SAARLOOS WOLFHOND

Garou Loup

Pedigree / Ahnentafel

Garou hat gefunden!Meine Hündin Garou war eine sehr freie und freundliche Hündin, die wesensmäßig sehr gefestigt war. Mit ihr begann ich nach der Welpenschule die Ausbildung zum Rettungshund und wir starteten mit Agility. Doch gerade da zeigte sich sehr schnell, daß mit ihr etwas nicht stimmte...

Um über die Erkrankung PRA und ihre möglichen Begleiterscheinungen zu informieren habe ich mich entschlossen, Garous "Krankengeschichte" zu dokumentieren. Es scheint so, daß die meisten PRA-erkrankten Saarloos genau wie Garou nicht nur an der erblichen Augenerkrankung leiden.

mit Garou in Bern 1994 bei der WelthundeausstellungDaß mit Garous Augen etwas nicht stimmte, merkte ich sehr früh. Sie lebte mit mir im Haus, so daß es mir früh auffiel, daß sie im Dunkeln Schwierigkeiten hatte. Sie lief vor Schränke und Türrahmen und bewegte sich nur langsam vorwärts. Im Alter von ca. 5 Monaten ging das los. Bei ihrem Bruder Chevy zeigte sich das Gleiche, der stolperte nachts über den Bordstein. Die anderen Geschwister schienen das Problem nicht zu haben. Als ich die Züchterin daraufhin ansprach, meinte sie, so etwas noch nie gehört zu haben und daß die beiden etwas dumm seien...

Als Chevy ca. 7 Monate alt war, wurde er schwer krank, er erkrankte am Koronavirus; doch er war zäh und überlebte knapp die schwere Erkrankung. Doch bei der Nachuntersuchung wurde PRA festgestellt.

   

Als mich die Besitzer informiert hatten, ließ ich Garou auch sofort untersuchen. Nachdem meine Tierärztin nichts feststellen konnte, aber auch nicht die Gerätschaften hatte und mich nach Dortmund schickte, ließ ich Garou dort im Rahmen der BSZ des VDH untersuchen. Der Tierarzt dort konnte erst auch nichts feststellen. Auf meine Bemerkung aber, daß ich froh sei, denn ihr Bruder hätte PRA, wurde er hellhörig. InGarou und ihr Bruder Drago diesem Falle könnte er meinen Hund "natürlich nicht mehr frei schreiben" (wieso eigentlich? Kollektiver Zuchtausschluß?) und schaute noch mal genauer. Schließlich holte er seinen Kollegen dazu, der ein Spezialist in Sachen Augenerkrankungen ist, Herrn Dr. Brahm. Dieser warf nur einen kurzen Blick durch das Okular und meinte sofort, daß das der klassische Fall einer PRA sei... (Soviel also zur zuverlässigen Diagnose eines Augen-/Tierarztes!)

An  diesem Tag wurden fast alle anwesenden Saarlooswolfhunde kostenlos (außer meiner, ich hatte Garou ja angemeldet gehabt) untersucht. Keiner der anderen hatte PRA. Erst jetzt wurde tatsächlich zur Kenntnis genommen, daß es bei den Saarlooswolfhunden PRA gibt, obwohl das Ergebnis von Chevy sich  natürlich herumgesprochen hatte; aber erst, als sein Befund gezeigt wurde und durch Garous Befund bestätigt wurde, glaubte man es. Leichtes Entsetzen machte sich breit. Die zwei ersten offiziellen PRA Fälle...

                                   Doch dabei blieb es nicht. Im Laufe der Zeit wurden immer neue Fälle bekannt, auch aus der Vergangenheit, in der es auch blinde Hunde gab (vermutlich dann auch PRA-erkrankt). Bis jetzt immer noch Einzelfälle, aber durch die Inzucht könnten es mehr werden.

Leider war das aber nicht das einzige, an dem Garou litt. Als Junghund hatte sie schon einen sehr schlaksigen Gang, so als ob die Bänder zu lose wären. Auch baute sie kaum Muskeln auf. Insgesamt war sie sehr schmal. Im Laufe der Zeit wurde es immer auffälliger. Der Kopf sah ausgemergelt aus, die Vorderbeine wurden auswärts drehend bewegt, so daß sie sich am Schluß die Pfoten aufscheuerte. Bei Aufregung begann sie zu zittern und mit den Zähnen zu klappern - es war keine Angst, sondern wenn sie sich freute, zeigte sie dieses Verhalten. Im Spiel mit anderen Hunden fiel sie meist um...

Im Dezember 1995 fuhren wir zur Technischen Hochschule Hannover, um sie komplett untersuchen zu lassen und ein ERG zu schreiben. Man war dort über ihr freundliches und liebes Wesen sehr überrascht. Neben einem EEG wurde auch das ERG geschrieben, alles OHNE Narkose oder sonstige Beruhigungsmittel! Zum Erstaunen aller ließ Garou das alles mit einer Ruhe über sich ergehen, die alle so noch nicht erlebt hatten. Kam beim EEG nichts besonders heraus, so war das ERG entsprechend dem ophtalmologischem Befund schlecht, fast keine Amplitude mehr auf dem Monitor zu sehen, eher so etwas wie eine "Flatline"... Also eindeutig PRA!

Später wurde es bei Garou so schlimm, daß sie Schwierigkeiten hatte Kot abzusetzen, weil sie die Balance nur schwer halten konnte - sie kippte um. Galoppieren konnte sie schon lange nicht mehr. Und Treppen laufen ging auch nur noch mit Hilfe. Schließlich mußten wir sie schweren Herzens einschläfern lassen, als wir dann auch das Gefühl hatten, daß sie nun selber nicht mehr wollte und ihre Lebensfreude verloren hatte...

Ihr Bruder folgte ihr ein halbes Jahr später. Er bekam dann epileptiforme Anfälle im letzten halben Jahr, am Schluß 4-5 Anfälle pro Tag. Auch er wurde erlöst. Ein CT ergab, daß es sich beim ihm NICHT um Epilepsie handelte. Sein Vorderhirn war zerstört durch die Anfälle, etwas, was es bei der erblichen "normalen" Epilepsie nicht gibt...

Trotzdem gibt es auch PRA-erkrankte Hunde, die außerdem an Epilepsie leiden. Besteht da ein Zusammenhang?

Über den Schweizer Sennenhunde-Verein (SSV e.V.), der ein Versuchsprojekt an der Uni Gießen hatte, kamen wir dank Herrn Pohling und Andrea Wahls Initiative 1995 in das PRA-Forschungsprojekt. Dort wurde das Blut gesammelt und bei Bedarf untersucht (wenn irgendwo etwas in Richtung PRA gefunden wurde, wurden die Blutproben danach analysiert, ob es zufällig da auch zutraf). Bei einem Saarloos Wolfhond-Seminar 1995 wurden die ersten Blutproben entnommen. Weitere folgten aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland. Leider kam dabei nichts heraus, nur daß die abgegebenen Blutproben (ca. 50 zu dem Zeitpunkt) fast identisch waren, also die Hunde so eng miteinander verwandt sind, als ob es ein Hund sei!) Man bot uns eine Zuchtwertschätzung an, eine Methode, die von immer mehr Vereinen innerhalb des VDH erfolgreich genutzt wird. Leider war das Interesse an dieser guten Zuchtmethode mehr als gering, so daß das Angebot nicht angenommen wurde! 

Um anderen dieses Leid zu ersparen, daß meine Familie und ich durchmachten, versuchte ich über die PRA aufzuklären und zu informieren - nicht zur Freude aller!

1999 las ich dann in einem Artikel in der VDH Zeitung "Unser Rassehund", daß die Uni Bochum ein Projekt zur Erforschung erblicher Augenkrankheiten, speziell der PRA, startet und um Blutproben bittet. Mit der Verfasserin und Biologin, Frau Dekomien, setzte ich mich sofort in Verbindung und berichtete ihr von unseren Hunden. Sie war sehr daran interessiert. Dann sprach ich mit Dr. Hecht von der Uni Gießen und bat darum, daß die Blutproben nach Bochum überstellt werden, was dann auch geschah.

Mittlerweile sind weit über 100 Blutproben dort eingetroffen und Frau Dekomien und ihr Team haben erst ein Gen der für das Auge verantwortlichen Gene erforscht und leider bis jetzt nichts gefunden. Dabei ist es von immenser Bedeutung für Frau Dekomien zu wissen, ob sämtliche Saarloos Wolfhunde diese Begleiterscheinungen wie Garou hatten oder nicht. Denn so was kann dadurch entstehen, wenn das mitochondriale Genom (ist in allen Zellen vorhanden) mit dem Kerngenom interagiert, dann können Mutationen in diesen für dieses Mitochondrium (nur in der Eizelle) wichtigen Genen auch zu diesen vielen beschriebenen Krankheitsbildern wie z.B. bei Garou führen. Dann weiß Frau Dekomien, wo sie suchen muß! Aber es scheint so, als ob es zwei Formen der PRA gibt, denn es gibt erkrankte Tiere, die zum einen später erkrankt sind (oder es später bemerkt wurde) und NICHT diese Begleiterscheinungen haben. 

(Interessanterweise finden sich die zwei Formen in den beiden "Saarlooslagern" (Niederländischer Verein/ außerhalb) getrennt wieder, eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, entstammen doch die Hunde bis vor 6-8 Generationen aus denselben Hunden. Vielleicht Spontanmutation, durch vermehrte Inzucht/Linienzucht?) Möglich aber auch, dass die Pedigrees nicht immer den Tatsachen entsprachen und durch Einkreuzen anderer Rassen auch andere Formen in die Rasse Saarlooswolfhond hineinkamen.)

Das wäre fatal, denn dann müßte man nach zwei verschiedenen Genen suchen und im Falle der Findung dann die Tiere nach beiden Genen analysieren und in der Zucht berücksichtigen... Und genau danach sieht es zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch aus!

Hoffen wir, daß Frau Dekomien und ihr Team recht schnell erfolgreich sind!

In Memoriam an Garou Loup!

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