protestiert und auf den Krieg in Vietnam hingewiesen. Während sie draußen, vor dem Kaufhaus, eine Art "Picketing Line" in Gestalt von Transparenten, Plakaten und Aufrufen veranstalteten, wurde im Kaufpalast selbst ein Happening in Gang gebracht. Knallkörper explodierten und Konfetti regnete auf die Verkaufstische. Die Kommune berichtete: "Das Personal wurde so an derartige Geräusche und Zwischenfälle gewöhnt. Die Bedeutung dieser Vorbereitungen zeigte sich dann bei Ausbruch des Feuers, als das Personal zunächst weder auf die Explosionen noch auf Schreie und Alarmklingeln reagierte. ... Das Feuer griff sehr schnell auf die übrigen Stockwerke über und breitete sich dann noch in den anliegenden Kaufhäusern und Geschäften aus." Begeistert schrieben die Kommunarden weiter: "Es dürften im Ganzen etwa 4000 Käufer und Angestellte in die Katastrophe verwickelt sein. Das Kaufhaus glich einem Flammen- und Rauchmeer; unter den Menschen brach Panik aus, bei der viele zertrampelt wurden; einige fielen wie brennende Fackeln aus den Fenstern; andere sprangen kopflos auf die Straße und schlugen zerschmettert auf ... Es war ein Bild der Apokalypse." Nach Auskunft der Kommune waren die Ursachen des Großbrandes noch nicht ermittelt. Die Polizei konnte nicht den Schluß ziehen, daß die Demonstranten dieses Feuer gelegt hatten, um nicht von einer Radikalisierung der Kriegsgegner sprechen zu müssen. Solch eine neue Demonstrationsform konnte nach Überzeugung der Kommune von anderen Gruppen in Paris, Rom, München oder West-Berlin aufgenommen werden. Dieses Flugblatt war zwar in Aussage und Aufbau zynisch, aber nicht mehr unpolitisch. Die Kommunarden hatten die Botschaft des Ausschlusses aus dem SDS verstanden und setzten der Selbstbespiegelung ein Ende[44] .

In der Nr. 7 ihrer Flugblattserie setzte die Kommune nach: "Mit einem neuen gag in der vielseitigen Geschichte amerikanischer Werbemethoden wurde jetzt in Brüssel eine amerikanische Woche eröffnet. Ein ungewöhnliches Schauspiel bot sich am Montag den Einwohnern der belgischen Metropole: Ein brennendes Kaufhaus mit brennenden Menschen vermittelte zum ersten Mal in einer europäischen Großstadt jenes knisternde Vietnam-Gefühl (dabei zu sein und mitzubrennen), das wir in Berlin bislang noch vermissen müssen."[45]

Das reichte noch nicht. In der Nummer 8 der Serie stellten sie heraus, daß alle Demonstrationen bisher falsch inszeniert worden seien und sich zu sehr an Auflagen und Ordnungsdenken gehalten hätten. Selbst die Frischeierwürfe gegen das Amerikahaus und das Puddingattentat auf Humphrey hätten die Konventionen nicht verletzt. Alles sei im Rahmen geblieben. Die Bevölkerung habe den Protest zur Kenntnis nehmen oder ihn ignorieren können. Die Unmittelbarkeit habe gefehlt. Diese müsse über neue Aktionsformen hergestellt werden: "Wenn es irgendwo brennt in nächster Zeit, wenn irgendwo eine Kaserne in die Luft geht, wenn irgendwo in einem Stadion eine Tribüne einstürzt, seid bitte nicht überrascht. Genausowenig wie beim Überschreiten der Demarkationslinie durch die Amis, der Bombardierung des Stadtzentrums von Hanoi, dem Einmarsch der Marines nach China. Brüssel hat uns die einzige Antwort darauf gegeben: burn, ware-house burn."[46]

Die Kommunarden zielten auf den totalen Protest, der jegliche Konvention oder jeglichen Bezug auf das bestehende System abschüttelte und die Situation von Terror und Krieg in Vietnam auf Europa übertrug. Die Menschen seien derartig abgestumpft und gleichgültig, daß sie mit den Verbrechen konfrontiert werden müßten, die in ihrem Namen begangen würden. Die Kommunarden steigerten durch diese Sichtweise die Kritik bzw. den Protest der Gruppe Spur oder der Subversiven Aktion gegen Konsum, Marketing, Kaufrausch, Kaufpaläste und Entfremdung. Nicht das Wort, das Argument, die Aufklärung waren gefragt, sondern Aktionen, die gleichzeitig überspitzten und im Sinn der Übertragung wirkten: Der Befreiungskrieg in Vietnam wurde als Weltbürgerkrieg übersetzt. Diese Interpretation von Protest und Widerstand ging tatsächlich über die Politik des SDS hinaus und eröffnete neue Sichtweisen, an die später die "Rote Armee Fraktion" (RAF), die Tupamaros Westberlin, die "Bewegung 2. Juni", aber auch die unterschiedlichen K-Gruppen anknüpfen würden. Kunzelmann und zeitweise auch Teufel sollten diesen Gruppen in Zukunft angehören. Der Abschied von "Aufklärung" und Argumentation veranlaßte die Kritiker dieser Opposition dazu, von einer Nähe zum Nationalsozialismus oder vom "Linksfaschismus" zu sprechen[47] .

Der Ausschluß der Kommune veranlaßte eine weitere Umformung des SDS. Im Anschluß an die Diskussion über den Ausschluß beschloß der Landesverband eine Umstrukturierung in sieben Projektgruppen. Der Begriff "Projektgruppe" sollte andeuten, daß es sich hier nicht mehr um Arbeitskreise handelte, sondern um verbindliche Kollektive, die theoretisch diskutierten, gleichzeitig aber auch Gruppen waren, die gemeinsam verschiedene Praxisformen der Demonstration und anderer Aktionen ausprobierten. Statt eines Landesvorstands wurde ein "erweiterter Beirat" gewählt, der sich aus den Aktivisten der zukünftigen Projektgruppen zusammensetzte und die Arbeiten nach einem Rotationsprinzip verteilen sollte. Diese Konstruktion hatte bewußt eine Konzentration der Kräfte des Gesamtverbandes zum Ziel. Über diese Umstellung des SDS sollte die antiautoritäre Position gegenüber den Traditionalisten, aber auch gegen die Sympathisanten der Kommune gefestigt werden. Die traditionellen Sozialisten organisierten sich jetzt in der "Novembergesellschaft/Republikanischer Club" (RC), so daß das Linksmilieu in West-Berlin drei Organisations- und Bewegungsschwerpunkte besaß: die Kommune I, den SDS und den RC. Alle drei deckten unterschiedliche Stimmungen ab. Im Umfeld der Kommune sammelten sich die Aussteiger. Der SDS beeinflußte die Linksstudenten und über diese LSD, SHB, HU. Der RC hatte sein Potential bei der traditionellen Linken, bei der SEW, bei Minoritäten der SPD und FDP und der Einzelgewerkschaften. Eine Spaltung war solange nicht in Sicht, solange die Gegnerschaft zum etablierten Politiksystem eindeutig war und solange kein Teilzentrum sich die Chance ausrechnete, die Gesamtheit der Opposition übernehmen und beerben zu können. In dieser spontanen Kooperation lagen die Ursachen des Zerfalls, stieß das "Bündnis" auf die Grenzen der Mobilisierung. Um den Zerfall des SDS im Trubel der Aktion zu vermeiden, trafen sich im Landesvorstand die Persönlichkeiten und Repräsentanten der unterschiedlichen Fraktionen, Positionen und Milieus[48] .

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



[1] Zu den Demonstrationen vom 10. und 17. Dezember 1966 vgl. Siegward Lönnendonker/Tilman Fichter (unter Mitarbeit von Claus Rietzschel), Freie Universität Berlin 1948-1973 - Hochschule im Umbruch, Teil IV: 1964-1967 "Die Krise", Berlin 1975, S. 130 ff.

[2] "Stern", Nr. 17, 23.4.1967, S. 21 f.; Vermerk: Komm. Gutjahr, Berlin, den 18. April 1967, Polizeipräsident in Berlin, KI BI - BI 3, AZ 3. Somit hatte die Westberliner Polizei vor der Veröffentlichung im "Stern" Zugang zu dem Artikel. Aus gleichen Gründen wurde eine Strafanzeige gegen Rainer Langhans erhoben: Delikt: Verdacht der Kuppelei, Aufforderung zum Ungehorsam pp., Tatort: Berlin (West), Tatzeit: April 1967, Geschädigter: Die Allgemeinheit, ebd., AZ 1.

[3] Roter Schnellhefter, S. 1 f.

[4] Vgl. ebd., S. 4.

[5] Vgl. ebd., S. 5 f.

[6] Vgl. ebd., S. 8.

[7] Vgl. ebd., S. 10 f.

[8] Vgl. ebd., S. 12.

[9] Vgl. ebd., S. 14.

[10] Vgl. ebd., S. 15 f.

[11] Vgl. ebd., S. 18 f.

[12] Vgl. ebd., S. 20.

[13] Vgl. ebd., S. 21.

[14] Vgl. ebd., S. 22.

[15] Vgl. ebd., S. 24.

[16] Vgl. ebd., S. 25-32.

[17] Vgl. ebd., S.34, 37.

[18] Vgl. ebd., S.37.

[19] Vgl. ebd., S.38, 40.

[20] Vgl. ebd., S. 41.

[21] Vgl. ebd., S. 42 f.

[22] Vgl. ebd., S. 44.

[23] Vgl. ebd., S. 46 f.

[24] Vgl. ebd., S. 48.

[25] Vgl. ebd., S. 48 f.

[26] Gelber Schnellhefter, Dagmar Seehuber, S. 1 f.

[27] Vgl. ebd., S.3 ff.

[28] Vgl. ebd., S.6.

[29] Vgl. ebd, S. 7.

[30] Vgl. ebd., S. 7 - 10.

[31] Vgl. ebd., S. 11 f.

[32] Vgl. ebd., S. 15.

[33] Dieter Kunzelmann, Oben ein Bordell, unten ein Bordell und dazwischen die "Freie Liebe". Zur Gründung der Kommune, in: ders.: Leisten sie keinen Widerstand, Berlin 1998, S. 63 ff.

[34] Berlin, den 30. Mai 1967, Bericht über das "Ermittlungsverfahren" gegen die "Kommune Berlin I", unterschrieben: Kriminaloberkommissar Klös, Generalstaatsanwalt bei dem Landgericht Berlin, Unterschrift unleserlich, M II 3, S.74 f.

[35] Von den 10 173 FU-Studenten, die an der Urabstimmung teilnahmen, sprachen 4709 (46,1 %) dem Konvent das Vertrauen aus, 4383 (43,3 %) stimmten für den Rektor. Der sogenannte "Dritte Weg" (eine Tarnorganisation der Korporierten) gab die Devise aus, weder für AStA und Konvent noch für den Rektor, sondern ungültig zu stimmen. 1081 Studenten gaben weiße Stimmzettel ab. Das Ergebnis spiegelte die Kräfteverhältnisse an der FU wider. Nach rund zwei Jahren Mobilisierung bedeutete dies zwar einen großen Erfolg, zeigte andererseits aber auch, daß die Linke in einer polarisierten Situation nur eine äußerst knappe Mehrheit hinter sich hatte. Vgl. Lönnendonker/Fichter, FU Berlin (Anm. 42), S. 164.

[36] Kommune I, Flugblatt Nr. 1, in Archiv ZI6: Akte "KI, Berlin", Dokument 687; vgl. auch Lönnendonker/Fichter, FU Berlin (Anm. 42), S. 426.

[37] Kommuneflugblätter, in: ebd., S. 426 ff.

[38] Sozialistischer Deutscher Studentenbund, Landesverband Berlin, Pressemitteilung vom 3. Mai 1967, in: Archiv ZI6, Akte E 0702 FU/TU "Flugblätter, Januar, Mai 1967"; auch in: Lönnendonker/Fichter, FU Berlin (Anm. 42), S. 428 f.

[39] Wolfgang Lefèvre, Referat zur Begründung des Antrags auf Ausschluß der Kommune I aus dem Berliner SDS auf der Landesvollversammlung am 12. Mai 1967; Privatakten, Standort Archiv ZI 6, Akte "SDS, AI"; vgl. auch Lönnendonker/Fichter, FU Berlin (Anm. 42), S. 436 ff.

[40] Vgl. ebd., S. 438.

[41] Interview mit Dieter Kunzelmann, Videokassette I, Diskussionen über den SDS, November 1992, Archiv Bernd Rabehl.

[42] Der unterschiedliche Lebensweg der Kommunarden      und der Exponenten des SDS später zeigte, daß durch den Ausschluß tatsächlich unterschiedliche Perspektiven gelegt wurden oder daß die Kommunarden Persönlichkeiten darstellten, die sowieso den linksrevolutionären Aufbruch nicht mitgemacht hätten. Eike Hemmer und Dieter Kunzelmann waren kurzfristig bei den deutschen Maoisten gelandet, Hemmer nach dem Scheitern seines Vereins »Rote Fahne« bei Ernst Aust (KPD/ML) und Kunzelmann als Funktionär bei der Bündnisorganisation der maoistischen KPD »Rote Hilfe e. V.«. Hemmer wurde Betriebsrat in Bremen bei einer Großwerft und gehört heute zum Umkreis der Bremer Partei des demokratischen Sozialismus (PDS). Kunzelmann schloß sich später der Alternativen Liste (AL) an und war für diese Partei sogar im Abgeordnetenhaus von Berlin. Die heimliche SED-Fraktion innerhalb dieser "Partei" und der inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, Dirk Schneider, drängten ihn aus der Partei. Er lebte als Einzelgänger und "Stadtneurotiker" in Berlin und inszenierte 1998 seinen "Selbstmord", um nicht eine längere Haftstrafe antreten zu müssen, aber auch um Zeichen zu setzen, die politische Lethargie in der Stadt nicht länger zu ertragen. Rainer Langhans versuchte sich als Manager einer Medienfirma, fand dann sehr schnell zur Meditation, die ihn zu der Erleuchtung Buddhas brachte. Er versammelte junge Frauen um sich, die ihn verehrten und ihn als Distanzierung zu den hergebrachten Beziehungen und zur "männlichen Sexualität" wahrnahmen. Mit seinem "Harem" versetzte er immer wieder die Journalisten in Aufregung. In dieser mehr religiösen Grenzexistenz verbrachte er die letzten Jahre. Fritz Teufel war nach seiner zweijährigen Haft wegen angeblicher Brandstiftung desillusioniert und verbittert. Im September 1975 wurde er in Berlin erneut verhaftet und saß mehrere Jahre im Gefängnis, weil ihm Aktionen der Partisanengruppe "2. Juni" angelastet wurden. Dieser Gefängnisaufenthalt prägte ihn. Heute arbeitet er als Stadtbote, fühlt sich jedoch glücklich. Jan Carl Raspe machte 1971 sein Soziologie-Diplom mit der Note 1. Er geriet weniger aus politischer Überzeugung, als aus einer äußerst schwierigen persönlichen Situation heraus in den Umkreis der "Roten Armee Fraktion" (RAF). Er wurde im Stammheimer "Schauprozeß" in erster Instanz zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Dort beging er gemeinsam mit Andreas Baader, und Gudrun Ensslin Selbstmord. Hans-Joachim Hameister arbeitete als Public-Relations-Manager bei dem Gruppentherapeuten Dr. Günter Ammon und machte sich später als Psychotherapeut selbständig. Dorothea Ridder studierte Medizin und arbeitet heute als praktische Ärztin. Dagmar Seehuber ist heute in der Münchener Stadtverwaltung als Sachbearbeiterin tätig.

[43] Kommune I, Die Kommune ist tot - es lebe der SDS, Flugblatt vom 12.5.1967, in: Archiv ZI 6, Akte "KI, Berlin"; Lönnendonker/Fichter, FU Berlin (Anm. 35), S. 435 f.

[44] Kommune I, Neue Demonstrationsformen in Brüssel erstmals erprobt, Flublatt Nr. 6 vom 24.5.1967: in: Archiv ZI 6, Akte KI; Lönnendonker/Fichter, FU Berlin (Anm. 42), S. 441 f.

[45] Kommune I, Neu, unkonventionell, warum brennst Du Konsument?, Flugblatt Nr. 7 24.5.1967, in: Archiv ZI 6, Akte KI; Lönnendonker/Fichter, FU Berlin (Anm. 42), S. 442.

[46] Kommune I, Wann brennen die Berliner Kaufhäuser?, Flugblatt Nr. 8 vom 24.5.1967,      in: Archiv ZI 6, Akte KI; Lönnendonker/Fichter, FU Berlin (Anm. 42), S. 442.

[47] Kurt Sontheimer, Gefahr von rechts - Gefahr von links, Gerhard A. Ritter, Der Antiparlamentarismus und Antipluralismus der Rechts- und Linksradikalen, in: Kurt Sontheimer (Hrsg.), Der Überdruß an der Demokratie, Köln 1970, S. 34, S. 57; Jürgen Habermas, Die Scheinrevolution und ihre Kinder, in: Die Linke antwortet Jürgen Habermas, Frankfurt/Main 1969, S. 13.

[48] Mitglieder des erweiterten Beirates wurden Rolf Czeskleba, Peter Damerow, Rudi Dutschke, Sigrid Fronius, Manfred Hammer, Ursel Henning, Karl-Joachim (Kajo) Heymann, Nikolaus Kuhnert, Wolfgang Lefèvre, Dirk Müller, Peter Neitzke, Hermann Pfuetze, Ulrich K. Preuß, Bernd Rabehl, Christian Semler und Ulrich Ströhle. Siehe auch SieheLönnendonker/Fichter, FU Berlin (Anm. 42), S. 166.